China, Russland und USA modernisieren ihre Atomwaffentestanlagen

Bild: Scinexx.de

Von Florian Rötzer

Die Vorbereitung auf die Durchführung von Atomtests macht das durch den Ukraine-Krieg verstärkte nukleare Wettrüsten und die Gefahr eines Atomkriegs noch einmal deutlich.

Von den Befürwortern von unbegrenzten Waffenlieferungen an die Ukraine werden Befürchtungen, dass durch die Eskalationsstrategie die Gefahr eines Einsatzes von Atomwaffen zunehmen könnte, in aller Regel heruntergespielt. Wer davor warnt, wird der Feigheit bezichtigt oder als Verbreiter russischer Propaganda und Desinformation bezeichnet. Die aus dem Kalten Krieg stammende Abschreckung durch die Doktrin wechselseitiger Vernichtung, die nicht umsonst MAD heißt, funktioniere selbst bei „Schurken“ wie Putin. Allerdings sind seit dem Kalten Krieg und in ihm mehr Atommächte auf die Bühne getreten, was die Lage deutlich unübersichtlicher und riskanter macht, und hat spätestens mit der einseitigen Aufkündigung des ABM-Vertrags durch die USA ein erneutes nukleares Wettrüsten eingesetzt, an dem im großen Stil die USA, Russland und China teilnehmen.

Mit einem kurzen Blick zurück ging es beim amerikanischen Ausstieg aus dem ABM-Vertrag darum, dass die seit Ronald Reagans Präsidentschaft propagierte Strategic Defense Initiative (SDI) durch den Aufbau eines amerikanischen Raketenabwehrschilds umgesetzt werden sollte. Schon vor der Präsidentschaft von George W. Bush forderten konservative Neocons dies und warnten in einem Bericht der vom späteren Verteidigungsminister Rumsfeld geleiteten Nationalen Kommission zur nationalen Sicherheit im Weltraum vor einem „Pearl Harbour im Weltraum“, forderten ein Weltraumkommando, das schließlich von Donald Trump eingerichtet wurde, und den Aufbau eines Nationalen Raketenabwehrsystems (NMD) zur Abwehr von Interkontinentalraketen. Das wurde unter Bush mit dem Ausstieg aus dem ABM begonnen und sollte die USA und ihre Alliierten unter ein Schild bringen, durch das sie vor Atomraketen geschützt seien. Gleichzeitig wollte man damit die Alliierten weiter unter den Einfluss der USA und in militärische Abhängigkeit bringen.

Spätestens mit dem Bekanntwerden des Plans, solche Raketenabwehrsysteme in osteuropäischen Ländern in der Nähe zur russischen Grenze zu errichten, was in Rumänien und dann in Polen geschah, und absurd desinformierend vorzugeben, das solle vor etwaigen iranischen oder nordkoreanischen Raketen schützen, begann Moskau mit der Arbeit an neuen nuklearen Waffensystemen, die den Raketenabwehrschild überwinden können. Beispielsweise Hyperschallraketen oder Raketen mit vielen manövrierbaren Sprengköpfen, wie das Russland machte.

Dass wir mittendrin in der nuklearen Aufrüstung sind, macht ein Bericht von CNN deutlich. Jeffrey Lewis vom James Martin Center for Nonproliferation Studies am Middlebury Institute of International Studies und Mitbetreiber von Armscontrol.org, hat anhand von Satellitenbildern eruiert, dass China, Russland und die USA ihre Atomtestorte in Lop Nur, auf Nowaja Semlja und auf der Nevada National Security Site ausbauen. Die drei Atommächte haben dort neue Lager, Straßen und Tunnels gebaut. Andere Experten gehen auch davon aus, dass die Anlagen nicht nur modernisiert wurden, sondern dass auch Vorbereitungen für neue Atomtests stattgefunden haben.

Es war der erste Rüstungskontrollvertrag im Kalten Krieg, als die USA, Russland und Großbritannien 1963 den „Treaty Banning Nuclear Weapon Tests in the Atmosphere, in Outer Space and Under Water“ unterzeichneten, um die oberirdischen Tests zu beenden und die nukleare Verseuchung der Erde zu reduzieren. Später schlossen sich Indien, Israel und Pakistan an. Unterirdische Tests wurden weiterhin vorgenommen, Frankreich und China blieben außen vor und führten munter weiter oberirdische Tests durch, Frankreich bis 1995 und China bis 1996. Den erst 1996 beschlossenen Kernwaffenteststopp-Vertrag (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty – CTBT) verbietet alle Atomwaffentests, aber nur 170 Staaten haben ihn ratifiziert, aber kann nicht in Kraft treten, weil Staaten, die Atomwaffen besitzen, ihn nicht ratifiziert haben. Russland hat dies ebenso wie Großbritannien und Frankreich gemacht, nicht aber die USA und China sowie Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea. Alle Staaten führten seitdem mit Ausnahme von Nordkorea keine Atomwaffentests durch, Nordkoreas letzter Atomwaffentest fand  2017 statt, erwartet wird, dass weitere durchgeführt werden.

Wladimir Putin hat bereits am 21. April 2023 gewarnt, dass Russland sich auf die Durchführung von Atomtests vorbereiten wird, aber sie erst durchführen wird, wenn die USA damit begonnen haben, womit er rechnet: „Wir wissen, dass bestimmte Typen von US-Atomwaffen das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen. In diesem Zusammenhang wissen wir mit Sicherheit, dass einige Politiker in Washington bereits über wirkliche Atomtests nachdenken, zumal die Vereinigten Staaten innovative Atomwaffen entwickeln. Entsprechende Informationen liegen vor.“

Die Modernisierung der Atomwaffentestgelände steht im direkten Zusammenhang mit der Weiterentwicklung von Atomwaffen und eventuell mit subkritischen Tests, nicht direkt mit der Vorbereitung eines Atomkriegs. Aber es macht deutlich, dass das Wettrüsten weitergeht und eine Reduzierung der Atomwaffen nicht in Aussicht steht, obgleich sich die Atomwaffenstaaten im Atomwaffensperrvertrag dazu verpflichtet haben.

Die Gefahr besteht, dass einer der drei Staaten, weil er Vorbereitungen für einen Atomtest bei einem anderen sieht,  mit Atomwaffentests beginnt und dann die anderen nachziehen werden. „Die Gefahr besteht darin, dass, selbst wenn alle drei zunächst nur den zweiten Platz anstreben“, so Lewis, „einer von ihnen sich einreden könnte, dass es wichtig ist, den ersten Platz zu belegen, oder dass einer von ihnen beschließt, dass es besser ist, den ersten Platz zu belegen, da alle anderen es auch tun.“ Kaum Erfahrung haben alle drei Staaten mit kleineren taktischen Atomwaffen, mit denen versucht wird, die atomare Schwelle zu unterschreiten. Hier könnte es ein Interesse geben, diese zu testen, ebenso wie mit neuen Waffensystemen wie den Hyperschallraketen, Torpedos mit nuklearen Sprengköpfen oder nuklear getriebene Marschflugkörper.

Lewis geht davon aus, dass China am ehesten versucht sein könnte, einen wirklichen Atomtest vorzunehmen. Russland und die USA hätten Hunderte von Atomwaffentests in der Vergangenheit durchgeführt, aber China nur 40, weswegen es nur wenige Daten gebe. Die Zahl der chinesischen Atomsprangköpfe soll zwischen Januar 2022 und Januar 2023 von 350 auf 410 angestiegen sein. 90 Prozent aller 12.500 Atomwaffen besitzen Russland und die USA.

Zwar erklären die drei Staaten, nicht zuerst Atomwaffen einzusetzen, machen aber doch Ausnahmen, um alles offenzuhalten. In der nicht klassifizierten Version des im Oktober 2022 veröffentlichten Nuclear Posture Review heißt es daher, dass die USA Atomwaffen unter „extremen Umständen“ einsetzen könnten. Festgehalten wird, dass keine „No-First-Use-Politik“ verfolgt wird, weil der prinzipielle Verzicht auf einen Erstschlag zu einem „unannehmbaren Risiko“ für die Sicherheit der USA führen würde. Putin sagte, Russland könne taktische Atomwaffen einsetzen, wenn die „territoriale Integrität“ des Landes gefährdet sei.

