Ampel-Ende – Wer zahlt für Krisen und Kriege?

Ampelende – um was geht es?

Die Haushaltskrise in Deutschland zieht sich schon lange hin. Man konnte darauf wetten, dass es bald knallt. Die Finanz- und Handlungsspielräume grosser Teile des deutschen Kapitals wurden immer enger. Es geht darum: Wer zahlt – wieviel – für Krisen und Kriege! Wer zahlt für die Erhaltung von Konkurrenzfähigkeit und aggressivem geopolitischen Einfluss in einer auf Konfrontation ausgerichteten multipolaren Welt.

Kriegs- und Internationaler Konfrontationskurs verschlingen immer mehr Geld

Die große Mehrheit der Berliner Parteien hat sich dafür entschieden, dass Deutschland zum militärischen Primus der USA in Europa gegenüber Russland und zum Natomusterknaben mutiert.

Deutschland wird nach den USA zum Hauptfinanzier und Hauptunterstüzer des Ukrainekriegs. Es wird der Aufbau eines eigenen militärisch industriellen Komplexes vorangetrieben. Und Kriegstüchtigkeit wird zur Priorität in allen Lebensbereichen: in Bildung und Forschung, bei Verkehrsinfrastrukturen, im Gesundheitswesen und Katastrophenschutz. Das in einem einmaligen Coup beschlossene 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr reichte schon nach wenigen Wochen nicht mehr. Kaum wird das Ziel 2% vom BIP für die direkten Militärausgaben erreicht, geht der Diskurs in Richtung mindestens 3 %, was eine weitere 50 prozentige Steigerung bedeutet.

Auch die Präsenz deutscher Kriegsschiffe in der Strasse von Taiwan, im Roten Meer oder vor der libanesischen Küste werden nicht aus der Portokasse bezahlt.

Die Militarisierung wächst zur nimmersatten Krake heran, die alle finanziellen Spielräume für zivile Infrastrukturen und notwendigen sozialen und klimapolitischen Vorhaben verschlingt. Die Kriegswirtschaft verheisst Extraprofite für die involvierten Konzerne, senkt aber systematisch -neben dem Bedrohungspotential für den Frieden- den Lebensstandard der Bevölkerung. „Panzer und Munition kann man nicht essen“ und „Strassen für Panzer gen Osten führen eben nicht in die begehrtesten Urlaubsgebiete.“

Kein grundsätzlicher Dissenz bei Zeitenwende und Staatsräson

Was Krieg, Aufrüstung und internationalen Konfrontationskurs angeht, so besteht bei der politischen Elite parteiübergreifend weitgehende Einigkeit. Scholz betont gerade auch jetzt wieder die Notwendigkeit der anhaltenden Unterstützung Deutschlands für die Ukraine. „Die Lage ist ernst“, klagt Scholz, auch mit Blick auf den Krieg in Gaza. Da wird kein Millimeter von der deutschen Staatsräson abgewichen. Erst am Donnerstag wurde dazu eine beschämende Resolution im Bundestag verabschiedet.

Deutschland müsse deutlich mehr in die Verteidigung und die Sicherheit des Landes investieren, sagt Scholz. Da werden weder Friedrich Merz noch der geschasste Christian Lindner widersprechen. Robert Habeck und Analena Bearbock ebensowenig .

Was die AFD betrifft, so lehnt sie zwar aktuell die militärische Unterstützung der Ukraine ab, ist aber mehr als alle anderen Vorreiter bei der Hochrüstung und Ertüchtigung für ein „erstarkendes Deutschland“. Nur Linke und BSW stehen mit mehr oder weniger Konsequenz quer im Stall.

Trumps Wahlsieg spitzt die Lage empfindlich zu

„Für mich, für uns ist klar: Wir Europäerinnen und Europäer werden jetzt noch mehr sicherheitspolitische Verantwortung übernehmen müssen“, konstatierte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock am Mittwoch nach der Wahl. Denn in einem Punkt sind die Aussagen Trumps unzweideutig. Er wird die Lasten des Ukrainekrieges noch mehr zulasten der EU und insbesondere Deutschlands verschieben. Und er wird massiv den Druck für eine Aufstockung der Militärausgaben in Richtung 3 Prozent des BIPs und wahrscheinlich mehr erhöhen. Beides wird uns sündhaft teuer zu stehen kommen

