Venezuela: Eskalation mit Ansage – Was die US-Thinktanks planten, wird jetzt Realität

Von MICHAEL HOLLISTER

(Red GlobalBridge.) Der militärische Eingriff in die Souveränität Venezuelas war zwar und ist noch immer ein Thema in den Medien, aber neben der Katastrophe in Crans-Montana ging das rücksichtslose und absolut völkerrechtswidrige Vorgehen der USA in Venezuela in den Medien doch fast unter. Und weil Venezuela mit Russland und China verbündet war und theoretisch noch immer ist, ist in den Augen der westlichen Medien der Untergang dieses Staates ja auch nicht wirklich schlimm. Wo kann man lesen, dass Donald Trump ein echter Kriegsverbrecher ist? (cm)

Bild: Screenshot von You Tube Video

In der Nacht zum 3. Januar 2026 verkündete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social das Undenkbare:

„The United States of America has successfully carried out a large scale strike against Venezuela and its leader, President Nicolás Maduro, who has been, along with his wife, captured and flown out of the Country. This operation was done in conjunction with U.S. Law Enforcement.“

Was wie eine dystopische Satire klingt, ist bittere Realität. US-Streitkräfte haben in den frühen Morgenstunden vom 3. Januar Caracas bombardiert, Militärstützpunkte unter Beschuss genommen und den demokratisch gewählten Präsidenten eines souveränen Staates entführt. Die offizielle Begründung aus Washington: Kampf gegen Drogenkartelle und „Narco-Terrorismus“. Die tatsächliche Motivation: Regime Change, Ressourcenzugriff, geopolitische Dominanz.

Wer verstehen will, wie es zu diesem beispiellosen Akt militärischer Aggression kommen konnte, muss nicht spekulieren. Die Eskalation war geplant, in Thinktank-Papieren dokumentiert, öffentlich einsehbar – und ihre Umsetzung lässt sich lückenlos nachvollziehen.

Die Prognose vom Dezember – jetzt wird sie Realität

Am 5. Dezember 2025 habe ich auf meiner Webseite unter dem Titel „Venezuela: Wer profitiert, wer plant, wer zahlt?“ die Eskalationsstrategie der USA gegenüber Caracas detailliert beschrieben – Stufe für Stufe, basierend auf originalen US-Thinktank-Dokumenten von RAND Corporation und dem Center for Strategic and International Studies (CSIS).

Phase 4 dieser Interventionsarchitektur beinhaltete: gezielte Destabilisierung, Cyberangriffe, Desinformationswellen und – das entscheidende Element – „targeted leadership removal“, die gezielte Entfernung der politischen Führung.

Heute, keine vier Wochen später, ist genau das eingetreten. Trump verkündet nicht nur öffentlich einen Militärschlag gegen ein souveränes Land – er gibt offen zu, was selbst die CIA früher noch zu vertuschen versuchte: Die Entführung eines amtierenden Staatschefs durch US-Spezialeinheiten. Für 11 Uhr EST kündigte er eine Pressekonferenz in Mar-a-Lago an, um weitere Details bekanntzugeben.

Die Nacht der Explosionen – Augenzeugen berichten

Gegen 2 Uhr morgens venezolanischer Zeit (1 Uhr EST) begannen die Angriffe. Augenzeugen in Caracas berichten von massiven Explosionen, tieffliegenden Kampfhubschraubern und Raketenangriffen auf militärische wie zivile Ziele. Videos auf Twitter, Telegram und anderen Plattformen zeigen Rauchsäulen über Fort Tiuna – Venezuelas größtem Militärkomplex –, dem Flughafen La Carlota und weiteren strategischen Einrichtungen in den Bundesstaaten Miranda, Aragua und La Guaira.

Augenzeugen berichten von Angriffen auf Wohngebiete und gezielten Operationen gegen Regierungsgebäude. Ihre Schilderungen decken sich mit Berichten des venezolanischen Verteidigungsministers Vladimir Padrino López, der von US-Kampfhubschraubern sprach, die Raketen und Lenkwaffen in urbanen Gebieten abfeuerten. Die Angriffe dauerten etwa eine halbe Stunde. Teile von Caracas verloren die Stromversorgung.

Die Story explodiert derzeit auf allen Social-Media-Kanälen. Von Elon Musk über Kim Dotcom bis zu unabhängigen Journalisten wie Katja Hoyer – die Bombardierung Venezuelas ist die weltweite Top-Story. Doch die primäre Quelle ist der Aggressor selbst: Donald Trump, der die Operation nicht nur zugibt, sondern öffentlich feiert.

Maduro verschwunden – zwischen US-Behauptung und venezolanischer Unwissenheit

Die USA behaupten über Trump und Justizministerin Pam Bondi: Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores seien in einem Kommandoeinsatz gefangen genommen und „aus dem Land geflogen“ worden. Maduro werde sich in den USA vor Gericht verantworten müssen – angeklagt wegen „Narco-Terrorism Conspiracy“ und „Cocaine Importation Conspiracy“. Die Anklage wurde im Southern District of New York erhoben. Bondi kündigte an, beide würden „bald die volle Wucht amerikanischer Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten“ erfahren.

Die venezolanische Regierung hingegen hat Maduros Aufenthaltsort bislang nicht bestätigt. In einer offiziellen Stellungnahme verurteilte sie die „schwere militärische Aggression“ der USA, rief den nationalen Notstand aus und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Gleichzeitig fordert Caracas von Washington ein Lebenszeichen des Präsidenten.

Was feststeht: Ein demokratisch gewählter Staatschef ist verschwunden – entweder entführt von einer fremden Macht oder untergetaucht. Beides wäre ein beispielloser Bruch des Völkerrechts und internationaler Normen.

Der Mythos vom Narco-Staat – wenn die Realität nicht ins Narrativ passt

Begründet wird der Gewaltschlag – wie so oft in der US-Außenpolitik – mit dem angeblichen Kampf gegen den Drogenhandel. Venezuela sei ein „Narco-Staat“, so die Behauptung aus Washington, und Präsident Maduro ein „Drogenbaron mit staatlicher Rückendeckung“. Die Trump-Administration hatte zuletzt ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar auf Maduro ausgesetzt. Doch wer sich die Mühe macht, die drei wichtigsten internationalen Drogenberichte durchzulesen – den jährlichen World Drug Report des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die Einschätzungen des International Narcotics Control Board (INCB) sowie die Berichte der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) – stellt fest: Venezuela taucht dort so gut wie gar nicht auf. Nicht als wichtiges Herkunfts-, Transit- oder Zielland. Kein Vergleich zu Kolumbien, Peru oder Mexiko. Lediglich ein kurzer Absatz am Rande erwähnt Venezuela überhaupt – ohne klare Belege, ohne Zahlen, ohne Struktur. Die Drogenkartelle, die von den USA regelmäßig als Begründung für Interventionen herangezogen werden, operieren nach diesen Berichten vor allem außerhalb Venezuelas. Die angebliche Rolle Maduros als „Capo“ eines globalen Kokainnetzwerks bleibt reine Behauptung – ohne Substanz, ohne Quelle, aber mit maximaler propagandistischer Wirkung. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Es ist ein alter Trick: Wenn die Interessen klar sind, aber die Beweise fehlen, schafft man sich eben eine passende Geschichte.

Völkerrecht als Störfaktor – wenn Regeln nur für andere gelten

Mit dem gezielten Schlag gegen Caracas überschreiten die USA erneut eine rote Linie: den Bruch des Völkerrechts. Die Charta der Vereinten Nationen, insbesondere Artikel 2 Absatz 4, verbietet klar „die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates“.

Doch genau das ist hier geschehen – ohne UN-Mandat, ohne Kriegserklärung, ohne Anhörung, ohne Genehmigung des US-Kongresses. Senator Brian Schatz vom Auswärtigen Ausschuss warnte noch vor dem Angriff, die USA hätten „keine vitalen nationalen Interessen in Venezuela, die einen Krieg rechtfertigen würden.“

Ein solcher Akt stellt nach gängiger völkerrechtlicher Interpretation eine Aggression dar – vergleichbar mit der Invasion des Irak 2003 oder der Entführung von Präsident Aristide aus Haiti im Jahr 2004. Phil Gunson, Analyst der International Crisis Group in Caracas, verglich Maduros Entführung mit dem Fall des panamaischen Machthabers Manuel Noriega am 3. Januar 1990 – ebenfalls orchestriert von den USA. „It’s not legal“, sagte Gunson gegenüber der Presse.

Dass ein solcher Bruch internationalen Rechts in westlichen Medien kaum hinterfragt wird, zeigt erneut: Völkerrecht gilt offenbar nur, wenn es sich gegen Feinde des Westens einsetzen lässt. Sobald aber westliche Staaten selbst angreifen, bombardieren oder entführen, wird geschwiegen, relativiert oder schlicht ignoriert. Venezuela ist in diesem Fall nicht das Problem – sondern der Spiegel, den es der Welt vorhält.

Internationale Reaktionen – Schweigen, Verurteilen, Wegschauen

Die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft fallen erwartbar aus – und offenbaren die Doppelmoral der sogenannten regelbasierten Ordnung.

Verurteilung aus dem Globalen Süden: Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum verurteilte die US-Militäraktion scharf und erklärte, die Angriffe verletzten die UN-Charta. Brasilien, die ALBA-Staaten und selbst das traditionell US-freundliche Kolumbien äußerten sich zurückhaltend bis kritisch. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro kündigte an, Truppen an die venezolanische Grenze zu verlegen, um auf einen möglichen Flüchtlingsstrom vorbereitet zu sein. Kuba verurteilte den „kriminellen Angriff“ der USA.

Unterstützung aus dem rechten Lager: Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei feierte hingegen Maduros Verhaftung auf X mit den Worten: „Liberty advances, ¡Viva la libertad, carajo!“

Russland und Iran: Russland verurteilte die Angriffe als „Akt bewaffneter Aggression“ und kündigte an, die Angelegenheit vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen – wo die USA erwartungsgemäß ihr Veto einlegen werden. Iran sprach von einer „eklatanten Verletzung der nationalen Souveränität und territorialen Integrität“ Venezuelas.

Europa schweigt: Aus Brüssel und Berlin: ohrenbetäubendes Schweigen. Keine Sondersitzung, keine klare Verurteilung, keine Stellungnahme zur Verletzung des Völkerrechts. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte lediglich, man „beobachte die Situation“ und mahnte zur „Zurückhaltung“ – ohne den Aggressor beim Namen zu nennen.

Was sich hier abzeichnet, ist nicht nur eine regionale Krise, sondern ein weiterer Sargnagel für das Prinzip der internationalen Rechtsordnung, das der Westen so gerne beschwört, wenn es gegen Russland oder China geht.

Schweizer Neutralität – wenn Wegschauen zur Mittäterschaft wird

Besonders brisant: Unter den Augenzeugenberichten aus Caracas finden sich auch Aussagen einer Schweizerin, die oft in Venezuela weilt, die von Angriffen auf Wohngebiete und gezielten Operationen gegen Regierungsgebäude berichtet. Ihre Schilderungen decken sich mit unabhängigen Medienberichten und stehen im krassen Gegensatz zur Darstellung westlicher Leitmedien.

Die Schweiz, die sich gerne als neutrale Vermittlerin inszeniert, schweigt auch in diesem Fall. Keine offizielle Stellungnahme, keine Forderung nach Aufklärung, kein Schutz für die eigenen Staatsbürger vor Ort. Stattdessen: Business as usual. Schweizer Banken verwalten weiterhin venezolanische Vermögen, die durch US-Sanktionen eingefroren wurden – ein lukratives Geschäft, das von der Destabilisierung profitiert. (Das Schweizer Außendepartement hat zwischenzeitlich in puncto Venezuela zur „Mäßigung“ aufgerufen und eine ausführliche Warnung vor Reisen nach Venezuela veröffentlicht. Red.)

