Im Einladungstext der Veranstalter IG Metall Hanau-Fulda und der Rosa-Luxemburg-Stiftung heißt es: „Aus der Geschichte wissen wir, Kriege drängen Gewerkschaften in Widerspruchskonstellationen. Die deutschen Gewerkschaften stehen wieder einmal vor der Herausforderung, im Spannungsverhältnis von betrieblicher und institutioneller Interessenvertretung einerseits und sozialer Bewegung andererseits, ihre unverzichtbare Rolle als Friedensorganisation auszufüllen. Im Rahmen einer gemeinsamen Konferenz der IG Metall Hanau-Fulda und der Rosa-Luxemburg-Stiftung wollen wir über aktuelle friedenspolitische Herausforderungen sprechen. Wir wollen dabei auch einen Beitrag zur innergewerkschaftlichen Diskussion leisten und mit ihm Einfluss auf die sich verändernden friedenspolitischen Positionen der Gewerkschaften nehmen.„
Bisher prominente Teilnehmer der Konferenz sind: Mit: Heinz Bierbaum, Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung l Wolfgang Däubler, Erstunterzeichner des Aufrufs „Mehr Demokratie wagen“ l Kai Degenhardt, Liedermacher l Özlem Alev Demirel, Mitglied im Europaparlament l Ulrike Eifler, Bundessprecherin BAG Betrieb & Gewerkschaft l Natalie Jopen, Stellvertretende Vorsitzende ver.di Hessen l Michael Müller, Bundesvorsitzender NaturFreunde l Willi van Ooyen, Friedens- und Zukunftswerkstatt l Valentina Orazzini, FIOM/CGIL | Jürgen Peters, ehemaliger 1. Vorsitzender der IG Metall l Ingar Solty, Referent für Sicherheitspolitik, RLS l Robert Weißenbrunner, 1. Bevollmächtigter IG Metall Hanau-Fulda l Janine Wissler, Parteivorsitzende DIE LINKE l Jeremy Corbyn, Abgeordneter im britischen Unterhaus und ehemaliger Vorsitzender der Labour-Party | Andreas Zumach, ehemaliger UN-Berichterstatter für die TAZ
„Seit dem brutalen russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ist der Krieg zurück in Europa. Begleitet wird er von einer schwindelerregenden Aufrüstungsspirale und einer den Krieg verherrlichenden medialen Berichterstattung. Bei vielen Menschen wächst daher die Angst vor einer neuen atomaren Eskalation. Klar ist: Zur Vorgeschichte dieses Krieges gehören die inneren Widersprüche und die Entwicklung des russischen Staates und seiner imperialen Haltung mit Blick auf den postsowjetischen Raum ebenso wie eine verfehlte Politik der NATO-Osterweiterung und einer bedrängenden EU-Nachbarschaftspolitik.
Der Krieg hat seither in der Ukraine unermesslich viel Leid produziert. Etwa 300.000 Menschen haben die sinnlose militärische Eskalation bislang mit dem Tod bezahlt. In den Abnutzungsschlachten um Bachmut sterben täglich 1.000 Soldaten auf beiden Seiten. Und es sind nicht die Söhne der Oligarchen, die auf die Schlachtfelder geworfen werden, sondern es ist die arme und arbeitende Bevölkerung. Hinzu kommt: Der Krieg führt zu einer starken Verrohung. In Russland selbst ist eine weitere Verhärtung des Regimes und verschärfter Verfolgung von Andersdenkenden und Kriegsdienstverweigerern die Folge. Auch in der Ukraine wurden im Windschatten des Krieges harsche Antigewerkschaftsgesetze durchgesetzt, Freiheitsrechte stark eingeschränkt und mehr als ein Dutzend Parteien verboten.
Der Ukrainekrieg hat aber auch Auswirkungen auf die Beschäftigten in Deutschland, denn außenpolitische Fragen verschränken sich mit sozial- und tarifpolitischen Fragen. Wir erleben aktuell eine Inflation wie seit 1951 nicht mehr, was zu steigenden Preisen und Lebenshaltungskosten führt. Schon jetzt muss sich die Hälfte der Bevölkerung finanziell stark einschränken. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter haben also aus mehreren Gründen ein Interesse an einem schnellen Ende des Krieges in der Ukraine: Weil es zum einen darum geht, Verhandlungslösungen auf den Weg zu bringen, um das sinnlose Töten so schnell wie möglich zu beenden und eine drohende Eskalation zu vermeiden. Zum anderen haben die Tarifrunden in den letzten zwölf Monaten gezeigt, wie schwierig Tarifpolitik in Zeiten von Inflation und Energiekrise ist. Kriege erschweren die gesellschaftliche Umverteilung von unten nach oben. Jeder Euro, der in diesen Krieg gesteckt wird, der fehlt für eine armutsfeste Sozialpolitik, für gute Bildung und den sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft.“
Der Östereichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat zwei Tage vor dem Kongress seine ursprüngliche Unterstützung und feste Zusage für die Räumlichkeiten des Kongresses zurückgezogen und damit die Durchführung des “größten internationalen Friedenskongresses seit Ausbruch des Ukrainekrieges” , unter Beteiligung von Friedensnobelpreiträgern und global renommierten Wissenschaftlern wie Noam Chomsky und des US-Ökonomen Jeffrey Sachs, gefährdet. Das International Peace Bureau (IPB) , das die Veranstaltung federführend mit organisiert hat, ist selbst Friedensnobelpreisträger der ersten Stunde. Das Einknicken des ÖGB vor der Intervention des ukrainischen Botschafters in Östereich, einem Land , das sich als “neutral” definiert, ist ein Skandal. Auch der östereichische Ex-Bundespräsident Heinz Fischer gab dem Druck schließlich nach und zog nach der Absage des ÖGB seine zur Begrüßung des Kongresses zugesagte Videobotschaft zurück! Die Kriegsbefürworter fürchten wohl mehr ls der Teufel das Weihwasser die offene Debatte über einen friedlichen Ausweg aus der Eskalationsspirale von Gewalt, Waffen und Konfronation. Der Kongress wurde trotz der immensen Behinderungen, begleitet von zahlreichen Solidaritätserklärungen, erfolgreich mit ca. 600 Teilnehmern (in Präsenz und Online) durchgeführt. Und es gab in einem ersten Schritt , wie erwünscht eine wirklich offene und kontroverse, von gegenseitigem Respekt geprägte Diskussion zu diesem Thema .[1]https://www.derstandard.at/story/3000000173561/wiener-friedenstreffen-steht-unter-propagandaverdacht[2]https://exxpress.at/grosser-ukraine-friedensgipfel-in-wien-scharfe-kritik-von-ukrainischem-botschafter/[3]https://www.nachdenkseiten.de/?p=99229
Unisono russische wie ukrainische Friedensaktivisten empörten sich über den Rückzieher. Wilfried Leisch ,Vertreter der „Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg“, kritisierte in einem E-Mail an den ÖGB die Absage mit deutlichen Worten: „Wer nicht nach Frieden sucht oder nicht einmal Friedenssuche auf einer Konferenz im neutralen Österreich zulässt und einen seit langem zugesagten Saal 2 Tage vor Veranstaltungsbeginn absagt, tritt alle demokratischen Spielregeln und die eigenen Statuten mit Füßen.“
Kurt W. vom Arbeitskreis Internationalismus IG Metall Berlin schreibt: “Nachdem der ukrainische Botschafter Khymynets eine mediale Kampagne gegen den ÖGB und die internationale Friedenskonfrerenz in Wien angestoßen hat, ist die Führung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, ÖGB, umgefallen und hat in letzter Minute der Friedenskonferenz die Nutzung der Räume der Gewerkschaft untersagt. (…..) Offenbar ist für den Botschafter jede Überlegung eines Waffenstillstands eine „5. Kolonne des russischen Regimes“. Das Leben der jungen Männer, die in diesen nationalistischen Krieg geopfert werden, ist für ihn ohne Bedeutung. (…) Besonders seit Beginn des Kriegs in der Ukraine gibt es ständig Bestrebungen die Neutralität Österreichs zu beenden oder zu relativieren um sich der NATO-Koalition anzuschließen. Vor diesen Hintergrund sind auch die überraschenden Wahlergebnisse der KPÖ in Salzburg einzuordnen. Die Neutralität ist sehr populär und die KPÖ hat sicher davon profitiert, dass sie als einzige Partei die Neutralität bedingungslos verteidigt .” Hier der ganze Kommentar von K.W.
Die Veranstalter selbst schreiben in ihrer Stellungnahme der Der demokratische Dialog findet statt – trotz Absage des ÖGB; “Mit Enttäuschung, Frustration und Unverständnis haben wir die Absage des ÖGB, zwei Tage vor der im Catamaran geplanten Friedenskonferenz, zur Kenntnis nehmen müssen. Der ÖGB weiß als Repräsentant der Arbeiterbewegung, dass Diffamierungen, Halbwahrheiten und Unterstellungen in der politischen Auseinandersetzung, besonders in gesellschaftlich zugespitzten Situationen, zum Repertoire der Gegner gehören. Für den Dialog, das solidarische Gespräch, den Meinungsaustausch für den Frieden die Räumlichkeiten zu verweigern, ist nicht allein für die Organisator:innen der Konferenz schwer verständlich, das zeigen auch die vielen Solidaritätsbekundungen, die uns nach der Veröffentlichung des ÖGB-Stornos zugegangen sind. Die Demokratie und die Debattenkultur leiden unter Verboten und Ausgrenzungen. Der Versuch, den offenen Diskurs in einer Konferenz durch die kurzfristige Streichung der Räumlichkeiten zu verunmöglichen, grenzt an ein Sprechverbot und ist alles andere als eine demokratische Geste. (…….)
Wir bleiben dialogbereit und offen. Wir wollen die Erweiterung der demokratischen Debattenkultur. Daher wird die internationale Konferenz auch wie geplant in Wien als große Veranstaltung mit vielen aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattfinden. Die Solidarität aller Beteiligten hat dies ermöglicht.”
Öffentliche Intoleranz greift um sich, nicht nur in Östereich, auch bei uns!
Aufgekündigte Räumlichkeiten für Friedensgruppen; ein AWO-Fahrdienst, der sich weigert, eine gehbehinderte Hospiz-Patientin zum Roger-Waters-Konzert zu bringen; Mobbing von Journalisten und Künstlern, Protest-Luftballons, die polizeilich nicht aufsteigen dürfen, weil sie kein Kindermotiv haben; „Pazifist“ wird wie einst zum Schimpfwort oder Linke und Friedenskämpfer, die Rechten das Thema Frieden nicht überlassen wollen und diesen entgegentreten, werden bewußt in die „rechte Ecke“ gestellt.
Eingriffe gegen politische und private Aktivitäten, die sich kritisch gegen Kriegseskalation und Waffen richten oder auch nur eine offene Debatte zur Konfrontationspolitik fordern, nehmen zu. Nach der Wahrheit stirbt im Krieg die Demokratie, nicht zuletzt durch diejenigen, die am lautsträksten vorgeben, sie zu verteidigen.
Aber immer noch die Hälfte der Bevölkerung fühlt sich trotz aller Propaganda mulmig beim aktuell eingeschlagenen Militärkurs.
Ein Kongress der Vernunft, der Hoffnung und der Vision. Wien 10 und 11.06.2023
„Ich bin voller Hoffnung“, schreibt heute morgen Werner Ruhoff (DFG-VK) „dass diese Konferenz den Friedensbewegungen auf transnationaler Ebene Rückenwind geben kann. Wenn man die früheren Schriften Bertha von Suttners vor dem Ersten Weltkrieg liest, ähneln sie sehr der heutigen Situation, auch was die mediale Kriegsbesoffenheit angeht. Heute ist diese internationale Vernetzung der Kriegsunwilligen umso wichtiger, als es letztendlich auch um die Verhinderung einer atomaren Katastrophe geht. Es muss alles versucht werden, dem Leben auf der Spur zu bleiben und nicht den Totengräbern. Wir leben wieder einmal in finsteren Zeiten. Diese Konferenz mag ein Licht anzünden, das Mut und Wärme spendet für die weiteren Auseinandersetzungen mit den militaristischen Mächten, mit der Profitgier und mit der Dummheit, die sowohl die Klimaerhitzung als auch die Kriege befeuern. Ich wünsche der Konferrenz ein gutes Gelingen.“
ÖGB zieht kurzfristig seine Unterstützung der Friedenskonferenz in Wien zurück
Der Östereichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat zwei Tage vor dem Kongress seine ursprünglich feste Zusage für die Räumlichkeiten des Kongresses zurückgezogenn und damit die Durchführung des „größten internationalen Friedenskongresses seit Ausbruch des Ukrainekrieges“ , unter Beteiligung von Friedensnobelpreiträgern oder global renommierten Wissenschaftlern wie Noam Chomsky und US-Ökonom Jeffrey Sachs, gefährdet. Das Einknicken des ÖGB vor der Intervention des ukrainischen Botschafters in Östereich, einem Land ,das sich als „neutral“ definiert, ist ein Skandal.
Aus dem Aufruf zum Friedensgipfel !
Wir verurteilen die illegale russische Invasion in der Ukraine. Wir sind uns der Mitverantwortung der NATO für diesen Langzeitkonflikt als eines von vielen Beispielen für Verstöße gegen das Völkerrecht voll bewusst. Gleichzeitig sind wir betroffen von den Folgen, die dieser Krieg und alle Kriege für die Gesellschaften haben – von Verletzungen und Todesfällen bis hin zur langfristigen Einschränkungen, die die Frauen trifft, die selbst in Kriegszeiten lebenswichtige Pflege leisten und trotz Menschenrechtsverletzungen für ihren Lebensunterhalt und Frieden kämpfen. Er zerstört die Umwelt und die Infrastruktur des Landes, verursacht weltweit steigende Lebensmittel- und Energiepreise, verschärft Armut und Hunger – insbesondere im globalen Süden – und bedroht die ganze Welt mit
einem Atomkrieg. Es ist an der Zeit, dass die Waffen schweigen und dass die Diplomatie beginnt, den Konflikt zu lösen. Wir müssen der Logik des Krieges die Logik des Friedens entgegensetzen ........ mehr
Reiner Braun und Sean Conner, IPB ( International Peace Bureau), fassen wesentliche Vorschläge zusammen, die auf dem Tisch des Wiener Kongresses liegen, um einen Ausweg aus der Kriegsdynamik zu finden. Wer Frieden will, sollte sich ohne Vorbehalte dieser Diskussion stellen und die Vision einer friedlicheren Welt verfolgen.
Der Apell schlägt den Bogen. Friedensbewegung muss mit den Bewegungen für Menschenrechte, Soziales und nicht zuletzt Klima zusammenmarschieren! Und wir meinen, Hirn und Vernunft allein reichen nicht. Leider. Um den auf Konfrontation ausgerichteten Kapital- und Hegemonieinteressen wirkungsvoll entgegentreten zu können, müssen sich wirklich ALLE zusammenschliessen! Konfrontations- und Kriegspolitik bekommen auch ihre Kehrseite nach innen. es ist mit mächtigen Widerständen zu rechnen. National wie international muss für den Frieden von der großen Mehrheit der Menschen gekämpft werden[1]nächste Gelegenheit zum Protest: 17.06.2023: PROTESTKUNGEBUNG „Keine Bomber über unserern Köpfen Brandenburg“.
International Summit for Peace in Ukraine, Wien 10. und 11.06.2023
„Weitere zehntausende von Toten und Verwundete, weitere Zerstörung von Natur und Städte, noch mehr Hass auf beiden Seiten in der Ukraine und in Russland oder Waffenstillstand – das ist die Alternative
Mehr Hunger und Armut überall in der Welt, mehr soziales Desaster und globale Ungerechtigkeit oder Einstieg in eine neue Periode der Kooperation und des Dialoges – das istdie Alternative
Mehr Konfrontation und wahnwitzige Hochrüstung, mehr Atomwaffen und Militarismus oder Rückkehr zur Rüstungskontrolle und Abrüstung und der Beginn einer Diskussion um eine neueSicherheits- und Friedensordnung in Europa – das ist die Alternative
Alle globalen Herausforderungen von Krieg und Frieden haben eine dramatische Zuspitzung nicht nur aber besonders auch in dem Krieg in der Ukraine. Die Eskalationsdynamik des Krieges bis hin zu einem mindestens Europa vernichtenden Atomkrieges ist latent vorhanden, ein großer Krieg zwischen NATO und Russland nicht ausgeschlossen – die militärische Dynamik weist diesen verheerenden Weg.
Aber die Vernunft kann noch gewinnen, der Vernunft und dem Realismus, dem Überleben und der Gestaltung der Zukunft mit zum Durchbruch zu verhelfen, dazu will der internationalKongress „Frieden in der Ukraine“ ein Beitrag leisten.