Der Ukraine-Krieg hat die nukleare Aufrüstung bestärkt und das Interesse und Vertrauen noch weiter schwinden lassen, Atomwaffen zu reduzieren. Das Risiko eines Konflikts mit Einsatz von taktischen Atomwaffen steigt, weitere Staaten wie Iran und Saudi-Arabien wollen sich zu ihrer eigenen Sicherheit ebenso mit Atomwaffen ausstatten. Um nicht den Einfluss auf Saudi-Arabien zu verlieren und den Deal der „Normalisierung“ der Beziehungen Saudi-Arabien-Israel zu fördern, könnte Washington genehmigen, dort eine Anlage zur Anreicherung von Uran zu bauen, bevor dies China oder Russland machen. Israel opponiert, auch weil es einige Atommacht in der Region bleiben will. Russlands Annäherung an Nordkorea könnte auch dazu führen, dass Nordkorea in einem Waffendeal Zugang zu russischer Nukleartechnik erhält und damit sein Atomwaffenarsenal weiter ausbaut und optimiert. Russland hat das hoch umstrittene, gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoßende Konzept der nuklearen Teilhabe von Nato-Staaten an amerikanischen Atomwaffen nun auch selbst in Belarus praktiziert. Das könnte sich ausbreiten und die Welt noch unsicherer machen.

Erstveröffentlicht im overton-Magazin
https://overton-magazin.de/top-story/china-russland-und-usa-modernisieren-ihre-atomwaffentestanlagen/

Wir danken für das Abdruckrecht.


Ein Ukrainer auf dem Podium beim ver.di Bundeskongress – Wahrheit oder Dichtung?

Auf dem Bundeskongress der ver.di wird/wurde um den zukünftigen Weg der Gewerkschaften gestritten. Wir publizieren verschiedene krtische Beiträge zum Kurs der ver.di Führung und zum Verlauf des Kongresses. Siehe auch unseren Aufruf “Ver.di Bundeskongress -Sagt Nein gegen Krieg, Militarisierung und Burgfrieden” ,die Beiträge “Interview mit einem Delegierten – nicht nach Schema F” ,“Programm gegen die Krise ist nötig und nun zuletzt  "ver.di sagt JEIN".

Auf der Podiumsdiskussion des Kongresses zur „Internationalen Solidarität“ trat auch ein ukrainischer „Gewerkschaftskollege“ auf ! Das Bündnis „Sagt Nein – Gewerkschafter:innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden“ berichtet dazu in seinem Zwischenbericht „Die Stimmung könnte kippen (20.9.2023) :

„Auch der Versuch, die Stimmung durch die Beteiligung eines regimetreuen ukrainischen `Gewerkschaftsführers` am internationalen Dialog zu drehen, verfing bei den Delegierten offensichtlich nicht wie gewünscht. In der ansonsten hochrangig besetzten Talkrunde mit Christy Hoffman (Generalsekretärin von UNI Global), Livia Spera (Generalsekretärin der ETF, der Europäischen Transportarbeiter-Förderation), Willem Goudriaan (Generalsekretär des EGÖD, des Europäischen Gewerkschaftsverbands für die öffentlichen Dienste) über europäische und internationale Gewerkschaftsarbeit im Allgemeinen und über die Situation in der Ukraine im Besonderen, internationale Solidarität und die Rechte der Frauen weltweit, wurde sehr schnell deutlich, dass der ukrainische Gesprächsteilnehmer, Valeriy Matov (Präsident von Atomprofspilka, Ukraine, der Gewerkschaft der Atomkraftwerksbeschäftigten) nicht mehr aber auch nicht weniger als ein Sprachrohr der Regierung Selensky war;  eines Regimes, das nach einhelliger Einschätzung internationaler Gewerkschaften und auch des DGB sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass es im Schatten des Kriegsrechts massiv Menschen- und Gewerkschaftsrechte einschränkt. Um so trauriger, dass in der ansonsten sehr informativen und praxisorientierten Talkrunde moderationsseits zwar die zu Recht höchst kritisierbaren Einschränkungen der Gewerkschaftsrechte in Russland und Belarus sowie die dort stattfindenden Verfolgungen regimeoppositioneller gewerkschaftlicher Aktivität thematisiert wurde, die faktische Beseitigung wesentlicher Menschen- und Gewerkschaftsrechte durch das Selenskyregime jedoch nicht…

Endgültig desavouierte sich der ukrainische Gesprächsteilnehmer bei vielen  Delegierten durch seine Antwort auf die Frage nach der Bedeutung von Frauenrechten angesichts der Kriegssituation, als er sinngemäß antwortete, dass die Rolle der Frau halt die der `Versorgerin und Kümmererin von Heim und Herd und  der Kinder an der Heimatfront` sei – es sei ja schließlich `halt Krieg`… Nachdem auf dem Kongress zwei Tage lang zu recht und ausgiebig gefeiert wurde, dass ver.di mit über 900.000 organisierten Frauen die  `größte deutsche Frauenorganisation` sei, fielen solcherlei rückwärtsgewandten und zutiefst patriarchal reaktionären Äußerungen erkennbar auf berechtigte Zurückhaltung der Delegierten – bei Kolleginnen UND auch Kollegen.“

