Die IG Metall will im Tesla-Werk in Grünheide die Mehrheit im Betriebsrat stellen – im Vorfeld gibt es heftigen Streit
Von DARIUS OSSAMI
»Die Nerven liegen blank«, sagte die Journalistin Nina Scholz auf einer Podiumsdiskussion zum Umgang mit der gewerkschaftsfeindlichen Politik von Tesla, die am Montagabend in der Hellen Panke stattfand. Vom 2. bis 4. März findet die Betriebsratswahl in der Tesla-Gigafactory in Grünheide statt. Für das Bildungswerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung gilt sie als »die bedeutendste gewerkschaftliche Auseinandersetzung in Deutschland« in diesem Jahr.
Es steht einiges auf dem Spiel: Die IG Metall, die seit der Wahl vor zwei Jahren die stärkste Einzelfraktion mit 16 Sitzen im 39-köpfigen Betriebsrat stellt, will nun die absolute Mehrheit unter den knapp 11 000 Beschäftigten erreichen. Doch der Arbeitskampf wird mit harten Bandagen geführt.
Dieses Mal tritt sie mit 116 Kandidat*innen auf Listenplatz 1 als »IG Metall – Tesla Workers GFBB« an – gegen zehn gegnerische Listen, die als loyal zur Unternehmensführung gelten. Mit der erhofften Mehrheit im Betriebsrat der Gigafactory möchte die IG Metall bessere Arbeitsbedingungen, eine bessere Bezahlung und mehr Respekt für die Mitarbeitenden erreichen. Vor allem aber will sie endlich einen Tarifvertrag bei Tesla durchsetzen.
»Es ist wichtig, Betriebsräte im Hintergrund zu haben, auf die man sich verlassen kann.« Cem Ince (Linke)
Bundestagsabgeordneter
Doch das will die Unternehmensleitung unbedingt verhindern. Tesla-Konzernchef Elon Musk, Unterstützer extrem rechter Politik und mit einem Vermögen von über 700 Milliarden US-Dollar der reichste Mensch der Welt, ist erklärter Gegner von Gewerkschaften. Der Werksleiter im Tesla-Werk in Grünheide, André Thierig, äußert sich ähnlich. »Wir haben noch nie mit der IG Metall verhandelt und werden das auch in Zukunft nicht tun«, erklärte er im Oktober gegenüber der FAZ. Dennoch zeigte sich Jan Otto von der IG Metall optimistisch. »Wir werden über kurz oder lang einen Tarifvertrag bei Tesla haben«, verkündete der Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen Ende 2025.
Doch seitdem haben sich die Fronten zwischen Gewerkschaft und Unternehmen weiter verhärtetet und spätestens im Februar eskalierte der Wahlkampf bei Tesla.
Am 10. Februar behauptete Werksleiter André Thierig, ein Gewerkschaftssekretär der IG Metall habe eine Betriebsratssitzung heimlich aufgezeichnet. Thierig stellte Strafanzeige und rief die Polizei, die auch tatsächlich im Werk anrückte. Die IG Metall wies den Vorwurf empört zurück, sprach von einer »Schmutzkampagne« und stellte am 17. Februar ihrerseits Strafanzeige wegen übler Nachrede gegen Thierig. Man wolle nicht zulassen, dass Tesla mit diesem »Angriff auf die Demokratie im Betrieb« durchkomme. Vier Jahre nach dem Start der Produktion müssten Bezahlung, Arbeitsbedingungen und die Behandlung der Beschäftigten endlich besser werden, so die IG Metall. »Wenn ein Unternehmen Mitbestimmung und Gewerkschaftsarbeit derart aggressiv bekämpft, setzen wir uns mit allen Mitteln zur Wehr«, erklärte Otto. Die Gewerkschaft kündigte zudem an, eine Klage wegen Behinderung von Gewerkschaftsarbeit gegen Tesla vorzubereiten.
Tesla sei ein gewerkschaftsfeindliches Unternehmen, befand auch die Journalistin Nina Scholz. Die Expertin für Arbeitskämpfe bei Tech-Konzernen teilte sich das Podium in der Hellen Panke mit dem Bundestagsabgeordneten Cem Ince (Linke), der zudem Mitglied der IG-Metall-Vertrauenskörperleitung bei Volkswagen Salzgitter ist. Bei Tesla herrschten toxische Bedingungen, so Ince. »Der Arbeitskampf wird vom Unternehmen mit allen Mitteln geführt.« Tesla verspreche einen höheren Lohn und weniger Arbeitszeit und halte deshalb einen Tarifvertrag nicht für notwendig. Doch man dürfe Tesla nicht trauen. »Es ist wichtig, Betriebsräte im Hintergrund zu haben, auf die man sich verlassen kann«, so Ince. Und wenn die IG Metall eine Mehrheit im Betriebsrat erreiche, könne sie auch einen Tarifvertrag durchsetzen, der als Schutz vor Willkür und als Absicherung in schweren Zeiten wichtig sei.
Eigentlich war auch Jannes Bojert, Leiter des Tesla-Projekts der IG Metall, als Referent vorgesehen, doch er sagte sein Kommen kurzfristig ab. Grund seien die Rechtsstreitigkeiten mit Tesla. Die IG Metall teilte mit, man wolle sich zunächst zurückhalten und halte es für sinnvoller, sich auf die inhaltliche Auseinandersetzung zu konzentrieren.
Die etwa 60 Menschen im Raum diskutierten dennoch leidenschaftlich. Dabei ging es auch um die Frage, ob die Basis mehr Druck auf die Chefetage der IG Metall ausüben müsse. Die Gewerkschaften klammerten sich sehr an Sozialpartnerschaften und Kompromisse, lautete eine Kritik, auch spiele der Kampf gegen die Klimakrise keine Rolle. Man habe bereits viele Kapazitäten aufgebaut, entgegnete Ince. »Das Ziel ist, Bedingungen zu haben, die vergleichbar sind mit anderen guten Betrieben.« Basisdemokratie müsse gelebt werden, die Kolleg*innen sollten sehen, dass sie mitgestalten könnten. Auch Scholz betonte, zumindest bei Tesla habe die IG Metall vieles gut gemacht. »Ich finde es richtig, dass sie sich auf ein Kräftemessen mit Tesla und Musk einlässt.«
Erstveröffentlicht im nd v. 24-.2. 2026
Betriebsratswahl …
Wirr danken für das Publikationsrecht.