Stoppt die Kriminalisierung von Protesten in Argentinien

Wir rufen auf zur Protestaktion „Freiheit für Cesar Arakaki und Daniel Ruiz!– in Berlin am 13. April, 16 Uhr vor der argentinischen Botschaft, Kleiststraße 23-26, 10787 Berlin (Nähe Wittenbergplatz).

Die Angriffe auf die Renten und Pensionen sind international . Auch die zunehmende staatliche Gewalt gegen Proteste. Unsere Aktion findet zeitgleich zum 12. Aktionstag gegen die Rentenreform in Frankreich statt. Mehr über die Hintergründe und der internationale Appell für den Freispruch !

Aufruf von Sozialistische Organisation Solidarität (Sol), Klasse gegen Klasse, dem AK Internationalismus der IG Metall Berlin und Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin

„Am 7. November 2021 verurteilte ein Gericht in Argentinien Cesar Arakaki (Mitglied der Partido Obrero) und Daniel Ruiz (Mitglied der PSTU) zu drei bzw. sechs Monaten und drei Jahren Haft. Warum? Weil sie an einer Demonstration mit 300.000 Teilnehmer*innen in Buenos Aires im Dezember 2017 gegen die Vorschläge der Regierung zu Renten und Pensionen teilnahmen. Sie wurden der “öffentlichen Einschüchterung” beschuldigt, die als Versuch der Kriminalisierung von Protesten genutzt wird. Bei einer der anschließenden Demonstrationen wurde ein Polizist verletzt und die beiden Angeklagten wurden dafür verantwortlich gemacht, obwohl Videobeweise zeigten, dass sie an der Verletzung nicht beteiligt waren.

Am 13. April findet die letzte Gerichtsverhandlung gegen die beiden statt, das Urteil wird wenige Tage später erwartet. Hier soll ein Präzedenzfall geschaffen werden, um zukünftige soziale Proteste noch weiter zu kriminalisieren. Auch in Deutschland erleben wir in den letzten Jahren immer wieder Verschärfungen von Versammlungsgesetzen und verstärkte Repression gegen linke und soziale Aktivist*innen. Der Kampf für demokratische Rechte ist international. Deshalb demonstrieren wir und zeigen unsere Solidarität mit den beiden Aktivist*innen und den linken und sozialen Bewegungen in Argentinien!
Hoch die internationale Solidarität! Freispruch und Freiheit für Cesar Arakaki und Daniel Ruiz!“

_______________________________________________________________________________________________________________

Wri bitten um Unterstützung und Verschickung des folgenden internationalen Appells

An den argentinischen Botschafter und die CFCPC

An alle, die es betrifft:


Am 7. November 2021 verurteilte das Gericht 1 in mündlicher Verhandlung unter der Anklage von José Feliciano Ríos César Arakaki, Mitglied der Partido Obrero, und Daniel Ruiz, Mitglied der PSTU, zu drei Jahren und sechs Monaten bzw. drei Jahren Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte, weil sie am 18. Dezember 2017 an einer Mobilisierung von 300.000 Menschen vor dem Nationalkongress (Parlament) teilgenommen hatten, als die Regierung Cambiemos ein Gesetz zur Änderung der Altersversorgung verabschiedete.

Die Anschuldigung gegen die beiden wegen “öffentlicher Einschüchterung” impliziert die Anwendung eines Gesetzes, das von Regierungen gegen Bürger*innenmobilisierungen eingesetzt wird und darauf abzielt, das Recht auf sozialen Protest zu beschneiden, sowie die staatlichen Strafen gegen diejenigen zu erhöhen, die dies tun.

Am Tag der Ereignisse versuchte die Regierung durch polizeiliche Repressionen, das Recht auf sozialen Protest zu beschneiden. Zunächst ging die Polizei am 14. Dezember während der ersten Lesung des Gesetzes mit aller Härte gegen die Demonstrant*innen vor. Am 18. Dezember griff die Polizei eine friedliche Demonstration an, um zu verhindern, dass die massive Mobilisierung auf der Plaza de los Dos Congresos bleibt.

Nach der Verabschiedung des Gesetzes durch den Kongress (mit den Stimmen von Cambiemos und PJ) nutzte die Regierung von Präsident Mauricio Macri die Medien, um die politischen Aktivist*innen, die an den Protesten teilgenommen hatten, zu dämonisieren. Die Anschuldigungen konzentrierten sich hauptsächlich auf zwei linke Aktivisten (von den linken Gruppen Partido Obrero und PSTU), die beschuldigt wurden, einen Polizeibeamten namens Escobar schwer verletzt zu haben, der mit einem Stein auf den Kopf geschlagen wurde.

Während des Prozesses wurde anhand von Videoaufnahmen nicht nur festgestellt, dass César Arakaki an den Verletzungen von Escobar völlig unschuldig war, sondern auch, dass die Staatsanwaltschaft und das Gericht von Anfang an über die Videobeweise verfügten. Dieser kleine Sieg über die Staatsanwaltschaft führte dazu, dass der verletzte Polizeibeamte Escobar nicht mehr als Kläger im Prozess auftrat. Damit lag die Anklage gegen César Arakaki vollständig in den Händen der Staatsanwaltschaft.

Der Prozess wurde von einem persönlichen und öffentlichen Prozess zu einem virtuellen Prozess per Zoom. Später wurde es zu einem halbvirtuellen Prozess, bei dem die Zeugen vor dem Gericht aussagen und die übrigen Parteien virtuell miteinander verbunden sind, was sich sowohl auf das Recht der Verteidigung als auch auf die Öffentlichkeit des Prozesses auswirkt.

Sowohl César Arakaki als auch Daniel Ruiz wurden während des Prozesses ihrer Freiheit beraubt und später wieder freigelassen. Die gegen sie erhobenen Anschuldigungen zielen darauf ab, einen Präzedenzfall für die Kriminalisierung von sozialem Protest und Volksmobilisierung zu schaffen, und werden insbesondere gegen die Teilnahme an Protesten von politischen Aktivist*innen eingesetzt.

Tausende von führenden Vertreter*innen von Menschenrechts-, sozialen, politischen und Bürger*innenrechtsorganisationen haben sich für den Freispruch von César Arakaki und Daniel Ruiz ausgesprochen. Unter ihnen sind wichtige Persönlichkeiten wie die Mütter der Plaza de Mayo, Nora Cortiñas und Elia Espen. Am 13. April 2023 wird die letzte Gerichtsverhandlung stattfinden und einige Tage später wird das endgültige Urteil verkündet. Wir schließen uns allen anderen an und fordern den Freispruch von Cesar Arakaki und Daniel Ruiz!

Mit freundlichen Grüßen,

[Name hinzufügen]

Bitte richten Sie Petitionen für den Freispruch von César Arakaki und Daniel Ruiz an:

Bundesstrafkammer, Comodoro Py 2002, 1. Stock, Autonome Stadt Buenos Aires, Argentinien (C1104BEN), und/oder per E-Mail an: cfcasacionpenal.secgeneral@pjn.gov.ar

Bitte senden Sie eine Kopie an absoluciondearakakiyruiz@gmail.com“

Korrekturfahnen für den Frieden – 53 Jahre in der Außerparlamentarischen Opposition

Zum 70. Geburtstag von Elisabeth Alt blicken wir zurück auf ein bewegtes Leben und ehren eine politische Mitstreiterin, die im vergangenen Jahr nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Elli Elisabeth Alt war Journalistin durch und durch! Verheiratet war sie nicht – und wenn dann nur mit der außerparlamentarischen Opposition, denn dort wirkte sie seit ihrem 16. Lebensjahr. Geboren am 26.3.1953 und aufgewachsen in Hessen, studierte sie Politik und Russisch im Roten Marburg, arbeitete in Werner Faßbinders Filmcrew, später als Journalistin in München. Im (Un)ruhestand kam sie nach Berlin. Auch hier waren Elisabeth Alt und das Politische untrennbar. Heute hätte sie ihren 70. Geburtstag gefeiert. Wir erinnern uns an sie.

Freundin Tina mit einem Porträt von Elisabeth Alt (Foto: Peter Vlatten)

Elisabeth Alt und das Politische waren untrennbar

Ihr Leben lang engagierte sie sich. „Das Leben von Elli war anstrengend.“ erzählt Freundin Tina bei der Gedenkfeier im Oktober 2022. „Elli stand immer auf der Seite der Entrechteten und Übersehenen. Und Elli stand immer unter Strom. Sie studierte die perfiden Auswüchse des Neoliberalismus und hatte in der luxussanierten Stadt München ihre tägliche Reibung.“

Im konservativen Bayern unter Franz-Josef Strauß war es in den 80igern nicht einfach, den richtigen Job zu finden. Auf Empfehlung vom Arbeitsamt machte Elli Alt sogar eine Sekretariatsausbildung und lernte perfekt tippen und rasend schnell Steno schreiben.

Über mehrere Umwege gelang es ihr schließlich, in der Schlußredaktion des Focus unterzukommen. Nicht unbedingt ihre politische Linie und zudem mit Schichtarbeit. Später redigierte sie für die Vogue.

Elli Alt schaffte den Spagat: tagsüber Maloche für den Lebensunterhalt (wobei ihr das Feilen an perfekten Formulierungen und anspruchsvollen Texten durchaus Spaß machte, #Korrekturfahne), abends und am Wochenende das tun, was wirklich zählt: Lesen, Filme gucken und Freunde treffen.

Das passende Bild aus dieser Zeit zeigt Elli auf ihrem Biedermeiersofa in der Münchner Altbauwohnung, Zigaretten rauchend und telefonierend. Der Austausch mit den Freunden war existentiell und die Leitung meistens besetzt.

Die Themen, die sie beschäftigten: Aufrüstung, Apartheid, Faschismus, Aids, Anti AKW Bewegung und theologische Befreiungstheologie.

Ihre Vorbilder waren Rosa Luxemburg, Che Guevara, Hannah Arendt, Martin Luther King

Auch nach ihrem Umzug nach Berlin fand Elli Alt schnell Anschluss. „Bald war sie gut bekannt mit Bäcker, Schneider und kompetenten Handytechnikern in ihrer Straße. Sie entdeckte die türkischen Restaurants und den afrikanischen Friseur. Sie schloß neue Freundschaften bei Sahra Wagenknechts ‚Aufstehen‘ und arbeitete redaktionell in einer Geschichtswerkstatt zum Roten Wedding mit, ging auf Demos und mischte sich unter die Leute.“ berichtet Tina.

Elli Alt mit Mitstreiterinnen der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ beim S-Bahn-Protest am Bahnhof Gesundbrunnen im August 2020

Selbst als ihre gesundheitlichen Probleme zunahmen, tat sie alles, was ihr möglich war, unsere politische Arbeit unterstützen.“ erinnert sich Maria aus der Gruppe Aufstehen Pankow / Nordost. „Sie versandte Artikel, schrieb Leserbriefe, redigierte Reden und Texte.“

Auch der Austausch zwischen Ost und West war spannend. „Als Ostberlinerin Jahrgang 1977 lernte ich durch Elli einiges über die westdeutsche linke Protest- und Friedensbewegung, über Spartakusgruppen an der Uni Marburg, über Berufsverbote für junge Lehrer durch den Radikalenerlass, über die Sabotage und die Unterwanderung der linken Opposition. Sie hatte immer viele Geschichten im Gepäck.

2021 wurde mit dem Berliner Volksentscheid „Deutsche Wohnen und Co. Enteignen“ Geschichte geschrieben. Auch Elli Alt hatte einen Anteil daran.

Doch die Freude darüber hielt nicht lang. Corona hatte 2021 schon zu vieles verändert.

Die Coronapandemie und der Umgang mit Kritik haben etwas in ihr kaputt gemacht

Ich denke manchmal, Elli ist am Ende der Atem ausgegangen.“ sagt Tina.

Der politische Umgang mit der Pandemie, das öffentliche Schimpfen auf Nicht-Geimpfte und die bewusst in Kauf genommene Spaltung der Gesellschaft haben etwas in ihr kaputt gemacht.

Elli Alts geliebten Kinos zeigten keine Filme mehr, Kultureinrichtungen machten dicht, Freunde isolierten sich. Und auch die zunehmende Aufrüstung in Europa, die Eiszeit der Beziehungen zu Russland und der Ausbruch des Krieges in der Ukraine machten ihr zu schaffen.

Als wir im September 21 wieder im Wedding spazieren gingen, hatte Elli sich verändert. Sie war dünn geworden und dünnhäutig, konnte nur noch langsam laufen und bekam schwer Luft.

Im Januar 2022 dann die Diagnose Lungenkrebs.

Für Elli Alt war von Anfang an klar: Sie wollte würdevoll sterben. Und sie wollte auch nicht mehr erleben, dass deutsche Waffen wieder Russen töten.

Die Wohnung war ihr Ruhepol

Egal wo, Elli Alts Wohnung war immer ihr Ruhepol, hier konnte sie auftanken.

Dies sollte auch im Lazarushospiz an der Bernauer Straße nicht anders sein, welches sie im Mai 2022 bezog. Es wurde sofort ein Designsofa angeschafft, diesmal in türkis, um Lesen zu können und um mit Freunden und Familie darauf zu sitzen um Abschied zu nehmen.

Das letzte Zimmer wurde ihr Zuhause und von ihr gestaltet: An der Wand ein Gemälde von Freundin Kerstin, eine Fotocollage aus ihrer Jugendzeit und der Konfirmationsspruch ihrer Urgroßtante.

Auf der geliebten Couch im Zimmer im Lazarushospiz im Juni 2022

Elli Alt sagte immer wieder, was für ein Glück es war, das Zimmer im Lazarus Hospiz mit Blick auf eine Ulme und die Reste der Berliner Mauer bekommen zu haben. Die Namen der Pflegekräfte kannte sie alle.

Sie konnte sich bei klarem Verstand von allen ausgiebig verabschieden. Sie hatte die Zeit und die Möglichkeit, bewusst aus dem Leben zu scheiden und sie tat es tapfer.

Am Morgen des 23.8.2022 wurde sie von ihrer schweren Krankheit erlöst.

Elli Alts herzliche Persönlichkeit, ihr Wissensschatz und ihr spitzer Humor werden fehlen

Wir verlieren einen ganz besonderen Menschen. Elis Ehrlichkeit, ihre Direktheit, ihre Radikalität und ihre Hilfsbereitschaft forderten uns.

Elli war nicht pflegeleicht und man riskierte leicht einen Rüffel. Aber gerade durch diese Fähigkeit zur Konfrontation brachte sie uns in Dialog und zum Nachdenken.

Elli schaute nicht weg. Und Eli konnte einen Disput mit Witz und nie vergehendem Humor entschärfen. Humor und Warmherzigkeit trotz Verzweiflung bis zum Schluß.

Elli hat alles gegeben.

Trauerrede von Tina (pdf)

Trauerrede Maria (pdf)

Solidaritätskundgebung mit den Protesten gegen die Rentenreform in Frankreich

Arbeitskreis Internationalismus IG Metall Berlin und Vertreter aus der Berliner französischen Community rufen auf zur Solidaritätskundgebung: Donnerstag den 23. März um 18:00 Uhr auf dem Mittelstreifen des Pariser Platzes am Brandenburger Tor, direkt gegenüber der Französischen Botschaft, Berlin.

Die französische Regierung hat ein Misstrauensvotum in der Nationalversammlung knapp überstanden. Es fehlten neun Stimmen bis zur absoluten Mehrheit für einen ersten, fraktionsübergreifenden Misstrauensantrag. Ein zweiter Antrag der Rechtspopulisten, hat so gut wie keine Aussicht angenommen zu werden.

Die Regierung ist zu weit gegangen und hat das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen verloren. Präsident Emmanuel Macron und seine Premierministerin gaben sich selbstsicher die Rentenreform durchzuboxen und haben dazu einen weiteren Schritt getan.

Wie weiter?

Nach der Ablehnung der beiden Misstrauensanträge am Montag gilt die Vorlage der Rentenreform auch ohne Abstimmung in der Nationalversammlung für verabschiedet. Der Staatspräsident, Emmanuel Macron, hat nun zwei Wochen, um einen entsprechenden Erlass zu veröffentlichen, damit das Gesetz in Kraft treten kann.

Weitere Informationen und Details zur Entwicklung in Frankreich in unserem Update „Tagebuch der Ereignisse“

Aber es wäre nicht das erste Mal in der französischen Geschichte der letzten 20 Jahre, dass ein sehr umstrittenes Gesetz zum Schluss nie zur Anwendung käme.

https://www.igmetall-berlin.de/gruppen/arbeitskreise/ak-internationalismus/meldung/solidaritaet-mit-den-franzoesischen-gewerkschaften

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung