ITF verurteilt US-Militärangriff gegen Venezuela

Die International Transport Workers’ Federation (ITF) lehnt entschieden und unmissverständlich die militärische Invasion der USA gegen Venezuela ab, die eine schwere Eskalation darstellt und eine eklatante Verletzung der nationalen Souveränität, des Völkerrechts und der grundlegenden Prinzipien des Friedens und der Selbstbestimmung darstellt.

Vorbemerkung Forum: Warum lesen wir solche Erklärungen eigentlich nicht in den Publikationen der DGB-Gewerkschaften? Und es ist kein Zufall, dass es immer wieder der ITF ist, der die internationalistische Tradition der Arbeiterbewegung pflegt. Für diese Tradition steht ein Name vor allem: Edo Fimmen. Wikipedia weiß über sein Leben:

„Auf dem ersten Kongress der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF) im April 1919 in Amsterdam wurde Edo Fimmen zum Generalsekretär gewählt, was er bis zu seinem Tod 1942 blieb. Ein politischer Arbeitsschwerpunkt Fimmens in den 1920er Jahren stellte der Kampf für einen echten Frieden dar; unter den gegebenen kapitalistischen Verhältnissen sprach er in seiner Rede „Krieg dem Kriege“ von einem „bewaffneten Frieden“. In dieser Rede äußerte er, Jahre vor der 1931 getätigten Aussage von Kurt Tucholsky, „Soldaten sind Mörder“: „Mord bleibt Mord und verliert nichts von seiner Schande, wenn man ihn zum legalisierten Massenmord vergrößert“. Bei der Unterstützung des antifaschistischen Widerstandskampfs in Deutschland ab 1933 leistete Edo Fimmen umfangreiche Hilfen, ebenso nach Beginn des Zweiten Weltkriegs bei der Übermittlung von militärisch relevanten Nachrichten an die Staaten der Anti-Hitler-Koalition. Er half beim Aufbau und der Finanzierung der Untergrundorganisationen der deutschen Eisenbahner und war faktisch von 1933 bis 1942 auch der „Erste Funktionär“ des Untergrund-Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands. Fimmen unterstützte verschiedene Widerstandsgruppen im Deutschen Reich. Besonders die illegale Eisenbahnergruppe um Hans Jahn profitierte von umfangreichen finanziellen Leistungen, die Fimmen zur Verfügung stellte. Nach Angaben Hans Jahns hat Fimmen bereits 1930, also fast drei Jahre vor Hitlers Machtergreifung, damit begonnen eine illegale Organisation gegen den Faschismus in Deutschland vorzubereiten, und zwar sowohl unabhängig vom Anpassungskurs der deutschen Gewerkschaftsführung als auch souverän gegenüber Moskauer Einmischungsversuchen. Fimmens ITF unterstützt deutsche Emigranten, die vor Hitler flüchten mussten. Mit hektografierten Zeitungen wie „Deutschland unterm Hakenkreuz“ oder „Fahrt frei“ wurde für Aufklärung im Ausland und Information unter den deutschen Kollegen gesorgt. Mit Gefahr für Leib und Leben reiste Fimmen selbst durch Europa, um überall zu helfen. Fimmen war Mitglied der Internationalen Arbeiter Hilfe (IAH) und durch seine Freundschaft mit Willi Münzenberg auch ein wichtiger Unterstützer der Internationalen Roten Hilfe (IRH) und der Liga gegen Imperialismus und koloniale Unterdrückung. Nach dem falangistischen Putsch 1936 in Spanien setzte er sich für die Unterstützung der republikanischen Regierung ein und half bei der Organisierung von Waffenlieferungen. Im August 1939 übersiedelte er zusammen mit dem ITF-Büro nach London. Wegen einer schweren Erkrankung zog er sich 1941 nach Mexiko zurück, wo er Ende 1942 starb.“ (Jochen Gester)

ERKLÄRUNG DES ITF

Die Angriffe haben zum Tod von Militärangehörigen und Zivilisten geführt und die dringende Notwendigkeit unterstrichen, weitere Gewalt und Verlust von Menschenleben zu stoppen.

„Dieser Akt bedroht Venezuelas politische und soziale Stabilität, gefährdet den regionalen und internationalen Frieden und gefährdet das Leben und die Menschenrechte von Millionen unschuldiger Menschen, sagte Paddy Crumlin, Präsident der ITF. „Es gibt keine Rechtfertigung für eine bewaffnete Intervention. Diese Maßnahmen behindern das Völkerrecht und schaffen einen destabilisierenden Präzedenzfall für die Welt, die Demokratie und diese Gewerkschaftsrechte und -freiheiten zu untergraben. Die Zukunft Venezuelas muss ausschließlich von den Venezolanern entschieden werden.“

Crumlin fuhr fort: „Die ITF fordert die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und die Wiedereinsetzung der Achtung der venezolanischen Souveränität. Insbesondere gefährden diese Maßnahmen direkt die Rechte und die Sicherheit der venezolanischen Verkehrsbeschäftigten und die entscheidende Rolle, die sie bei der Bereitstellung der wesentlichen Dienstleistungen und der Lieferkette spielen, um die anhaltende Funktion der Wirtschaft und des Gemeinwohls zu unterstützen. Wie in vielen anderen Konflikten auf der ganzen Welt zu sehen ist, stehen die Transportarbeiter an vorderster Front bei dieser Art von gewaltsamer Intervention. Die Unterschiede zwischen den Staaten müssen durch Dialog, Diplomatie und internationale Zusammenarbeit gelöst werden. Wir fordern Regierungen und internationale Institutionen auf, jetzt zu handeln, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Wir fordern auch eine umfassende und unabhängige Untersuchung dieser Militäroperation und der Umstände, die verwendet werden, um sie zu rechtfertigen, um Rechenschaftspflicht und Gerechtigkeit zu gewährleisten und zukünftige Gewalt zu verhindern. “

Die ITF steht in Solidarität mit ihrer venezolanischen Gewerkschaft, der Federación Bolivariana de Trabajadores y Trabajadoras del sector Transporte, Afines y Conexos, und unterstützt ihre Forderungen nach einem sofortigen Stopp der Feindseligkeiten, die Aktivierung des Schutzes der ILO für betroffene Arbeitnehmer und die sofortige Freilassung von Präsident Nicolás Maduro und Cilia Flores.

Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und der Gewerkschaftsbund Amerikas (TUCA) haben einen absoluten und eindeutigen Verweis auf den militärischen Angriff der USA auf Venezuela erlassen, der ihn als Verstoß gegen das Völkerrecht verurteilt, jeden Versuch eines Regimewechsels durch Gewalt oder ausländische Einmischung ablehnt, volle Garantien für das Leben und die sofortige Freilassung von Präsident Maduro und Cilia Flores fordert und eine dringende Rückkehr zum Dialog fordert, damit Frieden, Souveränität und

In Anlehnung an diese Aufrufe bekundete der Vizepräsident der ITF Lateinamerikas, Pablo Moyano, seine Solidarität mit dem venezolanischen Volk.

„Wir bekunden unsere tiefste Solidarität mit dem venezolanischen Volk und seinen Arbeitern, die heute mit Momenten der Unsicherheit und des Schmerzes konfrontiert sind, und wir fordern die Freilassung von Präsident Maduro. Wir schließen uns ihrem legitimen Bestreben an, in Frieden zu leben, mit Respekt für ihre Souveränität und Grundrechte. Wir bekräftigen unsere Verpflichtung, sie in diesem Kampf für Gerechtigkeit und Selbstbestimmung zu begleiten.“

„Die Souveränität ist nicht verhandelbar, der Frieden wird nicht mit Waffen auferlegt. Heute erheben wir unsere Stimme für Venezuela und für das Recht der Völker, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden, denn jede Invasion bedroht nicht nur eine Nation, sondern unsere gesamte Region und ihre demokratische Stabilität“, schloss Moyano.

Deutsche Übersetzung von ITF-Website
https://www.itfglobal.org/en/news/itf-condemns-us-military-aggression-against-venezuela

Wann kommt der Aufstand?

 Wessen Morgen ist der Morgen, wessen Welt ist die Welt?* - 

Von Carllandrausch

Die Erde brennt! Wasser und Feuer laufen Sturm. Die Menschen verdrängen die Gefahr, welche sie selbst geschaffen haben. Das Klima war schon so, als die Welt noch eine Scheibe war. Die Mächtigen pokern mit unserem Leben. Die Ahnungslosen wollen ahnungslos bleiben. Die Demokratie ist eine Scheindemokratie, weil sie nicht vom Volk beherrscht wird. Jeder Mensch hat das Recht, unter einer Brücke zu schlafen.  Das gehört zu unseren westlichen Werten. Global as usual: Wachstum, Raub, Profit! Die unsichtbare Hand braucht die sichtbare Faust. Krieg ist ein Wachstumsmarkt. Da gibt es keine Alternative.*  Sonst Panik. China erobert den Weltmarkt. Die USA sind die größte Gewaltlieferantin.* Die NATO will in die Ukraine will in die NATO. Russlands droht, falls, mit einem Atomkrieg.  Die Ölvorkommen Venezuelas gehören Exxon Mobile.  Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen?* Deutschland, wie lange bist du noch auffindbar?* Alles, was gestern war, wird man vergessen haben, was morgen kommt nicht fürchten.*  Israel begeht einen Völkermord in Gaza. Afrika ist eine Fundgrube, der Sudan ein Schlachthaus. Die Söldner morden was sie nur können.  Die UNO appelliert machtlos. Ein Schelm, wer über den Britischen Löwen lacht. Frankreich ist kaputt. Der Schoß ist fruchtbar noch.* Der Rechtsextremismus gewinnt wieder bürgerliche Salonfähigkeit. Die Habenichtse, schlagt sie tot!* Oder lasst sie ertrinken. Das Böse ist banal.* Das linke Spektrum hat sich zerlegt. Nicht fühlen, wie weit wir heruntergekommen sind.*  Zehntausend Menschen gehört die halbe Welt. Eine milliarde Menschen hungern. Alles Leben ist antiquiert. Gott ist tot.* Es lebe der Übermensch in der Künstlichen Intelligenz. Der Führer grüßt siegesgewiss lächelnd mit der Mondpolizei* aus dem Totenreich.

Berlin, im Januar 2026

*Brecht/Eisler; Margret Thatcher; Martin Luther King; Erich Kästner; Bertolt Brecht; Karl Kraus; Bertolt Brecht; Georg Kreisler; Hannha Arendt; Kurt Tucholsky; Friedrich Nietzsche; Hanns Dieter Hüsch;

Bild: Photoshot Katalog „George Grosz – Berlin – New York“, „Der Mächtige wird auf einem Spaziergang vpm zwei Dichtern angesprochen“: IX61 (S. 277)

Venezuela: Trumps mörderischer Staatsterrorismus

Die USA entführen Staatspräsident Nicolás Maduro, um sich die venezolanischen Öl-Ressourcen zu sichern

Von RAUL ZELIK

Bild: pixabay

Wenn Politik und Öffentlichkeit in Deutschland ernst nähmen, was sie seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 predigen, dann ist klar, welche Position sie nach dem Überfall der USA auf Venezuela vertreten müssten: »Das Völkerrecht muss verteidigt werden. Alle Beziehungen zu den USA müssen gekappt, Wirtschaftssanktionen gegen das Trump-Regime verhängt und der Widerstand der Venezolaner mit Waffenlieferungen unterstützt werden.«

Doch selbstverständlich wird keine dieser Forderungen zu hören sein. Dabei ähnelt der Überfall der USA auf Venezuela erschreckend dem, was Putin 2022 in der Ukraine vorhatte. Ein Land, das sich aus dem eigenen Machtbereich entfernt hatte, soll durch einen Regime Change zurückgeholt werden. Da der Wechsel mit politischen und medialen Mitteln nicht gelingt, überfällt man das Land und nimmt den Präsidenten als Geisel.

Wer die Entführung Maduros als »Festnahme« verharmlost, macht sich zum Komplizen des mörderischen Trump-Projekts.

Dass den USA das im Fall von Venezuelas Staatspräsident Nicolás Maduro gelang, eine ähnliche russische Operation gegen Wolodymyr Selenskyj jedoch scheiterte, liegt einzig und allein daran, dass hinter der Ukraine eine ernstzunehmende imperiale Macht stand. Hinter Venezuela hingegen steht keine militärische Macht. Und deswegen könnte der Krieg der USA gegen Venezuela relativ schnell beendet sein. Irgendeine eine prowestliche Marionetten-Regierung oder irgendwelche korrupten Militärs werden sich finden lassen.

Über Venezuela könnte man an dieser Stelle vieles sagen: dass die bolivarianische Revolution Anfang der 2000er Jahre wichtige sozialpolitische Verbesserungen brachte, aber auch bald an den Strukturen der Erdöl-Ökonomie scheiterte. Dass auf den populären Hugo Chávez ein deutlich weniger populärer Nicolás Maduro folgte, unter dem die Korruption florierte und die sozialen Errungenschaften wieder verloren gingen. Und dass es nicht wenige Chavistas in Venezuela gab, die sich bis vor kurzem selbst einen Regierungswechsel wünschten.

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Aber all das spielt keine Rolle mehr. Denn den USA und ihren europäischen Verbündeten geht es nicht um die Demokratie eines, wie es Donald Trump gerne ausdrückt, tropischen »Shithole-Landes«, sondern allein um die Bodenschätze Venezuelas und die Kontrolle eines geopolitischen Raums, der sich in den vergangenen Jahrzehnten Richtung China orientierte. Wer die Entführung Maduros als »Festnahme eines umstrittenen Staatschefs« und die US-amerikanische Aggression als »Spannungen zwischen Caracas und Washington« verharmlost, macht sich zum Komplizen des mörderischen Trump-Projekts. Was man Teilen der Linken 2022 – in einigen Fällen durchaus berechtigt – vorwarf, nämlich »Putin-Versteher« zu sein, fällt nun auf die liberale Öffentlichkeit selbst zurück. Mit Krieg und Gewalt haben sie kein Problem. Hauptsache, die eigene »Wirtschaft« wird nicht beschädigt.

Deutlich wird an diesem düsteren Tag somit auch, wie untrennbar Faschismus und Imperialismus miteinander verknüpft sind. Der Kern von Trumps Projekt ist die Aufrechterhaltung der eigenen Vormachtstellung mit terroristischen Mitteln – nach außen und innen. Mit dem Militärapparat raubt man sich weltweit die natürlichen Ressourcen zusammen. Mit dem rassistischen Grenzregime hält man jene Menschen außen vor, die von Ungleichheit, Gewalt und Zerstörung in Bewegung gesetzt werden. Trumps Operation ist eine Ansage, dass nun eine faschistische Epoche angebrochen ist.

Lesen Sie auch: Kanonenbootdiplomatie made in Washington – Christian Klemm über die US-Piraterie vor der Küste Venezuelas

Schon 2022 gab es gute Gründe, gegen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Straße zu gehen. Doch heute gilt das noch ungleich mehr. Anders als Russland sind die USA ein Verbündeter Europas. Der ganze europäische Diskurs orientiert sich am US-amerikanischen Vorbild. Und außerdem hat sich wieder einmal gezeigt, dass kein Staat für den Weltfrieden so gefährlich ist wie die bis an die Zähne bewaffneten USA.

Antiamerikanisch wäre es, die einfachen Menschen in den USA dafür verantwortlich zu machen. Darum jedoch geht es nicht. Nicht die unteren Klassen in den USA, sondern der ökonomische und militärische Machtapparat des US-Staats ist das Problem.

Erstveröffentlicht auf nd-online v. 3.1. 2026
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196558.usa-venezuela-trumps-moerderischer-staatsterrorismus.html

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