UN OCHA aktuell – wie sieht die Lage der Menschen in GAZA wirklich aus?

OCHA , dasAmt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheitenlistet zur aktuellen Situation der Bevölkerung in GAZA folgende Punkte auf:

  • Die gestrigen Evakuierungsbefehle des israelischen Militärs haben bereits zur Zwangsumsiedlung von Zehntausenden Menschen aus Rafah im Süden des Gazastreifens geführt . Viele von ihnen wurden in den letzten sieben Monaten mehrfach entwurzelt.
  • Die Zivilbevölkerung in Gaza muss geschützt werden und ihre Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden, unabhängig davon, ob sie umziehen oder bleiben. Wer aufbricht, muss genügend Zeit dafür haben, sowie einen sicheren Weg und einen sicheren Ort, an den er gehen kann.
  • Die aus Rafah vertriebenen Familien kommen an Orte, an denen es an Unterkünften, Latrinen und Wasserstellen mangelt.
  • Es ist unmöglich, die Situation an Flüchtlingslagern zu verbessern, wenn Hilfsgüter nicht nach Gaza gelangen können und Hilfsorganisationen nicht über den Treibstoff verfügen, um sie innerhalb des Gazastreifens zu den Familien zu transportieren, die sie benötigen.
  • Humanitäre Partner, die an Unterkünften arbeiten, haben weniger als 1.500 Zelte zur Verteilung bereit, und das zu einer Zeit, in der mehr als 70 Prozent der Unterkünfte in Gaza beschädigt oder zerstört wurden.
  • Sowohl die Grenzübergänge Kerem Shalom als auch Rafah nach Gaza sind geschlossen. Das bedeutet, dass die UN keine dringend benötigte humanitäre Hilfe leisten kann . Hilfsorganisationen haben keinen Zugang zu den Nahrungsmitteln, die sie zur Behandlung von mehr als 3.000 Kindern mit akuter Unterernährung benötigen. Und die humanitäre Gemeinschaft ist nicht in der Lage, auf den Treibstoff zuzugreifen, der für die Hilfsmaßnahmen erforderlich ist.
  • Humanitäre Einsätze können nicht ohne Treibstoff durchgeführt wurden.
    Ohne Treibstoff werden alle humanitären, Kommunikations- und Bankaktivitäten in Gaza innerhalb weniger Tage eingestellt. Ohne Treibstoff werden die Kommunikationsunternehmen in Gaza nicht in der Lage sein, ihre Netzwerke am Laufen zu halten, sodass Hilfsorganisationen keinen Mobilfunkdienst haben, um Informationen über die Bedürfnisse der Menschen zu sammeln – und vertriebene Familien keine Möglichkeit haben, Kontakt aufzunehmen, wenn sie getrennt werden. Ohne Treibstoff müssen 16 Bäckereien, die von humanitären Partnern in Gaza unterstützt werden, in den kommenden Tagen ihren Betrieb einstellen. Ohne Treibstoff muss die Hauptquelle für sauberes Wasser im Norden des Gazastreifens und in Gaza-Stadt ihren Betrieb einstellen, sodass fast eine halbe Million Menschen nur sehr eingeschränkten Zugang zu sicheren Vorräten haben. Auch die Wasserproduktion im südlichen Gazastreifen und im mittleren Bereich wird ohne zusätzlichen Treibstoff eingestellt.

Quelle: OCHA Rundbrief 7.5.2024

Anmerkung: die Hinweise scheren Israel – wie so vieles andere auch – „einen Teufel“. Die westlichen Länder fordern zwar Israel auf, den Angriff auf Rafah zu stoppen, unterstützen Israel aber auf allen Ebenen mit allen Mitteln. Humanitäre Hilfen erfolgen nur eingeschränkt oder werden sogar ganz unwirksam. Proteste gegen den mutmaßlichen Völkermord werden mehr denn je als antisemitisch diffamiert und mit Polizeigewalt brutal unterbunden.


Hände weg von Rafah – Trauerkundgebung

Trauerkundgebung heute 8.Mai Berlin Breitscheidplatz um 19 Uhr!

Update. Die Kundgebung wurde ganz kurzfristig auf Druck der Polizei zum Adenauerplatz verlegt. Leider hat auch uns diese Info zuspät erreicht. Staatliches Agieren in Deutschland gestattet es offensichtlich nicht einmal mehr, bei der „größten humanitären Kriegskatastrophe der letzten Jahre“ gemeinsam öffentlich zu trauern.

„Lasst uns alle zusammenkommen, um unsere Trauer über den Tod von mehr als 40 000 Menschen in Gaza zu teilen, über die barbarische Invasion von Rafah, über die Mittäterschaft westlicher Länder an diesem Völkermord, über die Untätigkeit von Menschen in Machtpositionen. Alle raus nach Gaza! “ [1]Aufruf der Veranstalter, u. a. Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost

UN zur aktuellen Lage
Und Angriff auf Rafah stoppen

References

References
1 Aufruf der Veranstalter, u. a. Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost

Rote Linien der Nato für Russland?

La Repubblica will aus Nato-Kreisen erfahren haben, dass zwei Szenarien erwogen werden, die einen Truppeneinsatz zur Folge haben könnten.

Von Florian Rötzer

Bild: Nato-Generalsekretär Stoltenberg mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskij beim Besuch der National Defense University in Kiew am 29. April. Bild: https://www.president.gov.ua/ CC BY-NC-ND-4.0

Kürzlich hatte sich der französische Präsident Macron einmal wieder in der Ambiguität geübt und den Einsatz von Truppen in der Ukraine angekündigt. Nach ihm wäre ein Einsatz unter zwei Bedingungen möglich: Wenn die russischen Truppen die ukrainische Abwehr durchbrechen oder wenn die ukrainische Führung darum bittet. Er schließe nichts aus, sagte Macron: „Russland darf nicht gewinnen. Wenn Russland gewinnt, wird es in Europa keine Sicherheit geben. Wer kann versichern, dass Russland hier stoppt? Welche Sicherheit wird es für die übrigen Nachbarstaaten Moldawien, Rumänien, Polen, Litauen und andere geben?“

Tatsächlich hat sich die Nato-Rhetorik verändert, seit die ukrainische Gegenoffensive letztes Jahr gescheitert ist. Nachdem unübersehbar wurde, dass die Ukraine aufgrund Munitions- und Personalmangel schwächelt und kaum mehr beiseite gewischt werden kann, dass die ukrainischen Truppen weiter zurückgedrängt werden können und eventuell mit einer militärischen Niederlage gerechnet werden muss, wird verstärkt die Drohung geäußert, dass Russland nach dem Fall der Ukraine in die Nachbarländer, auch in Nato-Länder vorstoßen könnte. Das ist zwar jetzt angesichts der militärischen Probleme mit der Ukraine und der mangelnden Stärke der russischen Truppen abwegig, Russland würde auch bei einem Sieg oder mit dem Einfrieren des Kriegs genug Probleme mit der Sicherung der besetzten Gebiete haben. Aber die Drohkulisse ist notwendig, um bei der militärischen Durchhalteparole an die Ukraine und die Einheit der Nato-Staaten zu bleiben, dass Russland nicht gewinnen und die Ukraine nicht verlieren darf.

Auf dem Hintergrund ist plausibel, dass Macron, seitdem er im Februar erstmals davon gesprochen hat, Diskussionen der Nato-Staaten über die Entsendung von Truppen im Hintergrund zum Ausdruck gebracht hat. Die Nato-Staaten haben sich seit Abbruch der Friedensverhandlungen kurz nach Beginn des Kriegs und dem Rückzug der russischen Truppen aus Kiew, Cherson und Charkiw auf einen Sieg versteift, der mit den angeblich überlegenen Waffen und Strategien aus dem Westen, den Sanktionen und der technischen, strategischen und personellen Schwäche der russischen Armee realistisch erscheinen sollte. Seitdem wurden Hunderte von Milliarden an Geldern und Waffen in die Ukraine gepumpt. Sollte das Kriegsprojekt scheitern, war nicht nur alles vergeblich, sondern würde die Nato einen schweren Image-Schaden erleiden, wenn nach Afghanistan schon wieder eine Niederlage eingefahren wird, und ihre mühsam gekittete Einheit zerfallen, die die USA unbedingt auch im Kampf gegen China instrumentalisieren wollen, Zudem würde die Achse Russland-China enorm gestärkt werden.

Trotz der vordergründigen Rhetorik wird natürlich darüber gesprochen, welche Schritte unternommen werden sollen, wenn die Ukraine schwere Niederlagen und territoriale Verluste erfährt oder kurz vor der Kapitulation stehen würde. Und zu den Schritten gehört selbstverständlich, die personell geschwächten ukrainischen Truppen eventuell mit Truppenkontingenten aus Nato-Staaten zu verstärken. Das würde allerdings auch bedeuten, direkt zum Kriegsteilnehmer zu werden. Abwegig ist das auch nicht, denn die Nato-Länder sind bei allen Schwächen Russland wirtschaftlich, militärisch, technisch  und demografisch überlegen. Man könnte damit rechnen, dass Russland dann zwar in der Ukraine massiver zuschlagen, aber nicht in einen Krieg gegen die Nato auf deren Territorium eintreten würde. Das Risiko wäre allerdings hoch, in einen nuklearen Schlagabtausch abzurutschen, wenn die russische Führung ihrerseits eine Niederlage fürchten muss. Es wurden bereits viele rote Linien überschritten, ohne dass Russland direkt gegen Nato-Staaten reagierte, so dass innerhalb der Nato auch davon ausgegangen werden könnte, dass auch die Entsendung von Truppen hingenommen würde.

Weißrussland oder Moldawien

Die italienische Zeitung La Repubblica berichtet nun, die Nato würde einen Zusammenbruch der Ukraine fürchten und als letzten Schritt eine Intervention erwägen, wenn bestimmte rote Linien von Russland überschritten werden. Zwei solche Linien habe die Nato „in sehr vertraulicher Weise und ohne offizielle Kommunikation“ festgelegt, während emsig Bemühungen auf politischer Ebene wie von Bundeskanzler Scholz bei seinem Besuch in China und von Emmanuel Macron bei dem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Paris stattfinden, China in Distanz zu Russland zu bringen. Es würde sich allerdings nur um Notfallpläne handeln, nicht um konkrete Planungen.

Ein von den Quellen der Zeitung erwähntes Kriegseintrittsszenario wäre es, wenn Weißrussland in den Krieg mit der Ukraine einsteigen sollte. Wenn die russischen Truppen in die ukrainische Verteidigungslinie durch direkte oder indirekte Mithilfe eines dritten Staates eindringen könnten, nachdem der Korridor zwischen Belarus und der Ukraine durchbrochen wurde, wäre Minsk „direkt in den militärischen Streit verwickelt“. Das würde bedeuten, dass Kiew eingenommen werden könnte, was gefährlicher wäre als ein weiterer Vormarsch in Charkiw oder Lugansk/Donezk.

Das zweite Szenario wäre der bereits von Macron erwähnte Angriff auf Nachbarstaaten wie Polen, die baltischen Staaten oder auch Moldawien, das nicht in der Nato ist. Es ist aber auch die Rede von nur einer „militärischen Provokation“, was die Schwelle sehr senken würde.

Interessant an dem Artikel ist, wenn er denn die Diskussion in der Nato wirklich wiedergibt, dass eine Intervention nur erwogen wird, wenn ein Drittstaat beteiligt ist, nicht aber wenn die Ukraine an der Front im Land Niederlagen erleidet. Nun kann man sich fragen, ob Repubblica oder Macron recht hat. Letzterer hatte ja als einen Grund für die Entsendung von Truppen einen Durchbruch der russischen Armee in der Ukraine genannt. Vermutlich herrscht im Lager der Nato-Staaten Uneinigkeit, ob überhaupt Truppen entsendet werden sollen und wenn ja, beim Überschreiten welcher roter Linien. Natürlich könnten die durchgestochenen angeblichen roten Linien auch eine Warnung an Belarus sein, am Krieg teilzunehmen, was das Kräfteverhältnisse zugunsten von Russland verschieben würde, oder eine Warnung an Russland, sich gegenüber Moldawien zurückzuhalten, wo im Oktober wichtige und richtungsprägende Präsidentschaftswahlen und ein Volksentscheid über den Beitritt zur EU stattfinden.

Erstveröffentlicht im Overton Magazin
https://overton-magazin.de/top-story/rote-linien-der-nato-fuer-russland/

Wir danken für das Publikationsrecht.

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