»Beginnt hier eine neue Vorkriegszeit?«

Führende Sozialdemokraten begründen Aufrüstungspolitik mit Ukraine-Krieg und wünschen sich deutsche »Führungsmacht«. Gespräch mit Cornelia Kerth

von Henning von Stoltzenberg

In einer Grundsatzrede hat der SPD-Kovorsitzende Lars Klingbeil in der vergangenen Woche über die von Kanzler Olaf Scholz ausgerufene »Zeitenwende« gesprochen. Was kritisieren Sie daran?

Wir fragen uns, welche Zeit da verabschiedet wird und welche beginnen soll. Es liegt auf der Hand, dass auch vorherige Bundesregierungen schon kommende Kämpfe um Märkte und Ressourcen im Blick hatten. Nur wurde da noch um Fragen wie die nach der Anschaffung bewaffneter Drohnen in Gesellschaft und Parlament hart gerungen. Nun werden unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine – den wir selbstverständlich verurteilen – Fakten geschaffen. Wenn Herr Klingbeil jetzt auch »militärische Gewalt als legitimes Mittel der Politik« propagiert, kann man sich schon fragen: Beginnt hier eine neue Vorkriegszeit?

In seiner Rede sprach Klingbeil auch vom »Anspruch einer Führungsmacht«, den Deutschland haben müsse, und dem »Ende der Zurückhaltung«. Welche Assoziationen löst das bei Ihnen aus?

Zweimal hat Deutschland im letzten Jahrhundert den »Anspruch einer Führungsmacht« gestellt, und zweimal mündete dieser Versuch in einem Weltkrieg, der von Deutschland ausging. Was die »Zurückhaltung« anging, so war diese zunächst schlicht von den Alliierten erzwungen und trug dem historischen Gedächtnis der Nachbarn Rechnung.

Unsere Vereinigung wurde von überlebenden Widerstandskämpferinnen und -kämpfern sowie anderen Verfolgten des Naziregimes gegründet, die sich der Remilitarisierung entgegengestellt haben. Sie haben sich klar gegen den NATO-Angriff auf Jugoslawien positioniert, als eine »rot-grüne« Bundesregierung Deutschland wieder zu einem kriegführenden Land gemacht hat. Wie kann man da von Zurückhaltung sprechen?

Auch das Datum von Klingbeils Ausführungen ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert …

Er hielt seine »Zeitenwende«-Rede am Vorabend des 81. Jahrestages des Überfalls auf die Sowjetunion. Am 22. Juni 1941 begann das »Unternehmen Barbarossa« – der Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht und der SS, dem nach heutigem Kenntnisstand 27 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Das zeugt doch von einer gewissen Geschichtsvergessenheit, zumal Klingbeil noch von »knapp 80 Jahren« deutscher Zurückhaltung sprach.

Sie werten Klingbeils Rede als den Versuch, einen »Schlussstrich« unter die deutsche Geschichte und die Verbrechen des Faschismus zu ziehen?

So haben wir das verstanden, ja. Die deutsche Gesellschaft soll sich aus der historischen Verantwortung lösen, und die Lehren aus den Verbrechen der Nazis werden uminterpretiert und als Rechtfertigung für eine Politik der Aufrüstung und Militarisierung gebraucht. Das kennen wir von Rudolf Scharping und Joseph Fischer, die Bomben auf Jugoslawien fallen ließen, um ein »neues Auschwitz« zu verhindern.

Sie werfen Klingbeil Ignoranz gegenüber globalen Ausbeutungsverhältnissen vor. Wie kommen Sie darauf?

Klingbeil führte in seiner Rede aus, Europa solle als erster klimaneutraler Kontinent Vorbild für alle werden. Das ist eine komplette Fehleinschätzung der globalen Zusammenhänge. Die europäischen Industriestaaten trugen und tragen weiterhin unmittelbar zum Klimawandel bei und profitieren auch noch von der faktischen Auslagerung ihrer Emissionen in die Länder des globalen Südens, in denen sie zu Billiglöhnen produzieren lassen oder in denen Wälder für den Anbau von Tierfutter oder Biodiesel abgeholzt werden.

Was bräuchte es aus Ihrer Sicht für eine »Zeitenwende«, die Sie positiv finden würden?

Die 100 Milliarden Euro für das »Sondervermögen« müssten dorthin fließen, wo sie dringend gebraucht werden: Klimarettung, Bildung, Gesundheit, bezahlbares Wohnen und ein Leben in Würde für alle.

Die Überlebenden von Naziterror, Vernichtungskrieg und Völkermord haben aus der Tatsache, dass sie nur überleben konnten, weil der deutsche Faschismus mit militärischer Gewalt besiegt wurde, nicht den Schluss gezogen: Friedenspolitik bedeutet, in Zukunft »militärische Gewalt als legitimes Mittel der Politik zu sehen«. Statt dessen haben sie sich für eine starke internationale Gemeinschaft eingesetzt, die mit Verhandlungen und Verträgen den Frieden sichert. Genau das tun wir auch.

Cornelia Kerth ist Vorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)https://www.jungewelt.de/artikel/429422.geschichtsvergessenheit-beginnt-hier-eine-neue-vorkriegszeit.html

Erstveröffentlichung in der „jungen Welt“ vom 30.06.2022 (Inland / Seite 2). Wir danken der Redaktion der jW für das Abdruckrecht.

https://www.jungewelt.de/

Gedenkstättenfahrt nach Wolfenbüttel

Die Kreisvereinigung der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA) hat gemeinsam mit der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh in Buchholz/ Nordheide eine „Tagesgedenkstättenfahrt nach Wolfenbüttel“ am Sonntag, dem 19. Juni 2022 durchgeführt.

Pünktlich um 08.00 Uhr ging es von Berliner-Ostbahnhof mit dem Bus, vom “Solibus e. V.” in Richtung Wolfenbüttel. Dieses Busunternehmen ist kein gewöhnliches- und kommerzielles Unternehmen, man kann sich den Bus nur auf Anfragen buchen.

Das Soli-Bus Projekt wurde 2019 gestartet und versteht sich als Teil einer politischen, sozialen Struktur, die eine gemeinschaftliche Mobilität und Teilhabe an bundes- und europaweiten Aktivitäten ermöglicht. Wer mehr hierüber Wissen möchte, schaut hier rein.

Foto: Ingo Müller, 19.06.2022


Dort angekommen wurden wir von Gedenkstättenleiterin Martina Staats, Robert Heldt und Bea Trampenau begrüßt. Sie führten uns durch die Gedenkstätte. Bea Trampenau ist heute Geschäftsführerin der antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh. Sie berichtet über ihren Vater und seinen Aufenthalt in Wolfenbüttel im April 1945. Es waren 7 Tage, die die 12 Jahre Einzelhaft in Harburg, Hannover und Celle davor in den Schatten stellten ….

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel ist eine Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und befindet sich am historischen Ort des ehemaligen Strafgefängnisses Wolfenbüttel, mit einer 1937 eingerichteten Hinrichtungsstätte. Hier wurden von 1937 bis 1945 über 500 Menschen durch das Fallbeil ermordet. Die Gedenkstätte, die sich direkt in der JVA Wolfenbüttel befindet, thematisiert die Geschichte von Justiz und Strafvollzug im Nationalismus. Sie wurde im November 2019 um ein Dokumentationszentrum mit einer multimedialen Dauerausstellung erweitert. Das Doku-Zentrum trägt den Titel:

“Recht. Verbrechen. Folgen. Das Strafgefängnis Wolfenbüttel im Nationalsozialismus.“ [1]https://www.stiftung-ng.de/en/news/news-detailseite/news/detail/News/recht-verbrechen-folgen-in-wolfenbuettel-wurde-die-zentrale-gedenkstaette-zu-justiz-und-strafvoll/

Sie dokumentiert das historische Geschehen im Strafgefängnis sowie die Kontinuitäten und Brüche in der frühen Bundesrepublik, die Entwicklung der Gedenkstätte und die Auswirkungen von Verfolgung, Haft und Hinrichtung für Angehörige bis heute.


Folgender Beitrag zur “Tagesgedenkstättenfahrt” schrieb Frieder Böhne, Mitglied der VVN-BdA.

Foto: Ingo Müller

Unsere Gedenkstättenfahrt zur JVA Wolfenbüttel am 19. Juni 2022

Eigentlich hatten wir diese Fahrt schon für 2020 geplant. Doch wegen der Corona-Pandemie konnten wir in den letzten beiden Jahren keine Gedenkstättenfahrt organisieren.
Wolfenbüttel, 13km südlich von Braunschweig gelegen, ist durch seine Altstadt und als Lessing-Stadt bekannt. Dass sich hier auch ein Zuchthaus und in der Zeit des Faschismus eine Hinrichtungsstätte befand, erfuhr eine breitere Öffentlichkeit erst in den letzten zwanzig Jahren.

Über 500 Todesurteile wurden hier vollstreckt, davon fast die Hälfte an sogenannten Nacht- und Nebelgefangenen und Zwangsarbeitern aus den von den Faschisten eroberten Gebieten. Daneben saßen hier weitere tausende Opfer der Nazijustiz ihre Haftstrafen ab, darunter viele politische Häftlinge, Kommunisten, Sozialdemokraten, aber auch sogenannte Wehrkraftzersetzer, Feindbegünstiger, Arbeitsscheue und Schwule.

Bea Trampenau, Geschäftsführerin der antifaschistischen Begegnungsstätte Heideruh, mit der wir gemeinsam diese Fahrt durchführte, stellte in einem sehr persönlichen Vortrag das Leben ihres Vaters Richard Trampenau vor, der von 1933 bis 1945 in verschiedenen Zuchthäusern gefangen war und zuletzt in Wolfenbüttel Schrecken und Grausamkeit eines in aussichtsloser Lage befindlichen Mordsystems erleiden musste. Es waren 7 Tage, die die 12 Jahre Einzelhaft in Harburg, Hannover und Celle davor in den Schatten stellten.

Anschließend führte uns die Leiterin der Gedenkstätte durch die neu konzipierte und 2019 eröffnete Ausstellung. Eine Besonderheit dieser Ausstellung ist, dass hier nicht nur die Verbrechen der Faschisten, sondern auch die Kontinuitäten in der Nachkriegszeit thematisiert werden. Über 100 Kommunisten waren hier in den 50ger und 60ger Jahren wegen illegaler Betätigung nach dem KPD-Verbot inhaftiert, oftmals verurteilt von denen. die auch schon vor 1945 tätig.

Weitere Informationen zur Gedenkstätte und Zuchthaus:

[2]https://wolfenbuettel.stiftung-ng.de/de/

[3]https://www.unsere-zeit.de/haftanstalt-wolfenbuettel-121698/embed/#?secret=Vq5o7XjsHv#?secret=9TV0mQthii

„Neukölln-Komplex“ endlich aufklären!

Seit über 10 Jahren ist Berlin-Neukölln ein Hotspot rechter Gewalt. Seit 2009 haben Täter:innen aus dem neonazistischen Spektrum fast 160 Anschläge durchgeführt, die insbesondere gegen Migrant:innen und linke Gegner:innen der rechten Szene verübt werden. Erst am 23. Mai brannte wieder ein Auto in der Hufeisen-Siedlung und es wurde in Kauf genommen, dass Menschen dabei verletzt werden. Trauriger Höhepunkt des Rechtsterrorismus war ein Brandanschlag auf das Auto des LINKE-Abgeordneten Ferat Kocak, der nur durch schnelle und geistesgegenwärtige Reaktion verhinderten konnte, dass seine ganze Familie in den Flammen umkam. Das offizielle Ergebnis polizeilicher Ermittlungen kommt einem Offenbarungseid nahe. So wird bis heute auch an alle Menschen, die damit rechnen können, ins Fadenkreuz der Rechten zu geraten, das Signal ausgesandt: Niemand schützt euch! Und die rechten Täter:innen bekommen die Ermutigung: Wir haben nichts zu befürchten!

