„Eine herzzerreißende Lage“

Interview mit Walter Baier über die Lage in Kuba, über die vollständige Untätigkeit der EU im Hinblick auf die US-Aggression gegenüber dem Land und über das neue Abkommen der Europäischen Linken mit Kubas Regierungspartei.

Redaktion GERMAN FOREIGN POLICY

Titelbild: R-mediabase

Über die Lage auf Kuba und die Politik der EU gegenüber dem Land sprach german-foreign-policy.com mit Walter Baier. Baier, Vorsitzender der Europäischen Linken (EL), hielt sich im August in Kuba auf, um für die EL ein Abkommen über eine engere Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei Kubas zu unterzeichnen. Die Lage dort sei – bedingt durch US-Blockade und -Erdölembargo – „dramatisch“, berichtet Baier: Wegen Treibstoffmangels sei der öffentliche Verkehr kollabiert; nur 30 Prozent der benötigten Medikamente stünden zur Verfügung; die Kindersterblichkeit, die „noch vor wenigen Jahren sogar niedriger als in den USA“ gewesen sei, habe sich „mehr als verdoppelt“. Baier prangert die komplette Untätigkeit der EU-Kommission angesichts der US-Aggression an und erklärt, das neue Kooperationsabkommen seiner Partei sei „eine Selbstverpflichtung“, Kuba in Zukunft stärker zu unterstützen. Baier ist Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), die Ende Juni bei der Kommunalwahl in Graz, der zweitgrößten Stadt des Landes, mit 35,7 Prozent zur stärksten Partei wurde und nun bereits zum zweiten Mal mit Elke Kahr die Bürgermeisterin stellt. Der EL gehören neben der KPÖ etwa Die Linke und die Partei der Arbeit Belgiens an.

german-foreign-policy.com: Sie waren kürzlich in Kuba. Wie haben Sie die Entwicklung dort unter der US-Blockade, dem Erdölembargo der USA und den Angriffsdrohungen der Vereinigten Staaten erlebt?

Walter Baier: Die Lage ist dramatisch. Die Fakten, die uns berichtet werden, sind herzzerreißend. Es fehlt am notwendigsten. Elektrizität steht infolge des totalen Energieembargos nur stundenweise und unregelmäßig zur Verfügung. Der öffentliche Verkehr ist mangels Treibstoff zusammengebrochen. Aufgrund des US-Drucks haben Fluglinien und Hotelketten Kuba verlassen, sodass die Hälfte der Hotels geschlossen sind. Das kubanische Gesundheitssystem, vorbildlich in der Region, leidet besonders. In den Spitälern können 100.000 dringend notwendige Operationen nicht stattfinden. 34.000 pränatale Untersuchungen können nicht durchgeführt werden. Nur 30 Prozent der erforderlichen Medikamente stehen zur Verfügung. Die Kindersterblichkeit, die noch vor wenigen Jahren sogar niedriger als in den USA war, hat sich mehr als verdoppelt. Ich verstehe inzwischen, warum man die Blockade und das Energieembargo in Kuba als einen schleichenden Völkermord bezeichnet.

german-foreign-policy.com: Sie haben in Havanna an dem Kongress „100 Jahre Fidel – Vermächtnis und Zukunft“ teilgenommen. Wie würden Sie das Vermächtnis der kubanischen Revolution beschreiben, das die Trump-Administration nun auslöschen will?

Walter Baier: Man muss sich vor Augen halten, in welcher Realität die Revolutionäre um Fidel 1959 die Macht ergriffen haben. Massenarbeitslosigkeit, Massenelend, ein Drittel der Bevölkerung waren Analphabeten, beinahe die Hälfte lebte in elendiglichen Hütten. Dafür besaßen 1,5 Prozent der Kubaner die Hälfte des urbaren Landes. Telefongesellschaften und Erdölindustrie waren in den Händen von US-Monopolen. Das haben die Revolutionäre geändert. 1960 wurde der Boden nationalisiert. 1961 war der Analphabetismus beseitigt. Universelle, freie Gesundheits- und Erziehungssysteme wurden eingeführt. Wie in jedem Land gibt es unterschiedliche Meinungen über die Regierung, aber die sozialen Errungenschaften sind unbestritten.

german-foreign-policy.com: Die Trump-Administration hat es zum Ziel erklärt, ihre frühere Dominanz über ganz Lateinamerika und die Karibik zurückzugewinnen. Welche Rolle spielt dabei der Versuch, Kubas Regierung zu stürzen? Kuba ist ja kein mächtiger Staat, der den USA ökonomisch oder gar militärisch im Wege stehen könnte. Kann Washington es nicht einfach ignorieren?

Walter Baier: Es gibt die kubanische Emigration in Florida, deren Mann, Marco Rubio, im Machtzentrum in Washington sitzt. Aber die kubanische Revolution hat in den vergangenen Jahrzehnten zwölf US-Präsidenten überlebt, den Invasionsversuch in der Schweinebucht, die Blockade, die verschiedenen politischen Konjunkturen in Lateinamerika, gute und schlechte Zeiten. Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass den USA in Kuba ein ähnliches Schurkenstück wie in Venezuela gelingt. Kuba ist nicht mächtig, aber es verfügt hohes Ansehen, namentlich im globalen Süden. Hunderttausende kubanische Gesundheitsarbeiter*innen waren in den letzten Jahrzehnten in 165 Ländern im Einsatz, zum Beispiel während der Pandemie, gerade in Ländern, um die sich niemand sonst gekümmert hat. Symbolträchtig ist auch die 1999 auf Fidels Initiative in Havanna gegründete Lateinamerikanische Hochschule für Medizin (ELAM), in der inzwischen 35.000 Fachleute aus 122 Ländern ausgebildet wurden. So stellt die schiere Existenz des kubanischen Sozialismus für die Trump-Leute eine Provokation dar, die ihnen tagtäglich die Grenzen ihrer Macht vorführt.

german-foreign-policy.com: Kubas Regierung hat auf Druck aus Washington kürzlich Maßnahmen zur Marktöffnung eingeleitet. Sind damit die Würfel schon gefallen, knickt die kubanische Regierung ein?

Walter Baier: Ich habe diesen Eindruck nicht. Man nimmt Anleihen an vietnamesischen und chinesischen Vorbildern, vielleicht sogar an der Neuen Ökonomischen Politik der frühen Sowjetunion. Jeder Sozialismus ist eine Baustelle. In welchem Verhältnis Sozialismus und Markt zueinanderstehen, ist eine interessante theoretische Frage, aber hier geht es ums Überleben. Kuba steht vor Problemen, die Anpassungen und Reformen erfordern. Wahrscheinlich hätten manche bereits früher eingeführt werden können. Ich sage: Wenn es gelingt, zu überleben und das Leben der Menschen zu verbessern, werde ich nicht herummeckern.

german-foreign-policy.com: Wie erleben Sie die Politik der europäischen Staaten und der EU mit Blick auf Kuba bzw. auf die US-Aggression gegenüber dem Land? Immerhin stürzt da der nach wie vor engste militärische Verbündete der europäischen Staaten ein Land und seine Bevölkerung mutwillig und gezielt in eine humanitäre Katastrophe.

Walter Baier: Die EU-Kommission benimmt sich wie jemand, der beobachtet, wie an einer Straßenecke jemand zusammengeschlagen wird, und statt einzugreifen oder die Polizei zu rufen, sich gemütlich eine Zigarette anzündet. Man sollte aber in Brüssel bedenken, dass Kuba nicht die einzige Insel ist, nach der Trump seine Hände ausstreckt. Am übelsten benimmt sich allerdings das Europaparlament, das im Juni mit der Mehrheit des reaktionären Blocks, EPP, ECR und Renew, eine Resolution verabschiedet hat, in der, statt die USA zu kritisieren, Kuba attackiert wird und die Aussetzung des Dialog- und Kooperationsabkommens und Sanktionen gegen den Inselstaat gefordert werden. Zur Ehrenrettung des Hauses muss man sagen, dass die anwesenden Mandatare der Linksfraktion ausnahmslos und der Sozialdemokraten und der Grünen fast geschlossen gegen diese Ungeheuerlichkeit gestimmt haben, aber sie bilden in dem nach rechts abgerutschten Parlament eben die Minderheit.

german-foreign-policy.com: Kuba erhält aus Europa aber auch Unterstützung. Können Sie Beispiele nennen?

Walter Baier: Es gibt viele Beispiele. Aus mehreren europäischen Ländern werden regelmäßig Container mit dringend benötigtem medizinischen Material und Hygieneartikeln nach Kuba verschickt. Aktivist*innen bringen Photovoltaik-Module und helfen bei ihrer Installation in Wohnhäusern, Spitälern und Schulen. Die Gemeinde Wien hat vor etlichen Jahren ausgemusterte Müllfahrzeuge nach Kuba gebracht. Leider können sie zur Zeit nicht eingesetzt werden, weil der Sprit fehlt. Ich habe bei meinem kurzen Aufenthalt auch Brigadistas, Teilnehmer*innen der Solidaritätsbrigaden, getroffen, das sind hunderte oft junge Leute, die bei der Ernte oder auf Baustellen arbeiten. Natürlich wird auch Geld gesammelt. In nahezu jedem Land gibt es Solidaritätsgruppen mit Spendenkonten.

german-foreign-policy.com: Sie haben in Havanna für die Europäische Linke ein Abkommen mit der Kommunistischen Partei Kubas unterzeichnet. Worum geht es?

Walter Baier: Einerseits hat das Abkommen einen symbolischen Wert und soll zeigen, dass Kuba nicht allein dasteht, sondern Freunde in Europa hat. Andererseits sehe ich es als eine Selbstverpflichtung unserer Partei, die Kuba-Solidarität zu verstärken. Kuba ist nicht eine weit entfernte Insel, sondern ein Beispiel für die Verachtung der Trump-Administration gegenüber dem Völkerrecht. Kubas Recht darauf, sein politisches System und seine Zukunft selbst zu bestimmen, ist daher auch ein Teil des Kampfes um eine gerechte und friedliche Welt.

Erstveröffentlicht auf GFP v. 3.9. 2026
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10522

Wir danken für das Publikationsrecht.

Ohne uns!

Ein Aufruf von medico international für eine internationale Friedensbewegung, die sich der Logik des Krieges entzieht

medico international, das schon bei der Mobilisierung einer nationalen Solidaritätsdemonstration mit der von einem Genozoid betroffenen palästinensischen Bevölkerung in Gaza eine zentrale Rolle spielte, hat nun einen Aufruf verfasst, der helfen soll, den Marsch in den Krieg aufzuhalten und andere Wege zur Konfliktlösung zu finden. Wir dokumentieren den Aufruf und wünschen ihm aufnahme- und kampfbereite Menschen. (JG)

+++++

Ohne uns

Für einen Ausstieg aus der Logik des Krieges

Wir leben in Zeiten einer naiven Hoffnung. Während die Nachrichten täglich vom Schrecken des Krieges künden, wird er uns gleichzeitig als Ausweg aus den Problemen unserer Gegenwart verkauft. Fünf Jahre Stellungs- und Abnutzungskrieg in der Ukraine, aber auch 25 Jahre „Krieg gegen den Terror“ oder der Horror von Gaza: Die bestens dokumentierte Sinnlosigkeit des Krieges kann der Hoffnung auf seine Heilungskräfte scheinbar nichts anhaben. Sein Schrecken hat sich stattdessen zum Argument verkehrt, ihm kriegstüchtig beizutreten – und wer diese Logik kritisiert oder bezweifelt, gilt als Nestbeschmutzer:in der demokratischen Zukunft, als naive:r Friedensaktivist:in oder gar als Putinist:in. Wie konnte es so weit kommen?

Der Krieg, das merken wir Tag für Tag, ist weit mehr als ein Schlachtfeld der Körper und Maschinen. Er ist eine Art und Weise, die Welt zu denken, und begründet einen Horizont dessen, was möglich und notwendig scheint. Er wird uns als einzig denkbarer Ausweg aus einer sich unserem Einfluss entziehenden Lage präsentiert, in der sich alles auf eine militärisch zu schaffende Sicherheit reduziert. Wir sollen für Aufrüstung, Wehrdienst und Kriegstüchtigkeit sein, denn einzig die Vorbereitung auf den Krieg soll die ersehnte Sicherheit wieder herstellen können. „Wir sind für Frieden, doch erst müssen wir gewinnen“ heißt es lakonisch bei den Berliner Rappern von K.I.Z. Doch was, wenn der Sieg trotz aller Siegesgewissheit nicht kommt – und der legitime Wunsch nach Sicherheit die Eskalation nur weiter befeuert?

Alles außer Kontrolle

Europa steht mittlerweile am Rande des Abgrunds. Der Krieg, der längst begonnen hat, eskaliert stetig. Er hat schon heute das Potential, bis auf weiteres die einzig denkbare Zukunft unseres Kontinents zu sein. Sein Schrecken tobt in der Ukraine und auch in Russland, direkt vor unserer Haustür, wo täglich tausende Menschen sterben und verletzt werden, als sei dies notwendig und das Normalste der Welt.

Die Logik des Krieges bestimmt die politische Debatte, Diplomatie und internationale Politik befinden sich auf einem historischen Tiefpunkt. Bereits die Zeitenwende, die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufen wurde, suggerierte, dass ein Ende dieses Krieges durch Aufrüstung möglich werde. Die Idee, dass militärische Stärke allein den Frieden sichern kann, wurde trotz ihres offenkundigen Scheiterns in der Ukraine dann zum europäischen Paradigma – und dabei entgrenzt und radikalisiert. Die Grenze zwischen Defensive und Offensive, zwischen Angriff und Verteidigung weicht zunehmend auf. Dabei muss immer neu aus der Wahrnehmung getilgt werden, dass der Krieg in der Ukraine bereits hunderttausende Menschen getötet und Millionen in die Flucht geschlagen hat.

Die dennoch ungebrochene Hoffnung auf die Lösungskompetenz des Militärischen ist ein gefährlicher Irrglaube – mit Konsequenzen für Sozialstaat, Frieden und Demokratie gleichermaßen. So befinden wir uns inmitten einer vor wenigen Jahren noch unvorstellbaren Aufrüstungsspirale. Allen voran will Deutschland in den nächsten fünf Jahren etwa 700 Milliarden Euro dafür ausgeben. Die Investitionsoffensive der EU-Kommission trug bis vor kurzem den Namen „ReArm Europe“. Jetzt verbirgt sich dasselbe Programm hinter dem vermeintlich harmloseren Titel „Readiness2030“. Von Selbstbehauptung und europäischer Renaissance ist die Rede, um das Kriegsvorbereitungsprogramm unter Führung Deutschlands besser verkaufen zu können. Denn es muss verkauft werden, noch hält sich die Begeisterung in Grenzen – auch für die Selbstverständlichkeit, mit der Deutschland als europäische Führungsmacht in Stellung gebracht wird.

Die politische Kultur eines Nachkriegseuropas, das aus zwei Weltkriegen lernen wollte, geht vor die Hunde. Im Namen von Frieden und Demokratie wird nicht nur eine beispiellose Militarisierung auf Kosten des Sozialstaats, sondern auch ein Angriff auf demokratische Prozesse und die für sie notwendige kritische Öffentlichkeit betrieben. ‚Westliche Werte‘ werden im selben Atemzug bemüht und kassiert. Dabei sind die autoritären Dynamiken offenkundig: Spätestens seit dem Gaza-Krieg wird in Deutschland doppelten Maßstäben bei der Anwendung des Völkerrechts genauso offen das Wort geredet wie einer Staatsräson, die die Meinungsfreiheit obrigkeitsstaatlich begrenzt. Wer so agiert, verteidigt aber nicht die Demokratie, sondern schafft beste Voraussetzungen für das Gedeihen eines autoritären Charakters. Die extreme Rechte in Europa wird folgerichtig in diesen Kampf eingemeindet, sofern sie sich nur genügend vom Kreml und vom Antisemitismus abgrenzt.

…es kommt darauf an, ihn zu beenden

Ein Ausstieg aus dieser Sackgasse von Krieg und Aufrüstung scheint heute illusorisch. Doch zugleich ist er unumgänglich, um nicht zu sagen: überlebensnotwendig.

Gefragt ist eine neue internationalistische Debatte. Eine Perspektive, die sich den nationalen Logiken, der geopolitischen Lagerbildung und der Neuauflage eines Kampfes der Kulturen widersetzt. Eine neue internationale Solidarität mit all jenen, die sich – hier wie dort – ein Ende des Krieges wünschen. Sie begründet sich in der gemeinsamen Position russischer, ukrainischer, palästinensischer, israelischer, europäischer und anderer Gegner:innen des Krieges. Es gibt sie, auch wenn sie leise sind oder stumm geschaltet werden.

Gefragt ist außerdem eine neue europäische Idee. Ein großer Entwurf, der den nicht minder großen Entwurf des Krieges herausfordert. Seine Schaffung wäre Aufgabe und Prozess all jener, auf die es in diesen Zeiten so sehr ankommt, die aber paralysiert scheinen – oder sogar schon ihren Platz im Stellungskrieg eingenommen und dies teils mit antiautoritären oder antifaschistischen Argumenten ausgeschmückt haben. Dabei ist die Verweigerung der Logik des Krieges heute Friedensarbeit und Demokratieverteidigung gleichermaßen.

Eine internationale Anti-Kriegs-Bewegung ist überfällig. Sie hat es nicht nötig, die Verharmlosung der russischen Verbrechen zu betreiben, um gleichzeitig die gedankenlose Fortsetzung und Eskalation des Krieges im Namen des Guten zu kritisieren. Dass Russland im Februar 2022 die Ukraine überfallen und die Spirale der Eskalation in Gang gesetzt hat, ist eine Tatsache. Doch heute, bald fünf Jahre später, stellt sich nicht nur die Frage, wer angefangen hat. Die ebenso drängende Frage lautet: Wie können dieser Krieg und seine Herrschaft über unsere Gesellschaften, unsere Gedanken und unsere Leben beendet werden?

medico international zum 1. September 2026

Der Appell als PDF-Datei zum selber kopieren

Quelle: medico-newsletter
Ohne uns!

Sowjetunion – Schuld am Weltkrieg? Geschichtsfälschungen der Europäischen Union als Mittel der Kriegsvorbereitung

Rechtzeitig vor dem 1. September, dem Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, des Auslösers zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, wies die FAZ darauf hin, dass es dringend notwendig sei, mehr auf die angebliche Schuld der Sowjetunion am Zweiten Weltkrieg und auch am Überfall auf sich selber hervorzuheben.

Unter dem Titel „Stalins Mitschuld“ veröffentlichte die FAZ auf einer ganzen Zeitungsseite einen Artikel von Prof. Dr. Manfred Kittel zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Letztlich gehen zahlreiche Bemerkungen jedoch in die Richtung, dass die Sowjetunion die Hauptschuld trägt. „Ohne den Hitler-Stalin-Pakt … hätte Hitler schwerlich so losschlagen können, wie er es tat.“ Er stützt sich auf NS-Staatssekretär Ernst von Weizsäcker, nach dem der Polenfeldzug ohne den Hitler-Stalin-Pakt „nicht entfesselt worden wäre.“ Er beruft sich auf Leo Trotzki, nach dem Stalin der „Quartiermeister“ Hitlers bei dessen „militärischen Operationen“ gewesen sei, also sein ihm dienender Komplize. Allerdings lasse sich nicht „hundertprozentig“ sagen, ob Hitler ohne Pakt mit Stalin auf die Invasion in Polen verzichtet hätte. 

Ist es also nur eine „fünfzigprozentige“ Behauptung?

Aber Kittel geht noch weiter. Die Sowjetunion habe mit dem Pakt imperiale Träume verfolgt, sie habe – angeblich nach eigenem Eingeständnis „weitreichende imperialistische Ambitionen“ gehabt. Die Sowjetunion habe wie der Zarismus einen „Gebietsimperialismus“ verfolgt.

Stalin habe sich auch mitschuldig am Überfall Deutschland vom 22. Juni 1941 gemacht. Er hätte nämlich einen „Neutralitätspakt – ohne geheime Annexionsabsprachen und Handelsverträge – schließen sollen. Das hätte zwar den Krieg gegen Polen nicht verhindert, aber den auf sowjetischem Boden „wesentlich schwieriger“ gemacht. 
Kittel tritt also z.B. dafür ein, dass es besser für den Frieden gewesen wäre, wenn der Hitlerfaschismus ganz Polen hätte erobern können.

Klar ist allerdings: Seine Vorschläge hätten die Angriffsposition Hitlerdeutschlands gestärkt.

Putin beruft sich als großrussischer Vertreter des russischen Kapitalismus/Imperialismus fälschlicherweise auf den Vaterländischen Krieg, der ein Verteidigungskrieg war. Es wächst das Interesse, dem heutigen (im Verhältnis zu seinen westlichen Konkurrenten schwächeren) russischen Imperialismus eine imperialistische Tradition schon zu Stalins Zeiten anzudichten.

Zum Autor Manfred Kittel und seinem FAZ-Artikel der folgende Beitrag:

https://www.pressenza.com/de/2026/08/moskaus-mitschuld-am-weltkrieg/

Von unserer Broschüre Sowjetunion – Schuld am Weltkrieg? Geschichtsfälschungen der Europäischen Union als Mittel der Kriegsvorbereitung, März 2026 138 Seiten, haben wir im Mai eine zweite Auflage drucken lassen.

In der Broschüre wird anhand von zahlreichen Dokumenten nachgewiesen, dass die angebliche Mitschuld der Sowjetunion eine Geschichtsfälschung ist, die den Hitlerfaschismus entlastet und die Vorbereitungen zu einem Krieg gegen Putins Russland rechtfertigen soll.

Die Broschüre wird auf unserem Blog vorgestellt: https://klartext-info.de/sowjetunion-schuld-am-weltkrieg. Dort ist sie im pd-Format verlinkt (ca. 1 MB) sowie separat auch das Inhaltsverzeichnis. Wir freuen uns auf Bestellungen und Kommentare.

Sonderpreis: Fünf Ex. der „Hitler-Stalin-Pakt“- Broschüre für zehn Euro inklusive Versand.

Einzelbroschüren geben wir gegen eine Spende ab.

Bestellungen nehmen wir unter info@klartext-info entgegen. Mit dem Versand teilen wir die Kontonummer mit.

Quelle: Klartext-Blog Rainer Roth
www.klartext-info.de

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung