Terror gegen Zivilisten lässt sich nicht mit Kriegsverbrechen gegen Zivilisten aus der Welt schaffen

Die Initiatoren des von 130 Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben erstunterzeichneten Aufrufs für eine am 25. November geplante Großdemonstration »Nein zu Kriegen – Rüstungswahnsinn stoppen – Zukunft friedlich und gerecht gestalten« haben den Aufruf zur Demonstration durch die folgende Stellungnahme zum Nah-Ost-Konflikt ergänzt.

Die jüngste Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern hat uns entsetzt. Menschen wurden ermordet, verschleppt oder werden durch Bomben getötet. Wir trauern um alle Opfer der Gewalt, unser Mitgefühl gehört ihren Angehörigen.

Unser Aufruf zur Friedensdemonstration in Berlin am 25. November wurde vor dem grauenhaften Angriff auf Israel am 7. Oktober und der Reaktion mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen die Palästinenser veröffentlicht. Der Teufelskreis aus gegenseitigem Hass, aus Rache und Zerstörung im Nahen Osten bestätigt aber auf tragische Weise die Feststellung in unserem Aufruf: »Wir brauchen eine Kultur des Friedens und eine gemeinsame Sicherheit.« Krieg und Militär werden die Probleme nicht lösen.

Nicht im Nahen Osten, nicht in der Ukraine, nicht an anderen Kriegsschauplätzen. Wir lehnen Gewalt als Mittel der Politik ab. Wir sind überzeugt, dass sich Terror gegen Zivilisten nicht mit Kriegsverbrechen gegen Zivilisten aus der Welt schaffen lässt. (…) Wir fordern Deeskalation, eine sofortige Waffenruhe und Zugang für ausreichend humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen (…).

Der seit fast 80 Jahren andauernde Nahostkonflikt mit mehreren Kriegen kann nur durch eine politische Regelung gelöst werden, in deren Zentrum die Zweistaatenlösung in den Grenzen von 1967 steht (…). Unsere Demonstration und Kundgebung am 25. November in Berlin soll ein Signal für Frieden weltweit sein. Damit ist sie auch eine Demonstration und Kundgebung für Frieden im Nahen Osten.

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Hier ist nochmal der Aufruftext zum 25.11. mit der Liste der Erstunterzeichner:innen.

21 Kriege und 216 bewaffnete militärische Auseinandersetzungen bedrohen aktuell die Welt (Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung HIIK). Die Gefahr einer Ausweitung des Krieges in der Ukraine bis hin zu einem Atomkrieg wächst von Tag zu Tag. Täglich sterben unschuldige Menschen. Wir sind besorgt um unsere Zukunft, die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Wir brauchen eine Kultur des Friedens und eine gemeinsame Sicherheit.

Anstatt auf Deeskalation und Diplomatie zu setzen, liefert die Bundesregierung immer mehr Waffen und rüstet massiv auf. Große Teile der Politik und Medien militarisieren die Gesellschaft. Erstmals wird Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel (nach NATO-Kriterien) erreichen. Mit 85,5 Milliarden Euro sind die Militärausgaben 2024 die größten seit Bestehen der Bundesrepublik. Das Gesundheitswesen, die Infrastruktur, Unterstützung für Kinder und bezahlbare Mieten, Bildung, Wissenschaft und Ausbildung sind dagegen durch dramatische Mittelkürzungen bedroht. Für immer mehr Menschen zeichnet sich eine soziale und ökonomische Katastrophe ab.

Dazu tragen in erheblichem Maße auch die Sanktionen gegen Russland bei, die die Menschen im globalen Süden, in Europa und in Deutschland treffen: Inflation, gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise sowie Reallohnverlust treffen die Bevölkerungen, vor allem deren ärmere Teile, und gefährden die industrielle Entwicklung auch in unserem Land. Im globalen Süden drohen Hungerkrisen, weil Getreide, Mais, Pflanzenöl und Düngemittel nicht mehr ankommen und die Preise massiv gestiegen sind.
Es ist höchste Zeit für eine Friedenspolitik in der Ukraine, in Europa und weltweit. Im Vorfeld des Krieges in der Ukraine wurden Warnungen ignoriert und Lehren zur Kriegsvermeidung missachtet. Wir müssen die Rutschbahn in Richtung 3. Weltkrieg und in ein soziales, ökonomisches und ökologisches Desaster stoppen. „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“ (Willy Brandt) Nur im Frieden und nur durch gemeinsame globale Anstrengungen sind soziale Entwicklung, Schutz von Klima und Natur und eine lebenswerte Zukunft für alle möglich.

Wir verurteilen den russischen Einmarsch vom 24.2.2022 in die Ukraine. Ebenso verurteilen wir auch die vorangegangenen Vertragsbrüche und nicht eingehaltenen Zusagen der NATO-Staaten.

Die ukrainische Bevölkerung braucht unsere Solidarität. Ein Waffenstillstand und Verhandlungen zur Beendigung des Krieges statt einer weiteren Eskalation sind in ihrem Interesse. Das Töten und Blutvergießen und die Zerstörung des Landes und der Umwelt müssen umgehend gestoppt werden. Verhandlungslösungen und Pläne liegen auf dem Tisch. Verhandeln heißt nicht kapitulieren, sondern Lösungen für komplizierte Herausforderungen finden!

Wir fordern von der Bundesregierung ein Ende der ungehemmten Aufrüstung sowie eine sofortige Vermittlung für Waffenstillstand und Friedensverhandlungen. Sie muss eigene diplomatische Initiativen entwickeln und bestehende Friedensvorschläge unterstützen – besonders die des globalen Südens.

Es gibt keinen Grund, sich von der Entspannungspolitik zu distanzieren. Das Versagen liegt vielmehr darin, dass sie 1990 nicht zur Leitidee des neuen Europas weiterentwickelt wurde. Wir treten ein für eine neue Entspannungspolitik und für Rüstungskontrolle und Abrüstung.

  • Die Waffen müssen schweigen. Verhandlungen und Diplomatie sind das Gebot der Stunde.
  • Waffenexporte und Eskalationspolitik verschärfen Kriege und Krisen und verlängern sie.
  • Abrüstung! Ausgaben für das Militär senken, Milliarden in soziale Ausgaben investieren.

Wir wollen eine soziale, ökologische und demokratische Bundesrepublik Deutschland als Teil einer gerechten Weltordnung ohne Krieg, Hunger und Ausbeutung.

Es ist Zeit, dass wir Bürgerinnen und Bürger uns wieder stärker in die politischen Auseinandersetzungen einmischen. Deshalb rufen wir auf, am 25.11 – am Samstag vor der Verabschiedung des Bundeshaushaltes – gemeinsam für Frieden und Abrüstung, Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine und Friedensverhandlungen zu demonstrieren.

Initiiert von der Initiative „Nein zum Krieg – Die Waffen nieder!“: Yusuf As, Reiner Braun, Wiebke Diehl, Andreas Grünwald, Claudia Haydt, Rita Heinrich, Jutta Kausch-Henken, Ralf Krämer, Willi van Ooyen, Christof Ostheimer, Hanna Rothe, Peter Wahl

Es rufen auf:

Friedrich Bernd Albers, Emden Betriebsrat IG Metall; Ali Al-Dailami, Gießen, Mitglied des Bundestags; Dr. Franz Alt, Baden-Baden, ehem. Mitglied der CDU; Michael Altmann, Frankfurt/Main, ver.di Hessen; Nick Papak Amoozegar, Fulda, Mitglied geschäftsführender Landesvorstand Die LINKE Hessen; Dr. Dietmar Bartsch, Rostock, Mitglied des Bundestags Die LINKE; Rolf Becker, Hamburg, Schauspieler, ver.di, OVV; Anke Beins, ehem. Personalrätin ver.di; Rüdiger Beins, ehem. Betriebsrat ver.di; Jochen Berendsohn, Hannover, ehem. Betriebsratsvorsitzender ver.di; Norbert Birkwald, Mörfelden, VVN-BdA Landessprecher Hessen; Christina Böttcher, Hannover, Erzieherin; Manfred Böttcher, Hannover, ehem. Gewerkschaftssekretär; Prof. Dr. Ulrich Brand, Wien, Sozialwissenschaftler; Britta Brandau, Frankfurt/Main, Mitglied ver.di Gewerkschaftsrat; Prof. Dr. Peter Brandt, Berlin, Historiker; Dr. Michael Brie, Berlin, Rosa-Luxemburg-Stiftung; Ulrich Brinkmann, Kassel, Sozialwissenschaftler; Klaus Brülls, Herzogenrath, ehem. Geschäftsführer des DGB Bildungswerk NRW; Dr. Carolin Butterwegge, Köln, Sozialwissenschaftlerin; Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Köln, Sozialwissenschaftler; Hayri Çakır, Düsseldorf, Betriebsrat Deutsche Post; Sevim Dağdelen, Bochum, Mitglied des Bundestags; Daniela Dahn, Berlin, Schriftstellerin; Fabio De Masi, Hamburg, Ökonom; Özlem Demirel, Düsseldorf, Mitglied des Europäischen Parlaments Die LINKE; Renan Demirkan, Windeck, Schriftstellerin, Schauspielerin; Werner Dreibus, Wagenfeld, ehem. Mitglied des Bundestags Die LINKE; Michael Dunst, Hannover, ver.di Bildungswerk; Katja Ebstein, München, Sängerin; Ulrike Eifler, Würzburg, Gewerkschaftssekretärin; Sefariye Ekşi, Köln, DIDF Bundesvorsitzende; Michael Frank, Hildesheim, ehem. Gewerkschaftssekretär ver.di; Peter Franke, Berlin, West-Ost-Gesellschaft; Bruni Freyeisen, Frankfurt/Main, Stadtführerin, Senior:innen AK IG Metall; Prof. Dr. Hajo Funke, Berlin, Politikwissenschaftler; Wolfgang Gehrcke, Berlin, ehem. Mitglied des Bundestags Die LINKE; Silvia Gingold, Kassel, VVN-BdA Hessen; Horst Gobrecht, Darmstadt, Gewerkschaftssekretär ver.di; Susanne Gondermann, Hamburg, GEW-HV, Vorsitzende BFG Gesamtschulen; Stephan Gorol, Berlin, Kulturmanager, Producer; Harri Grünberg, Berlin, Aufstehen Trägerkreis e.V.; Joachim Guilliard, Heidelberg, Friedensbündnis Heidelberg; Dr. Markus Gunkel, Hamburg, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V.; Dr. Gregor Gysi, Berlin, Mitglied des Bundestags Die LINKE; Rita Hagemann, Mannheim; Norbert Heckl, Stuttgart Stellv. Vorsitzender ver.di Stuttgart; Barbara Heller, Bremen, Bremer Friedensforum; Hans-Jürgen Hinzer, Frankfurt/Main, ehem. Gewerkschaftssekretär NGG; Manfred Hinzer, Nürnberg, ehem. Betriebsratsvorsitzender Datev; Elisabeth Hinzer, Nürnberg, ehem. Betriebsrätin; Prof. Dr. Martin Höpner, Köln, Politikwissenschaftler; Andrej Hunko, Aachen, Mitglied des Bundestags; Otto Jäckel, Wiesbaden, Rechtsanwalt, IALANA; Matthias Jochheim, Frankfurt/Main, IPPNW Frankfurt; Dr. Margot Käßmann, Hannover, ehem. Ratsvorsitzende der EKD; Kerstin Kaiser, Strausberg, Slawistin, Die LINKE; Alexander King, Berlin, Mitglied Abgeordnetenhaus Berlin; Christa Knauß, Hannover, ehem. Vorsitzende Richterin Landesarbeitsgericht Niedersachsen; Monika Koops, Hamburg, AK Frieden ver.di Hamburg; Detlef Kunkel, Braunschweig, ehem. 1. Bevollmächtigter IG Metall Braunschweig; Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz, Köln, Journalistin; Gotthard Krupp, Berlin, ver.di Berlin-Brandenburg; Oskar Lafontaine, Merzig, ehem. Mitglied des Bundetags; Richard Lauenstein, Lehrte, Diplompädagoge, ehem. Gewerkschaftssekretär; Ekkehard Lentz, Bremen, Bremer Friedensforum; Christian Leye, Duisburg, Mitglied des Bundestags; Dr. Marianne Linke, Stralsund, Agrarmeteorologin; Prof. Dr. Birgit Mahnkopf, Berlin, Sozialwissenschaftlerin; Georgios Margaritis, Wuppertal, ver.di Rhein Wupper; Herbert Markus, Maisach, Eine-Welt-Zentrum; Prof. Dr. Rainer Mausfeld, Kiel, Hochschullehrer; Hartmut Meine, Hannover, ehem. Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt IG Metall; Ilona Meyer, Hamburg, ver.di Senioren Hamburg; Ulrich Meyer, Hamburg, ver.di Senioren Hamburg; Dominik Mikhalkevich, Brandenburg, Bündnis Frieden Brandenburg; Pablo Miró, Berlin, argentinisch deutscher Songwriter; Dr. Hans Misselwitz, Berlin, Staatssekretär a.D.; Ruth Misselwitz, Berlin, Pfarrerin; Amira Mohamed Ali, Oldenburg, Mitglied des Bundestags; Żaklin Nastić, Hamburg, Mitglied des Bundestags; Julia Neigel, Ludwigshafen, Musikerin, Sängerin; Kathrin Otte, Amelinghausen, Was tun?! Ko-Kreis; Prof. Dr. Norman Paech, Hamburg, Prof. i.R. für öffentliches Recht Uni Hamburg, ehem. Mitglied des Bundestags; Dr. Artur Pech, Schöneiche, Ältestenrat DIE LINKE; Sören Pellmann, Leipzig, Mitglied des Bundestags Die LINKE; Mehmet Perişan, Köln, Betriebsrat Hochtief Infrastructure; Burhan Perişan, Merkenich, Betriebsrat; Jürgen Peters, Offenbach, ehem. 1. Vorsitzender IG Metall; Klaus Pickshaus, Frankfurt/Main, ehem. Gewerkschaftssekretär IG Metall; Christiane Reymann, Berlin, Publizistin; Anne Rieger, Graz, ehem. Bevollmächtigte IG Metall; Rainer Rilling, Marburg Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler; Heinrich Röder; Wiltrud Rösch-Metzler, Stuttgart, Pax Christi; Jürgen Rose, München, Oberstleutnant a. D., Darmstädter Signal; Prof. Dr. Werner Ruf, Edermünde, Politikwissenschaftler; Jens Schäfer, Hannover, Betriebsratsvorsitzender Hannover IG Metall; Hannelore Schmitthenner-Bopp, Niedernhausen, ehem. Betriebsratsmitglied IG Metall; Horst Schmitthenner, Niedernhausen, ehem. Vorstandsmitglied IG Metall; Joachim Schubert, Mannheim, ehem. Betriebsrat; Roland Schuster, Mannheim, ehem. Betriebsrat IG Metall; Helga Schwitzer, Hannover, ehem. Vorstandsmitglied IG Metall; Reinhard Schwitzer, Hannover, ehem. Bevollmächtigter IG Metall; Prof. Dr. Franz Segbers, Konstanz, Prof. i.R. für Sozialethik Uni Marburg; Werner Siebler, Freiburg, Vorsitzender DGB Stadtverband Freiburg; Ekkehard Sieker, Köln, Wissenschaftsjournalist; Peter Sörgel, Bremen, ehem. Betriebsratsvorsitzender, ehem. Mitglied Bremische Bürgerschaft; Ingar Solty, Berlin, Rosa-Luxemburg-Stiftung; Dr. Joachim Spangenberg, Köln, Biologe/Ökonom; Eva Stassek, Braunschweig, ehem. Bevollmächtigte IG Metall Braunschweig; Paul Steinhardt, Wiesbaden, Geschäftsführer „Makroskop“; Prof. Dr. Wolfgang Streeck, Köln, Sozialwissenschaftler; Haydar Toktaş, Düsseldorf, Betriebsrat DLG; Ceyda Tutan, Ulm, Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland e.V.; Manfred Ullrich, Dortmund, ehem. Gewerkschaftssekretär; Gerald Unger, Ludwigshafen, DIE LINKE Ludwigshafen; Dr. Michael von der Schulenburg, Wien, Diplomat; Hans-Christof von Sponeck, Baden-Baden, Diplomat; Hannes Wader, Bielefeld, Liedermacher und Musiker; Dr. Sahra Wagenknecht, Merzig, Mitglied des Bundestags; Dr. Alexandra Wagner, Berlin, Sozialwissenschaftlerin; Heinz Hermann Witte, Hannover, ehem. DGB-Vorsitzender Niedersachsen; Ayhan Zeytin, Bremen, Betriebsrat ArcelorMittal; Burkhard Zimmermann, Berlin, Geschäftsführer; Dirk Zöllner, Berlin, Musiker, Sänger.

Quelle:
https://nie-wieder-krieg.org/

Palästina-Demo am 4. November in Berlin: Für das Ende des Tötens in Nahost

Von Kurt Weiss

Für den 4. November hatte in Berlin ein breites Bündnis aus „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden“, palästinensischen und linken Organisationen zu einer Demonstration aufgerufen, die große Sorge über die Entwicklung des Kriegskonflikts zwischen Israelis und Palästinensern einte. Gekommen waren um die 10.000. Immer wieder ertönten Sprechchöre, die ein Ende der Bombardierungen forderten. Ebenso  „Waffenstillstand“, „Freiheit für Palästina“ und „Israel bombardiert – Deutschland finanziert“.


Denn seit dem 7. Oktober wurden in Israel  über 1.400 Menschen Opfer der Angriffe der Hamas und die Militärschläge des israelischen Militärs auf den Gaza- Streifen forderten das 4- fache an Menschenleben. Bekanntlich besteht die Hälfte der Bevölkerung Gazas aus Kindern. Etwa 150.000 Menschen befinden sich noch in Gaza Stadt. 2 Millionen Menschen suchen Schutz und sind abgeschnitten von der Versorgung mit Wasser, Strom, Nahrung und medizinischer Versorgung.

Was ist der Plan Israels?

Wissenschaftler*innen warnen und verweisen darauf, dass Israels Vorgehen in mehrfacher Hinsicht die Definition von Genozid erfüllt. Doch hier zu Lande wird Kritik an Israel sehr schnell mit Antisemitismus gleichgesetzt. Eine ganze Reihe von Pro-Palästina-Demonstrationen wurden gleich verboten. Das rief Unverständnis und Empörung hervor. „Demokratische Grundrechte verteidigen: Meinungsfreiheit auch für Palästinenser:innen“ war deshalb auch eine Grundanliegen der Versammelten.

Kollegen vom Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall, verstärkt durch Kollegen von ver.di und GEW, die sich aus Solidarität an der Demo beteiligten, erhielten große Aufmerksamkeit und Zuspruch. Arbeiter mit türkischem oder palästinensischem Hintergrund sagten: „Gut, dass ihr hier seid.“, „Ich bin auch Metaller, das macht mich stolz auf meine Gewerkschaft“.

Vertreibung aller Palästinenser aus dem Gazastreifen, empfiehlt das israelische Regierungsministerium

Ein Dokument des Geheimdienstministeriums, das von Local Call und +972 veröffentlicht wurde, zeigt, wie die Idee eines Bevölkerungstransfers in den Sinai offiziell diskutiert wird.

Von Yuval Abraham

Oktober 30, 2023

Das israelische Geheimdienstministerium empfiehlt die gewaltsame und dauerhafte Umsiedlung der 2,2 Millionen palästinensischen Bewohner des Gazastreifens auf die ägyptische Sinai-Halbinsel. Dies geht aus einem offiziellen Dokument hervor, das die Partnerseite von +972, Local Call, gestern zum ersten Mal in vollem Umfang veröffentlichte.

Das 10-seitige Dokument, das auf den 13. Oktober 2023 datiert ist, trägt das Logo des Geheimdienstministeriums – einer kleinen Regierungsbehörde, die politische Untersuchungen durchführt und ihre Vorschläge mit Geheimdiensten, der Armee und anderen Ministerien teilt. Es bewertet drei Optionen für die Zukunft der Palästinenser im Gazastreifen im Rahmen des derzeitigen Krieges und empfiehlt einen vollständigen Bevölkerungstransfer als bevorzugte Vorgehensweise. Außerdem wird Israel aufgefordert, die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung dieses Vorhabens heranzuziehen. Das Dokument, dessen Authentizität vom Ministerium bestätigt wurde, wurde hier auf +972 vollständig ins Englische übersetzt.

Die Existenz des Dokuments bedeutet nicht zwangsläufig, dass seine Empfehlungen von Israels Verteidigungsministerium berücksichtigt werden. Trotz seines Namens ist das Nachrichtendienstministerium nicht direkt für einen Nachrichtendienst zuständig, sondern erstellt unabhängig Studien und Strategiepapiere, die an die israelische Regierung und die Sicherheitsbehörden zur Prüfung verteilt werden, aber nicht bindend sind. Der Jahreshaushalt des Ministeriums beläuft sich auf 25 Millionen NIS, und sein Einfluss gilt als relativ gering. Es wird derzeit von Gila Gamliel geleitet, einem Mitglied der Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu.

Eine Quelle im Geheimdienstministerium bestätigte gegenüber Local Call/+972, dass das Dokument authentisch sei, dass es von der politischen Abteilung des Ministeriums an das Verteidigungsministerium verteilt worden sei und „nicht an die Medien gelangen sollte“.

Macht deutlich, dass es keine Hoffnung auf Rückkehr gibt

Das Dokument empfiehlt unmissverständlich und ausdrücklich den Transfer palästinensischer Zivilisten aus dem Gazastreifen als gewünschtes Ergebnis des Krieges. Über die Existenz des Plans wurde erstmals letzte Woche in der israelischen Wirtschaftszeitung Calcalist berichtet, und der vollständige Text des Dokuments ist hier veröffentlicht und übersetzt.

Der Transferplan ist in mehrere Phasen unterteilt. In der ersten Phase müssen Maßnahmen ergriffen werden, damit die Bevölkerung des Gazastreifens nach Süden evakuiert“ wird, während sich die Luftangriffe auf den nördlichen Gazastreifen konzentrieren. In der zweiten Phase wird ein Bodenangriff auf den Gazastreifen beginnen, der zur Besetzung des gesamten Streifens von Norden bis Süden und zur „Säuberung der unterirdischen Bunker der Hamas-Kämpfer“ führt.

Gleichzeitig mit der Wiederbesetzung des Gazastreifens wird die palästinensische Zivilbevölkerung auf ägyptisches Gebiet gebracht und darf nicht zurückkehren. „Es ist wichtig, die Reisewege nach Süden offen zu halten, um die Evakuierung der Zivilbevölkerung in Richtung Rafah zu ermöglichen“, heißt es in dem Dokument.

Einem Beamten des Geheimdienstministeriums zufolge stehen die Mitarbeiter des Ministeriums hinter diesen Empfehlungen. Die Quelle betonte, dass die Untersuchungen des Ministeriums „nicht auf militärischen Erkenntnissen beruhen“ und lediglich als Grundlage für Diskussionen innerhalb der Regierung dienen.

In dem Dokument wird vorgeschlagen, eine Kampagne für die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu fördern, um sie zu motivieren, diesen Plan zu akzeptieren“ und sie dazu zu bringen, ihr Land aufzugeben. „Die Botschaften sollten sich um den Verlust von Land drehen und deutlich machen, dass es keine Hoffnung auf eine Rückkehr in die Gebiete gibt, die Israel bald besetzen wird, ob das nun stimmt oder nicht. Das Bild muss lauten: ‚Allah hat dafür gesorgt, dass ihr dieses Land wegen der Hamas-Führung verliert – es gibt keine andere Wahl, als mit der Unterstützung eurer muslimischen Brüder an einen anderen Ort zu ziehen'“, heißt es in dem Dokument.

Darüber hinaus ermutigt das Dokument die Regierung, eine öffentliche Kampagne in der westlichen Welt zu führen, um den Umsiedlungsplan „auf eine Art und Weise zu fördern, die Israel nicht aufstachelt oder verunglimpft“. Dies soll dadurch geschehen, dass die Vertreibung der Bevölkerung des Gazastreifens als humanitäre Notwendigkeit dargestellt wird, um internationale Unterstützung zu gewinnen, indem argumentiert wird, dass die Umsiedlung zu „weniger Opfern unter der Zivilbevölkerung führen wird, verglichen mit den zu erwartenden Opfern, wenn die Bevölkerung bleibt“.

In dem Dokument heißt es auch, dass die Vereinigten Staaten in den Prozess einbezogen werden sollten, um Druck auf Ägypten auszuüben, die palästinensischen Bewohner des Gazastreifens aufzunehmen, und dass andere europäische Länder – insbesondere Griechenland und Spanien – sowie Kanada bei der Aufnahme und Ansiedlung der palästinensischen Flüchtlinge helfen sollten. Nach Angaben des Geheimdienstministeriums wurde das Dokument noch nicht offiziell an US-Beamte verteilt, sondern nur an die israelische Regierung und die Sicherheitsbehörden.

Eine breitere politische Diskussion

Letzte Woche veröffentlichte das Misgav-Institut, eine rechtsgerichtete Denkfabrik unter der Leitung von Meir Ben-Shabbat, einem engen Mitarbeiter von Premierminister Netanjahu und ehemaligen Leiter des israelischen Nationalen Sicherheitsrats, ein Positionspapier, in dem ebenfalls der Zwangstransfer der Bevölkerung des Gazastreifens in den Sinai gefordert wurde. Das Institut löschte den Beitrag kürzlich von Twitter und von seiner Website, nachdem es international scharf kritisiert worden war.

Die gelöschte Studie wurde von Amir Weitmann verfasst, einem Likud-Aktivisten und nach Angaben von Quellen, die mit ihm vertraut sind, einem engen Mitarbeiter von Geheimdienstminister Gila Gamliel. Letzte Woche interviewte Weitmann auf einer Facebook-Seite mit dem Namen „The Plan to Rehabilitate Gaza in Egypt“ den Likud-Abgeordneten Ariel Kallner, der ihm sagte, dass „die von Ihnen vorgeschlagene Lösung, die Bevölkerung nach Ägypten umzusiedeln, eine logische und notwendige Lösung ist“.

Dies ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem Likud, dem Geheimdienstministerium und der rechtsgerichteten Denkfabrik. Vor etwa einem Monat verpflichtete sich das Geheimdienstministerium, dem Misgav-Institut etwa 1 Million NIS aus seinem Haushalt zu überweisen, um Forschungen über arabische Länder durchzuführen. Falls das Misgav-Institut in irgendeiner Weise an der Ausarbeitung der Empfehlungen des Ministeriums für den Gaza-Transfer beteiligt war, erscheint zumindest sein Logo nicht auf dem Dokument.

Quellen im Nachrichtendienstministerium erklärten, der Gaza-Bericht sei eine unabhängige Studie, die von der politischen Abteilung des Ministeriums ohne die Mitarbeit einer externen Partei durchgeführt worden sei. Sie bestätigten jedoch, dass das Ministerium seit kurzem mit dem Misgav-Institut zusammenarbeite, und betonten, dass die Regierungsbehörde mit verschiedenen Forschungsgruppen mit unterschiedlichen politischen Zielen zusammenarbeite. Das Misgav-Institut hat noch nicht auf Anfragen für diesen Artikel geantwortet.

Darüber hinaus wurde das Dokument des Geheimdienstministeriums zuerst in einer kleinen internen WhatsApp-Gruppe rechter Aktivisten bekannt, die zusammen mit dem Likud-Anwalt Whiteman die Wiedererrichtung israelischer Siedlungen im Gazastreifen und die Umsiedlung der dort lebenden Palästinenser befürworten.

Einem dieser Aktivisten zufolge gelangte das Dokument des Geheimdienstministeriums durch die Vermittlung einer „Likud-Quelle“ zu ihnen, und seine öffentliche Verbreitung steht im Zusammenhang mit dem Versuch, herauszufinden, ob „die israelische Öffentlichkeit bereit ist, Ideen für einen Transfer aus dem Gazastreifen zu akzeptieren“.

Die bevorzugte Option

Die Chancen für die vollständige Umsetzung eines solchen Plans, der auf eine vollständige ethnische Säuberung des Gazastreifens hinauslaufen würde, sind in vielerlei Hinsicht gering. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah el-Sisi hat erklärt, dass er die Öffnung des Rafah-Übergangs zur Aufnahme der palästinensischen Bevölkerung aus dem Gazastreifen entschieden ablehnt. Er argumentierte, dass die Umsiedlung von Palästinensern in den Sinai den Frieden zwischen Israel und Ägypten gefährden würde, und warnte, dass dies dazu führen würde, dass Palästinenser ägyptisches Gebiet als Basis für weitere bewaffnete Auseinandersetzungen mit Israel nutzen würden. Ein ähnlicher Plan wurde bereits in der Vergangenheit von israelischen Beamten vorgestellt, doch auch er war bisher nicht zu einer ernsthaften politischen Diskussion gereift.

Nach wochenlangen Berichten, wonach die Vereinigten Staaten die Möglichkeit einer Umsiedlung von Palästinensern nach Ägypten im Rahmen eines „humanitären Korridors“ ins Gespräch bringen wollten, erklärte US-Präsident Joe Biden gestern, er und Sisi seien entschlossen, „sicherzustellen, dass die Palästinenser in Gaza nicht nach Ägypten oder in ein anderes Land umgesiedelt werden“.

In dem Dokument des Geheimdienstministeriums heißt es, dass Ägypten „völkerrechtlich verpflichtet ist, die Durchreise der Bevölkerung zu ermöglichen“, und dass die Vereinigten Staaten zu diesem Prozess beitragen können, indem sie „Druck auf Ägypten, die Türkei, Katar, Saudi-Arabien und die VAE ausüben, damit diese sich an der Initiative beteiligen, entweder mit Ressourcen oder mit der Aufnahme von Vertriebenen“. Außerdem wird vorgeschlagen, eine gezielte öffentliche Kampagne in der arabischen Welt durchzuführen, die sich „auf die Botschaft konzentriert, den palästinensischen Brüdern zu helfen und sie zu rehabilitieren, selbst um den Preis eines Tons, der Israel tadelt oder sogar schadet“.

Schließlich stellt das Dokument fest, dass die „groß angelegte Migration“ von Nichtkombattanten aus Kampfgebieten ein „natürliches und erwünschtes Ergebnis“ ist, das auch in Syrien, Afghanistan und der Ukraine eingetreten ist, und kommt zu dem Schluss, dass nur die Ausweisung der palästinensischen Bevölkerung „eine angemessene Antwort [darstellt], die es ermöglicht, eine bedeutende Abschreckung in der gesamten Region zu schaffen.“

In dem Dokument werden zwei weitere Optionen für den Umgang mit den Bewohnern des Gazastreifens am Tag nach dem Krieg vorgestellt. Die erste besteht darin, dass die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), die von der Fatah-Partei im besetzten Westjordanland geleitet wird, den Gazastreifen unter israelischer Schirmherrschaft regieren soll. Die zweite besteht darin, eine andere „lokale arabische Behörde“ als Alternative zur Hamas aufzubauen. Beide Optionen seien aus strategischer und sicherheitspolitischer Sicht für Israel unerwünscht und würden keine ausreichende Abschreckungswirkung entfalten, insbesondere nicht auf die Hisbollah im Libanon.

Die Autoren der Studie stellten außerdem fest, dass die Einbindung der Palästinensischen Autonomiebehörde in den Gazastreifen die gefährlichste der drei Optionen sei, da sie zur Gründung eines palästinensischen Staates führen könnte. „Die Spaltung der palästinensischen Bevölkerung in Judäa und Samaria und im Gazastreifen ist heute eines der Haupthindernisse für die Gründung eines palästinensischen Staates. Es ist unvorstellbar, dass das Ergebnis dieses Angriffs [der Hamas-Massaker vom 7. Oktober] ein noch nie dagewesener Sieg für die palästinensische Nationalbewegung und ein Weg zur Gründung eines palästinensischen Staates sein wird“, heißt es in dem Dokument.

Das Dokument argumentiert weiter, dass das Modell einer israelischen Militärregierung und einer zivilen Regierung der Palästinensischen Autonomiebehörde, wie es im Westjordanland existiert, im Gazastreifen wahrscheinlich scheitern wird. „Es gibt keine Möglichkeit, eine effektive militärische Besatzung im Gazastreifen nur auf der Grundlage einer militärischen Präsenz ohne [israelische] Siedlungen aufrechtzuerhalten, und innerhalb kurzer Zeit wird es internen israelischen und internationalen Druck für einen Rückzug geben“.

Die Autoren fügten hinzu, dass der Staat Israel in einer solchen Situation „als Kolonialmacht mit einer Besatzungsarmee betrachtet werden würde – ähnlich wie die derzeitige Situation in Judäa und Samaria, nur noch schlimmer“. Sie wiesen darauf hin, dass die Palästinensische Autonomiebehörde in der palästinensischen Öffentlichkeit nur eine geringe Legitimität genieße und dass Israel aufgrund seiner früheren Erfahrungen mit der Übergabe der Kontrolle über den Gazastreifen an die Palästinensische Autonomiebehörde und der anschließenden Machtübernahme durch die Hamas „nicht denselben Fehler wiederholen sollte, der zu der jetzigen Situation geführt hat“.

Die andere Option, die Bildung einer lokalen arabischen Führung, die an die Stelle der Hamas tritt, ist dem Dokument zufolge nicht wünschenswert, da es keine lokalen Oppositionsbewegungen zur Hamas gibt und eine neue Führung wahrscheinlich radikaler sein wird. „Das plausibelste Szenario ist … kein ideologischer Wandel, sondern eher das Entstehen neuer, möglicherweise noch extremerer islamistischer Bewegungen“, heißt es. Die Autoren erwähnen die Notwendigkeit, einen „ideologischen Wandel“ in der palästinensischen Bevölkerung herbeizuführen, und zwar durch einen Prozess, der mit einer „Entnazifizierung“ verglichen wird und der von Israel verlangt, „die Lehrpläne zu diktieren und deren Anwendung für eine ganze Generation zu erzwingen“.

Schließlich wird in dem Dokument argumentiert, dass es bei einem Verbleib der Bevölkerung des Gazastreifens im Streifen „viele arabische Opfer“ während der zu erwartenden Wiederbesetzung des Gebiets geben würde, was dem internationalen Ansehen Israels noch mehr schaden würde als die Vertreibung der Bevölkerung. Aus all diesen Gründen empfiehlt das Geheimdienstministerium, die dauerhafte Verlegung aller palästinensischen Zivilisten aus dem Gazastreifen in den Sinai zu fördern.

Das Verteidigungsministerium, das Büro des Armeesprechers und das Misgav-Institut haben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht auf die Bitten von +972 um Stellungnahme reagiert. Eventuelle Antworten werden hier hinzugefügt.

Übersetzung von Gastautor Kurt Weiss

https://www.972mag.com/intelligence-ministry-gaza-population-transfer/?fbclid=IwAR094Vk8pKNOouZmO7pRyAKURxfx5n0Ot5uNkvXGyrAhB3P8_Yo0R2XQHy0

Eine Version dieses Artikels wurde zuerst auf Hebräisch auf Local Call veröffentlicht.

Wir danken +972 Magazine und Local Call für die freundliche Genehmigung des Abdrucks.

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