Um in der Aufklärung des „Neukölln-Komplex“ endlich weiter zu kommen, haben Antifaschist:innen seit langem einen parlamentarischen Untersuchungsaussschuss gefordert, ein Ziel, das insbsondere von der Partei DIE LINKE unterstützt wurde. Dieser UA wurde jetzt in der Senatskoalition beschlossen. Zu seiner konstituierenden Sitzung am 16 Juni hatte der Berliner Landesverband der VVN BdA und die Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektas zu eine Kundgebung vor dem Abgeordnetenhaus aufgerufen.

Wir dokumentieren hier die Rede von Markus Tervooren, dem Geschäftsführer der Berlinder VVN/BdA und zitieren Ausschnitte aus dem Beitrag der Burak Bektaş-Initiative, die vollständig auf ihrer Website nachgelesen werden kann.

Markus Tervooren:
Besser spät als nie?

Bei aller Genugtuung, dass es jetzt nach vielen Jahren einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Neonaziterror und Behörden-und Politiker:innenversagen geben wird, sollten wir einen weiten Blick zurückwerfen, schon allein um den Untersuchungszeitraum zu umreißen, den der UA Neukölln umfassen müsste.

Ein kleines Schlaglicht zum Beginn: Nach der Wahl zum Westberliner Abgeordnetenhaus 1989 behaupteten die Republikaner, dass „ein großer Teil“ ihrer neuen Mitglieder, „30 bis 40 Prozent …, aus dem Staatsdienst stammten – Polizisten, Grenzschützer, Offiziere und mittlere Beamte seien.

Schauen wir auf die Berliner Neonazi-Scene und auf das Verhalten der Ermittlungsbehörden und deren den Rechten Verhältnis zu denselben gegenüber in der letzten drei Jahrzehnte zurück, ist Mensch geneigt, dieser sicherlich prahlerisch übertriebenen Behauptung der ersten Partei der Nazis und Faschisten, den Reps, denen die NPD und später die AfD in die Berliner Parlamente bis heute folgen sollten, in Teilen zu glauben. Auch zahlreiche Skandale mit rechtsradikalen Äußerungen, Neigungsgruppen und teil direkten Beziehungen zu Neonazis, legen es nahe, dass es in der Berliner Polizei tradierte rechtsradikale Milieus gibt.

Auch die Neonazi-Netzwerke in Berlin lassen sich bruchlos und mittlerweile gut dokumentiert vom Neonazis Sebastian Thom, der sich im August als mutmaßlicher Neonazi-Brandstifter endlich vor Gericht verantworten muss, zum Neonazi Kay Diesner zurückverfolgen, der vor 25 Jahren.1997 erst in Marzahn, auf den linken Buchhändler Klaus Baltruschat aus Berlin-Marzahn schoss und ihn verletzte, das ihm der linke Unterarm amputiert werden musste und auf seiner Flucht später den 33-jährigen Polizeiobermeister Stefan Grage erschoss. Dazwischen liegt ein langer Zeitraum in dem sich gut vernetzte Neonazi-Gruppen, Parteien und rechtsradikale Milieus sich bis heute immer wieder erneuern und permanent aktiv blieben und bleiben, z.B. in Neukölln.

Ermittlungserfolge und Verurteilungen neonazistischer Täter waren und sind nach wie vor dünn gesät. So frage ich mich z.B. warum die Verfasser:innen diverser Neonazi- Feindeslisten, auf denen ich mich mehrfach wiederfand, oft in guter Neuköllner Gesellschaft, bis heute nicht dingfest gemacht wurden, aber ich erst nach Jahren von der Polizei davon informiert wurde, da wusste ich es längst. Ich frage mich, warum sich ein herbeigerufener Polizeibeamter eine in den Hausflur einer Freundin gesprühte Todesdrohung, unterzeichnet mit 9mmm, Nationaler Widerstand Berlin nicht zur Anzeige bringen, ja noch nicht einmal dokumentieren wollte, eine Sachbeschädigung solle der Hauseigentümer anzeigen.

