„Weigere dich zu kämpfen“: Jüdische und arabische Aktivisten rufen in Haifa (Israel) zum Frieden auf

Israelische Juden und palästinensische Israelis kommen zusammen, um ein Ende des Gaza-Krieges zu fordern.

Veröffentlicht am 20. Januar 2024

Friedensaktivisten haben an einer Demonstration in Israels drittgrößter Stadt Haifa teilgenommen und einen Waffenstillstand im Gaza-Krieg sowie den Austausch von Gefangenen zwischen der Hamas und Israel gefordert.

„Dies ist das erste Mal, dass wir diesen Protest im Norden sehen“, sagte Stefanie Dekker von Al Jazeera, die am Samstag aus Haifa berichtete.

„Es ist ein Protest mit israelischen Juden und palästinensischen Israelis, und er ist bedeutsam, weil die beiden zusammenkommen.“

„Die Botschaft ist, dass der Krieg beendet werden muss und dass ein friedliches Zusammenleben nur mit einer politischen Lösung für die Palästinenser möglich ist“, sagte sie.

Omri Evron, ein Mitglied der Kommunistischen Partei Israels, der die Anti-Kriegs-Demonstration mitorganisiert hat, sprach mit Al Jazeera über die Botschaft, die die Demonstranten zu vermitteln hofften.

„Das Töten von Abertausenden von Palästinensern, von denen die überwiegende Mehrheit unschuldige Zivilisten sind, ist nicht nur verwerflich, es dient auch nicht der Sicherheit des israelischen Volkes. Es bringt uns keine Sicherheit, es sorgt nur für das nächste Massaker, den nächsten Zyklus der Gewalt“, sagte er.

„Derzeit skandieren sie [die Demonstranten] ‚Verweigert das Töten, verweigert den Kampf, verweigert das Morden‘ – das ist unser Aufruf.“

Evron räumte ein, dass es schwierig sei, einen solchen Protest zu organisieren.

„Es war schwierig, nicht weil es keine Juden und Araber gibt, die zusammenkommen wollen und an eine gemeinsame Zukunft in Frieden, Gleichheit und nationaler Befreiung beider Völker in zwei Staaten glauben“, erklärte er.

„Es war schwierig, weil die Regierung und vor allem die Polizei alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um uns daran zu hindern, zusammenzukommen, um uns daran zu hindern, eine rechtmäßige und friedliche Stimme zu erheben. Wir mussten den Obersten Gerichtshof anrufen, damit wir uns versammeln und demonstrieren durften.“

Al Jazeera’s Dekker sagte, dass die Demonstranten nicht marschieren durften, und die Behörden sagten, dass der Protest nicht in der Nacht stattfinden könne. Mehrere Hundert Menschen konnten sich jedoch tagsüber für zwei Stunden versammeln.

(1) Ein Mann hält eine Kampfjet-Attrappe während einer Demonstration, die einen Waffenstillstand und die Freilassung von Gefangenen im Gaza-Krieg fordert.

(2) Menschen halten Plakate, während sie an einer Demonstration für den Frieden in Haifa teilnehmen.

(3) Arabische und jüdische Friedensaktivisten protestieren in Israel gemeinsam.

(4) Menschen stehen hinter einem Transparent, auf dem ein Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas gefordert wird.

(5) Demonstranten fordern die Freilassung von israelischen Gefangenen in Gaza.

(6) Menschen halten Plakate, die ein Ende des „Völkermords“ in Gaza fordern.

(7) Demonstranten fordern die Freilassung der israelischen Gefangenen in Gaza.

(8) Die Menschen halten Transparente und rufen Slogans während des Protests.

(9) Ein Mann steht hinter einem Transparent mit Aufschriften in Arabisch, Hebräisch und Englisch, auf dem das Ende des Krieges gefordert wird.

Bilder (Ahmad Gharabli/AFP) (Aef Safadi/EPA)

Quelle: AlJazeera; Übersetzung aus dem Englischen mit DeepL.

Hände weg vom Streikrecht – Protect the right to strike! – Our workersrights are under attack!

Solidaritätskundgebung am 27. 1. um 12 Uhr vor der Britischen Botschaft in Berlin

Die konservative und neoliberale britische Tory-Regierung hat einen massiven Angriff auf das Streikrecht gestartet. Im Sommer 2023 hat das britische Parlament ein Gesetz verabschiedet (Minimum Service Levels Act), welches das Streikrecht für über fünf Millionen Beschäftigte außer Kraft setzt.

Das Anti-Streik-Gesetz bedeutet, dass Beschäftigte unter anderem im Gesundheits- und Bildungswesen, bei der Feuerwehr und im Verkehrswesen während Streikaktionen gezwungen werden können, zur Arbeit zu erscheinen und entlassen werden können, wenn sie sich weigern. In diesen Bereichen sollen die Beschäftigten verpflichtet werden, einen Mindestbetrieb auch während eines Arbeitskampfes zu garantieren. Den am Streik beteiligten Gewerkschaften drohen Schadenersatzklagen, wenn sie nicht kooperieren.
Durch dieses Gesetz werden genau jene Branchen getroffen, die in der vergangenen Zeit die größte Streikbereitschaft gezeigt haben. Teilweise geht es um den öffentlichen Sektor, teilweise um öffentliche Dienstleistungen, die aber von privaten Unternehmen durchgeführt werden.

Mit dem geplanten Gesetz würde sich der Staat ein Durchgriffsrecht schaffen, wo er bislang keines hatte. Das Recht auf Streik wird damit gravierend eingeschränkt!

Das Streikrecht ist ein fundamentales Grundrecht. Es ist das zentrale Mittel der Beschäftigten im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Mit dem undemokratischen Gesetz wird die Kampfkraft der Gewerkschaften beschränkt und Arbeitskampfmaßnahmen sollen geschwächt werden. Dies stellt einen der größten Angriffe auf die Rechte der Beschäftigten und Gewerkschaften seit Jahrzehnten dar. Das Streikrecht in Großbritannien, welches vorher schon zu den restriktivsten in Europa gehörte, wird damit noch weiter ausgehöhlt. Der Angriff auf das Streikrecht in Großbritannien kann auch eine Signalwirkung für reaktionäre Bestrebungen in anderen Ländern haben. Auch hierzulande gibt es von konservativen Kräften wie der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion immer wieder Forderungen nach einer weiteren Einschränkung des Streikrechts in Bereichen wie der Bahn oder in Krankenhäusern.

Die britischen Gewerkschaften haben zum Kampf gegen das Gesetz aufgerufen und haben beschlossen, dass sie ihre Mitglieder bei Streiks nicht dazu aufrufen werden, die Streikposten zu verlassen, wie es vom neuen Gesetz gefordert wird.
Der britische Gewerkschaftsdachverband Trades Union Congress (TUC) organisiert eine Kampagne für die Verteidigung des Streikrechts und ruft zu einem landesweiten Protest in Cheltenham am 27. Januar auf.

Wir wollen unsere internationale Solidarität mit den Gewerkschaften und Beschäftigten in Großbritannien ausdrücken und rufen deshalb am 27. 1. um 12 Uhr zu einer Kundgebung vor der britischen Botschaft auf.

Aufrufer: Kampagne für ein umfassendes Streikrecht

„Die Medien werden munitioniert“

Wir haben bereits öfters über die Diffamierungs- und Cancelkultur berichtet , die sich in Deutschland gefährlich ausgebreitet hat. Es ist Wasser auf die Mühlen des sich breit machenden Rechtsextrenismus aus der Mitte der Gesellschaft. Ein Beispiel , das viel sagt zur aktuellen Situation: „Opfer der Staaträson„. Hier zum Thema ein Interview der UZ am 12. Januar mit dem linken Abgeordneten Andrej Hunko (BSW). (Peter Vlatten)

An der Heimatfront soll Ruhe sein. Regierungskritiker werden mundtot gemacht und ein gesellschaftliches Klima geschaffen, das keinen Diskurs mehr zulässt. UZ sprach mit dem Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken (UEL) in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats Andrej Hunko (BSW) darüber, wie dieser Prozess abläuft, warum er bis in linke Kreise hineinwirkt und wie US-Institute die deutsche Presse beeinflussen.

UZ: Im Dezember ergab eine Allensbach-Umfrage, dass nur noch eine Minderheit der Deutschen das Gefühl hat, die eigene Meinung frei äußern zu können – ein Rekordtiefstand. Wie ist es nach zwei Jahren „Zeitenwende“ um die Meinungsfreiheit bestellt?

Andrej Hunko: Das Ergebnis dieser Umfrage überrascht mich nicht. Wir haben mittlerweile eine Kultur, in der eine abweichende Meinung dazu führt, dass gleich die ganze Person diskreditiert wird. Das hat aber nicht erst mit der „Zeitenwende“ angefangen. Ich sehe drei Wellen dieser Verengung des Diskurses. In der Corona-Zeit, dann im Ukraine-Krieg und jetzt im Zuge des Krieges in Gaza kamen neue Qualitäten hinzu. Diese verheerende Entwicklung zieht sich bis in das persönliche Umfeld der Menschen, in die Familie, den Freundes- und Kollegenkreis. Während der Corona-Zeit sind Gruppen auseinandergebrochen. Es gab von den großen Medien Vorschläge, wie: Was tun, wenn der Opa schwurbelt? Und was, wenn der Opa ein Putin-Versteher ist? Das betrifft nicht nur die politischen Akteure, sondern alle.

Deshalb ist der Einsatz für Meinungsfreiheit, also der voltairische Gedanke, wichtiger denn je, auch aus linker Perspektive. Im Nachgang des „Was tun?!“-Kongresses in Frankfurt schrieb ein Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf „X“, dass der Kampf um Meinungsfreiheit ein „rechter Topos“ sei. Das ist auch ein Ausdruck der Situation, in der wir heute sind.

UZ: Ursprünglich linke Organisationen sind inzwischen Teil dieses Prozesses …

Andrej Hunko: Das liegt daran, dass sich in vielen linken Organisationen – insbesondere in meiner ehemaligen Partei „Die Linke“ – der Moralismus ausgebreitet hat. Damit meine ich ein überaus verkürztes Gut-Böse-Schema, das von vielen jungen „Linken“ aufgenommen wird, während sie sich politisieren. Das Schema ist einfach: Russland ist böse, der Westen ist gut. Diese „Linken“ sagen: Wir sind die Besseren unter den Guten. Die Regierung gehört zwar auch irgendwie zum guten Lager, aber wir kritisieren sie, weil wir die besseren Guten sind. Menschen mit diesem Politikzugang sind instrumentalisierbar für die Phänomene, die ich eben beschrieben habe. Der entscheidende Zugang zu linker Politik, das kritische Hinterfragen von Vorgängen, von Interessen und Machtstrukturen, ist immer mehr ins Abseits geraten.

UZ: Wie sind deine persönlichen Erfahrungen mit den Mechanismen, die kritische Stimmen mundtot machen sollen?

Andrej Hunko: Solche Zurichtungsversuche von oppositionellen Parteien gibt es ja schon länger. Meine ersten Erfahrungen dieser Art habe ich im Jahr 2009 gemacht, als ich zum ersten Mal kandidiert habe. Der „Spiegel“ hatte einen Journalisten geschickt, um sich mit mir zu unterhalten. Über das Gespräch wurde nichts veröffentlicht. Stattdessen wurde ein Labeling vorgenommen, also festgestellt, wo man mich einsortieren muss. Das wurde dann von anderen Medien aufgegriffen. Wir kennen das noch aus der Geschichte der Grünen. Da gab es die Unterscheidung zwischen „Fundis“ und „Realos“ – auch so ein Labeling. Ich habe damals schon beobachtet, dass die Journalisten, die in den großen Medien für „Die Linke“ zuständig waren, ein ähnliches Konzept hatten. Bestimmte Leute, die als zu kritisch galten, wurden runter- und andere hochgeschrieben. Das ist also nichts Neues. Seit Corona und den genannten Ereignissen geht das aber noch sehr viel weiter.

Ich habe im Mai 2020 auf einer Kundgebung gesprochen, an der keine Personen teilnahmen, die irgendwie rechts waren. Dabei habe ich eine kritische, aber nicht fundamental ablehnende Haltung zur Corona-Politik der Bundesregierung geäußert. Ich habe zum Beispiel gesagt, dass es keine Studien gibt, die belegen, dass Kinder besondere Infektions-Spreader seien. Das wurde damals behauptet, heute nicht mehr. Neu war, dass ich danach in die Nähe von Recht­sextremisten gerückt wurde. Das hatte eine andere Qualität. Es wurde noch viel stärker auf die persönliche Integrität gezielt. Ich denke gerade an das damals verbreitete Hashtag „#SterbenmitStreeck“ gegen den Virologen Hendrik Streeck. Kritikern wurde unterstellt, für das massenhafte Sterben von Menschen zu sein oder es zumindest in Kauf zu nehmen.i

Das setzte sich während des Ukraine-Kriegs fort und richtete sich zunächst gegen Sozialdemokraten, die an den Resten der Entspannungspolitik festhalten wollten. Wer von der Forderung abwich, immer weiter Waffen zu liefern, wurde als „Putin-Knecht“ oder als „Relativierer eines Angriffskriegs“ diffamiert – in einer Art und Weise, die es so vorher nicht gab. Es setzte eine massive Cancel Culture ein, zum Beispiel gegen Roger Waters oder Gabriele Krone-Schmalz. Ich selbst habe das auch erlebt, als vermeintlich linke Räume gekündigt wurden, weil ich für Putin sei oder mit Querdenkern geredet hätte.

Zudem habe ich Nachweise darüber, dass die Charakterisierung meiner Person nicht nur aus den deutschen Redaktionsstuben kommt, sondern von US-amerikanischen Instituten, in meinem konkreten Fall vom „Institute of World Politics“. Die haben ein Dossier über mich angelegt und verschicken das an deutsche Medien.

UZ: Was steht in diesem Dossier?

Andrej Hunko: Da steht drin, was ich so alles Böses gemacht habe. Interessanterweise wird behauptet, dass ich ein „Putin-Propagandist“ sei und dass ich Positionen vertrete, wie sie auch ein Putin-Mann in Deutschland vertreten würde. Das ist albern, weil ich mich immer für linke fortschrittliche Oppositionelle gerade in Russland eingesetzt habe. Die russische Regierung sehe ich sehr, sehr kritisch und Putin halte ich eher für einen rechtskonservativen Politiker. Zu meiner großen Überraschung stand in diesem Dossier auch, dass ich im Jahr 2019 „plötzlich“ zum Leiter der Wahlbeobachtungsmission des Europarates in Georgien gewählt wurde. Das stimmt auch, ich war in Georgien und die Mission ist sehr gut verlaufen. Aber so etwas wird in den USA offenbar wahrgenommen und vermerkt. Wenn kritische Leute sensible Funktionen übernehmen, werden die Medien entsprechend munitioniert.

UZ: Wie kann der Widerstand gegen solche Mechanismen gestärkt werden?

Andrej Hunko: Es ist wichtig, dass man diese Kampagnen als solche erkennt und die Interessen aufdeckt, die dahinterstehen. Leider haben das viele Linke bisher nicht getan, sondern sich auch noch daran beteiligt.

Wir leben in einer Welt, die sich geopolitisch immer weiter polarisiert. Neben dem Ukraine-Krieg haben wir den Krieg im Gaza, der starke Anzeichen einer weiteren Eskalation aufweist. Es gibt die Angriffe Israels auf den Libanon, wir haben die Militärkoalition im Roten Meer, die sich möglicherweise gegen den Iran richtet. Deutschland unterstützt das politisch, was ich verheerend finde.

Schon bei Corona war auffällig, dass wir hier nur Impfstoffe aus NATO-Ländern bekamen. Damals, als es sich um eine Menschheitsbedrohung zu handeln schien und überall von Kooperation die Rede war, wurde die Bekämpfung der Gefahr geopolitisiert. Die Impfstoffe aus Russland, China oder Kuba wurden nicht zugelassen, sondern nur diejenigen des eigenen Blocks. Sputnik wurde trotz guter Werte verteufelt – ganz im Gegensatz zum sonstigen Narrativ. Im Zuge dieser geopolitischen Überlagerung wird der Kampf um Meinungsfreiheit und klassische demokratische Errungenschaften immer wichtiger werden. Je mehr sich die Welt geopolitisch polarisiert, desto wichtiger ist es, den wachsenden Druck im Inneren mit dieser Entwicklung zu kontextualisieren und ihm standzuhalten.

Das Interview Die Medien werden munitioniert ist zuerst erschienen in der UZ am 12.Januar 2024. Wir danken der UZ Redaktion und dem Interviewpartner für die Publikationsrechte,.

Titelbild: Andrej Hunko beim „Was tun?!“-Kongress in Frankfurt am Main (Foto: Vincent Cziesla)

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