Aufruf: Stoppt den Angriff auf Gaza!

Für Frieden und Selbstbestimmung – gegen Besatzung, Unterdrückung, Krieg und Terror!
Nein zur Repression der Palästina-Solidarität in Deutschland!
Kritik an der Regierung Israels ist kein Antisemitismus!

Arbeitskreis Internationalismus IG Metall Berlin und Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin  unterstützen den Aufruf.  Weiteres  zur Intiative hier 

Die mediale Debatte zur Eskalation des Nahost-Konflikts ist von doppelten Standards und Heuchelei geprägt. Kritik an der Politik des israelischen Staats wird als antisemitisch und als Unterstützung für den mörderischen Angriff der Hamas auf Zivilist*innen in Israel delegitimiert. Politiker*innen aus Regierung und CDU/CSU erklären offen, dass der Staat Israel unterstützt werden müsse, unabhängig davon, was dieser im Gaza-Streifen anrichten wird. Demonstrationen und das Zeigen palästinensischer Symbole werden verboten. Insbesondere Jugendliche arabischer Herkunft werden pauschal kriminalisiert.

Aufruf unterschreiben hier

An den Schulen werden die demokratischen Rechte eingeschränkt. In einem Schreiben an die Schulleitungen teilte die Berliner Bildungssenatorin Günther-Wünsch (CDU) mit, dass auch „Symbole, Gesten und Meinungsäußerungen, die die Grenze zur Strafbarkeit noch nicht erreichen“ verboten werden können, zum Beispiel das Tragen des Palästinensertuchs oder Aufkleber und Sticker mit Aufschriften wie „Free Palestine”. Die Ausgrenzung und Entrechtung von Kindern und Jugendlichen mit arabischen Wurzeln treibt diese eher in die Hände von reaktionären islamistischen Kräften. Gleichzeitig werden Ressentiments gegen Migrant*innen bei deutschen Schüler*innen gestärkt, legitimiert durch staatliche Politik.Wir fordern eine Rücknahme solcher Anweisungen und Verbote und die Ausarbeitung eines Schulkonzepts zum Umgang mit dem Nahostkonflikt unter Einbeziehung von GEW, Migrant*innenverbänden und Eltern- und Schüler*innenvertretungen.

Die Herrschenden in Deutschland schaffen eine Atmosphäre, in der es nur zwei Alternativen geben soll: Für die böse Hamas oder für den “guten” Staat Israel. Das weisen wir zurück! Wir bringen eine internationalistische Position gegen Krieg und Terror, gegen Besatzung und Unterdrückung, für Frieden und Selbstbestimmung in die Debatte.

Wir erklären:

Wir stehen an der Seite der arbeitenden Bevölkerung auf beiden Seiten, die um ihr Leben, ihre Sicherheit oder ihre Angehörigen bangen. Unsere Gedanken sind bei ihnen.

Der Angriff der Hamas ist Terror gegen Zivilist*innen, den wir entschieden ablehnen. Diesen Terror isoliert und kontextfrei zu diskutieren greift aber viel zu kurz und vernachlässigt wesentliche Ursachen des Krieges in Palästina/Israel. Die tiefere Ursache für solche Ereignisse und selbst für die Existenz von Organisationen wie der arbeiter*innen- und frauenfeindlichen Hamas liegt in der jahrzehntelangen Besatzung und Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung durch den Staat Israel bzw. die Abriegelung und Belagerung des Gaza Streifens seit 2006.

Die Reaktion des Staats Israel – die völlige Abschottung des Gaza-Streifens, die Bombardierung und der zu erwartende Einmarsch der israelischen Armee – führt zu unendlichem Leid der palästinensischen Bevölkerung, zu tausenden Toten, Vertreibung und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage. Wir fordern ein sofortiges Ende dieser Angriffe und der Waffenlieferungen an Israel.

Wir wenden uns gegen Antisemitismus und gegen antimuslimischen und anti-palästinensischen Rassismus. Wir fordern Meinungs- und Demonstrationsfreiheit auch für Gegner*innen des Angriffs und der Besatzungspolitik des Staats Israel. Verbote von palästinensischen Symbolen und Organisationen bekämpfen wir. Kritik am Staat Israel, an Krieg, Besatzung, Siedlungspolitik und Unterdrückung ist kein Antisemitismus und keine Unterstützung für die Hamas! Diejenigen, die das behaupten, leisten dem Kampf gegen Antisemitismus einen Bärendienst, wenn sie alle Jüd*innenmit dem Staat Israel und seiner Kriegs- und Unterdrückungspolitik gleichsetzen.

Wir wenden uns gegen den offensichtlichen Versuch der Regierenden und bürgerlichen Opposition, im Windschatten der Ereignisse im Nahen Osten die Migrationsdebatte weiter anzuheizen, die Rechte von Geflüchteten und das Asylrecht weiter und demokratische Rechte wie Demonstrationsrecht und Meinungsfreiheit einzuschränken.

Eine Lösung des Nahostkonflikts ist nur bei gegenseitiger Anerkennung von demokratischen und nationalen Rechten aller Bevölkerungsgruppen möglich. Armut, Ausbeutung und Diskriminierung müssen beendet werden. Die Interessen des westlichen Imperialismus, der den Staat Israel als Vorposten im Nahen Osten betrachtet, der Herrschenden in Israel und der herrschenden Klassen und Eliten im Nahen und Mittleren Osten stehen dem entgegen.

Wir unterstützen alle Ansätze für demokratische Massenbewegungen gegen Krieg, Besatzung, Unterdrückung und Ausbeutung und den Aufbau gewerkschaftlicher und sozialistischer Organisationen von Arbeiter*innen, Jugendlichen und der Masse der Bevölkerung. Diese können, indem sie zusammen kommen, die nationale Spaltung von unten überwinden und die gemeinsamen Interessen aller einfachen Menschen in der Region zur Geltung bringen. Das muss sowohl unabhängig vom israelischen Staat, als auch der Palästinensischen Autonomiebehörde und Organisationen wie der Hamas geschehen, die nicht die Interessen der Massen vertreten.

Die Welt gerät nicht nur im Nahen Osten in eine immer schlimmer werdende Spirale von Kriegen, Handelskriegen und multipler Krise. Die arbeitende Klasse verliert bisher bei jedem dieser Kriege, egal welche Seite ihre Regierungen unterstützen. Sie braucht daher eine unabhängige Klassenposition in den Konflikten, die die gemeinsamen Interessen der Arbeiter*innen unabhängig von ihrer Nationalität und Religionszugehörigkeit zum Ausdruck bringt. Eine Perspektive für Frieden und Selbstbestimmung in Nahost ist untrennbar verbunden mit dem internationalen Kampf gegen Imperialismus, Kapitalismus und für eine demokratisch-sozialistische Veränderung der Gesellschaft.

Weiteres zum Thema:

Tittel Foto: Wafa (Q2915969) auf Wikicommons

Frieden im Nahen Osten

FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
Samstag, 28. Oktober um 14:00 Uhr

Washington Platz (Hbf. Südseite) Berlin

Auszug aus dem Aufruf:

„
EIN KRIEG WIRD NIE ERREICHEN, DASS PALÄSTINENSISCHE UND ISRAELISCHE KINDER FRIEDLICH SCHLAFEN KÖNNEN, SONDERN NUR EIN FRIEDENSABKOMMEN“
(Gustavo Petro, Präsident Kolumbiens)

Aufruf-Flyer

Seit dem 7. 10. 2023 explodiert die Gewalt zwischen Israel und Palästina. Das ist eine humanitäre und politische Katastrophe und droht, den gesamten Nahen Osten zu erfassen. Wir trauern um alle Toten, Verletzten, Vertriebenen und Gefangenen.

Es ist dringend notwendig, sich an die Ereignisse zu erinnern, die dazu Krieg geführt haben. Von 1947 bis 1949 kam es zur Vertreibung von fast 1 Million Menschen der arabischen Bevölkerung aus dem britischen Mandatsgebiet Palästina. Im Mai 1948 wurde der israelische Staat gegründet. Diese Ereignisse werden als Nakba (Katastrophe)
bezeichnet.


5,9 Millionen registrierte Flüchtlinge und ihre Nachfahren leben heute im Nahen und Mittleren Osten. 2,2 Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza wird aktuell durch die Verschärfung der seit 16 Jahren andauernden Belagerung der Zugang zu lebenswichtigen Nahrungsmitteln, Brennstoff, Wasser, Strom und Medikamenten verwehrt. Die Zahl der Binnenflüchtlinge im gesamten Gazastreifen wird auf 1 Million geschätzt.

Für den zunehmenden Ausbau israelischer Siedlungen im Westjordanland und Ostjerusalem wurde schon Ende 2016 vom UN-Sicherheitsrat ein vollständiger Siedlungsstopp gefordert. In Folge des aktuellen Krieges wird vom UN-Sicherheitsrat das Aushungern von ziviler Bevölkerung als Methode der Kriegsführung verurteilt und stellt eine Verletzung des humanitären Völkerrechts dar. Dies ist nach internationalem Strafrecht eindeutig verboten, findet jedoch weiterhin statt.
Wir wollen, dass die deutsche Regierung sich einsetzt für eine sofortige Beendigung der Kampfhandlungen auf beiden Seiten. Sie muss ihren Einfluss geltend machen für die Einhaltung des Völkerrechts in Israel und Palästina sowie für Friedensverhandlungen, die zu einem dauerhaften Frieden im gesamten Nahen Osten führt, in dem alle in
Würde und Freiheit leben können.


Wir wollen diese Forderungen auf die Straße bringen können, ohne als antisemitisch oder terrorunterstützend denunziert zu werden.
Wir wehren uns dagegen, dass die Meinungsfreiheit immer weiter eingeschränkt wird, was schon dazu führt, dass Lehrerkräfte aufgefordert werden, ihre Schülerinnen und Schüler bei der Polizei zu denunzieren, wenn diese „das Falsche“ sagen. Aufgabe von Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen ist es vielmehr, Vorurteilen und Hass entgegenzuwirken!
Wir nehmen Fremdenfeindlichkeit nicht hin und stellen uns auch gegen Diskriminierung aus religiösen Gründen.

Deshalb fordern wir von der Bundesregierung
     –      Setzen Sie sich für einen sofortigen Stopp aller Kampfhandlungen und die Freilassung der Geiseln ein.
     –      Sorgen Sie für die humanitäre Versorgung der Menschen in Gaza
     –      Befördern Sie mit all ihrer diplomatischen Kraft den Beginn von Friedensverhandlungen
     –      Verhelfen Sie dem Völkerrecht zu seinem Recht
     –      Stoppen Sie die Entdemokratisierung in Deutschland
     –      Gewähren Sie die Meinungsfreiheit
     –      Keine Aushöhlung unserer Grundrechte


Reden
Dr. Ismail Al Baz
 (Palästinenser, langjähriger Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit)
Eliana Ben David (Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost)
Karin Kulow (Nahostexpertin)

Musik
Mahmoud Fayoumi

„WIR WEIGERN UNS, KÜNFTIGEN GENERATIONEN DIE GESCHICHTE UNSERES SCHWEIGENS ZU ERZÄHLEN, DASS WIR ZUGESEHEN UND NICHTS GETAN HABEN. WIE DER LEITER DER NOTHILFE, MARTIN GRIFFITHS, GEGENÜBER UN NEWS SAGTE: ‚DIE GESCHICHTE SCHAUT ZU.‘“
(AUS DER PETITION VON „ARTISTS4CEASEFIRE“ AN US-PRÄSIDENT JOE BIDEN)

Gewaltfrei gegen die Heuchelei des bewaffneten Pazifismus

Ein Grundsatzbeitragvon Europe for Peace zur Positionierung von Pazifisten im aktuellen Diskurs über den Nahostkonflikt.

Wir meinen , wer einen für alle Konfliktparteien wirklich „gerechten von Hegemonie freien Frieden“ auf Augenhöhe will, muss sich für Waffenstillstand und so wenig Gewalt wie möglich einsetzen ! Aber ohne die Anerkennung eines Widerstandsrechts und die Bereitschaft, es auszuüben, wird es nicht gehen. Und neben der physischen Gewalt muss auch die bestehende soziale strukuturelle Gewalt beseitigt werden. (Peter Vlatten)

Europe of Peace, Presssenza 21.10.2023

Als Pazifist*innen und Menschen, die Gewalt ablehnen, wären wir in diesen Tagen gerne vor der palästinensischen Botschaft protestieren gegangen, wenn es denn eine geben würde. Das sollte uns zum Nachdenken über die Ursachen und die Verantwortung für diesen gewalttätigen Krieg anregen.

Der jüngste Angriff der Hamas auf Israel ist ein schändlicher Akt und wie jeder Akt der Gewalt, egal von welcher Seite, ist zu verurteilen. Es gibt keine politische oder historische Rechtfertigung für die blindwütige Anwendung von Gewalt in jeglicher Form, wo auch immer sie ihren Ursprung hat.

Inakzeptabel sind auch die Stimmen, die das Geschehene mit dem Unrecht, das dem palästinensischen Volk in den letzten Jahrzehnten widerfahren ist, herunterspielen wollen. Auch wenn man diese tiefgreifenden Ungerechtigkeiten und die entsetzliche Heuchelei derjenigen, die sie unterstützen, anerkennt, ist die Anwendung von Gewalt niemals zu rechtfertigen.

Selbst wenn sie zur Unterstützung einer gerechten Sache eingesetzt wird, ist die Anwendung von Gewalt inakzeptabel und wird niemals zur Lösung eines Konflikts führen, sondern die Situation nur verschlimmern.

Wir schließen uns daher dem internationalen Protest und der Verurteilung dieses Terrorakts der Hamas an.

Aber unsere Stimme bleibt leider ungehört, wenn wir die Ursachen dieses Ereignisses und die sehr schwere und unbestreitbare Verantwortung der israelischen Regierung anprangern. Es scheint, dass die politisch rechtsdenkende westliche Gesellschaft auf die Diskussionen über die Ursachen der Probleme allergisch reagiert und ein gewisses Grauen vor der Geschichte an den Tag legt.

Wie beim Krieg in der Ukraine erweist sich die Haltung der westlichen Länder zu diesem Konflikt einmal mehr als heuchlerisch, gewalttätig und geradezu lächerlich und zeigt die wahre räuberische Seite unserer so genannten Demokratien, die ihre angeblichen Prinzipien nur dann anwenden, wenn sie einen Vorteil daraus ziehen. So wie acht Jahre lang niemand von dem Massaker Notiz nahm, das Kiew an den mehrheitlich russischen Gebieten verübte, werden wir heute Zeugen einer traurig-komischen Farce: Die Führer der westlichen Länder erklären, dass „Israel das Recht hat, sich zu verteidigen“, und vergessen dabei, dass es sich um einen nuklearen Riesen handelt, der seit Jahrzehnten die Gebiete eines anderen Volkes besetzt hält.

Sie vergessen, dass Israel seit Jahrzehnten in das Gebiet eines Volkes einfällt, um die Bewohner darin zu demütigen, zu zerstören, zu ermorden, zu foltern und zu vergewaltigen und die Gebiete dadurch und zusätzlich unrechtmäßig besetzt.

Aber das spielt keine Rolle, denn der Westen ist gut und Israel ist eine große Demokratie. Und eine „große Demokratie“ mit großer Wirtschaftskraft und mächtigen Freunden zu sein, gibt einem offensichtlich das Recht, andere Völker zu massakrieren und die grundlegendsten Menschenrechte offen zu verletzten.

Während der Westen in der Ukraine diejenigen verurteilt, die in die Gebiete einmarschieren, verurteilt er in Israel im Gegenteil diejenigen, die sich der Invasion widersetzen. So wird paradoxerweise das Recht des israelischen Atomgoliath, sich zu verteidigen, bestätigt, während dem palästinensischen David das Recht verweigert wird, zu existieren und nicht einmal anerkannt wird.

Wo sind die gleichen Schreie der Empörung, wenn israelische Flugzeuge palästinensische Männer, Frauen und Kinder bombardieren und in Stücke zerreißen, die sich nur in ihren eigenen Häusern aufhalten? Warum äußern westliche Politier nicht ihre eigene Empörung, wenn israelische Panzer die Häuser aus dem armen Teil der Bevölkerung in den palästinensischen Gebieten zerstören?

Weil es die Palästinenser nicht gibt. Und folglich gibt es auch ihre Rechte, ihre Geschichte, ihren Schmerz und ihre Hoffnungen nicht.

Vielleicht, weil die Palästinenser „menschliche Tiere sind“, wie der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant behauptete. Vielleicht wird diese Ansicht, auch wenn sie nicht in diesem Ton geäußert wird, auch von unseren Politikern geteilt, die uns daran erinnern, dass Israel „das Recht hat, sich zu verteidigen“, und damit die ekelhafteste Praxis des moralischen Kniefalls vor der Macht demonstrieren, die man sich vorstellen kann.

Wenn wir das moralische Recht haben wollen, Gewalt zu verurteilen, müssen wir sie bei jeder Gelegenheit verurteilen und nicht nur dann, wenn sie uns passt.

Jeder Politiker, der sich heute mit Israel solidarisch bekennt, ohne seine eigene Empörung über das verbrecherische und mörderische Verhalten Israels offen zum Ausdruck zu bringen und ohne offiziell den Rückzug aus den besetzten Gebieten zu fordern, gilt als Mittäter des Massakers.

An ihren Händen klebt das Blut der palästinensischen und israelischen Opfer dieses Konflikts und die Tränen der Eltern, die ihre eigenen Kinder beerdigen werden.

Heute sollte die Stimme der westlichen Regierungen laut und deutlich erhoben werden, um von beiden Seiten einen sofortigen Waffenstillstand fordern. Außerdem sollte Israel aufgefordert werden, sich unverzüglich aus allen besetzten Gebieten zurückzuziehen und die UN-Resolutionen und -Empfehlungen zu respektieren, wobei im Falle einer Weigerung ernsthafte Sanktionen drohen. Die Hamas sollte aufgefordert werden, alle offensiven Aktivitäten einzustellen und Israel von jeglichen Vergeltungsmaßnahmen abzuhalten.

Aber das wird leider nicht geschehen und die Solidarität der westlichen Mächte äußert sich darin, dass sie das „Recht Israels auf Selbstverteidigung“ anerkennen, was dem Recht gleichkommt, das Blut des aufmüpfigen Dieners zu vergießen, der es gewagt hat, zu rebellieren. Wer es wagt, den Status quo der Macht in Frage zu stellen, verdient keine Solidarität, sondern nur Bestrafung.

Im Römischen Reich gab es ein schreckliches Gesetz: Wenn ein Sklave einen römischen Bürger tötete, mussten alle Sklaven, die ihm gehörten, mit dem Tod bestraft werden, auch wenn sie keine Schuld trugen. Damit sollte ein klares Signal an alle anderen Sklaven in der Stadt gegeben und deutlich gemacht werden, was mit jedem geschehen würde, der es wagte, sich gegen die Macht aufzulehnen.

Und es ist dieselbe Logik der Kontrolle, die Gewalt als Handlungsmethode einsetzt, die weltweit eine tiefe Krise ausgelöst hat.

Der argentinische Denker Mario Rodríguez Cobos, bekannt als Silo, der den universalistischen Humanismus inspirierte, sagte 2005 in einer öffentlichen Rede über den Zusammenbruch der Sowjetunion: „Die halbe Welt, das halbe System, das monolithisch sein sollte, ist zusammengebrochen. Aber diese Welt, die zusammenbrach, tat dies ohne Gewalt … und es gab keine Apokalypse.“ Und er schloss mit der Frage: „wie wird der Zusammenbruch der anderen Hälfte der Welt vonstattengehen?“

Angesichts der jüngsten Ereignisse erscheint dieser Diskurs heute weniger mysteriös und viel verständlicher als noch vor zwanzig Jahren. Der Krieg in der Ukraine, die sich verschlechternde Lage im Nahen Osten, die Gefahr eines Konflikts um Taiwan, die zahlreichen Putsche in Afrika und die vielen anderen Ereignisse, die die Welt heute destabilisieren, sind ein sehr deutliches Zeichen: Der Westen ächzt unter dem Gewicht seines eigenen Handelns.

Der Westen muss heute damit rechnen, dass er ernten wird, was er gesät hat, und dass eine große Zahl von Ländern, die in der Vergangenheit gezwungen waren, seine Demütigungen zu ertragen, das nicht mehr mit sich machen lassen wollen. Und diese Länder beginnen nicht nur, ihre eigenen Rechte einzufordern, sondern auch über die Mittel und Ressourcen zu verfügen, die sie benötigen, um diese Rechte durchzusetzen.

Leider ist die Menschheit an diesem Punkt der Geschichte einem noch nie dagewesenen Risiko ausgesetzt.

Unser Schicksal und das unserer Enkelkinder wird in hohem Maße davon abhängen, wie der Westen und insbesondere die Vereinigten Staaten mit der Tatsache zurechtkommen, dass sie nicht länger die Rolle der Herren des Planeten innehaben. Man wird lernen müssen, mit anderen Ländern gleichberechtigt umzugehen und zu verstehen, dass die eigene Kultur, die eigenen Werte und das eigene Gesellschaftsmodell nicht unfehlbar sind und nicht die einzig wahren sein können. Es muss verstanden werden, dass es möglich ist, zu kooperieren und nicht nur zu kommandieren, und dass ein Modell, das auf dem Wohlergehen einiger weniger beruht, nicht länger tragfähig ist.

Es wird endlich erkannt werden, dass wir nicht das Zentrum des Universums sind, sondern eines von vielen möglichen Universen. Dies ist der nächste Evolutionsschritt für die menschliche Spezies, ein Schritt, der nicht länger aufgeschoben werden kann.

Das ist nicht einfach, denn es ist ein sehr komplexer Vorgang… aber dieser Versuch ist bereits in der Gesellschaft und vor allem im Inneren des Bewusstseins von Millionen von Menschen im Gange.

Diesen Versuch zu begleiten und zu fördern, sollte die Aufgabe aller Menschen sein, die von ganzem Herzen den Frieden und das Überleben unserer Art wollen.

Heute fühlen wir uns unseren israelischen und palästinensischen Brüdern und Schwestern nahe, die mit unsagbarem Schmerz für die Dummheit der Macht bezahlen.

Lassen wir uns nicht von der Propaganda des so genannten Pazifismus in die Irre führen, mit der wir von den Medien bombardiert werden.

Wir fordern die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und die Freilassung der Geiseln, den Rückzug aus den besetzten Gebieten und die Einhaltung der UN-Resolutionen.

Nehmen wir den Frieden in unsere Hände!

Wir danken für die Publikatiosnrechte, der Beitrag ist erschienen am 21.10. 2023 auf Pressenza

Titelbild von Walkerssk

Europe for Peace

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung