Waffenstillstand in der Ukraine jetzt!

Inmitten des Ukraine-Krieges wird die Bedrohung durch einen Atomkrieg immer realer. Ralph Urban fordert einen Waffenstillstand und eine neue europäische Friedensordnung.

Die Gefahr eines Atomkrieges ist real. Doch die offiziellen Äußerungen der internationalen Gemeinschaft dazu sind widersprüchlich. Zunächst hatte der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Gespräch mit Mitgliedern des von ihm gegründeten Menschenrechtsrats in Moskau Anfang Dezember 2022 betont, Atomwaffen dienten der Abschreckung und als Mittel der Vergeltung. Den Ersteinsatz wollte er dabei nicht ausschließen. Zur selben Zeit erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz die Gefahr einer atomaren Eskalation für vorerst gesunken.

Nur wenige Tage später, beim Gipfeltreffen der Eurasischen Wirtschaftsunion in Kirgistan, dachte Präsident Putin öffentlich über das Konzept eines atomaren Präventivschlags nach. Russland könne dieses Konzept von den USA übernehmen und seine Nukleardoktrin entsprechend ändern.

Bisher ist China das einzige atomar bewaffnete Land, das eine bedingungslose No-First-Use-Politik verfolgt. Das bedeutet, dass sich China verpflichtet, Atomwaffen unter keinen Umständen zuerst einzusetzen, sei es als Präventiv- oder Erstschlag oder als Reaktion auf einen nicht-nuklearen Angriff jeglicher Art. Die Militärdoktrinen der USA und Russlands schließen den Ersteinsatz nicht aus. Auch die drohende Niederlage in einer konventionellen Auseinandersetzung könnte zum Einsatz von Atomwaffen führen.

Und wenn ein stetiger Strom von Waffen aus den USA und Europa den russischen Präsidenten in die Defensive bringt, lässt sich der Einsatz von Atomwaffen nicht ausschließen.

Genauso steht es im Friedensgutachten 2022 der vier führenden deutschen Friedens- und Konfliktforschungsinstitute:

»Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass das Risiko steigt, wenn Russland in die Defensive gerät.« Auch bei einer »geringen Wahrscheinlichkeit« für einen russischen Atomwaffeneinsatz sollte der Westen angesichts der Gefahr einer Eskalation zurückhaltend agieren.

Leider scheint sich die Führung der Nato der Folgen ihres eigenen Tuns nicht sicher zu sein: »Wenn die Dinge schiefgehen, können sie furchtbar schiefgehen«, sagte Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Der Krieg in der Ukraine sei schrecklich, und er könne sich zu einem großen Krieg zwischen der Nato und Russland ausweiten. Aus Sicht der russischen Regierung haben sich die Nato-Verbündeten durch die Versorgung der Ukraine mit Wa ffen, die Ausbildung ihrer Soldaten und die Bereitstellung militärischer Aufklärung für Angriffe auf russische Truppen faktisch bereits zu einer Konfliktpartei gemacht.

Mit jedem Tag wächst das Risiko, dass sich dieser Krieg auf andere Staaten ausweitet oder zum Atomkrieg eskaliert. Das zeigten sowohl der Raketeneinschlag in Polen wie auch die Drohnenangriffe auf russische Militärflughäfen weit im Landesinneren.

Jeden Tag bringt der Krieg Leid, Tod und Verwüstung. Jeden Tag nimmt die Unversöhnlichkeit zu, die Fronten verhärten sich mehr und mehr. Der Krieg muss aus all diesen Gründen so schnell wie möglich beendet werden.

Bisher haben weder das Warten auf ein militärisches Patt noch Waffenlieferungen oder Sanktionen ein Zeitfenster für Waffenstillstandsgespräche eröffnen können. Die internationale Gemeinschaft ist gefordert.

Insbesondere die Nationen, die mit den Konfliktparteien verbündet sind, haben jetzt die Pflicht, auf die kriegsführenden Parteien Einfluss zu nehmen, auf einen Waffenstillstand zu drängen und auf Kompromisse – auch wenn diese von beiden Seiten als schmerzhaft empfunden werden.

Die deutsche Regierung sollte sich dem Vorstoß des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für Verhandlungen anschließen, die die berechtigten Sicherheitsinteressen aller Seiten, auch Russlands, berücksichtigen.

