»Putins Strategie ist aufgegangen«

Der ukrainische Soziologe Volodymyr Ishchenko über Krieg, Klassenverhältnisse und Nationalismus

Interview: Raúl Zelik

Herr Ishchenko, der Krieg in der Ukra­ine wird meist besprochen als ein Konflikt zwischen zwei Staaten oder Nationen, beide vertreten durch ihre Regierungen. Sie hingegen sagen: Will man den Krieg verstehen, muss man über Klassenverhältnisse sprechen. Warum?

Weil dieser Krieg meiner Ansicht nach Folge eines Klassenkonflikts ist, der den gesamten postsowjetischen Raum durchzieht. In den meisten postsowjetischen Ländern bildete sich ab 1991 eine spezifische Kapitalfraktion als herrschende Klasse heraus. Manche Sozialwissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von »politischen Kapitalisten« …

Was verstehen Sie darunter?

Eine Gruppierung, die ihr Kapital akkumuliert durch die Kontrolle des Staates. Sie plündert den Staat aus und verfügt über die Einnahmen aus Rohstoffexporten. Der wichtigste Wettbewerbsvorteil dieser Kapitalfraktion besteht im Zugriff auf selektive staatlichen Leistungen. Die »politischen Kapitalisten« würden gern Teil der globalen Eliten werden. Zugleich jedoch ist die nationale Souveränität für sie von zentraler Bedeutung: Sie benötigen das Machtmonopol, ein Territorium ausplündern zu können. In dieser Hinsicht stehen sie im Widerspruch zum transnationalen Kapital, das ein anderes Akkumulationsmodell hat.

Wo liegt der Widerspruch?

Die »politischen Kapitalisten« brauchen den geschlossenen Raum, in dem sie privilegierten Zugang zur Staatsmacht haben. Die transnationalen Eliten hingegen brauchen die Öffnung. Aus diesem Gegensatz erklärt sich, warum die Korruptionsbekämpfung ein so zentrales Thema der postsowjetischen Politik ist. Anti-Korruptions-Gesetze entziehen den »politischen Kapitalisten« nämlich ihre Grundlage und nutzen dem transnationalen Kapital. Dessen Interessen decken sich im postsowjetischen Raum häufig mit den Interessen der gut ausgebildeten Mittelklassen. Sie wollen die Integration in den Westen.

Auf wessen Seite schlägt sich dabei das Regime von Wladimir Putin?

Putins Regime ist, wie es Marxist*innen ausdrücken, »bonapartistisch« – oder wie es bei Gramsci heißt: »cäsaristisch« – also ein autoritäres, führerzentriertes Regime. Es ist keine ideale Form der politischen Organisation von Klassenherrschaft. Der Bonapartismus ist sehr anfällig für Nachfolgekämpfe. Deshalb gab es auch so viele postsowjetische Revolutionen: nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Armenien, Belarus und – unmittelbar vor der russischen Invasion in der Ukraine – auch in Kasachstan. Ich würde sagen, das Putin-Regime hat mit dem Krieg die Interessen der politisch-kapitalistischen Klasse Russlands nach innen und außen gefestigt.

Und auf der ukrainischen Seite? Die politisch-kapitalistische Klasse, von der Sie sprechen, gibt es ja auch dort. Lange Zeit hatte man den Eindruck, dass sie identische Interessen wie die russischen Eliten verfolgt.

Der Unterschied ist, dass die ukrainischen Eliten immer sehr fragmentiert waren und häufig rein individuelle Interessen verfolgten. »Bonapartistische« Kandidaten wie Viktor Janukowitsch, die allgemeine Klasseninteressen hätten organisieren können, wurden sabotiert. Durch die Proteste des Euromaidan 2014 und die Invasion der Ukraine haben die politischen Kapitalisten der Ukraine massiv an Einfluss verloren. Profitiert davon haben das transnationale Kapital und die Mittelklassen – ganz anders als in Russland.

Zu Beginn des Krieges gab es die Hoffnung, in Russland könne angesichts der russischen Verluste eine innere Opposition entstehen. Inzwischen aber scheint sich die Gesellschaft mit der Situation arrangiert zu haben.

Es wird oft nicht verstanden, wie apolitisch die postsowjetischen Gesellschaften sind. In Russland beruhte die Unterstützung für den Krieg zunächst auf dem Gefühl, das Leben könne ganz normal weitergehen. Deshalb hat sich Putin auch erst nach den Niederlagen bei Charkow im September 2022 zu einer Mobilmachung entschieden.

Aber die Niederlagen haben auch nicht zu einem tiefgreifenden Stimmungswandel geführt.

Es gibt im Augenblick zwei gegensätzliche Prozesse: Auf der einen Seite profitieren Teile der Gesellschaft vom Krieg. Die Reallöhne steigen, weil es eine große Nachfrage nach Arbeitskräften gibt. Einheimische Unternehmer konnten ihre Absatzmärkte nach dem Rückzug westlicher Konzerne erweitern. Die loyalen Mittelschichten, die ihr Einkommen vom Staat beziehen, sind gewachsen. Andererseits gibt es diejenigen, die von der Mobilmachung betroffen sind, und eine wachsende Zahl von Gefallenen. Die russische Wirtschaft leidet unter einem enormen Arbeitskräftemangel. Bei Teilen der Bevölkerung wächst das Einkommen nicht mit den steigenden Preisen mit. Die entscheidende Frage scheint mir jedoch, ob es Brüche in den Eliten gibt. Und da lässt sich festhalten: Auch wenn einige russische Oligarchen Teile ihres Vermögens im Westen verloren haben, sind die Reichen insgesamt doch noch reicher geworden. Es ist kein Zufall, dass Putin den Aufstand der Wagner-Gruppe relativ problemlos überstanden hat. Ich würde sagen, seine Strategie zur Konsolidierung des Regimes durch den Krieg ist weitgehend aufgegangen.

Ist Russland damit auf dem Weg zum Faschismus? Autoritär-nationalistisch ist das System Putin ja zweifelsohne. Aber Sie betonen, dass man die Bedeutung der Ideologie in den postsowjetischen Staaten nicht überschätzen sollte.

Die Rolle der Ideologie ist heute sicher größer als vor dem Krieg. Sowohl die Eliten als auch die Intelligenzija sieht einen Bedarf an Legitimation. Aber der Begriff Faschismus scheint mir trotzdem weiterhin falsch zu sein. Denn Faschismus braucht immer auch eine straff organisierte Zivilgesellschaft, die als Bindeglied zwischen Staat und den einfachen Leuten fungiert. Die postsowjetischen Gesellschaften hingegen sind atomisiert, in der Zivilgesellschaft sind nur sehr wenige Menschen organisiert. Deshalb scheint mir der Begriff »bonapartistisch« treffender. Es handelt sich um ein autoritäres, führerzentriertes Regime mit nationalistischer Rhetorik. Ein Vergleich mit dem militaristischen Preußen unter Bismarck ist – zumindest heute – wahrscheinlich erhellender als der Vergleich mit Hitlers Drittem Reich.

