„Stadtasyl für Julian Assange“ in Berlin

Eine Gruppe von Unterstützer*innen startet die Initiative „Stadtasyl für Julian Assange“ in Berlin. Die Initiant*innen sammeln Unterschriften und bitten um Unterstützung.

Erschienen 08.04.23 – Pressenza Berlin

Hier kann der Appell und der Unterschriftenbogen heruntergeladen werden. Bitte schickt die gesammelten Unterschriften an: Ch. Deppe, Initiative „Stadtasyl für Julian Assange“, Würtzstr. 20, 13187 Berlin.

Offener Brief

An die
Regierende Bürgermeisterin
und die BürgermeisterInnen der Berliner Bezirke

Im April 2023

Am 11. April jährt sich zum vierten Mal die Entführung des australischen Journalisten Julian Assange aus der Botschaft Ecuadors in London. Seit 4 Jahren wird Julian Assange in einer 6 Quadratmeter großen Zelle eines englischen Hochsicherheitsgefängnisses festgehalten.

Die USA fordern seine Auslieferung; dort drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft oder gar die Todesstrafe – und dies, weil er seine Aufgabe als Journalist wahrgenommen hat. Aus der US-Administration wurden Pläne bekannt, Assange aus der Botschaft zu entführen und zu ermorden.

Die Juristen Assanges beklagen massive Behinderungen ihrer Arbeit und die Verletzung der Menschenrechte Assanges durch die englische Justiz. Der vormalige UN-Sonderberichterstatter für Folter, Prof. Nils Melzer, stellte fest, dass die extremen, menschenrechtswidrigen Bedingungen des Verfahrens und der Haft Folter sind, mit dem Ziel, Julian Assange zu zermürben und einen Menschen zum Schweigen zu bringen, der die Kriegsverbrechen der USA im Irak und in Afghanistan aufgedeckt und veröffentlich hat. (s. N. Melzer, „Der Fall Assange – Geschichte einer Verfolgung“, München 2021). In der Folge der Haftbedingungen und der Länge der Haft ist der Gesundheitszustand von Assange inzwischen lebens- bedrohlich.

Julian Assange ist der politische Gefangene des Westens. Mit ihm stehen die Pressefreiheit und unsere Informationsfreiheit auf dem Spiel, beides unabdingbare Voraussetzungen demokratischer Gesellschaften.

Die Bundesregierung nimmt ihre Aufgabe, politisch Verfolgten zu helfen und sie zu schützen, im Fall Assanges nicht wahr; sie weigert sich, bei den Regierungen der USA und Großbritanniens mit Nachdruck und Deutlichkeit auf die Freilassung von Assange zu dringen. Subsidiär ist daher das bürgerschaftliche Engagement der Städte und Gemeinden gefordert.

Wir appellieren an Sie, die BürgermeisterInnen Berlins, sich umgehend und partei- übergreifend für die Freilassung von Julian Assange einzusetzen. „Stadtasyl für Julian Assange“ ist die Parole und das Ziel der Aufforderung, Julian Assange Schutz zu bieten und daran mitzuwirken, sein Leben zu retten. Tragen Sie dazu bei, Informationsfreiheit und Demokratie zu erhalten!

Wir bitten Sie, sich dieses ebenso wichtige wie dringende Anliegen zu eigen zu machen. Mit ihren Unterschriften unterstützen die BürgerInnen den an Sie gerichteten Appell.

V.i.S.P. Ch. Deppe, Initiative „Stadtasyl für Julian Assange“, Würtzstr. 20, 13187 Berlin

Erschienen zuerst 08.04.23 – Pressenza Berlin, Stadtasyl für Julian Assange
Titelbild von Reto Thumiger, Pressenza, wir danken

Impressionen vom Berliner Ostermarsch 2023

von Jochen Gester & Ingo Müller, für das Beitragsbild recht herzlichen Dank an Udo Rzadkowski

Der Ostermarsch 2023 in Berlin bot eine Überraschung. Bekanntlich gab es viele Debatten und heftige Diskussionen im Vorfeld rundum das Thema Querfront, so dass man damit rechnen musste, dass sich dies negativ auf die Mobilisierung auswirkt. Die Partei DIE LINKE, sicher die größte Organisation im örtlichen linken Spektrum hatte ausdrücklich davon abgeraten, daran teilzunehmen. Die Gewerkschaften hielten sich recht bedeckt und blieben in ihren Äußerungen betont staatstragend. Und ein Teil der antimilitaristischen Linken hat den Termin sowieso nicht auf dem Ticket. Da war es dann doch erstaunlich, dass sich die Zahl der Teilnehmer:innen im Vergleich zum Vorjahr wohl mehr als verdoppelt, wenn nicht verdreifacht hat. Wir haben selbst gezählt: 320 Reihen mit im Durchschnitt 7 Leuten ergibt mehr als 2200 Demonstrant:innen. Von wegen „Hunderte“, wie es in einer der ersten Berichte von zeit.online hieß.

Den prägendsten Anteil des Marsches stellten – so jedenfalls konnte man es den mitgetragenen Meinungskundgebungen entnehmen – Menschen, die über die Eskalation des kriegerischen Konflikts ernsthaft besorgt sind und nicht glauben wollen, dass die Umwandlung der Ukraine in ein großes Reality-Life-Testlabor der Rüstungsindustrie einen Weg zu Frieden und Aussöhnung bahnen könnte. Ein Rundgang auf dem Sammelplatz verriet, dass ansonsten verschiedene Spektren der Linken und auch kleine gewerkschaftliche Gruppen präsent waren. Dem sorgfältigen Beobachter konnte auch ein Transparent des Querfrontprojekts „Die Basis“ nicht entgehen. Doch mochten weder diese – noch die etwas zahlreicheren Aktivisten der „Freien Linken“ dem Ganzen einen prägenden Stempel zu verpassen. Es war notwendig und gut, dass eine Rednerin der Friko ganz zu Beginn nochmal verdeutlichte, was die Veranstalter des Ostermarsches von den Rechten trennt und warum es sich hier um unvereinbare Welten handelt. Auch die politische Positionierung der Redner:innen fiel erfreulich deutlich aus: Kritk der kapitalistischen Verhältnisse, Notwendigkeit gesellschaftlicher Utopien und Solidarität mit den Leidtragenden des Krieges auf beiden Seiten der Front.

Besonders hervorheben möchte ich den Redebeitrag von Żaklin Nastić, der menschenrechtspolitischen Sprecherin der Linkspartei, die hier eine Art Ehrenrettung für ihre Partei ablieferte. Eine ungewöhnlich engagierte Rede mit der Vision grenzüberschreitender Solidarität hielt der ehemalige BSR-Personalrat Georg Heidel und Franziska Hildebrandt vom Hamburger SDS entwarf eine nachdenkswerte pazifistische Utopie. Es ist diesen und vielen anderen Akteur:innen der gesellschaftlichen Linken zu danken, dass es jetzt überhaupt einen ernst zu nehmenden Widerstand gegen die herrschende Kriegsbegeisterung gibt. Das Spektrum der Linken, das es vorzieht, lieber im Kreis zertifizierter moralischer Glaubensgemeinschaften zu verharren, statt in einer der Natur nach vielfältigen Massenbewegung um deren antimilitaristische und antifaschistische Ausrichtung zu kämpfen, findet mittlerweile wohl mehr Wohlwollen bei den Bellizist:innen als bei denen, die ihnen das Handwerk legen möchten.

Eine kleine lautstarke Gegenkundgebung, die versuchte den Ostermarsch zu skandalisieren, wurde gerade einmal von einem Dutzend Leute besucht. Der Stimmungsumschwung in der öffentlichen Meinung beginnt auch langsam die Berichterstattung zu verändern. Der Protest wird weniger stigmatisiert, die Sorgen der Menschen ernster genommen.

Redebeiträge:

Video:

Anmerkung zu den Tondatei:
Die in Hintergrund zu hörende lauten Zwischenrufe stammen von der Gegenkundgebung. Diese fand direkt hinter der Bühne unserer Kundgebung statt.
Bei andere Kundgebungen, wenn es z. B. sich um AfD-Kundgebungen handelt, wird alles unternommen, dass sie garnicht gestört werden können bzhw. dass Niemand zu nahe
an die Kundgebung kommen. Vielleicht hat man gehofft, dass es unschöne Szenen geben wird und wir uns provozieren lassen würden. 

Eröffnungsrede von Christa Weber

Aufgenommen: Ingo Müller, 08.04.2023, Berlin

Lühr Henken (Bundesausschuss Friedensratschlag)

Aufgenommen: Ingo Müller, 08.04.2023, Berlin


Christa Weber rezitiert B. Brecht

Während der Kundgebung rezitierte Christa Weber von Bertolt Brrecht das Gedicht: „An die Gleichgeschalteten“

„Um sein Brot nicht zu verlieren, in den Zeiten zunehmender Unterdrückung, beschließt mancher, die Wahrheit über die Verbrechen des Regimes bei der Aufrechterhaltung der Ausbeutung nicht mehr zu sagen, aber auch die Lügen des Regimes nicht zu verbreiten, also zwar nichts zu enthüllen, aber auch nichts zu beschönigen.https://lyricstranslate.com„

Aufgenommen: Ingo Müller, 08.04.2023, Berlin

Żaklin Nastić (Menschenrechtspolitische Sprecherin der LINKEN)

Aufgenommen: Ingo Müller, 08.04.2023, Berlin

Michael Müller (Bundesvorsitzender NaturFreunde Deutschland)

Aufgenommen: Ingo Müller, 08.04.2023, Berlin

Video Beginn des Demozuges „Ostermarsch 2023“ (Eigenproduiktion)

rec: ingmue1957

vollständiges Video Eröffnungskundgebung (Eigenproduktion)

00:00:00 Vorspann
00:00:25 Eröffnungsrede Christa Weber
00:03:41 Lied Karsten Troyke
00:06:28 Lühr Henken (Bundesausschuss Friedensratschlag)
00:23:38 Christa Weber Gedicht B. Brecht “ An die Gleigeschalteten“
00:30:08 Żaklin Nastić (Menschenrechtspolitische Sprecherin der LINKEN)
00:42:06 Michael Müller (Bundesvorsitzender NaturFreunde Deutschland)
00:49:58 Abspann

rec: ingmue1957, 08.04.2023, Berlin


3-stündiges Gesamtvideo von „Berlin Berlin TV„

Hier gibt es noch ein 3-stündiges Gesamtvideo des Marsches mitsamt Kundgebungsreden:
https://www.youtube.com/watch?v=OmrSdApAKkI

Rede von ehemalige BSR-Personalrat Georg Heidel findet ihr ab: 02:29:03 in dem Gesamtvideo

Rede von Franziska Hildebrandt vom Hamburger SDS findet Ihr ab 02:36:06 in dem Gesamtvideo.


Stoppt die Kriminalisierung von Protesten in Argentinien

Wir rufen auf zur Protestaktion „Freiheit für Cesar Arakaki und Daniel Ruiz!“ – in Berlin am 13. April, 16 Uhr vor der argentinischen Botschaft, Kleiststraße 23-26, 10787 Berlin (Nähe Wittenbergplatz).

Die Angriffe auf die Renten und Pensionen sind international . Auch die zunehmende staatliche Gewalt gegen Proteste. Unsere Aktion findet zeitgleich zum 12. Aktionstag gegen die Rentenreform in Frankreich statt. Mehr über die Hintergründe und der internationale Appell für den Freispruch !

Aufruf von Sozialistische Organisation Solidarität (Sol), Klasse gegen Klasse, dem AK Internationalismus der IG Metall Berlin und Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin

„Am 7. November 2021 verurteilte ein Gericht in Argentinien Cesar Arakaki (Mitglied der Partido Obrero) und Daniel Ruiz (Mitglied der PSTU) zu drei bzw. sechs Monaten und drei Jahren Haft. Warum? Weil sie an einer Demonstration mit 300.000 Teilnehmer*innen in Buenos Aires im Dezember 2017 gegen die Vorschläge der Regierung zu Renten und Pensionen teilnahmen. Sie wurden der “öffentlichen Einschüchterung” beschuldigt, die als Versuch der Kriminalisierung von Protesten genutzt wird. Bei einer der anschließenden Demonstrationen wurde ein Polizist verletzt und die beiden Angeklagten wurden dafür verantwortlich gemacht, obwohl Videobeweise zeigten, dass sie an der Verletzung nicht beteiligt waren.

Am 13. April findet die letzte Gerichtsverhandlung gegen die beiden statt, das Urteil wird wenige Tage später erwartet. Hier soll ein Präzedenzfall geschaffen werden, um zukünftige soziale Proteste noch weiter zu kriminalisieren. Auch in Deutschland erleben wir in den letzten Jahren immer wieder Verschärfungen von Versammlungsgesetzen und verstärkte Repression gegen linke und soziale Aktivist*innen. Der Kampf für demokratische Rechte ist international. Deshalb demonstrieren wir und zeigen unsere Solidarität mit den beiden Aktivist*innen und den linken und sozialen Bewegungen in Argentinien!
Hoch die internationale Solidarität! Freispruch und Freiheit für Cesar Arakaki und Daniel Ruiz!“

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Wri bitten um Unterstützung und Verschickung des folgenden internationalen Appells

An den argentinischen Botschafter und die CFCPC

An alle, die es betrifft:


Am 7. November 2021 verurteilte das Gericht 1 in mündlicher Verhandlung unter der Anklage von José Feliciano Ríos César Arakaki, Mitglied der Partido Obrero, und Daniel Ruiz, Mitglied der PSTU, zu drei Jahren und sechs Monaten bzw. drei Jahren Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte, weil sie am 18. Dezember 2017 an einer Mobilisierung von 300.000 Menschen vor dem Nationalkongress (Parlament) teilgenommen hatten, als die Regierung Cambiemos ein Gesetz zur Änderung der Altersversorgung verabschiedete.

Die Anschuldigung gegen die beiden wegen “öffentlicher Einschüchterung” impliziert die Anwendung eines Gesetzes, das von Regierungen gegen Bürger*innenmobilisierungen eingesetzt wird und darauf abzielt, das Recht auf sozialen Protest zu beschneiden, sowie die staatlichen Strafen gegen diejenigen zu erhöhen, die dies tun.

Am Tag der Ereignisse versuchte die Regierung durch polizeiliche Repressionen, das Recht auf sozialen Protest zu beschneiden. Zunächst ging die Polizei am 14. Dezember während der ersten Lesung des Gesetzes mit aller Härte gegen die Demonstrant*innen vor. Am 18. Dezember griff die Polizei eine friedliche Demonstration an, um zu verhindern, dass die massive Mobilisierung auf der Plaza de los Dos Congresos bleibt.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes durch den Kongress (mit den Stimmen von Cambiemos und PJ) nutzte die Regierung von Präsident Mauricio Macri die Medien, um die politischen Aktivist*innen, die an den Protesten teilgenommen hatten, zu dämonisieren. Die Anschuldigungen konzentrierten sich hauptsächlich auf zwei linke Aktivisten (von den linken Gruppen Partido Obrero und PSTU), die beschuldigt wurden, einen Polizeibeamten namens Escobar schwer verletzt zu haben, der mit einem Stein auf den Kopf geschlagen wurde.

Während des Prozesses wurde anhand von Videoaufnahmen nicht nur festgestellt, dass César Arakaki an den Verletzungen von Escobar völlig unschuldig war, sondern auch, dass die Staatsanwaltschaft und das Gericht von Anfang an über die Videobeweise verfügten. Dieser kleine Sieg über die Staatsanwaltschaft führte dazu, dass der verletzte Polizeibeamte Escobar nicht mehr als Kläger im Prozess auftrat. Damit lag die Anklage gegen César Arakaki vollständig in den Händen der Staatsanwaltschaft.

Der Prozess wurde von einem persönlichen und öffentlichen Prozess zu einem virtuellen Prozess per Zoom. Später wurde es zu einem halbvirtuellen Prozess, bei dem die Zeugen vor dem Gericht aussagen und die übrigen Parteien virtuell miteinander verbunden sind, was sich sowohl auf das Recht der Verteidigung als auch auf die Öffentlichkeit des Prozesses auswirkt.

Sowohl César Arakaki als auch Daniel Ruiz wurden während des Prozesses ihrer Freiheit beraubt und später wieder freigelassen. Die gegen sie erhobenen Anschuldigungen zielen darauf ab, einen Präzedenzfall für die Kriminalisierung von sozialem Protest und Volksmobilisierung zu schaffen, und werden insbesondere gegen die Teilnahme an Protesten von politischen Aktivist*innen eingesetzt.

Tausende von führenden Vertreter*innen von Menschenrechts-, sozialen, politischen und Bürger*innenrechtsorganisationen haben sich für den Freispruch von César Arakaki und Daniel Ruiz ausgesprochen. Unter ihnen sind wichtige Persönlichkeiten wie die Mütter der Plaza de Mayo, Nora Cortiñas und Elia Espen. Am 13. April 2023 wird die letzte Gerichtsverhandlung stattfinden und einige Tage später wird das endgültige Urteil verkündet. Wir schließen uns allen anderen an und fordern den Freispruch von Cesar Arakaki und Daniel Ruiz!

Mit freundlichen Grüßen,

[Name hinzufügen]

Bitte richten Sie Petitionen für den Freispruch von César Arakaki und Daniel Ruiz an:

Bundesstrafkammer, Comodoro Py 2002, 1. Stock, Autonome Stadt Buenos Aires, Argentinien (C1104BEN), und/oder per E-Mail an: cfcasacionpenal.secgeneral@pjn.gov.ar

Bitte senden Sie eine Kopie an absoluciondearakakiyruiz@gmail.com“

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