Struktur- und Absatzkrisen wichtiger Teile der deutschen Industrie, insbesondere von Maschinenbau und Automobilbranche, werden durch geopolitische Verwerfungen und Handelskriege zunehmend verschärft. Aber auch die Nibelungentreue zu Isreals Politik im Nahen Osten hat Deutschland in die Isolation getrieben.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA ist dabei in den vergangenen beiden Jahren sprunghaft in die Höhe geschnellt. Etwa zehn Prozent der deutschen Exporte gingen 2023 in die USA – so viel wie seit mehr als 20 Jahren nicht. Gleichzeitig sind die USA im Zuge der Russlandsanktionen zu Deutschlands wichtigstem Energielieferanten aufgestiegen. Jeder, der Trump kennt, weiss, dass er eine solche Monopolstellung gnadenlos auszunutzen versteht. Eine weitere Eskalation der Preisspirale bei den Energiepreisen mit erneutem Inflationsschub wird unter diesen Bedingungen kaum vermeidbar sein.

Die von Trump angekündigten Zusatzzölle von zehn bis 20 Prozent auf europäische Waren würden insbesondere deutsche Unternehmen hart treffen. Experten wie Clüver Ashbrook sind sich sicher, dassTrump nicht zögern wird, seine Wahlversprechen bezüglich der Zölle schnell umzusetzen.

Wie das Ifo-Institut ausgerechnet hat, würden neue Zölle auf chinesische und europäische Waren allein in Deutschland zu einem wirtschaftlichen Schaden von 33 Milliarden Euro führen.

Nicht auszumalen, was passieren wird, wenn Trump seine Drohung wahrmacht, auf einige importierte Autos – auch deutsche- einen Zoll von bis 200 Prozent zu erheben.

Lindners Wirtschaftswende

Die wichtigsten Wirschaftsverbände und die CDU Opposition klatschen Beifall. Lindners Wirtschaftswende ist letztlich auch die Wirtschaftswende von Friedrich Merz. Sie ist für breite Teile des deutschen Kapitals erste Wahl, um sich national und international weiter behaupten zu können. Erste Wahl neben der möglichst reibungslosen – sprich streiklosen – Durchsetzung niedriger Einkommen bei Beschäftigten. Erste Wahl neben Anpassungen der inländischen Wertschöpfung durch Werkschliessungen oder Ausdünnungen der Produktion an die Marktlage.

Lindners Wirtschaftswende setzt endgültig die Axt an. Zum Befreiungsschlag für die Konzerne. Alle übrigen trifft es hart. Das Motto „keine Staatsschulden für die Bewältigung der Kriegs- und Krisenkosten. Alle Reserven für die Konzerne. Die Bevölkerung soll die Zeche zahlen.“

Bezeichnend der letzte Streit. Scholz wollte vom Finanzninister Lindner zusätzliche 3 Milliarden Euro für die Ukraine. Lindner wollte die 3 Milliarden einsparen, stattdessen Taurusraketen liefern und eine weitere abenteuerliche Kriegseskalation riskieren. Als ob Taurusraketen nichts kosten würden.

Linders Wirtschaftswende fordert das Einkassieren der meisten Klimaziele und ein „Belastungsmoratorium für die Wirtschaft“. Deregulierung und Entlastungen zugunsten der Reichen und des Kapitals. Vollbremsung aller sozialen und klimapolitischen Massnahmen unter dem irreführenden Titel der Entbürokratisierung. Im Klartext heisst das: die Unternehmen sollen von ihren sozialen Verpflichtungen entbunden werden.

Die vom rechtskonservativen Block angestrebte Wirtschaftswende fordert Steuersenkungen, die generell Vermögende bevorzugen. Der Solidaritätszuschlag wird sofort abgeschafft. Die Körperschaftsteuer soll in einem ersten Schritt unmittelbar im Jahr 2025 signifikant um zwei Prozentpunkte reduziert werden. Die Luftsicherungsabgaben werden gestrichen.

Im Gegenzug soll der „Sozialstaat deutlich schlanker“ werden. Bei Renten, Pflege, Bürgergeld etc. Insbesondere Migranten und Flüchtlinge geraten dabei wieder ins Fadenkreuz von Einsparungen.

Gleichzeitig darf die Bevölkerung tapfer weiter Co2 Abgaben zahlen. Von Klimageld keine Rede mehr. Eine Mehrwertsteuererhöhung auf alle Waren, die alle kleinen Einkommen besonders hart trifft, wird in Erwägung gezogen.

Schnelle Neuwahlen sollen diese Art Wirtschaftswende mit einer neuen Qualität des sozialen Kahlschlags legitimieren helfen.

Die AFD kann aufjaulen. „Eine Agenda, wie von uns abgeschrieben.“

Trump hat zumindest zum Teil die Blaupause geliefert.

Es heißt „Lindner ist ein Ego Clown“. Aber ist das Trump nicht auch? Also bitte nicht unterschätzen! Außerdem hat Merz den Stab von Lindner längst übernommen)

Die Quadratur der SPD

Bundeskanzler Scholz nach Linders Rauswurf: Er werde die Bevölkerung nicht vor die Wahl bei wichtigen Investitionen stellen, wie Geld für die Verteidigung oder Geld für die Sicherung von Arbeitsplätzen. „Dieses entweder oder ist Gift“. Baerbock und Habeck treibt hingegen vor allem die Sorge um, dass ohne Lockerung der Schuldenbremse das Geld für den notwendigen Sieg der Ukraine gegen Russland fehlen könnte.

Beide betreiben die Quadratur des Kreises. Solange an der Zeitenwende festgehalten und der interntionale Konfrontationskurs befeuert wird, gibt es kein Entrinnen. Der Ungeist ist aus der Flasche gelassen. Solange er nicht wieder eingefangen wurde, gehen die Spielräume für soziale Abfederungen gegen Null. Solange werden Kriegshasardeure vom Schlage Lindner über Merz bis Kiesewetter und Habeck sich ermuntert fühlen.

Auch eine Auflockerung der Schuldenbremse wird kein Befreiungsschlag sein. Jeder zusätzliche Euro wird von der Kriegswirtschaft und der Unterstützung für Unternehmensinvestitionen aufgesogen werden. Ein Euro kann eben nur einmal ausgegeben werden: für Brot oder Kanonen! Und alles Geld hilft der Ukraine nicht, ihr gehen die Menschen aus.

Den Ungeist in die Flasche zurückholen, das können wir nur selber tun. In den Tarifrunden können wir damit beginnen und Zeichen setzen.

Titelfoto: Collage Peter Vlatten, Bilder Peter Vlatten

Quellen: Tagesschau, Handelsblatt, Fokus 7.11. 2024

„Toxic NATO – Srdan Aleksic` langer Weg zur Gerechtigkeit“


Liebe Freundinnen und Freunde,

zur Erinnerung: Diesen Sonntag, 3. November 2024, veranstalten wir eine besondere Matinee im Kino Filmkunst 66 in Berlin-Charlottenburg.

Wir zeigen den Dokumentarfilm „Toxic NATO – Srdan Aleksic` langer Weg zur Gerechtigkeit“ (ca. 25 min) zum Thema Einsatz von Uran-Munition im Kosovo-Krieg und anschließend diskutieren der Filmemacher Moritz Enders, Völkerrechtler Prof. Dr. Manfred Mohr und Oberstleutnant a.D. Jochen Scholz, der 1999 unter Minister Scharping im Verteidigungsministerium gedient hat, zum Thema des Films und zur deutschen Beteiligung am Kosovokrieg. Moderiert wird die Diskussion von Dr. Alexander Neu, der zur Kriegsberichterstattung in Jugoslawien promoviert hat. 

Für Kurzentschlossene sind noch ein paar Plätze verfügbar. Also meldet Euch gern an!

Einlass 10:30 Uhr

Beginn Film 11:00 Uhr

Beginn Podium 11:30 Uhr

anschließend Fragerunde

Ende 13:30 Uhr

Unkostenbeitrag: 10 Euro

Anmeldung: wie immer, indem Ihr einfach auf diese Email antwortet

oder über unser Kontaktformular unter https://www.berlin-im-dialog.net/kontakt/

Zur Location: Das historische aber moderne Programmkino Filmkunst 66 Nähe Savignyplatz und U-Bahnhof Uhlandstraße liegt gut erreichbar und hat eine kleine Bar mit Getränken und Snacks.

Alle Infos findet Ihr auch noch einmal auf unserer Homepage www.berlin-im-dialog.net.