Deshalb ist und bleibt die friedenspolitische Kernforderung: Waffenstillstand und Verhandlungen
Waffenstillstand
Waffenstillstand heißt nicht die Anerkennung bestehender Frontlinien als Grenzen, sondern nur ein Ende des Tötens und des Mordens, ein Stopp der Zerstörungen. Raus aus den Schützengräben und Bunkern, hin zu neuem freiem Leben
Verhandlungen
Verhandlungen heißt nicht Zustimmung oder Anerkennung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russland gegen die souveräne Ukraine, heißt auch nicht die Vorgeschichte dieses Krieges besonders die NATO-Osterweiterung aus den Augen zu verlieren, sondern Wege für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft an dem Verhandlungstisch zu entwickeln – wahrscheinlich unter der Beteiligung von internationalen Moderatoren bzw. Mediatoren des Globalen Südens
Vorschläge für Verhandlungen liegen auf den Tischen der internationalen Politik und Diplomatie. Die Vorschläge aus der ehemaligen Regierung von Italien, aus Mexiko, die Überlegungen zum Frieden aus China und der Friedensplan des Vatikans, die (fast fertige) Vereinbarung von Istanbul vom März/April 2022 sowie die UN Resolution von Februar 2023 haben viele Gemeinsamkeiten, die als Grundlage von Verhandlungen dienen könnten.
Denkbar wären Vereinbarungen in die folgende Richtung, die weitreichende Kompromiss Bereitschaft von allen Seiten beinhaltet:
Die Ukraine ist ein souveräner unabhängiger Staat, der wieder die Neutralität in der Verfassung verankert. d.h. keine NATO-Mitgliedschaft wohl aber kann eine Mitgliedschft in der EU und der Eurasische Wirtschaftsunion in Betracht gezogen werden.
Für die Ukraine aber auch für Russland werden umfassende Sicherheitsgarantien vereinbart und völkerrechtlich legitimiert, u.a. durch den UN-Sicherheitsrat. Dies beinhaltet eine Demilitarisierung der Grenzregionen und einen Stopp einer weiteren NATO-Osterweiterung.
Für die Bezirke Lugansk und Donezk wird für eine Übergangszeit eine neutrale Verwaltung unter UN-Kontrolle eingerichtet, die ein Volksbefragen in 5 Jahren vorbereitet, die zu einer endgültigen Lösung, Autonomie in der Ukraine, Unabhängigkeit oder Anschluss an Russland führen kann.
Blauhelmtruppen aus neutralen Saaten des globalen Südens überwachen und kontrollieren die vertragliche Übereinkunft und die vereinbarten Grenzziehungen.
Vereinbart wird ein Zeitplan des Abzugs der russischen Truppen in Verbindung mit der Umsetzung des Gesamtfriedensplanes. Im gleichen Rahmen werden die Sanktionen der NATO/EU gegen Russland zurückgefahren bzw. aufgehoben.
Für die Krim wird der jetzige Zustand für eine vereinbarte Zeit festgeschrieben. Eine danach unter UN-Kontrolle stattfindende Volksabstimmung soll eine endgültige Lösung der nationalen Zugehörigkeit erbringen. Eine Kooperation der Krim und der Ukraine auf dem Gebiert der Wasserversorgung, des Handels und der ökologischen Sicherheiten wird vertraglich vereinbart.
Im Rahmen der OSCE werden Diskussionen und Verhandlungen über eine Neue Sicherheitsarchitektur in Europa auf der Basis einer Politik der „gemeinsamen Sicherheit“ aufgenommen mit dem Ziel zu einer neuen europäischen Charta bis spätestens 2025 (50. Jahre Helsinki Vereinbarungen) zu kommen.
Im Zusammenhang mit der Vereinbarung erklären die USA und Russland sich zur Wiederaufnahme von Gesprächen über atomare Rüstungskontrolle bereit und der ausgesetzte „New Start Vertrag“ tritt wieder in Kraft und wird verlängert bis zu einer neuen Rüstungskontrollvereinbarung.
Es wird eine umfassende Wiederaufbauhilfe vereinbart, die materiell auch durch Russland mitfinanziert wird. Dabei wird das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ vereinbart und ein Ausverkauf an internationale (Agrar-) Konzerne ausgeschlossen.
Abschlussbemerkung zu dem Verhandlungskomplex: ohne politischen Willen aller an diesem Krieg bzw. Stellvertreterkrieg Beteiligten, ist eine politische Friedenslösung kaum denkbar.
Abstand genommen werden muss von „Feldherrenmentalität“ und „Siegfrieden“. Dies gilt für beide direkten Kriegsparteien und die NATO. Verübte Grausamkeiten ja Massaker – von welcher Seite auch immer – sind kein Argument gegen sondern für Verhandlungen, nur ein Ende des Krieges, eröffnet den Weg zum Ende von Unmenschlichkeiten und ihrer Aufarbeitung.
Die Friedensbewegung sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. Trotzdem hat sie eine wichtige Rolle, den Verhandlungsprozess mitzuinitiieren und zu begleiten!
Ihre Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, ihre vielfältigen kleinen und gr0ßen Aktionen helfen mit, ein gesellschaftliches Klima und eine entsprechende Kräftekonstellation zu entwickeln, in der Verhandlungen überhaupt möglich sind. Die Bündnispolitik der Friedensbewegung mit Parlamentariern und Parlamenten, ja mit verhandlungsbereiten Regierungen hilft mit, die Koalition der Friedenswilligen, die Friedenskoalition zu schaffen, die notwendig ist, den internationalen Druck zu entwickeln, der Verhandlungen realistisch erscheinen lässt und Widerstände überwindet.
Frieden muss wieder zur Ultima Ratio werden und Krieg als Ultima Irratio dastehen: dies geschieht nur durch die Demaskierung des Militarismus durch die Arbeit der Friedensbewegung.
Die Lösung der globalen Herausforderungen besonders des Klimawandels kann nur im Frieden gelingen – dies immer wieder darzustellen und argumentativ zu untermauern, ist die Friedensaufgabe der sozialen Bewegungen. Humanismus gegen Gewalt und Unterdrückung zu stellen, dafür Mehrheiten zu gewinnen, diese Aufgabe nimmt keiner der Friedensbewegung ab, auch und gerade, wenn es gegen den kriegerischen Mainstream und die damit verbundenen Medien eine schwierige, langfristige und oft auch frustrierende Herausforderung ist.
Es bleibt unsere Aufgabe, für gewaltfreie Friedenslösungen zu werben, zu verdeutlichen, Konflikte können und müssen friedlich gelöst werden.
Unabdingbarere Bestand dieser Friedensaktivitäten ist zu verdeutlichen, es gibt eine politische Alternative, zu Konfrontation, Krieg und Gewalt, dieses ist die Politik der gemeinsamen Sicherheit, die mindestens für Europa über Jahre ja Jahrzehnt segensreich gewirkt hat. Die Philosophie der gemeinsamen Sicherheit bedeutet, Sicherheit der einen Seite ist unverzichtbar mit der Sicherheit der anderen Seite verbunden, Frieden kann es nur durch Verhandlungen, Dialog, Kooperation, Rüstungskontrolle und Abrüstung geben.
Der erste Schritt dazu ist Vertrauen anstelle von Feindbildern und Hass. Die Friedensbewegungen leben dieses Vertrauen, diese Gemeinsamkeit mit dem „Feind“ vor, durch die „Diplomatie von unten“ (second hand track), durch vielfältige Kontakte gerade mit dem „politischen Gegnern“ Uns verbindet alles mit den FriedensaktistInnen in der Ukraine und Russlands und nichts mit den Kriegstreibern und der Rüstungsindustrie, deren Profite umso höher sind je mehr Menschen krepieren. Wir stehen an der Seite der Deserteure und helfen und unterstützen die Geflüchteten.
Für diese Vision – eine Welt ohne Kriege -, aber auch für das Ende aller Kriege durch Verhandlungen zu werben und besonders eine Waffenstillstands- und Verhandlungslösung für den Krieg in der Ukraine einzufordern, dazu soll der Internationale Kongress Frieden in der Ukraine dienen – als Auftakt für weitere Aktionen und als Forderung an die politischen Verantwortlichen. Wir wissen, ohne Abrüstung gibt es keine globale Gerechtigkeit und ohne Abschaffung aller Atomwaffen hängt das Damoklesschwert der Vernichtung des blauen Planten über uns.
Wir geben – auch geprägt durch eine lange Geschichte der internationalen Friedensbewegungen- die Hoffnung niemals auf, dass die Vernunft des Friedens über den Irrationalismus des Krieges durch Aufklärung und Argument siegen wird. Deswegen wollen wir alle Argumente für Frieden auf den Kongress zusammentragen und diese in einer Deklaration zusammenfassen, die wir an die Politisch Verantwortlichen in Ost und west, in Nord und Süd übermitteln wollen um mit ihnen in eine Diskussion, wo notwendig auch Streik zu kommen und hoffentlich mit vielen politischen Entscheidungsträgern überall in der Welt gemeinsam zu wirken.
Kriege werden durch Menschen vorbereitet und geführt, (viele) Menschen gemeinsam können auch Frieden erreichen, wenn sie Mehrheiten für sich gewinnen, können sie zu der „materiellen Gewalt“ werden, die Kriege stoppen – auch den in der Ukraine! Und wir hoffen, ihr macht mit!“