Wie sieht das auf der ukrainischen Seite aus? Welche ökonomischen Interessen werden hier formuliert?

Anders als in Russland haben in der Ukraine seit dem Euromaidan 2014 die professionellen Mittelklassen und das transnationale Kapital ihre Macht stark ausgebaut. Ihr Interesse ist es, das Land als untergeordnete Peripherie in den westlichen Kern-Kapitalismus zu integrieren. Der ethnisch-ukrainische Nationalismus ist nicht viel mehr als ein Instrument, um sich eine Nische in den globalen Eliten und globalen Mittelklassen zu schaffen. Außerdem sorgt er dafür, die subalternen Klassen in Schach zu halten.

Die Euromaidan-Revolution bedeutete also keinen Bruch zwischen einem prowestlichen und einem prorussischen Flügel der Oligarchie?

Wie gesagt: Die ukrainischen Eliten waren unfähig, selbst eine stabile Form der Klassenherrschaft zu etablieren. Der sogenannte »prorussische« Teil der Elite konnte kein »prorussisches« Entwicklungsprojekt für die Ukraine anbieten. Das ist ein entscheidender und häufig unterschätzter Grund, warum das Minsker Abkommen scheiterte und sich Russland zur Invasion entschied. Auf der anderen Seite haben die »proeuropäischen« politischen Kapitalisten die westliche Karte nur aus opportunistischen Motiven gespielt. Petro Poroschenko, der nach dem Euromaidan Präsident wurde, hat die russische Bedrohung benutzt, um die Korruption seiner Geschäftspartner zu verschleiern. Ein anderer vermeintlich »prowestlicher« Oligarch ist Wiktor Pintschuk. Sein Vermögen beruht unter anderem darauf, dass er Schwiegersohn von Leonid Kutschma ist …

… dem ukrainischen Präsident 1994 bis 2005 …

Ende 2016 veröffentlichte Pintshchuk einen Artikel im »Wall Street Journal«, in dem er die Ukraine aufforderte, »schmerzliche Kompromisse mit Russland« zu akzeptieren – so etwa den Verlust der Krim und die Umsetzung des Minsker Abkommens. Image und Klasseninteressen dieser »prowestlichen« politischen Kapitalisten fallen weit auseinander.

In Ihrem neuen Buch blicken Sie sehr kritisch auf die Maidan-Revolution. Stehen Sie damit alleine?

Nein. Vor der Invasion äußerten sich bei allen Umfragen nur noch etwa 40 Prozent der Ukrainer*innen positiv über den Euromaidan – und diese Umfragen fanden im separatistisch kontrollierten Osten des Donezk-Beckens und auf der Krim, wo die Ablehnung am stärksten war, gar nicht statt. Die Zustimmung für den Aufstand war seit 2014 also deutlich zurückgegangen. Seit Beginn der russischen Invasion sind Umfragen ziemlich unzuverlässig geworden – wie das unter Kriegsbedingungen fast immer der Fall ist. Einer der Gründe hierfür ist, dass man alles ablehnt, das als »antiukrainisch« interpretiert werden könnte. Das betrifft auch die wirtschaftlichen Umstände und Fakten. Beispielsweise haben in Umfragen die Menschen die wirtschaftliche Lage Ende 2022 viel besser bewertet als vor der Invasion, obwohl die Indikatoren etwas komplett Anderes besagen.

Hat sich auch die Stimmung gegenüber dem Krieg verändert? Am Anfang war ja eine breite Mehrheit in der Ukraine dafür, das Land gegen die Invasion zu verteidigen.

Wie sollen wir das wissen? In den – nicht sehr zuverlässigen – Umfragen nimmt die Popularität von Präsident Selenskyj ab, ist aber immer noch relativ hoch. Am wichtigsten ist natürlich das Thema Mobilmachung. Die Ukraine braucht viele neue Soldaten. Doch auch unter denjenigen, die sich bei Umfragen als Patrioten bezeichnen, wollen viele nicht ihr Leben riskieren. Ich denke, der Rückhalt für die Regierung ist fragiler als oft angenommen.

Ein großer Streitpunkt war immer, ob dieser Krieg ein geopolitischer Konflikt zwischen Machtblöcken ist. Mittler­weile sieht es so aus, als wollten sich die USA gar nicht unbedingt weiter in der Ukraine engagieren. War die These von der geopolitischen Konfrontation falsch?

Es ist umgekehrt: Die geopolitische Dimension wird immer wichtiger. Wir erleben das Zerbröckeln der US-amerikanischen Hegemonie in der Welt, und Russland versucht, diese Gelegenheit im Interesse seiner herrschenden Klasse auszunutzen. Das lässt sich an vielen Orten beobachten: im Nahen und Fernen Osten und in Afrika, wo Russland seinen Einfluss vor allem in den ehemaligen französischen Kolonien ausweitet. Der Krieg in der Ukraine ist mit all diesen Konflikten verwoben.

Wie könnte der Krieg enden? Ist eine Verhandlungslösung denkbar?

Die meisten Beobachter*innen gehen davon aus, dass es am Ende zu einer Verhandlungslösung kommen wird. Und es gibt auch immer wieder Berichte über Kontakte. Wie diese Lösung aussehen könnte, hängt nur von den Kräfteverhältnissen auf dem Schlachtfeld ab. Ob ein Teil der Ukra­ine russisch wird oder nicht, ob man im Westen eingebunden wird oder neutral bleibt – das alles wird nicht durch Volksbefragungen oder politisches Abwägen, sondern mit Gewalt auf dem Schlachtfeld entschieden. Je nach militärischem Ausgang wird die Verhandlungslösung dann so oder so aussehen.

Interview

Wiebe Kiestra

Volodymyr Ishchenko wurde 1982 in der Ukraine geboren, wuchs in Kiew auf und unterrichtete dort Soziologie an verschiedenen Universitäten. Heute forscht er in Berlin und schreibt u. a. für die Tageszeitung »The Guardian« und die Magazine »Jacobin« und »New Left Review«. Dieser Tage erscheint sein Buch »Towards the Abyss. Ukraine from Maidan to War« (Richtung Abgrund. Vom Maidan zum Krieg) im Londoner Verlag Verso.

Erstveröffentlicht im nd v. 17./18.2 .2024
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1180076.klassenverhaeltnisse-ukraine-krieg-putins-strategie-ist-aufgegangen.html

Wir danken für das Abdruckrecht.


Zwei Jahre Ukrainekrieg – Waffenstillstand jetzt! Keine weitere Eskalation!

Vor einem Jahr Siegestaumel auf den Straßen von Berlin!

Vor einem Jahr noch strömte eine große Zahl Kriegs“begeisterter“, unter ihnen nicht wenige Urka-Faschisten – auf die Straßen Berlins. Auf einem Panzer, der seine Kanonenrohre auf die russische Botschaft richtete, wurde nicht nur Putin, sondern gleich allen russischen Menschen und russischer Kultur Ausgrenzung oder sogar der Tod gewünscht. Luisa Neubauer von den „Grünen“ rief „nach der Trennung von russischem Gas und Öl“ den Beginn eines neuen „fossilfreien Zeitalters“ aus. Auf der Kundgebung am Brandenburger Tor forderte sie von ihren „deutschen Mitbürger:innen“ eindringlich die gleiche Opferbereitschaft ein wie die um „unser aller Freiheit“ kämpfenden Ukrainier:innen. Ihr Mitredner, der CDU Militärexperte Roderich Kiesewetter, plädierte gleich für Waffenlieferungen um jeden Preis, um alle von Russland „besetzten Gebiete“, aber auch die Krim, zurückzuerobern.

Proteste gegen den Krieg und die Politik der Eskalation gingen letztes Jahr regelrecht unter. Viele Kriegsbefürworter befanden sich noch angesichts der vorangegangenen erfolgreichen Sommeroffensive der Ukraiine in einem wahren Siegestaumel.

Und heute ? Ernüchterung . Die Ukraine hat sich zum Massengrab entwickelt!

Die Bilanz heute ein Jahr später ist unendlich traurig. Die Ukraine ist zum Massengrab geworden mit der Aussicht, dass das ganze Land in immer größerem Ausmaß zerstört wird. Die Verheissungen, mit immer mehr Waffen einen Durchbruch für den „Sieg“ und ein schnelles Kriegsende zu erzielen, waren und sind nichts als ein großer Bluff.

Wir verurteilen alle imperialen Hegemoniebestrebungen, die die Ukraine in diesen jetzt zwei Jahre dauernden Krieg mit unsäglichem Leid führten. Unsere Verurteilung gilt dem Westen, der unter Federführung der USA und deren Bestreben nach weltweiter Vorherrschaft den Konflikt über Jahrzehnte provozierte und jetzt ohne Rücksicht auf Verluste weiter anheizt. Unsere Verurteilung gilt Russland, das den Konflikt vor zwei Jahren in einen großen heissen Krieg überführte, um seinen Einfluss über ein Nachbarland aufrechtzuerhalten bzw. zurückzuerobern.. Wir ergreifen Partei für die Opfer beider Kontrahenten. Wir ergreifen Partei für die hunderttausenden Toten unter den ukrainischen und russischen Soldaten sowie den ukrainischen Zivilist*innen, die auf Geheiß ihrer Regierungen in einen schrecklichen Krieg hineingezogen und darin gestorben sind. Wir ergreifen Partei für alle Verletzten, durch den Krieg ihrer Existenzgrundlagen beraubten und vertriebenen Menschen.

Dieses ganze Elend mitten in Europa kann ebenso wie im Israel Palästina Konflikt nur durch einen bedingungslosen Waffenstillstand gestoppt werden!
Der Kriegsgeist ist aus der Flasche

Es heisst aktuell, der Ukraine geht die Munition aus. Was für ein Zynismus. Der Ukraine gehen immer mehr die Menschen aus. Roderich Kiesewetter, Verteidigungsexperte der CDU und vor einem Jahr Rednerpartner von Luisa Neubauer, stellte diese Woche die uns alle bedrohende Wahnsinnsforderung auf „Der Krieg muss nach Russland getragen werden.“ „Russische Militäreinrichtungen und Hauptquartiere müssen zerstört werden“, sagte Kiesewetter: „Wir müssen alles tun, dass die Ukraine in die Lage versetzt wird, nicht nur Ölraffinerien in Russland zu zerstören, sondern Ministerien, Kommandoposten, Gefechtsstände“. [1]https://www.fr.de/politik/ukraine-waffen-deutschland-forderung-appell-kiesewetter-cdu-russland-krieg-putin-zr-92825380.html Im Nahostkonflikt klagte er bereits „Einsatzbereitschaft“ für deutsche Soldaten ein, erforderlichenfalls auch mit ihrem Leben einzustehen! Für die Bundeswehr will er das Sondervermögen von 100 Miliarden auf 300 Milliarden verdreifachen. Die Brandmauer „Nie wieder Krieg“ in unserem Land wurde niedergerissen. Der Geist ist wohl endgültig aus der Flasche.

Wer bei dem gegenwärtigen Kriegsgemetzel in der Ukraine immer noch wegschaut und auf Siegfrieden setzt, also den Rückzug des militärischen Gegners zur Voraussetzung von Waffenstillstand und Friedensverhandlungen macht, Verhandlungen auf Augenhöhe unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen aller Beteiligten strikt oder auch nur halbherzig ablehnt oder sogar weitere eskalierende Waffen fordert, sollte sich schämen. Dem kann Leben und Gesundheit der Soldaten beider Kriegsparteien in letzter Konsequenz nichts wert sein. Der setzt sich über die elementaren Menschenrechte der Bevölkerung in den vom Krieg betroffenen Gebieten hinweg. Der reitet auf der Rasierklinge und riskiert die Kriegseskalation nach ganz Europa und weltweit. Wer nach aussen hin nur noch auf totalen Krieg setzt, verliert jede Glaubwürdigkeit, nach innen für eine solidarische Gesellschaft einzustehen.

Insbesondere den Bellezisten und Kriegsprofiteuren im eigenen Land müssen wir die Rote Karte zeigen!

Jeder ist aufgerufen, gegen eine Entwicklung weiterer militärischer Eskalation, reiner Konfrontation und Feinddenken ein Zeichen zu setzen. Wir vom “Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin” rufen zum zweiten Jahrestag des Ukrainekrieges dazu auf, sich gegen alle Seiten zu richten, die hier auf dem Rücken der Menschen ihre hegemoniale Kriegspolitik vorantreiben . Dabei gilt es vor allem den Bellezisten und Kriegsprofiteuren im eigenen Land die Rote Karte zu zeigen.

Aber auch die hegemoniale Sanktionspolitik des Westens ist, wie von der UN und den Ländern des globalen Südens vielfach eingefordert, sofort zu beenden. Diese Sanktionspolitik produziert verhererende weltweite soziale Verwerfungen mit oft tödlichen Folgen, insbesondere in den ärmeren Ländern, aber auch für unsere eigenen Bevölkerungen. Die Forderung nach Stopp der Sanktionen ist für Linke ein Mindestmaß an internationalistischer Pflicht ebenso wie ein klares Statement gegen das aktuellle Massentöten in GAZA!

Um dem Kriegsgeschehen wirkungsvoll entgegentreten zu können ist eine große Massenbewegung notwendig!

Was wir uns wünschen ? Eine große gemeinsame Kundgebung vor dem Kanzleramt mit anschliessender Demonstration, die den Protest gegen den Krieg wirklich sichtbar macht. Was wir für notwendig halten? Eine große Massenbewegung mit Hunderttausenden, um dem eingeschlagenen Militarisierungs- und Kriegsskurs entgegenzutreten. Dazu sollten wir uns gemeinsam um die folgenden Kernforderungen scharen:

  • bedingsungsloser Waffenstillstand jetzt!
  • sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen sowie aller weiteren Eskalationsmassnahmen!
  • Schluss mit dem Militarisierungs- und Aufrüstungskurs! Sondervermögen für Gesundheit, Bildung, Soziales und Klimagerechtigkeit statt fürs Militär!

Ergänzend schlagen wir vor, die Einstellung aller Wirtschaftssanktionen zu fordern.

Es gibt drei uns bekannte Initiativen in Berlin, die zum diesjährigen Jahrestag gegen den Krieg mobilisieren! Jede Initiative hat ihren eigenen Aufruf mit eigener Kundgebung bzw. Demonstration. Wir bedauern, dass der Kleingeist einiger friedenspolitischer Akteure erneut verhindert hat, sich zu einem schlagkräftigeren Protest im Sinne der hier genannten Kernforderungen zusammenzuschliessen.

Arbeitskreis Internstionalismus IG Metall Berlin ruft auf :

Liebe Kolleginnen und Kollegen,lasst uns zum 2. Jahrestag vom Krieg Russlands gegen die Ukraine gemeinsam für den Frieden demonstrieren.

„Beobachter sprechen schon von 1 Million Toten Ukrainern und Russen durch diesen Krieg. Und es folgen weitere Kriege wie zwischen Israel und Hamas, zwischen Aserbaidschan und Armeniern und es droht ein Konflikt in Korea!  Über die über 50 militärischen Konflikte in der Welt ganz zu schweigen. Das alles zur Freude der Rüstungskonzerne und ihren Aktionären. Die Kosten der Aufrüstung sollen durch Sozialabbau und weniger Investitionen in Klima, Transformation und Infrastruktur finanziert werden. Die deutschen Friedensgesellschaft ruft mit vielen anderen Gruppen zu einer Kundgebung am Freitagabend um 18:00 Uhr vor dem Bundestag auf. Die Berliner Friedenskoordination (FRIKO) hat für Samstag ab 13:00 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt aufgerufen. Wir sind mit unserem IG Metall Transparent „Nie wieder Krieg- die Waffen nieder“  dabei.  „

Zersplitterung sollte uns nicht abhalten, teilzunehmen

Wir verlinken hier alle 3 Aufrufe und Aktionen. Nehmt teil, wo ihr es für sinnvoll haltet, aber kritisiert, wo immer möglich die Zerrissenheit des Protests. Für Zirkelgeist ist die Situation zu ernst.

  • Am 24.2. findet um 13 Uhr eine Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt statt, zu der die Friko (Friedenskoordination Berlin) aufruft. Hier ist der Aufruf: Frieden für die Ukraine und für Russland
  • Am 23.2. startet um 18 Uhr beim Bundestag eine Demonstration des Friedensbündnisses „Stoppt das Töten in der Ukraine„, zu dem u.a. DFG und IPPNW gehören. Hier ist der gleichnamige Aufruf:“ Stoppt das Töten in der Ukraine
  • Das Berliner Bündnis „Anti-Kriegs-Koordination“ ruft ebenfalls gegen den Krieg auf. hier ist der Aufruf: Stoppt den Krieg in der Ukraine. Nach uns vorliegenden Informationen ist ein ursprünglich angestrebtes Zuammengehen mit der FRIKO gescheitert. Die Anti-Kriegs-Koordination schliesst sich nun nach unserem letzten Informationsstand der Demonstration am 23.2. um 18 Uhr am Bundestag an.

Wir würden gerne von den verschiedenen Veranwortlichen in den Initiativen erfahren, was sie zu tun gedenken, dass die lähmende Zersplitterung überwunden wird.

hier  als Leseempfehlung unsere Beiträge zur AntiSiko in Münchern , ein gelungener Protest, wie wir finden:
 
- “Kriegstreiber unerwünscht” – Proteste gegen die Münchner Sicherheitskonferenz ! 

- Freiheit und Frieden für alle Menschen zwischen Mittelmeer und Jordan – Freiheit für Palästina ist Frieden für Israel

- “Kriegstreiber unerwünscht” – Stoppt den Krieg in der Ukraine!

Fotos Peter Vlatten

„Kriegstreiber unerwünscht“ – Proteste gegen die Münchner Sicherheitskonferenz !

„Sicherheits“konferenz 2023 – Einschwörung von Nato und Deutschland auf weltweite Konfrontation

Die letztjährige Münchner „Sicherheits“konferenz 2023 stand „ganz im Zeichen der Einschwörung der Nato auf weltweite Konfrontation“. Wir berichteten und fassten zusammen „Nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Konfrontation. Es wurde der große Schulterschluss der “westlichen Wertegemeinschaft” nicht nur gegen Russland und die Aggression Putins geprobt, sondern auch gegen jegliche Macht- und Einflussoptionen Chinas. Es könnte sein, dass diese Konferenz rückblickend als ein Fanal in die Geschichte eingehen wird. Als Fanal für ein Zerbrechen der Menschheit in unversöhnlich gegenüberstehende Blöcke in einem Augenblick, wo es mehr denn je darauf ankommt, durch gemeinsames Handeln das Überleben unserer Spezies zu sichern.[1]Konferenz für Sicherheit oder Einschwörung der Nato auf globale Konfrontation

Der Rückblick bestätigt unsere Einschätzung . Die Nato wurde auf die globalen Konflikte der USA eingeschworen. “Russland stoppen, um China abzuschrecken “, titelte damals schon das Handelblatt [2]Münchner Sicherheitskonferenz: Russland stoppen, um China abzuschrecken (handelsblatt.com).

Deutschland als ökonomisches Schwergewicht der EU wächst nun auch in die Rolle eines europäischen Militärprimus hinein, der in Europa den USA mit Blick auf die Konfrontation mit China den Rücken gegenüber Russland frei halten soll. Die deutsche Rüstungsindustrie findet nach dem zweiten Weltkrieg zu neuer Blüte und Einfluss, während das Territorium als militärstrategich europäisch-atlantischer Flugzeugträger perfektioniert wird: .Ramstein, Eucom, Büchel mit Zugriff auf die US AtomBomben, militärisches Aufmarschgebiet und logistisches Hinterland, ein immer mehr mit den USA verzahnter Rüstungskomplex. Diese Entwicklung zusammengenommen stellt Deutschland ins Fadenkreuz militärischer Eskalation in Europa. Nur Narren oder von der Hegemonie Profitierende können behaupten, dass dies mehr Sicherheit bringt.

Deutschland wurde letztes Jahr nach den USA mit Abstand größter Waffenlieferant der Ukraine. Deutschland nahm letztes Jahr an Manövern in Ostasien teil. Deutschland hat in den letzen 12 Monaten seine Waffenlieferungen an Isreal verzehnfacht und unterstützt Isreal ungebrochen – politisch, finanziell und militärisch – bei seinem völkermörderischen Krieg gegen Gaza. Diese Woche noch sticht die Fregatte „Hessen“ in See, um „westliche Handelsinteressen“ im Roten Meer zu „verteidigen„.

„Sicherheits“konferenz 2024 – endlich „kriegstüchtig“ und global konfrontationsfähig werden?

Wolfgang Ischinger, selbst langjähriger Leiter der Münchner „Sicherheitskonferenz“, gab letzte Woche im Handelsblatt quasi die Marschrouute vor: „Die geopolitischen Risiken wachsen mit atemberaubender Geschwindigkeit, und die EU leistet sich eine Trägheit, die an Fahrlässigkeit nicht zu überbieten ist. Es gilt, die Verteidigungsfähigkeit sicherzustellen.[3]Geoeconomics: Europa verkennt die strategische Dimension der Zeitenwende (handelsblatt.com)

Laut Ischinger würden sich weder bei der Ukraine noch im israelisch-palästinensischen Gazakrieg „jenseits der militärischen Auseinandersetzung politisch-strategische Verhandlungsansätze oder gar Lösungen“ abzeichnen. Es zeigt sich, die Konfrontationspolitik belebt die Geister, die sie rief: Auf Konfrontation folgt Konfrontation. Auf Gewalt folgt Gewalt. Die nackte Konsequenz ist -koste es was es wolle- kampffähiger zu werden, um den Gegner niederzuringen. Schon letztes Jahr merkten wir dazu an: „Auf der Strecke bleibt jeglicher Spielraum für eine internationalistische Politik des Interessensausgleichs, des gegenseitigen Respekts vor der Selbstbestimmtheit der Völker und Nationen , der gegenseitigen Nichteinmischung und internationalen Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“

Der Westen hat seine moralische Überzeugungskraft weitgehend eingebüßt.

2023 wurde die „Konfrontationspolitik des Westens“ noch offensiv bis agressiv mit der weltweiten Durchsetzung von „Menschenrecht“ und „Völkerrecht“ moralisch verpackt. Es gab beträchtliche Anstrenungen, die UN Vollversammlung und die Länder des globalen Südens auf die eigene Seite zu ziehen. Aber kaum jemand mochte sich der Sanktions-, Waffenlieferungspolitik und puren Kriegslogik anschliessen. Meinte die deutsche Aussenministerin auf der Konferenz 2023 noch vollmundig , “Neutralität sei keine Option, sondern hieße, sich auf die Seite des Aggressors zu stellen” Dazu zählte sie alle Länder, die sich nicht an Sanktionen und Waffenlieferungen beteiligen [4]“Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sagte, Neutralität sei keine Option, sondern hieße, sich auf die Seite des Aggressors zu stellen. Zu den Ländern, die sich nicht an Sanktionen und … Continue reading , so schlägt sie neuerdings gegenüber den Ländern des globalen Südens zurückhaltendere Töne an. Und miit dem Westen verbündete Diktatoren oder Rechtsextreme wie Erdogan oder Nethanyahu werden gebeten, doch „Mäßigung“ bei ihren Kriegsverbrechen und dem Massenbombardement kurdischer oder palästinensischer Zivilist:innen zu wahren. Die Rethorik ist durchschaubar angesichts der unablässigen finanziellen und militärischen Unterstützung dieser Regenten. Letztes Jahr reiste US Aussenminister Blinken schnurstracks von der Münchner Sicherheitskonferenz in die Türkei, um Erdogan die Lieferung von F16 Flugzeugen zuzusichern.

Inzwischen ist der Lack der „westlichen Wertegemeinschaft“ verblasst. Der Spieß wird geradezu umgekehrt. Global mehren sich die Stimmen: Länder, die den Genoziod durch die israelische Armee an den Palästinenser:innen im GAZA nachweislich unterstützen, müssten wegen Beihilfe ebenfalls auf die Anklagebank des internationalen Gerichtshofs. Zuallererst die USA und Groß Britannien. Aber auch Deutschland stehe als direkter Finanzier und Waffenlieferant für die “größten Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen” seit dem zweiten Weltkrieg zur Diskussion.

Kriegstüchtigkeit ist ein Fass ohne Boden

Die eingeschlagene Konfrontationspolitik bedeutet: Der Westen muss notfalls seine Interessen mit absoluter militärischer Überlegenheit durchsetzen . Bei dieser Logik bleiben nicht nur moralische Glaubwürdigkeit und Skrupel auf der Strecke. Gesellschaft und Ökonomie geraten vollends in die Fänge dieser Kriegslogik. Die Krake des Militarismus verschlingt mehr und mehr alle finanziellen Spielräume für alle anderen sozialen und ökologischen Projekte. Während der deutsche „Verteidigungs“minister im Inland für „Kriegstüchtigkeit“ trommelt und immer neue Mittel einfordert, treibt aktuell sein sonst so zurückhaltend wirkender Kanzler die EU zu mehr finanziellem Einsatz für die Wehrhaftigkeit und Ukraine-Unterstützung an. Auch Ischinger fordert als Minimalzielsetzung, Europa „ muss an der Verteidigung und Kriegstüchtigkeit arbeiten, einschließlich dauerhaften Erreichens des Zwei-Prozent-Ziels!“. Der Ukrainekrieg hat die militärischen Schwächen des Westens gnadenlos offengelegt. Die Waffensysteme sind „konkurrenzlos teuer“ und belasten die Ökonomie. Der Ukraine mangelt es an Soldaten, aber eben auch an Munition.  „Noch nicht einmal vollmundige Artilleriemunitionsversprechen konnte Brüssel bisher einlösen“, moniert Ischinger. Konsequenz müsse der Aufbau einer entprechenden „Kriegswirtschaft“ sein. Die verheerenden Erfahrungen mit der Rolle eines solchen militärisch industriellen Komplexes während der Nazizeit werden vollständig ausgeblendet. Auch der auf internationale Kooperation angewiesene Kampf gegen die Klimakatastrophe fällt der rigiden Konfrontation zunehmend zum Opfer.

Die Zeche zahlen wir alle. Unser Lebensstandard bleibt auf der Strecke. Die Umweltschäden von Kriegen und Aufrüstung sind nicht kompensierbar. Ganz zu schweigen, wenn der Frieden zerbricht.

Die Münchner „Sicherheits“konferenz geht uns alle an und berührt alle Fragen unseres Lebens. Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin ruft dazu auf, die Proteste des Bündnisses AntiSiko zu unterstützen. Durch Teilnahme am 17. Februar (13 Uhr München Stachus) ,durch Spende, durch explizite Unterstützung des Aufrufs, durch Verbreitung des Informationsmaterials und dieses Artikels!

Aufruf des Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz 2024 zur Demonstration und Protestkette am 17. Februar 2024 in München

Wir dokumentieren hier den Aufruf und weitere Verlautbarungen des Bündnisses AntiSiko und Unterstützern!

Wer und was ist die Münchner Sicherheitskonferenz?

„1963 wurde von Akteuren der Gesellschaft für Wehrkunde, heute Gesellschaft für Sicherheitspolitik, die Wehrkundetagung gegründet. Dank geöffneter CIA-Dokumente weiß man heute, worum es bei der Gesellschaft für Wehrkunde und der Wehrkundetagung wirklich ging. Die Wiederbewaffnung Deutschlands und die Rückkehr Deutschlands als militärischer Akteur. Aus der Wehrkundetagung wurde die Münchner Sicherheitskonferenz. Deutschland ist als bedeutende Militärmacht zurück.“ (AnitSiko)

Die Sicherheitskonferenz mausert sich zur intellektuellen Brutstätte des neu aufstehenden deutschen Militarismus und seiner internationalen Vernetzung vor allem im Rahmen der NATO und dem Bestreben der Erhaltung der globalen Vormachtstellung des Westens unter Führung der USA . Deutschland soll wieder kriegstüchtig werden. Deutschland mischt wieder militärisch mit: Geopolitisch, mit Waffen in Krisen- und Kriegsgebieten, mit Manövern und direkten Einsätzen. Zeitenwende, das bedeutet „grüne Ampel“ und Vofahrt für Militarismus, aber auch Sanktionen und Handelskriege. In der Entwicklungspolitik dominieren neokoloniale Züge. „Wer nicht spurt, dem wird der Geldhahn zugedreht.“ (Forum Gewrkschaftliche Linke Berlin)

“ Dort treffen sich Staats- und Regierungschefs sowie Politiker*innen mit Spitzenmilitärs, mit Vertreter*innen von Großkonzernen und der Rüstungsindustrie. Die NATO-Staaten geben dort den Ton an.

Ihnen geht es um die Sicherung der strategischen Vormachtstellung westlicher kapitalistischer Staaten und ihrer Konzerne, nicht um die Sicherheit der Menschen, weder hier noch anderswo auf der Welt. Die SIKO dient vor allem dazu, sich über eine gemeinsame Strategie der NATO-Staaten gegen die Rivalen Russland und VR-China zu verständigen. Vor allem aber soll die Aufrüstung der NATO vorangetrieben und gerechtfertigt werden.“ (AntiSiko)

„Deshalb soll die Sicherheitskonferenz nicht ungestört stattfinden. Mit einer Protestkette durch die Fußgängerzone und einer Protestkundgebung zeigen wir friedlichen Widerstand gegen Kriegstreiber und Kriegsprofiteure. Deutschland muss zum Versprechen „Nie wieder Krieg“ zurückkehren.

Es geht im Übrigen nicht „nur“ um den Dammbruch bezüglich Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, sondern besonders auch um eine absolut gigantische Aufrüstungswelle, die über Deutschland rollt und den von fortgesetzter neoliberaler Austeritätspolitik, zu der extremes Steuerdumping für Konzerne und Superreiche gehört die seit Jahrzehnten ihren Beitrag am Gemeinwesen schuldig bleiben können, finanziell ausblutenden Staat eines reichen Landes, dessen Politikbetrieb außer dem Militär alles (!) andere bewusst kaputtspart.

Es ist die Arbeiterklasse dieses Landes, die die gigantische Aufrüstung zu finanzieren hat,und ansonsten den Gürtel immer und immer enger schnallen muss, während die Kapitalistenklasse einen Rekord nach dem anderen in ihren Vermögenszuwächsen verbucht.

Wer über den Kapitalismus nicht reden will,sollte über Militarismus, Aufrüstung, Krieg und Frieden schweigen.“ (AntiSiko)

„Die Ampel macht die deutschen Steuerzahler zu den Hauptsponsoren des NATO-Stellvertreterkriegs gegen Russland in der Ukraine. Während bei Bildung, Gesundheit und Rente gekürzt wird, verdoppelt die Bundesregierung die Waffengeschenke an Kiew auf fast acht Milliarden Euro in diesem Jahr.“ UZ 2.Februar 2024 [5]Scholz macht mobil | Unsere Zeit (unsere-zeit.de)

Die Proteste der ANTISIKO haben nationale Bedeutung und sollten deshalb von uns allen unterstützt werden!

Komm nach München am 17.2.2024 , mach mit . Werde Friedensaktivist. Hier kannst Du den Aufruf unterzeichnen oder wie zum Beispiel ver.di München verbreiten!

Die Proteste kosten eine Stange Geld. Das Bündnis bittet um Spenden:

Spendenkonto

Achtung neues Konto:
Michaela Amiri
DE26 7009 0500 0206 2996 60
Stichwort: ANTISIKO2024

„Militarisierung bedeutet weitere Entdemokratisierung, Vergiftung und Faschisierung unserer Gesellschaft. Vorboten sind die unsäglichen Diffamierungen gegenüber Menschen, die sich für Frieden und einen bedingungslosen Waffenstillstand einsetzen! Sei es in der Urkaine, sei es für GAZA. Für Menschenrecht und Völkerecht gibt es immer häufiger doppelte Standards! Schulterklopfen, wenn du das Massaker der HAMAS verurteilst, Antisemitismusvorwurf, wenn Du die Massenbombardements der israelischen Armee im GAZA verurteilst. “Nie wieder Fachismus, nie wieder Krieg”. Das gehört zusammen. Wer Militarisierung und Krieg bekämpfen will, muss die Faschisierung in der Gesellschaft bekämpfen. Wer die gesamte Gesellschaft militarisiert, legt die Grundlagen für ihre Faschisierung. Als Bearbock Anfang Februar vor einem Jahr Finnland besuchte, war sie begeistert über die dortigen Schutzbunkeranlagen und äusserte die Idee, auch Deutschland mit solchen kriegssicheren Bunkeranlagen für die gesamte Bevölkerung zu versorgen. Diese Idee umgesetzt würde bedeuten, dass in den nächsten 20 Jahren, um das Geld für die Bunker zu beschaffen, keine einzige Wohnung in Deutschland gebaut werden dürfte. Wir hätten da eine bessere Idee: “Frieden schaffen mit weniger Waffen!” Kriegstüchtigkeit und Militarisierung treiben die soziale Spaltung voran und spielen dem Rechtsextremismus und ihren Hegemonieplänen voll in die Hände.“ (Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin)

Macht die Proteste bekannt. Verbreitet das Aufklärungsmaterial und auch diesen Artikel

Aufruf des Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz 2024 zur Demonstration und Protestkette am 17. Februar 2024 in München

Kriegstreiber unerwünscht!

Warum wir gegen die Münchner „Sicherheitskonferenz“ (Siko) protestieren

Wie schon seit 60 Jahren treffen sich im Februar 2024 Staatsvertreter, Militärs und Rüstungskonzerne zur Münchner „Sicherheitskonferenz“ (Siko) im Bayerischen Hof. Bei dieser Privatveranstaltung, die u.a. mit Steuergeldern finanziert wird,01 ging es nie um Sicherheit, sondern immer um die Machtinteressen der NATO und ihrer Mitgliedstaaten02 – besonders die der deutschen Bundesregierung, die eine militaristische „Zeitenwende“ losgetreten hat03 und nun das ganze Land „kriegstüchtig“ machen will.04
Heute organisiert die Bundesregierung die größte Aufrüstung seit dem Zweiten Weltkrieg05 und schickt Waffen in Kriegsgebiete.06 Das bedeutet: Wettrüsten, Konfrontation, Krieg – bis hin zum Atomkrieg. Auf der Siko wird diese Gewaltspirale als „Sicherheit“ verkauft.
Die Siko soll nicht ungestört stattfinden. Mit einer Protestkette durch die Fußgängerzone und einer Demo, die das Luxushotel symbolisch umzingelt (Stachus – Odeonsplatz – Marienplatz), organisieren wir unsere Proteste

Für Bildung und Soziales statt Panzer und Kriege!

Wenn es nach NATO und Bundesregierung geht, sollen mindestens zwei Prozent des BIP ab 2024 für Rüstung und Krieg ausgegeben werden.07 Das wären derzeit rund 85 Milliarden EUR. Zusammen mit den im Haushaltsentwurf 2024 vorgesehenen Ausgaben für Verteidigung (52 Mrd. EUR)08 und den „Militärhilfen“ für die Ukraine (11 Mrd. EUR)09 und den geplanten Ausgaben aus dem „Sondervermögen Bundeswehr“ (20 Mrd. EUR),10 wird – gemessen am Gesamthaushalt – fast jeder fünfte Euro ins Militär gesteckt.
Zum Vergleich: In Deutschland wächst jedes fünfte Kind in Armut auf.11 Für die Kindergrundsicherung sind im Bundeshaushalt 2024 nur zwei Milliarden Euro vorgesehen, während die Sozialverbände das Zehnfache an Bedarf veranschlagen.12
Der einzige Posten, der erhöht wird, ist der Militärhaushalt.13 Das Geld, das die Bundesregierung in die Vorbereitung und Durchführung von Kriegen steckt, fehlt bei der Absicherung selbst der grundlegendsten Bedürfnisse von Kindern.
Den Organisatoren der Siko gehen die „immer noch unzureichende[n] neue[n] Verteidigungsausgaben“ nicht weit genug.14 Wir protestieren gegen diese beispiellose Geldverschwendung angesichts der sozialen Missstände in Deutschland und auf der ganzen Welt!15

Für Völkerrecht statt Faustrecht!

Statt den globalen Herausforderungen mit friedlichen Mitteln zu begegnen, setzen die Macher der Siko auf Gewalt. Doch um globale Herausforderungen zu bewältigen, benötigt die Menschheit den Willen zur Kooperation sowie eine Stärkung der Vereinten Nationen (UN) und anderer Foren, die einen Dialog ermöglichen.16 Diese Foren werden jedoch von Propagandaveranstaltungen wie der Siko untergraben.
Nicht erst seit der Ausladung Russlands und des Irans ist das Motto der Siko „Frieden durch Dialog“ eine Farce.17 Ohne Kontrolle und ohne völkerrechtliche Legitimation werden Absprachen getroffen, die internationale Abkommen und Institutionen aushebeln.18 Stattdessen werden auf der Siko unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit internationale Beschlüsse, wie z.B. das Pariser Klimaabkommen oder die Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN, zunichtegemacht. Denn die Waffen, die hier verkauft werden, und die Militärübungen, -kooperationen und -einsätze, die hier geplant werden, zerstören Klima, Umwelt und Menschenleben.19

Fluchtursachen bekämpfen, nicht Geflüchtete!

In Europa stehen heute mehr Mauern als je zuvor. Mit militärischer Gewalt wird an EU-Außengrenzen gegen Geflüchtete vorgegangen,20 die vor dem Entzug ihrer Lebensgrundlagen fliehen. Das Mittelmeer wurde von der EU zu einem Massengrab gemacht.21
Diejenigen, die es allen tödlichen Widrigkeiten zum Trotz schaffen, in Deutschland einen Asylantrag zu stellen, kommen mit großer Mehrheit aus den Regionen, wo NATO-Staaten Krieg führen: Syrien und Afghanistan.22 Der Wertewesten entzieht sich seiner Verantwortung für die von ihm verursachten Krisen, die Folgen postkolonialer Ausbeutung, den Klimawandel und eine imperialistische Weltwirtschaftsordnung.
Auch deshalb gehen wir gegen die Siko auf die Straße – denn für die Siko sind Flüchtlinge nur ein „Faustpfand in der Politik der (Groß-)Mächte“. Entgegen den aktuellen rassistischen Debatten um schnellere Abschiebungen und Haftlagern an EU-Außengrenzen23 fordern wir die Beseitigung von Fluchtursachen. Denn Krieg ist die Fluchtursache Nummer eins!24

Für Kooperation statt Konfrontation!

Die Machtverhältnisse auf der Welt verändern sich, weg von der Dominanz des „Westens“, hin zu einem Erstarken unterdrückter Länder,25 die sich um den „systemischen Rivalen“ China gruppieren (vgl. China-Strategie der Bundesregierung).26
Doch die Ewiggestrigen wollen ihren überholten Weltherrschaftsanspruch nicht aufgeben.27 Wirtschaftssanktionen sollen die Konkurrenten brechen28 und schwören das alte Lager auf den Konflikt mit den aufstrebenden Mächten ein.29 Denn im Sinne des militärischen und politischen Zusammenhalts und Machterhalts der NATO darf es keinen Frieden geben.
Deshalb werden Konflikte und Kriege wie in der Ukraine30 oder Taiwan31 in Kauf genommen und sogar angeheizt – bis es knallt!
Statt die Länder des globalen Südens weiter ausbeuten, statt Stellvertreter- und Bürgerkriege, statt neuer Lagerbildung und Konfrontation fordern wir eine weltweite friedliche und solidarische Kooperation auf Augenhöhe.

Für eine zukunftsorientierte und menschenfreundliche Politik!

Wir stehen für all das, was auf der Siko verschwiegen oder ignoriert wird! Die Aufgaben, denen die Menschheit gegenübersteht, sind Klimawandel, Artensterben, Umweltzerstörung und Hungersnöte. Kriege sind keine Lösung. Und die Münchner Sicherheitskonferenz ist kein Ort, an dem ernsthaft um Lösungen für diese Probleme gerungen wird, ganz im Gegenteil.
Wir fordern eine lebenswerte Zukunft, nicht ihre Zerstörung. Wir fordern die Beendigung der Kriege, Bürgerkriege und gewaltsamen Konflikte – auch derer, die nicht im medialen Fokus stehen, wie beispielsweise im Sudan, Äthiopien, Jemen, Kurdistan.
Wir stehen auf der Seite der Menschen, die weltweit gegen Unterdrückung, Ausbeutung, Ungleichheit und die Errichtung neuer Grenzen kämpfen.

Unsere Forderungen:

  • Abrüsten statt Aufrüsten!
  • Steuergelder für Sozialsysteme, Gesundheits- und Bildungswesen, Klima-, Arten- und Umweltschutz, ÖPNV, Flüchtlings- und Welthungerhilfe statt für Panzer und Bomben!
  • Verhandeln statt schießen!
  • Keine Beteiligung an Kriegen und Beendigung aller Auslandseinsätze der Bundeswehr!
  • Schließung von US- und NATO-Stützpunkten in Deutschland zur (Drohnen-)kriegsführung!
  • Bleiberecht für alle Menschen!
  • EU-Asylreform aufhalten! Abschaffung der EU-„Grenzschutz“- Behörde Frontex!
  • Aufnahme von Geflüchteten und Gewährung des Menschenrechts auf Asyl bei Gleichbehandlung unabhängig vom Herkunftsland, auch für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure!
  • Stopp aller Waffenlieferungen und Rüstungsexporte! Schluss aller Exporte der deutschen Rüstungsindustrie! Keine militärische Verlängerung des Ukraine-Kriegs!
  • Ausstieg aus der„nuklearen Teilhabe“!
  • Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag! US-Atomwaffen raus aus Deutschland!
  • Stärkung der Vereinten Nationen (UN) und des Völkerrech

Quellenangaben

01. So viel Geld steckt in der Sicherheitskonferenz (Süddeutsche Zeitung)
02. Die Nato hilft der Vormachtstellung der USA praktisch und ideell (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin)
03. Regierungserklärung Bundeskanzler Scholz zum Russland-Ukraine-Krieg am 27.02.22 (phoenix)
04. Pistorius sieht Gefahr eines Kriegs in Europa (ZDF heute – Berlin direkt)
05. Der Appell (Petition)
06. Liste der militärischen Unterstützungsleistungen (Die Bundesregierung)
07. Hält der Bund das Zwei-Prozent-Ziel ein? (ZDF heute)
08. Fraktionen bewerten Verteidigungsetat unterschiedlich (Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages)
09. Ukraine-Hilfe soll deutlich aufgestockt werden (Die Zeit)
10. Ebd.
11. Neue Zahlen zur Kinder- und Jugendarmut: Jetzt braucht es die Kindergrundsicherung (Bertelsmann Stiftung)
12. Bündnis Kindergrundsicherung, Pressemitteilung vom 09.11.2023
13. Haushaltssperre Sondervermögen Bundeswehr (Bundesministerium für Verteidigung)
14. Heusgen Skeptical of NATO Security Guarantees (Bloomberg)
15. Ziele für nachhaltige Entwicklung, Sonderausgabe des Berichts 2023 (Vereinte Nationen)
16. Rede von UN-Generalsekretär Antonio Guterres bei der 78. UN-Generalversammlung am 19. September 2023
17. Russland, Iran und AfD nicht eingeladen (Tagesschau)
18. Ist die Sicherheitskonferenz eine Kriegskonferenz? (BR24)
19. Krieg gegen die Umwelt (Greenpeace Deutschland)
20. Es ist kalt an Europas Grenzen (Pro Asyl)
21. Flucht über das Mittelmeer – So viele Tote wie seit 2017 nicht mehr (Tagesschau)
22. Krieg und Gewalt als Fluchtgrund (UNO-Flüchtlingshilfe)
23. Haftlager an den Außengrenzen und Abschiebungen in Drittstaaten: Ist das die Zukunft? (Pro Asyl)
24. Fluchtursachen (UNO-Flüchtlingshilfe)
25. China-Experte Wolfram Elsner: „Der Westen ist überall erkennbar im Niedergang“ (Berliner Zeitung)
26. China-Strategie der Bundesregierung – Unsere Werte und Interessen besser verwirklichen (Die Bundesregierung)
27. Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung – Stichwort: regelbasierte internationale Ordnung (Deutscher Bundestag)
28. Peking warnt EU vor Sanktionen (Tagesschau)
29. Militärmacht China – Worum es im Konflikt um Taiwan geht (Deutschlandfunk)
30. OSCE Special Monitoring Mission to Ukraine Daily Report 37/2022, 38/2022, 39/2022, 40/2022, 41/2022, 42/2022 (OSZE)
31. Wie gefährdet ist Taiwan wirklich? (Le Monde diplomatique)

References

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