»So übernimmt man die Erzählung der NATO«

Partei Die Linke ringt um Haltung zu Ukraine-Krieg. Neuer Aufruf appelliert an friedenspolitische Grundsätze. Ein Gespräch mit Andreas Grünwald

Interview: Jan Greve

Andreas Grünwald ist Mitglied der Partei Die Linke und in der Hamburger Gruppe »Quo vadis, Die Linke?« aktiv.

Am Montag wurde der Aufruf »Linke gegen Krieg und Kriegsbeteiligung« veröffentlicht. Die Vorstände der Bundestagsfraktion und Partei Die Linke sollen sich eindeutig »gegen die weitere Eskalation des Krieges in der Ukraine und gegen jede deutsche Mitwirkung daran« wenden. Wie würden Sie deren aktuelle Haltung beschreiben?

Im Vergleich zu früheren Positionspapieren geht der Beschluss des Parteivorstandes vom 14. Januar in die richtige Richtung. Er sprach sich gegen die Lieferung weiterer schwerer Waffen an Kiew aus. Das ist ein Ergebnis des innerparteilichen Drucks und der Diskussion, die auch viele aus unseren Reihen angestoßen haben.

Wir wollen aber, dass die Linke noch sehr viel stärker als Antikriegspartei in Erscheinung tritt. Das bedeutet, sowohl Waffenlieferungen als auch den Wirtschaftskrieg gegen Russland klar zu kritisieren. All das wäre durch die bestehenden Parteitagsbeschlüsse gedeckt. Nicht Sahra Wagenknecht mit ihrer Rede im Bundestag im September, sondern Personen wie Klaus Lederer und Bodo Ramelow, die Waffenlieferungen befürworten, befinden sich im Widerspruch dazu. Zudem müssten die Aktionen der Friedensbewegung, beispielsweise die Ostermärsche, viel deutlicher unterstützt werden. Da ist noch Luft nach oben.

Wie erklären Sie sich die Zögerlichkeit der Parteispitze?

Einige der führenden Genossinnen und Genossen vertreten nun mal inhaltlich andere Positionen. Das hat sich auch bei der Diskussion über besagten Beschluss des Parteivorstandes gezeigt. Wenn einige das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine betonen, aber gleichzeitig ignorieren, dass es sich hier um einen Stellvertreterkrieg handelt und zudem vernachlässigen, dass Kiew seit Dezember grünes Licht der US-Regierung für ein offensives Vorgehen gegen Russland hat, dann übernimmt man die Erzählung der NATO und der Bundesregierung. Ein weiteres Beispiel: Einige appellieren an die Europäische Union als möglichen Vermittler, benennen aber nicht die zweifelhafte Rolle des Staatenbundes und seiner Führungsmächte Deutschland und Frankreich in diesem Konflikt.

Der Appell sei »von mehreren linken oppositionellen Zusammenschlüssen der Partei« initiiert worden, heißt es in einer Mitteilung von Ihnen. Welche sind das?

Der Aufruf wurde von Basisinitiativen ausgearbeitet. Darunter sind etwa die Karl-Liebknecht-Kreise in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, die Landesarbeitsgemeinschaften »Innerparteiliche Bildung und Theorie« aus Niedersachsen und »Linksrum« aus Hessen, »Quo vadis, Die Linke?« aus Hamburg und nicht zuletzt die »Sozialistische Linke«. Wir freuen uns, dass mehrere Abgeordnete aus dem Bundestag, aus Landtagen und dem Europaparlament erstunterzeichnet haben. Aber der Anstoß kam von unten. Das ist um so wichtiger zu betonen, als es immer wieder heißt, da würden sich lediglich Anhänger von Sahra Wagenknecht versammeln.

Auch der Name der Bundestagsabgeordneten Wagenknecht ist unter dem Aufruf. Die Debatte innerhalb der Linkspartei wird regelmäßig auf ihre Person verengt.

Das ist beleidigend angesichts der Tatsache, dass viele von uns schon lange vor Wagenknecht politisch aktiv waren.

Auf der Liste der rund 90 Erstunterzeichner finden sich auch Namen, die man mit dem sogenannten Reformerlager in Verbindung bringt. Wie erklären Sie sich das?