Wir freuen uns auf Euch!

Euer Berlin im Dialog Team

Email: info@berlin-im-dialog.net

Internet: www.berlin-im-dialog.net

Telegram: t.me/berlin_im_dialog

Krieg ist Frieden – eine totlustige Vorschau

Mittlerweile fällt es nicht mehr auf. Da sitzen – völlig ausgewogen – drei Kriegsbefürworter in der xy-Talkshowrunde – und eine Teilnehmerin, die bekannte Nörglerin Z, die noch dabei sein darf.

Von Wolf Wetzel

Bild: Bundeswehr

Das Thema ist – in allen Abwandlungen – dasselbe. Wie kann sich Deutschland verteidigen? Was muss man tun, ganz schnell, damit das Schlimmste nicht passiert.

Die Frage, wer uns überhaupt bedroht, ist mehr als überflüssig, also ein eindeutiger Beweis für Putinnähe. Denn wir sind geeicht:

Die Russen kommen … wieder und wieder. Gefühlt und gedacht, zum dritten Mal:

1914

1941

202X

Das wissen alle. Das wird gar nicht mehr diskutiert.

Er geht nur noch darum, wie man die Russen daran hindern kann, dass das passiert.

Zuerst wird die Runde abgeklappert, die 150-Prozentigen, die 125-Prozentigen, die 100-Prozentigen sind dran. Sie alle erklären, dass wir jetzt wehrlos sind, verteidigungsunfähig, blank – ein Opfer, das sich nach seinem Mörder sehnt.

Dann kommt die Zweiflerin Z dran. Sie erklärt, dass alle europäischen Staaten zusammen 20 Mal mehr in den Kriegshaushalt stecken als die Russen.

Nicht mit uns!

Alle Eingeladenen und die Moderatorin sind sich wortlos einig. Zahlen können lügen und ganz arg täuschen. Zudem ist jetzt der Demokratiebonus ausgereizt.

Nun diskutieren wieder die 150- bis 100-Prozentigen: Wie müssen wir uns verteidigen? Alles wird wie in der Vorschulkasse wiederholt: Mehr Geld, mehr Waffen, mehr Kriegsertüchtigung, mehr Wachsamkeit.

Welche Gefahren müssen wir abwehren, welche Gefahren lauern im Verborgenen?

Die 150- bis 100-Prozentigen können sich kaum bremsen: Die Gefahren lauern überall, vor allem dort, wo man sie gar nicht sieht. Der Russe ist ein Multitalent: Er kann Wahlen manipulieren, Fake News verbreiten, Hass schüren, Menschen verunsichern, kritische Infrastruktur sabotieren und Menschen in Putinversteher verhexen. Einer der 150-Prozentigen ist sich auch ganz sicher, dass die Sprengung der Nord Stream I und II das Werk der Russen war. Ja, so gemein und hinterhältig sind sie. Sie sprengen ihre eigene Pipeline in die Luft, weil darauf niemand kommen würde. Aber nicht mit uns.

Eine 125-Prozentige will auch noch etwas loswerden. Russland betreibe doch ganz bösartige Desinformation, wenn es behaupte, dass deutsche Politiker nach der „Wiedervereinigung“ zugesagt hätten, dass sich die NATO nicht in Richtung ehemaliger Ostblockstaaten ausdehnen werde. Es stimme zwar, dass Außenminister Genscher am 31. Januar 1990 in einem Vortrag vor der Evangelischen Akademie Tutzing gesagt hatte:

Was immer im Warschauer Pakt geschieht, eine Ausdehnung des Nato-Territoriums nach Osten, das heißt, näher an die Grenzen der Sowjetunion heran, wird es nicht geben. […] Der Westen muss auch der Einsicht Rechnung tragen, dass der Wandel in Osteuropa und der deutsche Vereinigungsprozess nicht zu einer Beeinträchtigung der sowjetischen Sicherheitsinteressen führen dürfen.“

Aber, und darauf kommt es doch an: Diese Sätze sind erkennbar aus dem Zeit/Zusammenhang gerissen. Sätze auszugraben, die vor 30 Jahren noch einen gewissen Sinn gehabt haben, uns heute und gerade jetzt vorzuhalten, ist nichts weiter als perfide russische Desinformations- und Zersetzungskunst.

Alle nicken heftig, nur die Nörglerin Z schüttelt leicht den Kopf – noch.

Russland ruinieren!

Nachdem geklärt ist, was schon vorher klar war, lenkt die Moderatorin das Thema von der „Heimat“-Verteidigung zur Verteidigung der „Welt“. Das geht, wie immer, so:

Die Welt ist in Unordnung, die Krisen häufen sich. Es gibt überall Kriege, Brandherde und Kriegsgefahr. Was müssen wir also tun?

Deutschland muss seine Verantwortung, also die selbst-wachsende Verantwortung in und für die Welt wahrnehmen. Dafür braucht es noch mehr Waffen, noch mehr vom selben.

Die Moderatorin will es nun aber genau wissen. Klar, Russland ist eine verdammt große Gefahr, der bekannt hungrige russische Bär. Aber was ist mit China? China ist unheimlich aggressiv, besonders mit besseren und billigeren Autos, Handys, Computern und überhaupt. Das ist ein Krieg! Und keiner bemerkt es! Oder doch?

Die Moderatorin schaut die 150 bis 100-Prozentigen mit fiebrig-flackernden Augen an. Sie wissen, was jetzt von ihnen erwartet wird.

Sie sind sich einig: Russland muss besiegt, also „ruiniert“ werden, wie es die oliv-grüne Kriegsministerin Baerbock formuliert. Aber es stimmt: Der eigentlich große Brocken ist China. China bedroht die Vormachtstellung des Westens, das stört den Frieden, bringt das profitable Ungleichgewicht durcheinander. Zudem erdreistet sich China, für eine neue, andere Weltordnung zu werben, die multipolar sein soll.

Man hört jetzt ganz kurz die Nörglerin Z: Sie sind doch alle so für Diversität! Was macht Ihnen jetzt also Angst?

Die Moderatorin und die 150- bis 100-Prozentigen lassen diesen Que(e)rpass ins Leere laufen und konzentrieren sich auf die globalen Herausforderungen und wenden sich einem Bedrohungsszenario, das noch fehlt, das man für einen Krieg unbedingt braucht:

China macht doch tatsächlich Militärmanöver vor Taiwan! Und das ist – in diesem Fall – sehr aggressiv und einschüchternd. China wird also bald, hoffentlich Taiwan angreifen. Dann haben wir den Verteidigungsfall. Und dann kann es losgehen.

Weltoffene Verteidigungsstrategie

Der 125-Prozentige will dieser Rudelbildung nicht folgen. Wir müssen uns aufteilen: Europa, mit Deutschland an der Spitze, übernimmt Russland und die USA konzentrieren sich auf den Krieg mit China.

Tatsächlich meldet sich unerlaubt noch einmal die Nörglerin Z zu Wort: Das Thema heute war doch, wie sich Deutschland verteidigen kann!? Territoriale Verteidigung und keine Interventionsarmee.

Die Moderatorin und die 150- bis 100-Prozentigen schütteln sich kurz und fangen sich dann aber sehr schnell. Nun, wir haben einfach eine weltoffene Verteidigungsstrategie. Denken Sie doch an unseren Verteidigungsminister Peter Struck um die Jahrtausend-/Zeitenwende herum. Der hat auf die Frage ‚Was haben wir militärisch in Afghanistan zu suchen?‘ geantwortet:

Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“

Damals wussten viele nicht einmal, wo der/die/das Hindukusch liegt. Heute wissen wir, dass der Hindukusch überall sein kann.

Wir können weitere 1.000 Male dieser Endlosschleife zuschauen.

Wir können dem folgenreich folgen oder uns nicht länger folgenlos empören.

Quellen und Hinweise

Hans-Dietrich Genscher. Die Biografie. Hans-Dieter Heumann, Schöningh, Paderborn 2012, S. 280

Wir haben uns den 3. Weltkrieg verdient, Wolf Wetzel, 2024: https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/wir-haben-uns-den-dritten-weltkrieg-verdient/

Die Russen kommen und kommen … bis nach Paris, Wolf Wetzel, 2024: https://wolfwetzel.de/index.php/2024/07/28/die-russen-kommen-und-kommen-bis-nach-paris/

Erstveröffentlich im Overton Magazin v. 29.10. 2024
https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/krieg-ist-frieden-eine-totlustige-vorschau/

Wir danken für das Publikationsrecht.

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