Die vielgepriesene Neutralität erweist sich in diesem Fall als Feigenblatt: Wer schweigt, während ein souveräner Staat angegriffen wird, macht sich mitschuldig. Wer die Aggression nicht beim Namen nennt, legitimiert sie. Venezuela zeigt, dass Neutralität im 21. Jahrhundert nicht bedeutet, zwischen Recht und Unrecht zu vermitteln – sondern schlicht wegzuschauen, wenn es den eigenen Interessen dient.

Ein altbekanntes Drehbuch – von Libyen bis Haiti

Was in Venezuela geschieht, ist kein Einzelfall. Es ist die Wiederholung eines Musters, das die USA seit Jahrzehnten perfektioniert haben:

Erst kommt die mediale Dämonisierung des Staatschefs – ob Gaddafi, Saddam Hussein oder Aristide. Dann folgen Sanktionen, die das Land wirtschaftlich in die Knie zwingen. Schließlich wird eine humanitäre Katastrophe inszeniert oder herbeigeführt, um den finalen Schlag zu legitimieren.

2003 – Irak: Die angeblichen Massenvernichtungswaffen, die nie existierten, dienten als Vorwand für eine Invasion, die Hunderttausende Menschenleben kostete und das Land ins Chaos stürzte.

2011 – Libyen: Unter dem Deckmantel der „Responsibility to Protect“ wurde Muammar Gaddafi gestürzt – heute ist Libyen ein gescheiterter Staat mit offenen Sklavenmärkten.

2004 – Haiti: Präsident Jean-Bertrand Aristide wurde von US-Spezialeinheiten buchstäblich aus dem Amt entführt und außer Landes gebracht – unter dem Vorwand, seine Regierung sei illegitim.

1990 – Panama: Manuel Noriega, einst CIA-Asset, wurde in der „Operation Just Cause“ verhaftet und in die USA verschleppt – angeblich wegen Drogenhandels.

Venezuela reiht sich nahtlos in diese Liste ein. Die Argumente sind austauschbar, die Methoden identisch, das Ergebnis absehbar: Zerstörung staatlicher Strukturen, Installation einer westlich kontrollierten Übergangsregierung, Zugriff auf strategische Ressourcen – in diesem Fall die größten Ölreserven der Welt.

Der einzige Unterschied: Diesmal war die Eskalation öffentlich planbar. Wer die Thinktank-Papiere las, wusste, was kommt.

Nächste Stufe bereits in Vorbereitung – der finale Vorstoß

Was als Phase 4 begann – die gezielte Entfernung der politischen Führung – mündet nun in Phase 5: die Installation einer Übergangsregierung unter westlicher Kontrolle. Die wirtschaftliche Abriegelung Venezuelas wird weiter verschärft, gleichzeitig formieren sich diplomatische Allianzen für eine sogenannte „Interimslösung“.

Ob über dauerhafte militärische Präsenz, internationale Erklärungen „besorgter Demokratien“ oder einen hastig gebastelten „Rettungsplan“ für das venezolanische Volk – die USA bereiten bereits den nächsten Schritt vor. Die FAA hat eine NOTAM (Notice to Airmen) ausgesprochen, die US-Flugzeugen den venezolanischen Luftraum verbietet – ein klares Zeichen für anhaltende militärische Operationen. Die US-Botschaft in Caracas hat eine Shelter-in-Place-Anordnung erlassen.

Es ist das alte Drehbuch – angewandt in Libyen, Irak, Haiti, Panama. Was in Venezuela gerade passiert, ist nicht neu.

Neu ist nur, dass die Blaupause diesmal öffentlich nachlesbar war.

Wer verstehen will, wie es weitergeht, der findet die Prognose schwarz auf weiß: In meinem Artikel vom 5. Dezember 2025 steht, was jetzt passiert – und was als nächstes kommen wird. Die Eskalation läuft nach Plan. Und das nächste Kapitel hat bereits begonnen.

Zum Autor: Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

(Red.) Siehe zu Venezuela auch den informativen Bericht von Natalie Benelli, ebenfalls auf Globalbridge.

Quellen und weiterführende Hinweise
  • RAND Corporation (2023): Studie zu US-Militärintervention in Venezuela. Die Analyse warnt, dass eine offene militärische Intervention „chaotisch werden und sich in die Länge ziehen würde“ und dass es „für die USA nicht einfach wäre, sich wieder zu lösen, sobald das Engagement begonnen hat.“ Zitiert in Foreign Affairs (Oktober 2025) und The Intercept (Dezember 2025).
    Weitere RAND-Analysen zu Venezuela: https://www.rand.org/topics/venezuela.html
  • James Dobbins, RAND Corporation (2019): „What Should the United States Do About Venezuela?“ – beschreibt, wie Sanktionen zur Vorbereitung militärischer Intervention genutzt werden (Haiti 1994, Bosnien 1995, Kosovo 1999, Irak 2003).
    https://www.rand.org/blog/2019/06/preparing-for-a-venezuela-after-maduro.html
  • Center for Strategic and International Studies (CSIS): „Venezuela as a Failing State and the Risks for Regional Security“ (2022).
    https://www.csis.org
  • United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) – World Drug Report 2023: Venezuela wird im Drogenkontext nur am Rande erwähnt; keine Einstufung als Schlüsselakteur im globalen Kokainmarkt.
    https://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/world-drug-report-2023.html
  • European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA): Cocaine trafficking and production trends (2023) – ohne Nennung Venezuelas als Hauptakteur.
    https://www.emcdda.europa.eu
  • UN-Charta, Artikel 2: Enthält das Gewaltverbot und das Prinzip souveräner Gleichheit der Staaten.
    https://www.un.org/en/about-us/un-charter/full-text
  • Aktuelle Berichterstattung (3. Januar 2026):
    • Al Jazeera: „Trump says Venezuela’s Maduro ‚captured‘ after huge US military strikes“ 
    • CNN: „US captures Venezuelan leader Maduro in ‚large scale‘ strike“ 
    • NPR: „U.S. hit Venezuela with ‚large-scale strike,‘ captured Nicolás Maduro, Trump says“ 
    • Washington Post: Live updates zu den Angriffen 
    • Venezuelanalysis: „[BREAKING] US Claims Maduro Captured During Military Operation“ 
  • Michael Hollister: „Venezuela – Teil 2: Die vierte Phase beginnt“, erschienen am 5. Dezember 2025 auf
    https://www.michael-hollister.com/de/2025/12/05/venezuela-intervention-3/

Erstveröffentlicht auf GlobalBridge v. 4.1. 2026
https://globalbridge.ch/venezuela-eskalation-mit-ansage-was-die-us-thinktanks-planten-wird-jetzt-realitaet/

Website von Michael Hollister:
https://www.michael-hollister.com/de/hauptseit/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Die Unterwerfung Lateinamerikas

Bundesregierung verweigert trotz offener Morddrohungen von Trump weiterhin jede Kritik am US-Überfall auf Venezuela. US-Sicherheitsstrategie sieht Unterwerfung Lateinamerikas und Verdrängung Chinas aus der Region vor – mit allen Mitteln.

Newsletter von German Foreign Politics

Covercollage: Jochen Gester

BERLIN/WASHINGTON/CARACAS (Eigener Bericht) – Trotz neuer Morddrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez sieht die Bundesregierung weiter keinen Anlass zu Kritik an der Gewaltpolitik der USA. Nach Kanzler Friedrich Merz behauptete am Montag auch Außenminister Johann Wadephul, die Lage um den US-Überfall auf Venezuela und die gewaltsame Verschleppung des venezolanischen Staatschefs sei zu „komplex“, als dass man sich ein Urteil über die offenkundigen Verbrechen erlauben könne. Das US-Vorgehen basiert auf der Anfang Dezember publizierten Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten, die der Westlichen Hemisphäre – Lateinamerika, der Karibik und Grönland – besondere Bedeutung einräumt. Rivalen der USA wie vor allem China, das äußerst enge Wirtschaftsbeziehungen in die Region unterhält, sollen mit allen Mitteln aus ihr verdrängt werden – nach dem Vorbild der Monroe-Doktrin von 1823. Der Versuch Washingtons, sich Lateinamerika vollständig zu unterwerfen, lässt den Machtkampf gegen China in der Region eskalieren. Die EU, die ihr Mercosur-Freihandelsabkommen in der kommenden Woche unterzeichnen will, droht endgültig abgedrängt zu werden.

Die neue Nationale Sicherheitsstrategie

Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten legt ihren wohl zentralen Schwerpunkt auf Lateinamerika und die Karibik. Das ist insofern bemerkenswert, als das US-Establishment seinen Hauptrivalen unverändert in China sieht, das als einziges Land weltweit das ökonomische, politische und militärische Potenzial hat, mit den USA gleichzuziehen, ja sie auf lange Sicht sogar zu überholen. Allerdings steckt Washington im unmittelbaren Machtkampf gegen Beijing zur Zeit fest. In seinem Wirtschaftskrieg gegen China musste es sich im Herbst auf eine Art Waffenstillstand einlassen. Die jüngsten war games des Pentagon, bei denen ein Krieg gegen China am Schreibtisch durchexerziert wird, ergaben laut Kriegsminister Pete Hegseth durchweg: „Wir verlieren jedes Mal.“[1] Während Washington sich nun mit Hochdruck bemüht, ökonomisch von Beijing unabhängig zu werden – vor allem bei Seltenen Erden –, und zugleich seine Hochrüstung vorantreibt, geht es daran, den Kampf gegen China nach Lateinamerika zu verlagern. Dort ist die Volksrepublik, sieht man vom US-Niedriglohnstandort Mexiko ab, zum bedeutendsten Wirtschaftspartner aufgestiegen; aus Lateinamerika bezieht es einen erheblichen Teil seiner Rohstoffe. Die chinesisch-lateinamerikanischen Beziehungen sind eng.

Die Vorherrschaft in der Westlichen Hemisphäre

„Die Vereinigten Staaten“, heißt es nun in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie, „werden die Monroe-Doktrin wieder geltend machen und durchsetzen“, um ihre „Vorherrschaft in der Westlichen Hemisphäre“ – gemeint sind Lateinamerika und die Karibik sowie Grönland – „wiederherzustellen“.[2] Dazu werde man einflussreiche „Wettbewerber“ von außerhalb der Großregion in der Zukunft daran hindern, „Streitkräfte oder andere Bedrohungspotenziale“ in „unserer Hemisphäre zu stationieren“ oder dort „strategisch wichtige Güter zu kontrollieren“. Dies sei, so heißt es in dem Papier, den anschwellenden Personenkult um den Präsidenten befeuernd, der „Trump-Zusatz“ zur Monroe-Doktrin. Trump selbst spricht seit Samstag, einer infantilen Anwandlung folgend, von einer „Donroe-Doktrin“, seinen Vornamen mit dem Nachnamen des Urhebers der Doktrin aus dem Jahr 1823 kombinierend.[3] Hohen Stellenwert nimmt in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie eine strategische Stärkung der US-Militärpräsenz in der Großregion ein. So ist neben einer intensivierten Kontrolle der Seewege die gezielte Stationierung von Truppen vorgesehen, um gegen „akute Bedrohungen“ vorzugehen. Als ein Beispiel kann der Truppenaufmarsch in der Karibik in Vorbereitung des Überfalls auf Venezuela gelten. Zudem soll der „Zugang zu strategisch wichtigen Orten“ gesichert werden – offenbar in der gesamten Großregion.

Exklusivverträge für US-Unternehmen

Darüber hinaus soll, wie es in der Nationalen Sicherheitsstrategie heißt, der wirtschaftliche Einfluss der USA nicht nur gestärkt, sondern nach Möglichkeit exklusiv werden. Die Länder der Westlichen Hemisphäre müssten die Vereinigten Staaten als „Partner erster Wahl“ ansehen, heißt es in dem Papier. Von einer „Zusammenarbeit mit anderen“ solle man sie in Zukunft „abhalten“.[4] „Gegnerischer Einfluss von außerhalb“ solle „reduziert“ werden. Das gelte nicht nur für militärische Einrichtungen, sondern auch für Häfen sowie für strategisch wichtige Infrastruktur. Davon abgesehen würden die USA „klarstellen“, dass „amerikanische Güter, Dienstleistungen und Technologien langfristig ein viel besserer Kauf“ seien als Waren aus anderen Weltregionen. Über den ökonomischen Alleinbelieferungsanspruch, der an die Kolonien des 19. Jahrhunderts gemahnt, heißt es, insbesondere bei den Ländern, die von den Vereinigten Staaten am stärksten abhängig seien und auf die man daher den stärksten Druck ausüben könne, werde man auf „Exklusivverträgen für unsere Unternehmen“ bestehen. Es verstehe sich von selbst, dass Firmen von außerhalb in der Westlichen Hemisphäre keinerlei Infrastruktur errichten dürften. An der Durchsetzung all dieser Ziele müsse „jeder US-Regierungsmitarbeiter in der Region“ mitwirken und dazu „Druck ausüben“.

Chinas Lateinamerika-Strategie

Vorrangig richten sich die Ankündigungen der Trump-Administration gegen China. Beijing hat am 10. Dezember zum dritten Mal seit 2008 und 2016 ein Strategiepapier (White Paper) zu seinen Beziehungen zu Lateinamerika und der Karibik vorgelegt, das die wichtigsten Felder für den Ausbau der Zusammenarbeit skizziert. Diese reichen weit. Sie umfassen zum einen die Rahmenbedingungen für eine Intensivierung von Handel und Investitionen. Zum anderen werden allerlei konkrete Sektoren benannt, auf denen die Kooperation erweitert werden soll. So bietet die Volksrepublik Unterstützung bei der Umstellung auf erneuerbare Energien und auf Elektromobilität an – ein Bereich, aus dem sich die Vereinigten Staaten im Großen und Ganzen verabschiedet haben.[5] Beijing strebt darüber hinaus eine intensivere Kooperation in der digitalen Infrastruktur Lateinamerikas und der Karibik an, in der Firmen aus China recht präsent sind, und schlägt den Staaten der Region eine Zusammenarbeit in der Raumfahrt vor. Darüber hinaus nimmt es gemeinsame Maßnahmen in der polizeilichen und militärischen Ausbildung in den Blick. Trump ist bewusst, dass Beijing nicht gewillt ist, sich ohne weiteres von seinen Plänen abhalten zu lassen. Um die Volksrepublik zu besänftigen, hat er ihr am Wochenende zugesagt, Venezuela werde ihr unter der angestrebten US-Herrschaft weiter Öl liefern.[6] Den Konflikt wird das kaum dämpfen.

Im Abstieg begriffen

Sind in Lateinamerika und der Karibik heftig eskalierende Machtkämpfe zwischen den Vereinigten Staaten und China zu erwarten, so werden Deutschland und die EU dort immer weiter abgedrängt. Lag der Anteil der EU etwa am gesamten Mercosur-Außenhandel im Jahr 2000 noch bei 31 Prozent, so erreichte er im Jahr 2023 gerade einmal 15 Prozent.[7] Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen, über das beide Seiten seit 1999 verhandeln, konnte Ende vergangenen Jahres trotz intensiver Bemühungen der EU-Kommission immer noch nicht unterzeichnet werden. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat angekündigt, die Unterzeichnung Anfang kommender Woche nachzuholen. Ob dies gelingt, ist nach wie vor ungewiss. Auch der politische Einfluss der Union geht immer weiter zurück. Dass sich Berlin und Brüssel in der Rivalität zwischen Washington und Beijing behaupten können, muss als zweifelhaft gelten. Zwar urteilte Außenminister Johann Wadephul am Montag, in Berlin habe man „geopolitisch“ ein Interesse daran, das „starke … Engagement“ Chinas, Russlands und Irans in Venezuela zurückzudrängen; dem dient der US-Überfall auf Venezuela.[8] Ob das aber mit Positionsgewinnen für Deutschland und die EU verbunden ist, bleibt zu bezweifeln. US-Präsident Trump erklärt unterdessen, Venezuelas Interimspräsidentin Rodríguez werde, wenn sie nicht bedingungslos mit seiner Regierung kooperiere, „ein schlimmeres Schicksal als Maduro“ erleiden.[9] Nach Lage der Dinge kann dies nur als Morddrohung verstanden werden.

[1] Overmatched. Why the U.S. Military Needs to Reinvent Itself. nytimes.com 08.12.2025.

[2] National Security Strategy of the United States of America. November 2025. S. dazu Der neue Transatlantikpakt.

[3] Brian Stelter: How right-wing media inspired Trump’s ‘Donroe Doctrine’. edition.cnn.com 05.01.2026.

[4] National Security Strategy of the United States of America. November 2025.

[5] R. Evan Ellis: China’s 2025 White Paper on Latin America Sets the Stage for Renewed Competition with the US. thediplomat.com 16.12.2025.

[6] James T. Areddy: Trump Suggests Venezuela Oil Exports to China Will Grow. wsj.com 03.01.2026.

[7] Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur wäre ein starkes Signal. iwd.de 31.10.2024.

[8] Debatte um angemessene Reaktion auf US-Angriff. sueddeutsche.de 05.01.2026.

[9] Sofia Dreisbach, Tjerk Brühwiller: Vom feindlichen zum nützlichen Regime. Frankfurter Allgemeine Zeitung 06.01.2026.


Erstveröffentlicht bei GFP am 6.1. 2025
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10250

Wir danken für das Publikationsrecht.

Wann kommt der Aufstand?

 Wessen Morgen ist der Morgen, wessen Welt ist die Welt?* - 

Von Carllandrausch

Die Erde brennt! Wasser und Feuer laufen Sturm. Die Menschen verdrängen die Gefahr, welche sie selbst geschaffen haben. Das Klima war schon so, als die Welt noch eine Scheibe war. Die Mächtigen pokern mit unserem Leben. Die Ahnungslosen wollen ahnungslos bleiben. Die Demokratie ist eine Scheindemokratie, weil sie nicht vom Volk beherrscht wird. Jeder Mensch hat das Recht, unter einer Brücke zu schlafen.  Das gehört zu unseren westlichen Werten. Global as usual: Wachstum, Raub, Profit! Die unsichtbare Hand braucht die sichtbare Faust. Krieg ist ein Wachstumsmarkt. Da gibt es keine Alternative.*  Sonst Panik. China erobert den Weltmarkt. Die USA sind die größte Gewaltlieferantin.* Die NATO will in die Ukraine will in die NATO. Russlands droht, falls, mit einem Atomkrieg.  Die Ölvorkommen Venezuelas gehören Exxon Mobile.  Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen?* Deutschland, wie lange bist du noch auffindbar?* Alles, was gestern war, wird man vergessen haben, was morgen kommt nicht fürchten. Israel begeht einen Völkermord in Gaza. Afrika ist eine Fundgrube, der Sudan ein Schlachthaus. Die Söldner morden was sie nur können.  Die UNO appelliert machtlos. Ein Schelm, wer über den Britischen Löwen lacht. Frankreich ist kaputt. Der Schoß ist fruchtbar noch.* Der Rechtsextremismus gewinnt wieder bürgerliche Salonfähigkeit. Die Habenichtse, schlagt sie tot!* Oder lasst sie ertrinken. Das Böse ist banal.* Das linke Spektrum hat sich zerlegt. Nicht fühlen, wie weit wir heruntergekommen sind.*  Zehntausend Menschen gehört die halbe Welt. Eine milliarde Menschen hungern. Alles Leben ist antiquiert. Gott ist tot.* Es lebe der Übermensch in der Künstlichen Intelligenz. Der Führer grüßt siegesgewiss lächelnd mit der Mondpolizei* aus dem Totenreich.

Berlin, im Januar 2026

*Brecht/Eisler; Margret Thatcher; Martin Luther King; Erich Kästner; Bertolt Brecht; Karl Kraus; Bertolt Brecht; Georg Kreisler; Hannha Arendt; Kurt Tucholsky; Friedrich Nietzsche; Hanns Dieter Hüsch;

Bild: Photoshot Katalog „George Grosz – Berlin – New York“, „Der Mächtige wird auf einem Spaziergang vpm zwei Dichtern angesprochen“: IX61 (S. 277)

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