Mensch sein heißt Frieden schaffen! Überall!

Friedensbotschaft der H&M-Betriebsräte

Bild: ver.di / Eigene Bearbeitung

Wir stehen hier zusammen als Betriebsräte und ver.di-aktive Betriebsräte um eine Friedensbotschaft zu senden, denn genau das liegt in unserer Geschichte als Betriebsräte in diesem Land. Entstanden sind wir am Ende des Ersten Weltkriegs, als nach 4 Jahren des Schlachtens man keine weiteren Menschenleben mehr opfern wollte und das Regime, das dafür verantwortlich war, hinwegfegt wurde.

Wir waren aber am Ende nicht stark genug und es folgten Faschismus und erneuter Weltkrieg. Das darf nie wieder passieren, das war unser Credo.

Und dennoch haben wir haben alle immer wieder Genozide miterleben müssen, wie unsere Eltern und Großeltern vor uns. Viele von uns sind alt genug um sich an die Genozide in Ruanda, in Bosnien, in  Myanmar, an den Jesiden zu erinnern oder aktuell an den Palästinensern in Gaza. Wie schlimm ist es, dass wir in unserer kurzen Lebenszeit schon so viele Genozide miterleben mussten!

Heute finden wir uns wieder in einer Situation, in der das Aufrüsten wie vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg die Oberhand gewinnt und zunehmend an die Stelle des Friedens tritt. Wir beobachten, dass dies weitgehend unwidersprochen geschieht. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Stimme erheben, und zwar gegen jeden Krieg, egal ob er in der Ukraine, in Russland, in Israel, in Palästina, in Libanon, in Syrien, in Afghanistan oder jüngst zwischen Indien und Pakistan, im Sudan, im Kongo, in Somalia und im Iran herrscht. Diese Aufzählung kann erschreckenderweise nicht abschließend sein.

Wir Betriebsräte vereinen Menschen unterschiedlichster Kulturen, Herkunft, Religionen, Weltanschauungen, sexueller Orientierungen, unterschiedlichster Geschlechter, weil wir die einzige Institution in jedem einzelnen Betrieb sind, die demokratisch gewählt wurde.

Was im Kleinen gelingt, muss im Großen möglich sein. Deshalb schauen wir hin und erwarten, dass niemand mehr wegschaut.

Mensch sein heißt Frieden schaffen! Überall!

Resolution der bundesweiten Betriebsräteversammung von H&M am 26.6.2025

  • Damiano-Cosimo Quinto, Verhandlungsführer der ver.di-Bundestarifkommission zur Fortsetzung des Digitalisierungstarifvertrages mit H&M, trägt die Resolution voll mit: „Als Betriebsrat und Gewerkschafter habe auch ich mich klar positioniert: Aufrüstung, Kriege und Völkermorde werden von oben organisiert und ideologisch bemäntelt, deshalb muss der Frieden von unten durchgesetzt werden. Kolleg*innen schießen nicht aufeinander, sondern sprechen miteinander, und zwar über alle Grenzen hinweg. Das nennt sich Internationale Solidarität.“

Erstveröffentlicht im Labournet Germany
https://www.labournet.de/interventionen/kriege/antimili-all/friedensbotschaft-der-hm-betriebsraete-mensch-sein-heisst-frieden-schaffen-ueberall/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Ausbeutung per App – Prekäre Arbeitsbedingungen und Organisierung bei Lieferdiensten in Berlin

Tausende Migrant*innen vor allem aus Südasien arbeiten für Lieferplattformen wie Lieferando, Wolt oder Uber Eats. Die Unternehmen setzen oft Subunternehmen ein, um die Arbeitsrechte der Beschäftigten zu unterlaufen. Auch Taktiken wie «Union Busting» werden angewendet, um zu verhindern, dass sich die Arbeiter*innen organisieren und gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehren können. Niedrige Löhne, Arbeitsmittel, die selbst finanziert werden müssen, zu spät oder gar nicht gezahlte Löhne und Arbeitsdruck kennzeichnen die App-basierte Plattformarbeit.

Die Unternehmen Wolt und UberEats setzen auf den Einsatz von sogenannten Flottenpartnern, die dann Lieferkurier*innen beschäftigen und verwalten. Auf diese Weise umgehen die beiden Unternehmen alle arbeits- und sozialrechtlichen Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten. Die Fahrer*innen haben auch keinen Kündigungsschutz, sondern werden einfach in der App gesperrt. Mit einer neuen EU-Richtlinie über Plattformarbeit sollen die Arbeitsbedingungen verbessert werden und die Plattformunternehmen gezwungen werden arbeitsrechtliche Standards einzuhalten. Eine Umsetzung in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist aber erst bis Dezember 2026 fällig.

In Berlin und in anderen Städten gibt es immer wieder kollektive Proteste gegen die schlechten Arbeitsbedingungen bei den Lieferdiensten. Bei Lieferando in Berlin gibt es seit mehreren Jahren einen Betriebsrat, das Lieferando Workers Collective hat bei den Wahlen im März 2025 78,96 Prozent der Stimmen erhalten.

Bei der Veranstaltung wollen wir unter anderem darüber diskutieren mit welchen Problemen die Beschäftigten bei den Plattform-Lieferdiensten konfrontiert sind und welche Strategien die Unternehmen anwenden, um die Organisierung der Arbeiter*innen zu verhindern und Arbeitsrechte zu unterlaufen. Außerdem wollen wir über Möglichkeiten des kollektiven Protests, der Selbstorganisierung der Rider und der Rolle von Gewerkschaften sprechen. Bei der Veranstaltung werden sich außerdem verschiedene Initiativen und Organisationen vorstellen, die auf unterschiedliche Weise Arbeitskämpfe unterstützen.

Veranstaltung | 10. Juli 2025 | 19 Uhr | Museum des Kapitalismus |
Köpenicker Str. 172 | 10997 Berlin


Mit Beiträgen von
* Sharma (Klägerin im Prozess gegen Wolt),
* Samee Ullah (Lieferando Workers Collective) und
* Aju Ghevarghese John (Migrant*innen für menschenwürdige Arbeit)

Moderation Johanna Schellhagen (Labournet TV)

Die Veranstaltung ist auf Englisch und wird simultan ins Deutsche übersetzt.

Quelle: Newsletter Revolutionäre Perspektive Berlin

Diskussionsabend: Arbeitskampf gegen Entrechtung – Migrant*innen aus postsowjetischen Staaten organisieren sich

Bild: akweb

Ausbeutung von Arbeitnehmer*innen aus nicht EU-Ländern ist überall in Europa anzutreffen. Ein gelungenes Beispiel mit dem Mittel des Arbeitskampfes gegen Entrechtung vorzugehen ist der Streik von LKW-Fahrer*innen aus Georgien und Zentralasien 2023 auf der Autobahnraststätte Gräfenhausen-West bei Frankfurt am Main. Zur Verbesserung der Gesamtsituation braucht es jedoch mehr als punktuell erfolgreiche Einzelaktionen. Die Gewerkschaft Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC) bietet in Schweden eine Plattform, über die sich Migrant*innen aus postsowjetischen Staaten organisieren. Die Veranstaltung will einen Einblick in deren Arbeit und Anregungen zur Durchsetzung von Rechten migrantischer Arbeitskräfte geben. 

Mit:
Pelle Sunvisson, Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC) und Autor
N.N. ,LKW-Fahrer, Teilnehmer des Streiks von 2023

Die Veranstaltung wird konsekutiv von Russisch in Deutsch übersetzt.

Datum: Dienstag, 27. Mai 2025, 19:00-21:30 Uhr

Veranstaltungsort:
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung
Olivaer Platz 16
10707 Berlin

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