02.04.2023 Handwerker-Friedens-Kongress in Dessau

Nachdem die Handwerker Dessau-Roßlau 2022 zur Kundgebung: “Handwerk gegen Krieg, Sanktionen und Preissteigerungen“

aufgerufen haben und sie einige Monate später ein Handwerker-Protest in Berlin (01.10.2022) organisierten kommt jetzt

die Einladung zum “Handwerker-Friedens-Kongress.

Wann: 02. April 2023, 11.00 Uhr

Wo: Dessau, Technikmuseum “Hugo Junkers”, Kühnauer Straße 161a,

Handwerk gegen Krieg, Sanktionen und Preissteigerungen – Aufruf zur Kundgebung der Kreishandwerkerschaft Anhalt Dessau-Roßlau, vom 28.08.2022

Bericht über die Kundgebung, vom 28.08.2022

Pilotabschluss Metall. Es hat nicht gekracht. Pro Jahr nur eine halbe Acht.

„Gebt uns die Acht oder es kracht“. „8 Prozent für 12 Monate, keinen Tag länger und sockelwirksam“! Darauf wurde in wochenlangen Warnstreiks erfolgreich hinmobilisiert. Immer mehr Belegschaften und Kollegen haben dabei die 8 angesichts von 2 stelligen Inflationszahlen und des Nachholbedarfs aus Corona Zeiten als viel zu gering und damit als nicht verhandelbare Minimalforderung angesehen. Ein Abschluss unterhalb dieser Marke mitten im Warmlaufen empfinden jetzt nicht wenige als Abpfiff, bevor der Kampf mit guten Siegeschancen überhaupt erst angepfiffen wurde.

Das Resultat sieht nur auf dem ersten Blick rosig aus. Sicher deutlich besser als in der Chemiebranche. So gesehen ein großer Erfolg. Und doch: das Ergebnis ist mit 8,5% für 24 Monate eine Halbierung der von vielen Kollegen als schon nicht ausreichend hohen Ausgangsforderung. Trotz Auslaufen des Tarifvertrags im September 2022 kommt die erste sockelwirksame Tariferhöhung von 5,2 % erst im Juni 2023. Für das darauffolgende Jahr im Mai gibt es 3,3 Prozent. Damit werden die Metaller ein weiteres Jahr tariflich mit sinkenden Einkommen gebunden. Nur Naive können glauben, dass die Inflationsrate bis dahin wieder Normalniveau erreicht hat. Die 3000 Euro abgabenfreien Sonderzahlungen muss man als das ansehen, was sie sind: „schöne“ Trostpflaster für 2 bis 3 Jahre Nullrunde seit Corona ohne nachhaltigen Effekt für die Kollegen bei oft zweistelligen Gewinnen [1]https://www.dividendenchecker.de/dividende_dax.php der Unternehmen. Noch gestern kam die Meldung, dass die DAX Konzerne, ganz vorne dabei die Metallkonzerne , ihr historisch bestes Ergebnis erzielt haben.

Selten sind die Bedingungen für einen erfolgreichen Streik in der Metallindustrie so günstig gewesen wie diesmal. [2]https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/streit-uber-tarifentgelte–der-metallindustrie-droht-ein-arbeitskampf-8870194.html?fbclid=IwAR2MKiSyeIJBaIkFJV14obp4-sHwCmKmfzGnbqyEcKpsYZxa0tVqAGw0PdA Die Rückmeldungen aus den Betrieben zeugten von einer eindeutigen Kampfbereitschaft, die 8 Prozent zu erstreiken. Hohe Auftragsbestände bei bestehendem Fachkräftemangel, Höchstpreise bei Kunden durch Ausnutzung der Inflationsrate, Preisdruck auf abhängige Lieferanten sowie Konzentration auf Premiumprodukte bei den deutschen Nobelautomarken – ein Streik hätte die Kapitalseite da vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. Eine Chance, den Reallohnabbau wirkungsvoll aufzuhalten, wurde vertan.

Fazit. Der Abschluss kein Grund zum Jubeln. Das Ergebnis verlangsamt den sozialen Abstieg für Millionen Metaller, aber verhindert ihn nicht. Der Weg für weitere generelle Einbußen bei Reallöhnen und -gehältern wird mit abschlagsfreien Einmalzahlungen lediglich versüßt. Es droht am Ende, wenn die Inflation nur so bleibt wie vorhergesagt, der massivste Einbruch der ökonomischen Lebensverhältnisse für die Metallbeschäftigten seit Bestehen dieser Republik.

Es gilt jetzt das Tarifergebnis im Kleingedruckten weiter zu bewerten. Immerhin hat sich der Präsident von Gesamtmetall dahingehend geäussert, dass es für Betriebe in Notlage „Differenzierungen“ gebe. [3]Tarifeinigung IG Metall: Einmalzahlungen und Lohnerhöhungen (handelsblatt.com) Auch das lässt für die betroffenen Belegschaften nichts Gutes erhoffen.

Die Warnstreiks haben gezeigt, wie stark die Beschäftigen, hervorragend organisiert von ihrer Gewerkschaft, den Unternehmern die Stirm bieten können. Leider trägt der jetzt vorliegende übereilte Abschluss nicht zur Stärkung dieses entstandenen Vertrauens bei. Auch das Umfeld könnte unserer IG Metall Organisation noch schwer zu schaffen machen. Verdi fordert 10,5 %. Aber noch wichtiger ist, dass die Einkommen laut aktueller Gehaltsstatistik in etlichen Bereichen zuletzt stärker gestiegen sind als in der Metallindustrie .(Siehe Gehaltsstatistik Handelblatt 9.11.2022) [4]https://www.handelsblatt.com/meinung/morningbriefing/morning-briefing-neue-zahlen-zum-gehaltsplus-keine-lohn-preis-spirale-in-sicht/28796740.html. Die aktuellen Zahlenerhebungen könnten die Frage aufwerfen: haben die Miglieder der „kampfstarken“ IG Metall am Ende das Nachsehen?

Bleibt noch die Frage, ob nicht der Abschluss Zulieferbetriebe oder auch Maschinenbauer in Schwierigkeiten hilft und damit die Arbeitsplätze vieler Kollegen:innen rettet. Untersuchungen zeigen, dass Lohnverzicht diesen Firmen nicht weiterhilft. Ursache sind entweder Preisdruck durch die Großen bei gleichzeitiger Inflation, falsche Produktstratgien angesichts der Transformation sowie Lieferkettenprobleme. Zu diesem Ergebnis kommen selbst maßgebliche wirtschaftsnahe Untersuchungen (siehe „Krise und E-Mobiltät treffen Zulieferer mit voller Wucht “ (Automobil Produktion , Juli 2022, Mogge Roland Berger [5]https://www.automobil-produktion.de/management/krise-und-e-mobilitaet-treffen-zulieferer-mit-voller-wucht-533.html?fbclid=IwAR0RId-YbV1dr9ZvgzwBEZDmfQONGV3KtaqWKToGWix6cv3hrPofy0Ohm9Q

Über den Twitter Account des Pilotbezirkes Baden Württemberg ergiesst sich seit heute morgen eine Flut bitterer Kommentare, nur wenige äussern sich zufrieden. Hier einige typische Beispiele als Stimmungsbild:

  • Tarifergebnis. 5,2 Prozent. Es sind jetzt 10,4% Inflation. Die 5,2% für Juni 2023 werden bis dahin von der Inflation bis nächstes Jahr gefressen.
  • Die Einmalzahlungen hätten dieses Jahr kommen müssen und nicht aufgeteilt in 2023 und 2024.
  • Nennt mir einen Grund warum Leute eintreten sollten!?! Im Juni? Der alte Tarifvertrag ist im September ausgelaufen. Habt ihr diese Nacht irgendwas getrunken?
  • Nicht schlecht bei voraussichtlich 20% Inflation in der gleichen Zeit!
  • Miserarbles Verhandlungsergebnis. Passend dazu gestern die Meldung, dass die DAX-Konzerne so hohe Gewinne erwirtschaften wie noch nie
  • Hoffentlch lehnt die Tarifkommission das Ergebnis noch ab. Bei Inflation 2022+2023 von 10 % -> 12 % Reallohnverlust Kündigung geht raus.
  • 3,3% 2024 wenn die Inflation 15% ist , geil!
  • Es gibt dann nach 5 Jahren (letzte Erhöhung 2018) 5,2% also 1% jedes Jahr ohne Gewerkschaft kann man das auch selber besser verhandeln 🤡🤡🤡
  • Alles mehr ist toll, aber könnt ihr bitte noch erklären, warum das über 24 Monate jetzt genau so gut oder besser ist, als 8% über 12 Monate?


Klären wir auf. Es ist nicht die gewerkschaftliche Organisierung, die falsch läuft. Es sind Illusionen über Konzertierte Aktionen mit dem Kapital und es ist das Einknicken vor dem Druck von Unternehmen, politischer Eliten und systemerhaltener Verhältnisse auch beim eigenen Führungspersonal. Es kommt jetzt mehr denn je darauf an, dass von unten die Inititiative ergriffen und die offene DIskussion zum Zusammenhalt geführt wird.

IGM Hanau-Fulda: Warnstreik und Politik

Ein kurzbericht über den Warnstreik und Öffentliche Kundgebung des Hanauer Bündnisses für Frieden und soziale Gerechtigkeit.

Am 17.11.2022 fand ein Warnstreik der IG Metall Hanau-Fulda in Hanau, am Freiheitsplatz statt. Dazu hatte die IG Metall Hanau-Fulda aufgerufen.

Ein breites Bündnis aus lokalen Organisationen erklärte sich gleichzeitig solidarisch mit den Forderungen der Metallerinnen und Metaller und beteiligte sich dabei unter dem Motto, sich gerade jetzt für den Frieden und mehr soziale Gerechtigkeit einzusetzen.

Als Redner:innen traten u.a auf:

ca 1.000 Teilnehmer demonstrierten vor Ort und es herrschte eine sehr gute kampfbereite Stimmung.



Fotogalerie


Video die die Stimmung zum Ausdruck bringen:

Wie die Stimmung war, könnt ihr an Hand der kleinen Videos sehen;

Robert Weißenbrunner sorgt für gute Stimmung und organisiert, dass die Teilnehmer nicht frieren.

Video: Ingo Müller,

Hans-Jürgen Urban erwähnt das Wetter:

Video: Ingo Müller

Staffelübergabe durch Robert Weißenbrunner, 1. Bevollmächtigter IG Metal Hanau-Fulda an Natalie Jopen
stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin / Gewerkschaftssekretärin bei Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
Offenbach am Main, Hessen

Video: Ingo Müller

Stimmungen und Meinungen:

  • Letzte Warnung an die Arbeitgeber und Zeichen für Frieden und mehr soziale Gerechtigkeit – Bericht der IG Metall Hanau-Fulda über die Aktion, weiterlesen hier:
  • Kurzvideo von der IG Metall Hanau-Fulda, weiterlesen hier;

Aufruf:

zum Aufruf des Warnstreiks, Löhne, Krieg und Klima hier entlang:


Redebeiträge:

Robert Weißenbrunner, 1. Bevollmächtigter IG Metal Hanau-Fulda

Tanja Weigand, Regionsgeschäftsführerin DGB-Region Südosthessen

Conny Gramm, die ehemalige BR-Vorsitzende der Vacuumschmelze und Sprecherin für das Bündnis

Hans-Jürgen Urban vom geschäftsführenden Vorstand der IG Metall

Natalie Jopen. stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin / Gewerkschaftssekretärin bei Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Offenbach am Main, Hessen


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