Das offizielle Kommunikationsteam des ver.di Bundeskongresses blendete diese kritischen Passagen des ukrainischen „Gewerkschaftskollegen“ komplett aus und stelllte dessen Vorstellung auf ver.di Telegram folgendermaßen dar:

Erschütternd bleibt auch die Situation in der Ukraine. Sehr bewegend hat heute unser ukrainischer Gast Valeriy Matov die Situation von Gewerkschaften und Beschäftigten in seinem Heimatland geschildert und verdeutlicht, wie wichtig die Unterstützung der internationalen Schwestergewerkschaften ist.

Gewerkschaften weltweit müssen ihre Kräfte bündeln: – Hoch die internationale Solidarität!

Spätestens beim Thema Krieg stirbt die Wahrheit zuerst und wird durch Propaganda ersetzt. Da wird dann jegliche ausfällige Frauen- und Fremdenfeindlichkeit übergangen oder sogar mit Freundlichkeit quittiert.

Ver.di Bundeskongress sagt JEIN

Auf dem Bundeskongress der ver.di wird/wurde  um den zukünftigen Weg der Gewerkschaften gestritten. Wir publizieren verschiedene krtische Beiträge zum Kurs der ver.di Führung und zum Verlauf des Kongresses. Siehe auch unseren Aufruf "Ver.di Bundeskongress -Sagt Nein gegen Krieg, Militarisierung und Burgfrieden" ,die Beiträge "Interview mit einem Delegierten - nicht nach Schema F" , "Programm gegen die Krise ist nötig" und "Ein Ukrainer auf dem Podium beim ver.di Bundeskongress – Wahrheit oder Dichtung ?" .  

Immerhin hat eine deutlich sichtbare Minderheit von 20% der abstimmenden Delegierten dem (mit in Watte gepackten Formulierungen gespickten) Leitantrag zur Aufweichung des gewerkschaftlichen Antikriegskurses des Vorstandes NICHT zugestimmt! Eine faire Aussprache und Abstimmung über Gegen- und Änderungsanträge wurde mit undemokratischen Geschäftsordnungstricks unterbunden. Die Angst war wohl zu groß, dass die Argumente der Kriegsgegner doch noch viele verunsicherte und zweifelnde Delegierte überzeugen könnten. Trotzdem stimmten schließlich 170 Delegierte gegen den Vorstandsantrag. 26 Delegierte enthielten sich. 853 stimmten ab.

Hier im Wortlaut der Leitantrag E-084

Schon bei der Eröffnungsrede durch Bundeskanzler Scholz zeigte ein Teil der Delegierten seinen Unwillen gegenüber dem Kurs der Zeitenwende.

ABER ein JEIN bedeutet in letzter Konsequenz ein JA! Es ist der Türöffner, um dem neuen Kriegskurs der Regierung Stück für Stück gänzlich zuzustimmen. Wenn die letzten 18 Kriegsmonate eines gelehrt haben, dann ist das Folgendes: Jedes nur halbherzige Nein hat noch jede Rote Haltelinie zum Einsturz gebracht. Wir berichten weiter.

Stellungnahme des Bündnisses „Sagt Nein -Gewerkschafter:innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden“ zum Delegiertenbeschluss auf dem ver.di Bundeskongress! [1] https://www.change.org/p/sagt-nein-gewerkschafter-innen-gegen-krieg-militarismus-und-burgfrieden/u/31931958

Nach einem wochenlangen Kampf um die Beibehaltung unserer gewerkschaftlichen Grundsatzpositionen zu Krieg und Frieden war es soweit…

Die Diskussion um den Leitantrag E 84 wurde gegen 16:00 eröffnet durch die Beratung des ersten Änderungsantrags im Sinne des NEIN! gegen KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN. Nach der Ablehnung des ersten Änderungsantrags wurde ein Geschäftsordnungsantrag eingebracht, der selbst erfahrene Kongressdelegierte fassungslos machte – so etwas hatten sie noch nie erlebt: Sämtliche Änderungsanträge sollten ohne Diskussion und ohne Einzelabstimmung im Block abgestimmt werden. Zurecht kann bezweifelt werden, dass dies überhaupt mit der aktuellen satzungsmäßigen Rahmen-Verfahrensordnung vereinbar war, und für deren Änderung nicht eine 2/3-Mehrheit eforderlich gewesen wäre. Doch die Kongressleitung ließ eine einfache Mehrheit reichen – nachdem sie zunächst davon ausgegangen war, dass dies nicht reichen würde…., mit der dann dieser putschartige Antrag auch tatsächlich angenommen wurde. 

Doch nach einem ersten Entsetzen schlugen sich die Unterstützer:innen des SAGT NEIN!, des ver.di-Friedensnetzwerkes und andere Kolleg:innen weiter wacker und aufrecht. Sie brachten sich in die nachfolgenden Diskussion um den Leitantrag weiter konstruktiv mit allen relevanten Argumenten gegen Waffenlieferungen, gegen Burgfrieden und Kriegspolitik ein und mit den Hinweisen darauf, dass das erste Opfer des Krieges immer die Wahrheit ist (Vietnam, Irak, Jugoslawien etc.) und auch darauf, dass der Klimakiller #1 der Krieg ist (ver.di im Schulterschluss mit FFF…? LOL!!!!); gegen Dämonisierung, Kriegshetze und Tränendrüsensolidaritätserklärungen

So sah sich zum Schluss der alte und neue Vorsitzende, Frank Werneke selbst genötigt ans Podium zu treten und sich zu stellen, um den Leitantrag seines ehemaligen Vorstandes und Gewerkschaftsrates gerade noch einmal so ins Ziel zu bringen.  Das gelang dann nur mit deutlichen Blessuren:

Von 1.009 Delegierten nahmen 853 an der Abstimmung teil, davon stimmten lediglich 657 für den Leitantrag (gerade einmal 65%), 170 mit NEIN! – 26 Delegierte enthielten sich. Und DAS bei einem Leitantrag des Bundesvorstands und Gewerkschaftsrats…

Die Delegierten, die für den Leitantrag gestimmt haben, erinnern wir an die Worte von Erich Kästner:

  • `Was immer auch geschieht,
    nie sollt ihr so tief sinken,
    von dem Kakao, durch den man euch zieht,
    auch noch zu trinken!`

Festzustellen ist:

Mit diesem Beschluss wurde faktisch Satzungsbruch beschlossen, denn § 5, Ziff. 3, lit i. der ver.di-Satzung verpflichtet die Organisation darauf,  „militaristische Tendenzen )zu( bekämpfen“. Für einen solchen satzungsändernden Beschluss hätte es einer qualifizierten  2/3-Mehrheit des Kongresses bedurft. Diese wurde aber gar nicht abgefragt.

Festzustellen ist weiter:

ver.di hat eine historische Entscheidung in Abkehr von den bisherigen wertvollen, historisch begründeten und schützenswerten antimilitaristischen Grundsätzen getroffen, und diese Entscheidung wird den heute Verantwortlichen und der gesamten Organisation eher früher als später auf die Füße fallen. Der Krieg wird  weiter eskalieren und sie werden noch ganz anderen Dingen zustimmen müssen. Der Krieg wird das in Fortsetzung ihrer heutigen `Logik` verlangen.

Dem stellen wir entgegen:
Unser gemeinsamer Kampf `SAGT NEIN! Gewerkschafter:innen gegen Militarismus, Krieg und Burgfrieden` hat heute erst richtig begonnen.
Denn wie wichtig es ist, um unsere Gewerkschaft zu kämpfen, das hat sich gerade heute gezeigt, und das ist keine Sache von fünf Wochen, in denen wir jetzt erst mit SAGT NEIN! aktiv waren – mit mehr als 13.000 (!!!) Unterstützer:innen

Unser erreichter Zusammenschluss und unsere Vernetzung sind das eigentlich wichtige Ergebnis, das es fortzusetzen gilt. Deswegen werden wir uns nun an die Vorbereitung von regionalen Konferenzen machen – ihr hört von uns! 

Gewerkschaft, das sind wir!
NEIN! ZU KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN!

Und in Anlehnung an Rosa Luxemburg rufen wir Euch zu:
Wir waren. Wir sind. Wir werden sein!
BUNT und INTERNATIONAL

für den Initiator:innenkreis
Hedwig Krimmer           Andreas Buderus

Weitere Verlautbarungen zum Leitantrag :

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung