Sagt mit uns Nein zur Bundeswehrtram! Nein zur Kriegspropaganda! Wo darf man das noch sagen?

Von JOHANNES SCHILLO

Bild: Bundeswehrtram in Augsburg. Foto: Autor (CC-BY-SA 3.0 unported – cropped)

Im Job gegen Bundeswehrwerbung protestieren? Geht das? Münchner Strassenbahnfahrer führen es vor, sie wollen nicht zum Vehikel der Kriegspropaganda werden.Ein DHL-Frachtarbeiter und Verdi-Vertrauensmann am Leipziger Flughafen hat nach einer antimilitaristischen Rede, die er in seiner Freizeit hielt, seinen Job verloren, wie das Gewerkschaftsforum im Herbst 2025 berichtete. Nicht nur Prominente wie den Schweizer Militärexperten und Buchautor Jacques Baud treffen also einschlägige Sanktionen, die staatliche Aufsicht vergisst auch Otto Normal-Arbeitnehmer nicht. In der Arbeitswelt muss nämlich aus Sicht der neuen Kriegspropagandisten einiges auf Linie gebracht werden.

Einzelfälle reichen da erst einmal aus, um dem Rest zu zeigen, wo der Hammer hängt.
Es tritt ja jetzt überhaupt eine neue Lage ein: Auch Unternehmen und private wie öffentliche Dienstleister haben sich am Leitbild der Kriegstüchtigkeit zu orientieren. So macht sich hier mal unter der Hand, mal offen ausgesprochen das geltend,was für Betriebe der Rüstungsindustrie sowieso gilt. Dort wird sofort die Sicherheitsfrage akut. Für Arbeiter mag es gleichgültig sein, was sie zusammenschrauben, für Staat und Kapital ist es das nicht. Für die stellen sich höhere Sicherheitsansprüche, aus Betriebsgeheimnissen werden Staatsgeheimnisse und Proletarier zu Geheimnisträgern. Aus Sicht des Staates ist jeder von ihnen ein potentieller Spion oder Saboteur und muss entsprechend durchleuchtet werden. Im Verdachtsfall steht nicht die Klärung des Verdachts an, sondern die Entfernung des Verdächtigen aus dem Betrieb, und da wird sich schon was finden lassen für eine persönlichkeitsbedingte Kündigung. Ob sich dann der gewerkschaftliche Rechtsschutz für Meinungsfreiheit im Betrieb oder fundamentale Arbeitnehmerrrechte stark macht, ist noch sehr die Frage.

Ganz Wasserdicht ist dieser neue Kurs natürlich nicht. Was hier noch geht – sogar unter Einbeziehung der DGB-Gewerkschaft – zeigt der Fall der Münchner Strassenbahnfahrer, die gegen Bundeswehrwerbung protestieren. Nähere Informationen dazu sowie Möglichkeiten zur Solidaritätsbekundung finden sich auf der Website von Change.org. Die Aktion der Kollegen aus München wird auch von der gewerkschaftlichen Basisinitiative Sagt NEIN! unterstützt.

Passend zum Thema…

Adbusting - Bundeswehr-Werbung.

Werbung bis zur Kenntlichkeit verändert

Was ist Adbusting?

Auf der Change-Website haben die Strassenbahnfahrer ihren aktuellen Aufruf veröffentlicht, der noch einmal den Werdegang dieser Protestaktion zusammenfasst. Darin heisst es: „Wir, in ver.di gewerkschaftlich organisierte Trambahnfahrerinnen und Trambahnfahrer aus München, nehmen es nicht hin, dass wir die Strassenbahn (Typ T1, Wagen 2804) mit Werbung für eine angebliche ‚Karriere bei der Bundeswehr‘ durch München fahren sollen.“

Die öffentlichen Verkehrsmittel werden in München – wie auch in anderen Städten, wo teilweise ähnlicher Protest laut bzw. unterdrückt wurde – mit den üblichen Parolen der neuen Bundeswehrwerbung bestückt. Diese sich cool und modisch gebende Werbung für den Kriegsdienst wird meist als Selbstverständlichkeit hingenommen; nur in der Gegenöffentlichkeit gibt es kritische Analysen zu diesem Fall von Propaganda, die sich als normale Werbung tarnt: siehe etwa hier und hier.

Weiter heisst es in dem Aufruf: „Bereits der Slogan der Werbung ‚Mach, was wirklich zählt‘ würdigt uns herab. Was wir machen, nämlich Trambahnfahren, zählt also nicht, beziehungsweise nicht wirklich?!! Das trifft nicht nur uns, sondern alle Arbeitenden. Man kann nicht ernsthaft von uns erwarten, dass wir diese Beleidigung aller Arbeitenden auch noch durch die Strassen fahren. Zudem sind nicht wenige von uns Pazifisten und können es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren, für die Ausbildung zum Töten zu werben. Anwerbung von Kindern und Jugendlichen widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention. Die BRD gehört zu den ganz wenigen Staaten, wo Jugendliche für die Armee rekrutiert werden. Die Vereinten Nationen, die Kinderkommission des Bundestages, Friedens- und Kinderrechtsorganisationen, die GEW und ver.di protestieren dagegen schon seit Jahren. Die zunehmende öffentliche Anwerbung hat mit dazu beigetragen, dass inzwischen jeder 11. Rekrutierte minderjährig ist.“

Die letztgenannten Punkte benennen einen Skandal, der aber in der BRD keine offizielle Stelle bekümmert. Die normalen Bürger und Bürgerinnen geben sich, wenn darauf angesprochen, überrascht, dass Derartiges in unserer demokratischen Republik geschieht, so Armin Lauven vom »Friedensforum Bonn«, das eine Kampagne gegen die Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen gestartet hat.

Lauven betont im Interview mit der Jungen Welt (30.6.25): „Das ‚Übereinkommen über die Rechte des Kindes‘ aus der UN-Kinderrechtskonvention definiert unter anderem die Schutzrechte von unter 18jährigen. Ein zentrales Prinzip, an das sich alle staatlichen Institutionen halten müssen, ist das Kindeswohl. Bundeswehr-Werbung ist einseitig und verführerisch. Sie stellt das Militär als attraktiven und normalen Arbeitgeber dar, hebt den Abenteuer- sowie Spasscharakter des Soldatendienstes durch grosse Versprechungen und ‚schöne‘ Bilder hervor – verschweigt allerdings Gefahren wie Angst-, Belastungsstörungen oder Depressionen und blendet die entscheidenden Themen Sterben und Töten aus.“

Die Aktiven dieser Kampagne gegen unzulässige Propaganda haben natürlich erleben müssen, dass sich auch mit der Berufung auf höchste völkerrechtliche Vereinbarungen so gut wie nichts ändern lässt. Bestenfalls erhalten sie vom Verteidigungsministerium ein paar warme Worte, man werde sich darum kümmern, dass die Kids in der Bundeswehr keinen besonderen Härten ausgesetzt sind… Ähnlich ergeht es den Klagen von Arbeitnehmern, so im Fall des DHL-Frachtarbeiters vom Leipziger Flughafen, der eigens erklärte, dass er (bis auf den Transport von Rüstungsgütern) seinen Logistik-Job bereitwillig und gerne ausübe; oder den Strassenbahnfahrern, die auf Respekt vor der von ihnen erbrachten Arbeitsleistung bestehen. Das wäre ja noch schöner, wenn abhängig Beschäftigte meinen, der Betrieb wäre irgendwie von ihren Vorstellungen abhängig, worin „gute Arbeit“ besteht.

Die Münchner schliessen ihren Aufruf mit einer klaren Positionsbestimmung gegen den Dienst am nationalen Propagandawesen: „Dafür wollen wir nicht länger Gehilfe sein. Wir fordern: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) darf sich nicht länger zum Rekrutierungsinstrument der Bundeswehr machen! Für uns gilt:

  • Arbeiter schiessen nicht auf Arbeiter!
  • Metaller bauen keine Panzer!
  • Transportarbeiter transportieren kein Militärgerät!
  • Trambahnfahrer fahren keine Bundeswehrtram!

Unterstützt uns dabei mit Eurer Unterschrift! Meldet uns, wenn auch bei Euch eine Bundeswehr-Strassenbahn durch die Strassen fährt! Besser noch: Schliesst Euch in Eurer Stadt dieser Aktion an! Organisieren wir den Widerstand – gemeinsam!“

BItTE UNTERSTÜTZT UNSERE PETITION
https://www.change.org/p/sagt-mit-uns-%CC%81nein-%CC%81-zur-bundeswehrtram?recruited_by_id=cde48190-f50d-11f0-8e61-bdb3c0a7e539&utm_source=share_petition&utm_campaign=psf_combo_share_initial&utm_term=psf&utm_medium=copylink

P.S.

Der Kollege Michael Niebler ist einer der Trambahnfahrer, die öffentlich erklärt haben, dass sie sich weigern, die Bundeswehrtram zu fahren. Er hat eine Ermahnung bekommen, die den Charakter einer Abmahnung hat, gegen die nun der DGB-Rechtsschutz klagt. Anlass der Ermahnung war seine Weigerung, eine ihm zugeteilte Bundeswehrtram zu fahren; er hatte das sofort der Leitstelle mitgeteilt, woraufhin die Kollegen in der Leitstelle umgehend einen Fahrerwechsel organisierten. Eine Verkehrsbehinderung in dem Sinn gab es also nicht. Aber dem Arbeitgeber geht es natürlich ums Prinzip.

Der Gütetermin in diesem Fall ist am Donnerstag, dem 22. Januar 2026, um 14 Uhr beim Arbeitsgericht München. Alle weiteren Infos finden sich auf der genannten Petitionsseite, die gerne weiter verbreitet werden darf. Hier noch die Anschrift von ver.di München für Solidaritätsadressen zu diesem Fall: ver.di München, Neumarkter Str. 22, 81673 München. Die E-Mail-Adresse lautet: bz.m@verdi.de.

Johannes Schillo

Erstveröffentlicht im Untergrundblättle v. 14.1. 2026
https://www.untergrund-blättle.ch/politik/deutschland/nein-zur-kriegspropaganda-wo-darf-man-das-noch-sagen-009472.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Das Freikorps als »Bürgerwehr«

Wie Deutschlandfunk Kultur die Deutung der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verschiebt

Von KARL-HEINZ DELLWO

Zeitgeschichte in Wort und Bild. Die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht – Hintergründe und Taten: Screenshot You Tube Video

Zeitgeschichte in Bild und TonAm Sonntag fand in Berlin die traditionelle Demonstration zur Erinnerung an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht statt. In den Nachrichten von Deutschlandfunk Kultur wurde dies so vermeldet: »In Berlin haben Tausende der ermordeten Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedacht. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 8 500 Menschen teil. Anders als in den Vorjahren habe es bisher keine Ausschreitungen gegeben. Vereinzelt sei Pyrotechnik abgebrannt worden. Die Polizei war mit rund 500 Einsatzkräften vor Ort. Ein Demonstrationszug führt vom Frankfurter Tor zur Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Die Vorsitzenden der Linken, Schwerdtner und von Akten, legten an der Gedenkstätte rote Nelken nieder. Luxemburg und Liebknecht waren kurz nach dem Spartakus-Aufstand am 15. Januar 1919 von Mitgliedern einer Bürgerwehr festgesetzt worden. Beide wurden verhört und anschließend erschossen.«

Diese Nachricht arbeitet mit sprachlichen Setzungen, die man als manipulativ bezeichnen muss. Sie zielt offensichtlich auf eine neue Richtung in der Geschichtsdeutung. Wenn es heißt, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht seien »kurz nach dem Spartakus-Aufstand« »festgesetzt« und erschossen worden, wird damit für sie eine kausale und operative Beteiligung an diesem Aufstand suggeriert. Schon das erzeugt die unausgesprochene Plausibilität, dass man dabei erschossen werden kann und damit tritt eine Selbstverantwortlichkeit in den Raum, die die Täter entlastet.

Aber Rosa Luxemburg war keine Akteurin des Spartakus-Aufstandes. Sie hat – erfolglos – gegen den Aufstand gesprochen und stattdessen für die Teilnahme an Wahlen plädiert. Karl Liebknecht stellte sich zwar politisch auf dessen Seite, da dieser Aufstand auch die Züge einer Massenerhebung trug, war aber selbst an den militärischen Aktionen nicht beteiligt.

Sowohl Karl Liebknecht als auch Rosa Luxemburg sind nicht im Zuge unübersichtlicher Exzesse erschossen worden, sondern sie wurden am 15. Januar 1919 außergerichtlich geplant ermordet. Ihre Mörder waren nicht Mitglieder einer »Bürgerwehr«, sondern die Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützendivision, einer militärisch organisierten Freikorps-Einheit unter dem Kommando des Ersten Generalstabsoffiziers Waldemar Pabst. Das war keine lose, unorganisierte bewaffnete Gruppe, sondern eine Soldateska mit klarer Befehlskette, eingebunden in die Reichswehr, in das Freikorpswesen und politisch gedeckt durch die SPD-geführte Reichsregierung mit ihrem defacto Wehrminister Gustav Noske. Es war eine staatliche Aktion und der Staat war damals geführt vom Rat der Volksbeauftragten unter ihrem SPD-Präsidenten Friedrich Ebert.

Mit dem neue eingeworfenen Begriff »Bürgerwehr« werden zivile Akteure, defensive Motivation, fehlende staatliche Verantwortung und ein außer Kontrolle geratener Volkszorn als Rahmung aufgefächert – was es tatsächlich so nicht gab. Dagegen ist erwiesen, dass es sich bei den Freikorps um militarisierte, rechtsradikale Verbände handelte, die sich mit ihren brutalen Erfahrungen und Gewohnheiten aus dem Ersten Weltkrieg der staatlichen Niederschlagung der Revolution zur Verfügung stellten, gut bezahlt und gut genährt im Dienst der alten Eigentumsordnung.

Bei der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts handelt es sich um politische Morde im staatlichen Machtkampf um die Zukunft des Systems. Und die Taten haben die Weichen für den späteren Sieg des Nationalsozialismus gestellt. Vor ihrer Ermordung wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht noch schwer mit stumpfer Gewalt misshandelt.

Die enge Übereinstimmung zwischen Teilen der SPD-Führung und den militärischen Akteuren ist historisch gut dokumentiert. Klaus Gietinger belegt sie in seiner Studie »Der Konterrevolutionär. Waldemar Pabst – eine deutsche Karriere« (2009) anhand von Selbstaufzeichnungen Pabsts. Darin schildert er Gespräche mit Gustav Noske, aus denen hervorgeht, dass die »Exekution« Liebknechts und Luxemburgs als notwendige Maßnahme betrachtet wurde, während die politische Verantwortung bewusst diffus gehalten werden sollte.

107 Jahre nach dem Mord bemüht sich der Sender Deutschlandfunk Kultur offensichtlich gegen längst ausrecherchierte historische Tatsachen darum, die Realität staatlicher (Klassen)-Gewalt und historische Verantwortlichkeiten zu verschleiern. Vor die geschichtlichen Realitäten werden erneut Filter gesetzt. Die Staatsgeschichte wird ertrag- und regierbar gemacht, ihre Brüche werden zugekittet. Übrig bleibt eine historische Erzählung, die zwar die Gewalttätigkeit des Geschehens nicht leugnen kann, den Kontext der Geschichte aber umschreibt und damit unkenntlich macht. Diese Art der Erinnerung unterscheidet sich nur graduell von der Lüge.

Erstveröffentlicht im nd v. 13.1. 2026
https://nd.digital/editions/nd.DerTag/2026-01-13/articles/21200517

Wir danken für das Publikationsrecht.

Venezuela: Eskalation mit Ansage – Was die US-Thinktanks planten, wird jetzt Realität

Von MICHAEL HOLLISTER

(Red GlobalBridge.) Der militärische Eingriff in die Souveränität Venezuelas war zwar und ist noch immer ein Thema in den Medien, aber neben der Katastrophe in Crans-Montana ging das rücksichtslose und absolut völkerrechtswidrige Vorgehen der USA in Venezuela in den Medien doch fast unter. Und weil Venezuela mit Russland und China verbündet war und theoretisch noch immer ist, ist in den Augen der westlichen Medien der Untergang dieses Staates ja auch nicht wirklich schlimm. Wo kann man lesen, dass Donald Trump ein echter Kriegsverbrecher ist? (cm)

Bild: Screenshot von You Tube Video

In der Nacht zum 3. Januar 2026 verkündete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social das Undenkbare:

„The United States of America has successfully carried out a large scale strike against Venezuela and its leader, President Nicolás Maduro, who has been, along with his wife, captured and flown out of the Country. This operation was done in conjunction with U.S. Law Enforcement.“

Was wie eine dystopische Satire klingt, ist bittere Realität. US-Streitkräfte haben in den frühen Morgenstunden vom 3. Januar Caracas bombardiert, Militärstützpunkte unter Beschuss genommen und den demokratisch gewählten Präsidenten eines souveränen Staates entführt. Die offizielle Begründung aus Washington: Kampf gegen Drogenkartelle und „Narco-Terrorismus“. Die tatsächliche Motivation: Regime Change, Ressourcenzugriff, geopolitische Dominanz.

Wer verstehen will, wie es zu diesem beispiellosen Akt militärischer Aggression kommen konnte, muss nicht spekulieren. Die Eskalation war geplant, in Thinktank-Papieren dokumentiert, öffentlich einsehbar – und ihre Umsetzung lässt sich lückenlos nachvollziehen.

Die Prognose vom Dezember – jetzt wird sie Realität

Am 5. Dezember 2025 habe ich auf meiner Webseite unter dem Titel „Venezuela: Wer profitiert, wer plant, wer zahlt?“ die Eskalationsstrategie der USA gegenüber Caracas detailliert beschrieben – Stufe für Stufe, basierend auf originalen US-Thinktank-Dokumenten von RAND Corporation und dem Center for Strategic and International Studies (CSIS).

Phase 4 dieser Interventionsarchitektur beinhaltete: gezielte Destabilisierung, Cyberangriffe, Desinformationswellen und – das entscheidende Element – „targeted leadership removal“, die gezielte Entfernung der politischen Führung.

Heute, keine vier Wochen später, ist genau das eingetreten. Trump verkündet nicht nur öffentlich einen Militärschlag gegen ein souveränes Land – er gibt offen zu, was selbst die CIA früher noch zu vertuschen versuchte: Die Entführung eines amtierenden Staatschefs durch US-Spezialeinheiten. Für 11 Uhr EST kündigte er eine Pressekonferenz in Mar-a-Lago an, um weitere Details bekanntzugeben.

Die Nacht der Explosionen – Augenzeugen berichten

Gegen 2 Uhr morgens venezolanischer Zeit (1 Uhr EST) begannen die Angriffe. Augenzeugen in Caracas berichten von massiven Explosionen, tieffliegenden Kampfhubschraubern und Raketenangriffen auf militärische wie zivile Ziele. Videos auf Twitter, Telegram und anderen Plattformen zeigen Rauchsäulen über Fort Tiuna – Venezuelas größtem Militärkomplex –, dem Flughafen La Carlota und weiteren strategischen Einrichtungen in den Bundesstaaten Miranda, Aragua und La Guaira.

Augenzeugen berichten von Angriffen auf Wohngebiete und gezielten Operationen gegen Regierungsgebäude. Ihre Schilderungen decken sich mit Berichten des venezolanischen Verteidigungsministers Vladimir Padrino López, der von US-Kampfhubschraubern sprach, die Raketen und Lenkwaffen in urbanen Gebieten abfeuerten. Die Angriffe dauerten etwa eine halbe Stunde. Teile von Caracas verloren die Stromversorgung.

Die Story explodiert derzeit auf allen Social-Media-Kanälen. Von Elon Musk über Kim Dotcom bis zu unabhängigen Journalisten wie Katja Hoyer – die Bombardierung Venezuelas ist die weltweite Top-Story. Doch die primäre Quelle ist der Aggressor selbst: Donald Trump, der die Operation nicht nur zugibt, sondern öffentlich feiert.

Maduro verschwunden – zwischen US-Behauptung und venezolanischer Unwissenheit

Die USA behaupten über Trump und Justizministerin Pam Bondi: Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores seien in einem Kommandoeinsatz gefangen genommen und „aus dem Land geflogen“ worden. Maduro werde sich in den USA vor Gericht verantworten müssen – angeklagt wegen „Narco-Terrorism Conspiracy“ und „Cocaine Importation Conspiracy“. Die Anklage wurde im Southern District of New York erhoben. Bondi kündigte an, beide würden „bald die volle Wucht amerikanischer Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten“ erfahren.

Die venezolanische Regierung hingegen hat Maduros Aufenthaltsort bislang nicht bestätigt. In einer offiziellen Stellungnahme verurteilte sie die „schwere militärische Aggression“ der USA, rief den nationalen Notstand aus und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Gleichzeitig fordert Caracas von Washington ein Lebenszeichen des Präsidenten.

Was feststeht: Ein demokratisch gewählter Staatschef ist verschwunden – entweder entführt von einer fremden Macht oder untergetaucht. Beides wäre ein beispielloser Bruch des Völkerrechts und internationaler Normen.

Der Mythos vom Narco-Staat – wenn die Realität nicht ins Narrativ passt

Begründet wird der Gewaltschlag – wie so oft in der US-Außenpolitik – mit dem angeblichen Kampf gegen den Drogenhandel. Venezuela sei ein „Narco-Staat“, so die Behauptung aus Washington, und Präsident Maduro ein „Drogenbaron mit staatlicher Rückendeckung“. Die Trump-Administration hatte zuletzt ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar auf Maduro ausgesetzt. Doch wer sich die Mühe macht, die drei wichtigsten internationalen Drogenberichte durchzulesen – den jährlichen World Drug Report des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die Einschätzungen des International Narcotics Control Board (INCB) sowie die Berichte der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) – stellt fest: Venezuela taucht dort so gut wie gar nicht auf. Nicht als wichtiges Herkunfts-, Transit- oder Zielland. Kein Vergleich zu Kolumbien, Peru oder Mexiko. Lediglich ein kurzer Absatz am Rande erwähnt Venezuela überhaupt – ohne klare Belege, ohne Zahlen, ohne Struktur. Die Drogenkartelle, die von den USA regelmäßig als Begründung für Interventionen herangezogen werden, operieren nach diesen Berichten vor allem außerhalb Venezuelas. Die angebliche Rolle Maduros als „Capo“ eines globalen Kokainnetzwerks bleibt reine Behauptung – ohne Substanz, ohne Quelle, aber mit maximaler propagandistischer Wirkung. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Es ist ein alter Trick: Wenn die Interessen klar sind, aber die Beweise fehlen, schafft man sich eben eine passende Geschichte.

Völkerrecht als Störfaktor – wenn Regeln nur für andere gelten

Mit dem gezielten Schlag gegen Caracas überschreiten die USA erneut eine rote Linie: den Bruch des Völkerrechts. Die Charta der Vereinten Nationen, insbesondere Artikel 2 Absatz 4, verbietet klar „die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates“.

Doch genau das ist hier geschehen – ohne UN-Mandat, ohne Kriegserklärung, ohne Anhörung, ohne Genehmigung des US-Kongresses. Senator Brian Schatz vom Auswärtigen Ausschuss warnte noch vor dem Angriff, die USA hätten „keine vitalen nationalen Interessen in Venezuela, die einen Krieg rechtfertigen würden.“

Ein solcher Akt stellt nach gängiger völkerrechtlicher Interpretation eine Aggression dar – vergleichbar mit der Invasion des Irak 2003 oder der Entführung von Präsident Aristide aus Haiti im Jahr 2004. Phil Gunson, Analyst der International Crisis Group in Caracas, verglich Maduros Entführung mit dem Fall des panamaischen Machthabers Manuel Noriega am 3. Januar 1990 – ebenfalls orchestriert von den USA. „It’s not legal“, sagte Gunson gegenüber der Presse.

Dass ein solcher Bruch internationalen Rechts in westlichen Medien kaum hinterfragt wird, zeigt erneut: Völkerrecht gilt offenbar nur, wenn es sich gegen Feinde des Westens einsetzen lässt. Sobald aber westliche Staaten selbst angreifen, bombardieren oder entführen, wird geschwiegen, relativiert oder schlicht ignoriert. Venezuela ist in diesem Fall nicht das Problem – sondern der Spiegel, den es der Welt vorhält.

Internationale Reaktionen – Schweigen, Verurteilen, Wegschauen

Die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft fallen erwartbar aus – und offenbaren die Doppelmoral der sogenannten regelbasierten Ordnung.

Verurteilung aus dem Globalen Süden: Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum verurteilte die US-Militäraktion scharf und erklärte, die Angriffe verletzten die UN-Charta. Brasilien, die ALBA-Staaten und selbst das traditionell US-freundliche Kolumbien äußerten sich zurückhaltend bis kritisch. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro kündigte an, Truppen an die venezolanische Grenze zu verlegen, um auf einen möglichen Flüchtlingsstrom vorbereitet zu sein. Kuba verurteilte den „kriminellen Angriff“ der USA.

Unterstützung aus dem rechten Lager: Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei feierte hingegen Maduros Verhaftung auf X mit den Worten: „Liberty advances, ¡Viva la libertad, carajo!“

Russland und Iran: Russland verurteilte die Angriffe als „Akt bewaffneter Aggression“ und kündigte an, die Angelegenheit vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen – wo die USA erwartungsgemäß ihr Veto einlegen werden. Iran sprach von einer „eklatanten Verletzung der nationalen Souveränität und territorialen Integrität“ Venezuelas.

Europa schweigt: Aus Brüssel und Berlin: ohrenbetäubendes Schweigen. Keine Sondersitzung, keine klare Verurteilung, keine Stellungnahme zur Verletzung des Völkerrechts. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte lediglich, man „beobachte die Situation“ und mahnte zur „Zurückhaltung“ – ohne den Aggressor beim Namen zu nennen.

Was sich hier abzeichnet, ist nicht nur eine regionale Krise, sondern ein weiterer Sargnagel für das Prinzip der internationalen Rechtsordnung, das der Westen so gerne beschwört, wenn es gegen Russland oder China geht.

Schweizer Neutralität – wenn Wegschauen zur Mittäterschaft wird

Besonders brisant: Unter den Augenzeugenberichten aus Caracas finden sich auch Aussagen einer Schweizerin, die oft in Venezuela weilt, die von Angriffen auf Wohngebiete und gezielten Operationen gegen Regierungsgebäude berichtet. Ihre Schilderungen decken sich mit unabhängigen Medienberichten und stehen im krassen Gegensatz zur Darstellung westlicher Leitmedien.

Die Schweiz, die sich gerne als neutrale Vermittlerin inszeniert, schweigt auch in diesem Fall. Keine offizielle Stellungnahme, keine Forderung nach Aufklärung, kein Schutz für die eigenen Staatsbürger vor Ort. Stattdessen: Business as usual. Schweizer Banken verwalten weiterhin venezolanische Vermögen, die durch US-Sanktionen eingefroren wurden – ein lukratives Geschäft, das von der Destabilisierung profitiert. (Das Schweizer Außendepartement hat zwischenzeitlich in puncto Venezuela zur „Mäßigung“ aufgerufen und eine ausführliche Warnung vor Reisen nach Venezuela veröffentlicht. Red.)

Die vielgepriesene Neutralität erweist sich in diesem Fall als Feigenblatt: Wer schweigt, während ein souveräner Staat angegriffen wird, macht sich mitschuldig. Wer die Aggression nicht beim Namen nennt, legitimiert sie. Venezuela zeigt, dass Neutralität im 21. Jahrhundert nicht bedeutet, zwischen Recht und Unrecht zu vermitteln – sondern schlicht wegzuschauen, wenn es den eigenen Interessen dient.

Ein altbekanntes Drehbuch – von Libyen bis Haiti

Was in Venezuela geschieht, ist kein Einzelfall. Es ist die Wiederholung eines Musters, das die USA seit Jahrzehnten perfektioniert haben:

Erst kommt die mediale Dämonisierung des Staatschefs – ob Gaddafi, Saddam Hussein oder Aristide. Dann folgen Sanktionen, die das Land wirtschaftlich in die Knie zwingen. Schließlich wird eine humanitäre Katastrophe inszeniert oder herbeigeführt, um den finalen Schlag zu legitimieren.

2003 – Irak: Die angeblichen Massenvernichtungswaffen, die nie existierten, dienten als Vorwand für eine Invasion, die Hunderttausende Menschenleben kostete und das Land ins Chaos stürzte.

2011 – Libyen: Unter dem Deckmantel der „Responsibility to Protect“ wurde Muammar Gaddafi gestürzt – heute ist Libyen ein gescheiterter Staat mit offenen Sklavenmärkten.

2004 – Haiti: Präsident Jean-Bertrand Aristide wurde von US-Spezialeinheiten buchstäblich aus dem Amt entführt und außer Landes gebracht – unter dem Vorwand, seine Regierung sei illegitim.

1990 – Panama: Manuel Noriega, einst CIA-Asset, wurde in der „Operation Just Cause“ verhaftet und in die USA verschleppt – angeblich wegen Drogenhandels.

Venezuela reiht sich nahtlos in diese Liste ein. Die Argumente sind austauschbar, die Methoden identisch, das Ergebnis absehbar: Zerstörung staatlicher Strukturen, Installation einer westlich kontrollierten Übergangsregierung, Zugriff auf strategische Ressourcen – in diesem Fall die größten Ölreserven der Welt.

Der einzige Unterschied: Diesmal war die Eskalation öffentlich planbar. Wer die Thinktank-Papiere las, wusste, was kommt.

Nächste Stufe bereits in Vorbereitung – der finale Vorstoß

Was als Phase 4 begann – die gezielte Entfernung der politischen Führung – mündet nun in Phase 5: die Installation einer Übergangsregierung unter westlicher Kontrolle. Die wirtschaftliche Abriegelung Venezuelas wird weiter verschärft, gleichzeitig formieren sich diplomatische Allianzen für eine sogenannte „Interimslösung“.

Ob über dauerhafte militärische Präsenz, internationale Erklärungen „besorgter Demokratien“ oder einen hastig gebastelten „Rettungsplan“ für das venezolanische Volk – die USA bereiten bereits den nächsten Schritt vor. Die FAA hat eine NOTAM (Notice to Airmen) ausgesprochen, die US-Flugzeugen den venezolanischen Luftraum verbietet – ein klares Zeichen für anhaltende militärische Operationen. Die US-Botschaft in Caracas hat eine Shelter-in-Place-Anordnung erlassen.

Es ist das alte Drehbuch – angewandt in Libyen, Irak, Haiti, Panama. Was in Venezuela gerade passiert, ist nicht neu.

Neu ist nur, dass die Blaupause diesmal öffentlich nachlesbar war.

Wer verstehen will, wie es weitergeht, der findet die Prognose schwarz auf weiß: In meinem Artikel vom 5. Dezember 2025 steht, was jetzt passiert – und was als nächstes kommen wird. Die Eskalation läuft nach Plan. Und das nächste Kapitel hat bereits begonnen.

Zum Autor: Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

(Red.) Siehe zu Venezuela auch den informativen Bericht von Natalie Benelli, ebenfalls auf Globalbridge.

Quellen und weiterführende Hinweise
  • RAND Corporation (2023): Studie zu US-Militärintervention in Venezuela. Die Analyse warnt, dass eine offene militärische Intervention „chaotisch werden und sich in die Länge ziehen würde“ und dass es „für die USA nicht einfach wäre, sich wieder zu lösen, sobald das Engagement begonnen hat.“ Zitiert in Foreign Affairs (Oktober 2025) und The Intercept (Dezember 2025).
    Weitere RAND-Analysen zu Venezuela: https://www.rand.org/topics/venezuela.html
  • James Dobbins, RAND Corporation (2019): „What Should the United States Do About Venezuela?“ – beschreibt, wie Sanktionen zur Vorbereitung militärischer Intervention genutzt werden (Haiti 1994, Bosnien 1995, Kosovo 1999, Irak 2003).
    https://www.rand.org/blog/2019/06/preparing-for-a-venezuela-after-maduro.html
  • Center for Strategic and International Studies (CSIS): „Venezuela as a Failing State and the Risks for Regional Security“ (2022).
    https://www.csis.org
  • United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) – World Drug Report 2023: Venezuela wird im Drogenkontext nur am Rande erwähnt; keine Einstufung als Schlüsselakteur im globalen Kokainmarkt.
    https://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/world-drug-report-2023.html
  • European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA): Cocaine trafficking and production trends (2023) – ohne Nennung Venezuelas als Hauptakteur.
    https://www.emcdda.europa.eu
  • UN-Charta, Artikel 2: Enthält das Gewaltverbot und das Prinzip souveräner Gleichheit der Staaten.
    https://www.un.org/en/about-us/un-charter/full-text
  • Aktuelle Berichterstattung (3. Januar 2026):
    • Al Jazeera: „Trump says Venezuela’s Maduro ‚captured‘ after huge US military strikes“ 
    • CNN: „US captures Venezuelan leader Maduro in ‚large scale‘ strike“ 
    • NPR: „U.S. hit Venezuela with ‚large-scale strike,‘ captured Nicolás Maduro, Trump says“ 
    • Washington Post: Live updates zu den Angriffen 
    • Venezuelanalysis: „[BREAKING] US Claims Maduro Captured During Military Operation“ 
  • Michael Hollister: „Venezuela – Teil 2: Die vierte Phase beginnt“, erschienen am 5. Dezember 2025 auf
    https://www.michael-hollister.com/de/2025/12/05/venezuela-intervention-3/

Erstveröffentlicht auf GlobalBridge v. 4.1. 2026
https://globalbridge.ch/venezuela-eskalation-mit-ansage-was-die-us-thinktanks-planten-wird-jetzt-realitaet/

Website von Michael Hollister:
https://www.michael-hollister.com/de/hauptseit/

Wir danken für das Publikationsrecht.

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