Veranstaltungsreihe: Klima – Krise – sozial-ökologische Transformation

Die Gewerkschaften und besonders die IG Metall stehen vor großen Herausforderungen. Die Industrie, in der wir arbeiten und die unseren Lebensstandard ermöglicht hat, ist wesentlich verantwortlich für die hohen CO2-Emissionen und damit für den fortschreitenden Klimawandel und die zunehmende Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Ein Umsteuern ist unerlässlich.

Dies ist täglich Gegenstand in den Nachrichten und wird von Politikern fast aller Couleur immer wieder betont. Gleichzeitig stellen wir fest, dass diese Erkenntnis kaum zu politischem Handeln führt.

Warum ist das so?
Die Funktionsweise des Kapitalismus ist auf unentwegtes Wachstum angewiesen. Die Übernutzung und Ausbeutung aller Lebensgrundlagen hat das ökologische Gleichgewicht der Erde gekippt.

Gleichzeitig basiert unsere Gesellschaft auf dem Funktionieren des Kapitalismus.

Wie kommen wir heraus aus diesem Dilemma ?
Der gewerkschaftsnahe Sozialwissenschaftler Klaus Dörre hat dieser Frage ein Buch gewidmet: Die Utopie des Sozialismus. Darin spart er nicht mit Kritik an Erfahrungen, die mit Gesellschaften gemacht wurden, die „Sozialismus“ für sich beanspruchten. Er meint jedoch:„Ihr Scheitern war nicht zwingend, sondern ließe sich durch eine andere Organisation der Arbeit und durch die Ausweitung der Mitspracherechte der Arbeitenden vermeiden!“

Ökosozialismus

Die Kapitalistische Produktionsweise zerstört Mensch und Natur. Ist dieses System in der Lage eine nachhaltige Gesellschaft zu schaffen? Kann es einen „grünen Kapitalismus“ geben, der nur die genuzten Energiequellen wechselt und ansonsten alles beim Alten lässt?

Unmöglich sagen viele und auch Klaus Dörre sieht keine Perspektive, mit dem Kapitalismus eine sozial ökologische Transformation zu erreichen. Er meint, die einzige Chance den Planeten in eine sozial gerechte und klimaschützende Richtung zu führen, liegt in einer neuen Form des Sozialismus.

Wie sieht die konkrete Utopie aus, wie ist sie zu erreichen und welche Klassenbündnisse sind nötig, damit die Gesellschaften eine verantwortliche Richtung einschlagen?

Veranstaltung mit Klaus Dörre am 16. Februar 2024 um 19 Uhr.
im IG Metall-Haus (Alte Jakobstraße 149)

Dies bedeutet nicht, die Lösung der brennenden Probleme in die Zukunft zu vertagen. Vielmehr ist konkretes Handeln gefordert. Alle Schritte, die unser Leben klimaschützender gestalten, sind notwendig und müssen von den Gewerkschaften vorangetrieben werden.

Eine Kooperation mit dem Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall und dem Diskussionskreis um den Buchladen schwarze Risse“.

Was wir auf diesem Weg tun können, wollen wir in einer weiteren Veranstaltung im kommenden April an gleicher Stelle diskutieren. Dazu haben wir Stefan Krull und Martin Bott eingeladen. Beide Kollegen haben jahrzehntelang bei VW bzw. Mercedes gearbeitet und setzen sich vehement für die Verkehrswende ein

Appell gegen die Entmenschlichung von Palästinensern und Muslimen und von Juden und Israelis

Eine Koalition will die Entmenschlichung im Nahostkonflikt mit Ausgewogenheit bekämpfen, es fehlt aber an Biss.

Von Florian Rötzer

Bild; al-Quds

Eine „pro-human camp coalition“ hat einen Offenen Brief veröffentlicht, der sich gegen die praktizierte Entmenschlichung von Gaza-Bewohnern, Palästinensern und Muslimen auf der einen Seite und Juden und Israelis auf der anderen Seite wendet. Die Koalition, angeführt von Amnesty International Israel besteht aus Menschenrechtsorganisationen wie Parents Circle Families Forum, Rabbis for Human Rights, Mehazkim und anderen Organisationen.

Zahlreiche Künstler, Intellektuelle, Menschenrechtler und Ex-Politiker gehören zu den Unterzeichnern, hervorgehoben werden die Philosophen Slavoj Žižek, Axel Honneth, Eva Illouz und Kohei Saito, der Autor David Grossman, die Filmemacher Avigail Sperber, Tomer Heymann and Barak Heymann, die Schauspielerinnen Ala Dakka and Esti Zakheim und die früheren Knesset-Abgeordneten Issawi Frej, Dov Khenin und Mossi Raz.

Die Unterzeichner verstehen sich als Verteidiger der Menschenrechte, die in dem Hamas-Israel-Krieg die Entmenschlichung auf beiden Seiten „bekämpfen“ wollen, die durch das Hamas-Massaker an Israelis und die Zerstörung des Gazastreifens praktisch betrieben wird, aber auch in Aufrufen zur Vernichtung stattfindet oder in Haltungen zum Ausdruck kommt, die Gewalt auf der einen oder der anderen Seite rechtfertigen.

„Als Verfechter der Menschenrechte müssen wir Apartheid und Unterdrückung bekämpfen. Dieser Kampf darf jedoch nicht die Dämonisierung von Zivilisten beinhalten, die auf der Seite des Stärkeren stehen, und schon gar nicht darf er das Massaker und die Gräueltaten gegen israelische Zivilisten und andere Staatsangehörige am 7. Oktober gutheißen. Gleichzeitig gibt die weit verbreitete Unterstützung der israelischen Öffentlichkeit für die Art der israelischen Vergeltungsmaßnahmen im Gazastreifen – eine Vergeltungsmaßnahme, die selbst zu einem schrecklichen Ausmaß an Tötung und Leid geführt hat – zusammen mit den Aufrufen prominenter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (wie auch von Teilen der israelischen Öffentlichkeit) zu ethnischen Säuberungen und Bevölkerungstransfers Anlass zu großer Sorge.“

Die Unterzeichner wenden sich auch gegen Reaktionen außerhalb von Israel, wenn entweder das brutale Vorgehen der Palästinenser oder der Vernichtungsfeldzug im Gazastreifen gegen alle Bewohner gebilligt werden. Es wird versucht, ausgewogen zu argumentieren:

Im Westen hat sich bei einigen jungen Menschen ein beunruhigender Trend zur Entmenschlichung von Israelis und manchmal auch von Juden entwickelt. Dies dient als Rechtfertigung dafür, sie zu töten oder ihre Rechte zu verletzen, indem sie sie zu Stellvertretern der israelischen Unterdrückung machen. Dies zeigt sich unter anderem in der gleichgültigen oder verzerrten Haltung dieser Kreise gegenüber der Geiselnahme in Gaza. Umgekehrt ist in Israel und in weiten israelfreundlichen Kreisen weltweit eine Entmenschlichung der Palästinenser im Allgemeinen und der Gaza-Bewohner im Besonderen üblich, die sich vor allem darin äußert, dass alle Gaza-Bewohner mit der Hamas assoziiert werden. Diese Assoziation wird von ihnen benutzt, um wahlloses Töten und die Verweigerung humanitärer Hilfe zu rechtfertigen. Darüber hinaus ist die wachsende Welle der Islamophobie im Westen, die Muslime pauschal als Terroristen darstellt, sowohl verwerflich als auch alarmierend.“

Daraus wird gefolgert:

„Die Entmenschlichung von Israelis und Juden, aber auch von Palästinensern und Muslimen ist inakzeptabel. Ein Mensch ist nicht nur eine Repräsentation einer kollektiven Identität, einer Geschichte, von Ereignissen oder einer politischen Ausrichtung. Ein konsequenter humanistischer Ansatz muss sich mit all diesen inakzeptablen Entwicklungen auseinandersetzen.“

Eingetreten wird konkret dafür, dass pro-palästinensische Proteste berechtigt sind und nicht unterbunden werden dürfen, wenn sie nicht Verbrechen gegen Zivilisten rechtfertigen:

„Darüber hinaus muss ein entscheidender Unterschied zwischen pro-palästinensischen Protesten und der Unterstützung von Verbrechen gegen Israelis gemacht werden. Der Raum für pro-palästinensische Proteste darf nicht eingeengt werden, wie es in letzter Zeit in vielen Fällen geschehen ist. Gleichzeitig müssen wir uns jeder Rationalisierung von Verbrechen gegen Zivilisten widersetzen, unabhängig von ihrer Identität oder ihrem Aufenthaltsort.“

Aber damit ist dann schon Schluss als dem kleinsten gemeinsamen Nenner, dem entstandenen „verstörenden Trend der Entmenschlichung“ entgegenzutreten, was auch hier etwas näher begründet wird. Die Initiative ist zu begrüßen, man hätte aber auch gewünscht, dass die Verurteilung der Entmenschlichung sich nicht auf den Nahost-Konflikt beschränkt, sondern auch andere Kriege wie Russland-Ukraine oder Konflikte wie Aserbeidschan-Armenien oder Türkei-Kurden eingeschlossen hätte.

Die Entmenschlichung findet auf vielen Ebenen statt, Kriege fördern sie besonders, verlangen sie geradezu, schließlich ist Krieg notwendig die Tötung des anderen Menschen als Gegner, was man auch als Entmenschlichung verstehen kann, obwohl es dabei primär um Soldaten geht, die trotzdem Menschen bleiben. Daher wäre interessant gewesen, welche Position diesem ethischen Bekenntnis in der Frage von Krieg und Frieden zugrundeliegt. Man kann vermuten, dass es um den Schutz von Zivilisten geht, wie das die Genfer Konventionen regeln wollen,  und die Verhinderung der Ideologie, in Kriegen jeweils die Gesamtbevölkerung als Gegner zu kennzeichnen, die dann entsprechend bekämpft werden kann. Darf die palästinensische Befreiungsbewegung berechtigt Gewalt gegen „Apartheid und Unterdrückung“ ausüben, darf Israel bei der Bekämpfung der Hamas Kollateralschäden verursachen und in welchem Ausmaß? Sollen Verhandlungen beginnen? Wo beginnt Entmenschlichung? Sollte der Internationale Strafgerichtshof diese ahnden? Wäre nicht eine Forderung, dass Israel (und die USA, Russland, China, die Ukraine etc.) endlich wie Palästina dem IStGH beitreten soll? Der Initiative fehlt leider der Biss.

Erstveröffentlicht im Overton Magazin v. 8.1. 2024
https://overton-magazin.de/top-story/appell-gegen-die-entmenschlichung-von-palaestinensern-und-muslimen-und-von-juden-und-israelis/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Sinnloses Töten im Gazastreifen

Matthias Monroy über das neue Kriegsziel Israels

Bild: Times of Gaza

Die israelische Armee hat ihr Kriegsziel in Gaza-Stadt erreicht. Für die Bevölkerung, die zur Flucht in den Süden des Gazastreifens gezwungen wurde, eine Horrornachricht: Denn jetzt will die Armee in genau diese Region vorrücken.

Nach 93 Tagen ist die Bilanz des Gazakrieges verheerend: 90 Prozent der Einwohner aus Gaza-Stadt wurden vertrieben, die Hälfte von ihnen hungert. Israels Militär hat das Parlament, die Universität sowie die zentrale Bibliothek im Norden Gazas gesprengt und weit über 100 Moscheen zerstört. Mehr als 20 000 Palästinenser sind gestorben, Tausende unter Trümmern begraben, 15 000 Kinder sind Waisen. In sozialen Medien finden sich Dutzende Videos israelischer Soldaten, die sich bei Brandschatzungen und Sprengungen ganzer Stadtteile filmen und die einstigen Bewohner verhöhnen. 77 Journalisten wurden nach vorsichtigen Schätzungen getötet, am Sonntag kamen zwei weitere hinzu.

Jede einzelne dieser Maßnahmen könnte ein Kriegsverbrechen darstellen, zusammen genommen womöglich einen Genozid. Mit diesem Vorwurf bringt Südafrikas Regierung Israel vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, am Donnerstag beginnen dort die Anhörungen. Es ist zu hoffen, dass dies dafür sorgt, dass der israelische Rachefeldzug im Gazastreifen endet. Mit Selbstverteidigung nach dem 7. Oktober hat das sinnlose Töten nichts zu tun.

Erszveröffentlicht im nd v. 8.1. 2024
https://www.nd-aktuell.de/

Wir danken für das Publikationsrecht.

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