Wir brauchen jetzt einen Waffenstillstand und Ideen für eine neue europäische Friedensordnung.

Ralph Urban ist IPPNW-Vorstandmitglied (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges)

Erschienen im nd, v. 22.12.22
Wir danken dem Autor für das Abdruckrecht.

Es geht darum, den Frieden zu gewinnen – nicht den Krieg, 06.01.2023

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Verband der Antifaschisten (VVN-VdA) lädt zur Veranstaltung ein:

Am 06. Januar 2023 spricht spricht Michael von der Schulenburg, UN-Diplomat und ehemaliger stellvertretender UNO-Generalsekretär zum o. gen. Thema.

Ort: KIEZRAUM auf dem Dragonerareal, Mehringdamm 10963 Berlin
(Einmündung nahe der Obentrautstraße, hinter dem Parkplatz an der Rückseite Finanzamt)
Beschreibung zum Ort: https://kiezraum.net/karte/

Tag: Freitag, 6. Januar 2023
Uhrzeit: 18:00 Uhr

Selenskyj – Person des Jahres – wirklich ein Held?

Das Time Magazin ernannte Selenskyj zur „Person des Jahres“.

Helle Begeisterung bei Teilen des grün schwarzen bis links liberalen neoliberalen Lagers. Kurz nach Bekanntgabe wird die „Person des Jahres“ schon zum „Helden des Jahres“ hochstilisiert. Das Time Magazin habe es ja mit seiner unumstößlichen Expertise so entschieden.

Das Ereignis wird geradezu frenetisch abgefeiert. Nicht wenige empfinden die Ernennung wie eine Bestätigung ihrer eigenen (westlich) moralischen, politischen und militärischen Überlegenheit. Quasi eine Selfie Kür „freiheitlich“ bellezistischer Aufrüstung, repräsentiert durch den ukrainischen Präsidenten als Ikone.

Wie es innerhalb der Ukraine bezüglich der beschworenen freiheitlichen Werte tatsächlich aussieht, haben wir bereits mehrfach faktenreich dargestellt [1]https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=14448. In einem Land, in dem zum Beispiel die elementarsten Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte missachtet und sogar die Gewerkschaftshäuser enteignet werden, können wir beim besten Willen keinen „freiheitlich demokratischen Vorbildcharakter“ erkennen.

Übersehen haben die Eiferer auch, daß die Ernennung durch das Time Magazin mitnichten eine moralische Auszeichnung per se bedeutet. Dazu würde auch ein kurzer Blick in Wikipedia und die Historie ausreichen. Ein Großteil der ernannten Personen haben sich weder durch Heldentum noch nachnahmenswerte Moral ausgezeichnet. Die endgültige historische Beurteilung erfolgte in der Regel sehr viel später.

Den Kölner Satiriker und Kaberettisten Christian Bechmann forderte diese Mischung aus Ignoranz, Selbstbeweihräuschung und Kriegspropaganda dazu heraus, eine bitterböse Collage zu verbreiten, die der Instrumentalisierung ziemlich treffsicher den Spiegel vorhält .

Overton.magazin.de zeichnete in Alternative unter dem Titel „Neue Helden braucht das Land“ gezielt Menschen in unserem Land aus, die sich gegen den Mainstream in ihren Überzeugungen nicht verbiegen liessen.

Unser Gegenvorschlag wäre, den Menschen in Rojava den Titel „Held*innen dieser Jahre“ zu verleihen. Sie stellen sich mutig den Attacken der Türkei entgegen, die diese auch mit deutschen Waffen und Panzern durchführt. Die Menschen von Rojava halten trotz aller Widrigkeiten und internationalem Verrat an Basisdemokratie, Frauenrechten, Aufbau einer nachhaltigen ökologischen Wirtschaft sowie Toleranz gegenüber Religionen und Ethnien fest [2]https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=18153. Hier werden keine Gewerkschaftshäuser angezündet und verbrennen ungesühnt hundete von Menschen darin, noch werden solche Häuser enteignet. Im Gegenteil, überall werden Häuser für das Gemeinwohl aufgebaut und geschützt.

References

References
1 https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=14448
2 https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=18153

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