Und an was ich sehr genau erinnere ist, dass es in Berlin eben keinen NSU- Untersuchungsausschuss gab, obwohl zahlreiche Spuren aus dem NSU-Netzwerk nach Berlin führten, Neonazi-V-Leute aus dem Netzwerk von der Berliner Polizei geführt und Akten dazu „aus Versehen“ geschreddert wurden, die Ausspähung der Synagoge in der Ryke-Straße durch das NSU-Netzwerk bekannt wurde. Eins ist gewiss, eine Verbindung nach Neukölln hätte sich gefunden.

Deshalb bitte ich alle Abgeordneten im jetzigen Untersuchungsausschuss, wohlwissend, dass alle im Abgeordnetenhaus sitzenden demokratischen Fraktionen in den vergangenen Jahrzehnten die Aufklärung wenig vorangetrieben haben, waren sie doch oft in diese Vorgänge involviert, lasst eure jeweiligen Macht-und Koalitionsoptionen, lasst die faulen Kompromisse der letzten Jahre endlich beiseite, stellt euch konsequent auf du Seite der Opfer und der Aufklärung, handelt nicht als Regierungsvertreter*innen und Dienstherren, stellt die richtigen Fragen, seid rücksichtslos auch zu euren Parteien und Fraktionen –sonst wird das nix.

Die AfD im Ausschuss ist ein Problem, dass ihr lösen müsst, aber werdet nicht selbst zum Problem, dass seid ihr den Opfern der Neonazis schuldig.

Burak Bektaş-Initiative:

Wir sprechen hier für die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş. Wir als Initiative fordern den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex seit Jahren. Viel zu viele Straftaten mit rechtem Motiv werden in Neukölln nicht aufgeklärt. Wir wollen, dass aufgeklärt wird woran das liegt. Wir wollen, dass Verantwortliche merken, dass wir alle auf sie schauen. Dass uns allen klar ist, dass es hier um ein strukturelles Problem in den Berliner Sicherheitsbehörden gehen muss und dass wir keine Ruhe geben, bis die Verantwortlichen hierfür zur Rechenschaft gezogen werden. Wir geben keine Ruhe, bis Konsequenzen gezogen werden und sich das grundlegend ändert. Genauso setzen wir uns seit Jahren für einen NSU-Untersuchungsausschuss für Berlin ein. Wir alle wissen, wie auch über die Medien bestätigt, dass die Nazistrukturen in Neukölln und bundesweite Rechte Netzwerke und Sicherheitsbehörden u.a. das LKA Berlin, Verstrickungen aufzeigen.
Wir fordern, dass der Mord an Burak und 4 fache Mordversuch an Buraks Freunden als das anerkannt wird, was es ist.
Solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, gehen wir weiterhin von Rassismus als Tatmotiv aus. Wir wollen wissen, durch welche Schritte in den Ermittlungen Rassismus als mögliches Tatmotiv geprüft wurde? Denn unser Eindruck ist, dass einem möglichen rassistischen Tatmotiv in den Ermittlungen nicht ausreichend nachgegangen wurde. Die Behörden sind entweder nicht in der Lage oder nicht willens, rechte, rassistische Handlungen und Motive zu erkennen, richtig zu beurteilen und effektiv zu ermitteln.

Der Mord an Burak Bektaş ist jetzt 10 Jahre her. Bei unserer Kundgebung zu Buraks zehntem Todestag hat Buraks Mutter Melek Bektaş eine Rede gehalten und wir wollen euch ein paar Auszüge daraus vorlesen:
„Was ich mir seit 10 Jahren wünsche ist: Der Mord soll aufgeklärt werden. Wie kann das sein, dass es nicht gelingt? Wie können alle noch helfen, dass es passiert? Die Polizei wird es nicht tun. Wer dann?

Hier ist der vollständige Text des Beitrages:

https://burak.blackblogs.org/2022/06/22/redebeitrag-zur-kundgebung-am-16-juni-beginn-des-parlamentarischen-untersuchungsausschuss-berlin-zum-neukolln-komplex/

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