Die Unzufriedenheit mit der Entwicklung der Partei ist groß, nicht nur in linken Strömungen, sondern beispielsweise auch bei vielen Gewerkschaftern und besonders an der Basis in Ostdeutschland. Es kommt nicht von ungefähr, dass unser Aufruf bis Donnerstag rund 5.000mal unterzeichnet worden ist.

Was muss passieren, damit Sie den Glauben an Ihre Partei verlieren?

Die Meinungen dazu sind unterschiedlich. Einige diskutieren über ein neues politisches Projekt. Doch so etwas gründet man nicht mal eben so. Dazu bedarf es bestimmter Voraussetzungen. Zunächst müssen oppositionelle Gruppen sich besser vernetzen. Wir müssen der Parteiführung dort, wo sie das Erfurter Programm von 2011 faktisch aufgibt, entschieden widersprechen. Ich bin kein Hellseher und kann nicht sagen, wie dieser Prozess ausgehen wird.

Erstveröffentlicht in der Jungen Welt:
https://www.jungewelt.de/artikel/443630.linke-opposition-so-%C3%BCbernimmt-man-die-erz%C3%A4hlung-der-nato.html

Wir danken der Redaktion der Jungen Welt für das Abdruckrecht.

Hier geht es zur Website der Initiative:
https://linke-gegen-kriegsbeteiligung.de/

Panzerlieferung ! Stellungnahme von Zaklin Nastic (MdB ,die LINKE)

“Ampel genehmigt Lieferung von Leopard-Panzern: Ampel-Kriegsgeheul ist Spiel mit dem Weltfrieden. Diplomatie statt Kampfpanzer!

Die Kriegstreiber in Deutschland, in der Regierung sowie in der Opposition, schreien seit Monaten immer lauter nach weiteren Waffen. Nun sollen die Leopard-2-Kampfpanzer die neue Waffe sein, die endlich Frieden bringen. Vor allem Marie-Agnes Strack-Zimmermann nimmt ihre Rolle als oberste Kriegstreiberin besonders ernst und greift die eigenen Koalitions-Kollegen bei jeder Gelegenheit an. Selbst in der bisher gefährlichsten Situation des Krieges, als ukrainische Luftabwehr in Polen einschlug, nutzte Frau Strack-Zimmermann die Gelegenheit, um Stimmung gegen Russland zu machen. Die mögliche Gefahr einer atomaren Konfrontation zwischen NATO und Russland schien nicht wichtig. Nachdem die SPD und Kanzler Scholz nun nachgegeben haben, können bei Waffenlobbyisten, NATO-Sekretären und der Rüstungsindustrie die Sektkorken knallen. Die Brandmauer in der SPD ist gefallen, obwohl die Partei jüngst noch betonte, bei einem derart wichtigen Thema wie Krieg und Frieden dürfe nicht über schnelle Äußerungen diskutiert und entschieden werden.

Die Lage ist äußerst ernst und seit langer Zeit war die Gefahr eines Atomkriegs, der zur Auslöschung allen menschlichen Lebens führen könnte, nicht so groß wie jetzt. Die Militärlogik, durch mehr Waffen angeblich etwas für den Frieden zu tun, hat diesen Krieg immer weiter eskalieren lassen und Deutschland in eine höchst gefährliche Lage gebracht, denn wir sind die ersten, die es trifft, wenn dieser Krieg sich ausbreiten sollte. Immer mehr Waffenlieferungen und Truppenausbildungen auf deutschem Boden machen Deutschland zunehmend zur Kriegspartei, das bestätigt auch eine von mir in Auftrag gegebene Ausarbeitung der wissenschaftlichen Dienste des Bundestags. Somit wird ganz Europa einer völlig unkontrollierbaren Gefahr ausgesetzt. Es ist eine sofortige Diplomatieoffensive nötig, um diesen Krieg zu beenden!”

Ausserdem appeliert Zaklin als Erstunterzeichnerin eines Aufrufs an ihre Partei Die Linke, sich jetzt entschlossen und geschlossen der immer wilderen Kriegstreiberei entgegen zu stellen:

“Die Gefahr einer Eskalation des Krieges in der Ukraine ist realer denn je, die atomare Bedrohung durch einen direkten Krieg zwischen der NATO und Russland muss mit allen Mitteln verhindert werden. Er könnte die Auslöschung der Menschheit bedeuten.

Es braucht eine alternative, friedenspolitische Lösung, die der Militärlogik der Herrschenden entgegengestellt wird. Schluss mit Waffenlieferungen, Wirtschaftssanktionen und Aufrüstung. Stattdessen fordern wir eine diplomatische Initiative für einen Waffenstillstand und Verhandlungen ohne Vorbedingungen, eine Politik der Entspannung und der gemeinsamen Sicherheit in Europa. DIE LINKE. muss ihre friedenspolitischen Positionen wieder ernst nehmen und eigene Initiativen starten, um der Gefahr für Europa und die ganze Welt entgegenzuwirken!

Deshalb fordern wir den Parteivorstand der Partei DIE LINKE. dazu auf, sich kraftvoll, laut und deutlich gegen die Eskalation des Krieges in der Ukraine einzusetzen.

Der Aufruf kann unter www.linke-gegen-kriegsbeteiligung.de unterzeichnet werden. Teilt den Aufruf gerne mit Freunden und Bekannten.”

Nach Trommelfeuer – Panzerlieferung – ein Spiel mit dem Tod

Nach beispiellosem Trommelfeuer. Jetzt grünes Licht für schwere Kampfpanzer in die Ukraine . Rettet das wirklich Leben und verkürzt den Krieg? Die Einpeitscher für den Leo, die das behaupten, scheinen selbst nicht daran zu glauben. Die Leos sind noch nicht geliefert und schon wird die nächste Runde – diesmal für schwere Kampfjets – eingeläutet. Wo endet diese Eskalation und wer zahlt für sie? Sind das nicht vor allem die Ukrainer, die an die Front geschickten russischen Soldaten, aber auch wir alle -weltweit und unsere Umwelt dazu?

Die Entscheidung war zu erwarten

Deutschland, aber auch die USA, liefern schwere Panzer an die Ukraine. Nach einem beispiellosen Trommelfeuer gegen alles und jeden, der auch nur einen Hauch darüber nachzudenken wagt, ob nicht ständig neue Waffenlieferungen und Kriegseskalation einem Frieden im Wege stehen, zu mehr Tod in der Ukraine führen und zu einer ernsten Bedrohung für uns alle werden könnten.

Wer Bedenken äussert, wird fertig gemacht

Beispielhaft die Hetzkampagne gegen die eigentlich verhaltenen Bedenken des SPD Bundestagsfraktionssprechers Mützenich. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Strack-Zimmermann , gerade von einer von vielen als Provokation empfundenen Reise nach Taiwan im fernen Ostasien zurückgekehrt, Frontfrau und Kronprinzessin der deutschen Rüstungsindustie, zerfetzte den Mann für seine Aussagen förmlich in der Luft und bezeichnete ihn als „Sinnbild aller zentralen Verfehlungen deutscher Aussenpolitik“ [1] Krieg in der Ukraine: Koalitionsstreit um Kampfpanzer-Lieferungen eskaliert | ZEIT ONLINE . Vollkommen zunichte geredet wird dabei, dass diese Art Aussenpolitik immerhin auf die längste Friedensperiode dieses Landes mit über 75 Jahren zurückblicken kann. Der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland und jetzige Vizeaussenminister Melnyk verschärfte die Tonart der FDP Frau und pestete :“Dieser Typ ist der zynischste und ekelhafteste deutsche Politiker“ [2]Melnyk pestet gegen SPD-Mann: „Der ekelhafteste deutsche Politiker“ – FOCUS online. Aber wen verwundert das, Mützenich stand ja auch schon ganz offiziell – im Geiste dieses vorbildlich vorgelebten demokratischen Stils- auf einer Terroristenliste der Ukraine.

Wer zahlt , das sind vor allem die Ukrainer, die russischen Soldaten, aber auch wir alle – weltweit und nicht zuletzt unsere Umwelt

Schon vor Monaten behaupteten diejenigen, die jetzt die Panzerwaffen durchsetzten, dass nur mehr Waffen „Leben retten“ und den „Krieg verkürzen“ könnten. Eine mutmaßlich für die „Rettung notwendige“ Waffenrunde folgte der nächsten. Gleichzeitig wurden die Kriegsziele mit Hinweis auf die Agressivität des Angreifers Putin erweitert. Russland müsse für „immer geschwächt“ und die Ukraine „offensivfähig“ gemacht werden. Bisheriges Fazit ist, was wir schon damals befürchteten. Der Krieg entwickelt sich zu einem „nicht enden wollenden Gemetzel“ für die ukrainische Bevölkerung, aber auch für die in den Krieg geschickten russischen Soldaten. Die internationalen Risiken, in Talkshows systematisch kleingeredet, wachsen an. Rücksicht auf die Meinungen in der eigenen Bevölkerung werden weggewischt.

Traurige fast schon symbolische Hintergrundbilanz der Ampel Politik: größte Kursgewinne beim größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall, massive „Wiederaufrüstung der fossilen Energien“ , aber diametral entgegengesetzt dazu immense Kurs-, Gewinn- und vor allem Auftragseinbrüche beim größten deutschen Windkrafthersteller Nordex. [3] Finanzen.net, 17.1.2023: „Nordex Aktie tiefrot: Auftragseingang beim Windkraftanlagenbauer Nordex rückläufig“ Die nicht sinkende, eher steigende -und sei es nur aufgeschobene – CO2 Bilanz gerade auch des Westens verantwortet hier und jetzt Leid und Tod von unzähligen Menschen, nicht weniger wie etliche Beobachter meinen, als die Summe aller Kriegsopfer, weltweit. Und ökonomisch dürfte nach einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW ) [4]NTV 23.1.2023 allein der Ukrainekrieg im Innland jetzt schon 4,5 % vom Bruttoinlandsprodukt und damit pro Person (ungefragt) durchschnittlich Verluste in Höhe 2000 Euro kosten. Das mag Mittelständler kaum berühren. Nicht wenige der Kriegsclaqueure werden fett dabei. Für das ärmere Drittel unserer Gesellschaft ist dieser Betrag eine glatte Katastrophe.

Kein Ende der Eskalation in Sicht. Die nächste Runde wird schon eingeläutet

Jetzt , wo die Panzer-Entscheidung gefallen ist, kommen schon die nächsten Forderungen nach Luftwaffenunterstützung u.a. von Beratern der Münchner Sicherheitskonferenz. Melnyk twitterte triumphierend dazu: „Und nun, liebe Verbündete, lasst uns eine starke Kampfjet-Koalition für die Ukraine auf die Beine stellen, mit F-16 und F-35, Eurofightern und Tornados, Rafale und Gripen-Jets – und allem, was ihr der Ukraine liefern könnt.“  [5]Melnyk: Nun bitte F-16, F-35, Eurofighter und Tornados liefern-operanewsapp. Das Spiel mit dem „Spiel mir das Lied vom Tod“ hört wohl nicht auf! Solange wohl wieder, bis die ganz große Katastrophe unübersehbar da ist. Hiess es 1914 noch „Im Westen nichts Neues“, so heisst es heute „Im Osten nichts Neues.“

Nachtrag

Der Beschluss zur Leo Lieferung führt zu einem erneuten Schub des militärisch industriellen Komplexes . Eilmeldung am 26.1.2022: „Rheinmetall-Aktie profitiert: Rheinmetall bekommt Modernisierungs-Auftrag der Bundeswehr[6]Rheinmetall-Aktie profitiert: Rheinmetall bekommt Modernisierungs-Auftrag der Bundeswehr

Wir verweisen auch auf die Stellungnahme von Zaklin Nastic, MdB und die LINKE auf unserer Website!

“Die Gefahr einer Eskalation des Krieges in der Ukraine ist realer denn je, die atomare Bedrohung durch einen direkten Krieg zwischen der NATO und Russland muss mit allen Mitteln verhindert werden. Er könnte die Auslöschung der Menschheit bedeuten.“

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung