US-Militärkoalition gegen Huthis riskiert Eskalation, Bundesmarine soll auch dabei sein

Bis auf Bahrain hat sich bemerkenswerter Weise kein arabisches Land angeschlossen. In der SZ wird gegen die Huthis, die irgendwie mit „Putin, Hamas und ihren schiitischen Ziehvätern“ unter einer Decke stecken sollen, der Einsatz militärischer Gewalt gefordert.

Bild: An Bord der gekaperten Galaxy Leader führten die Huthi ein Drama in Solidarität mit den Palästinensern unter dem Titel „Kunst gegen die zionistische Entität“ auf. Bild: Saba

Von Florian Rötzer

Die Huthis im Jemen haben in Solidarität mit den Palästinensern im Gazastreifen begonnen, angeblich mit Israel verbundene Schiffe zu kapern oder mit Drohnen oder Raketen anzugreifen. Nachdem die Drohnen und Raketen, die Israel als Ziel hatten, abgeschossen wurden, wurde auf diese Strategie umgeschaltet. Schifffahrtsgesellschaften haben bereits die Durchfahrt von Schiffen durch das Rote Meer und den Suez-Kanal gestoppt. Die USA versuchen, auf die Angriffe militärisch zu antworten und eine internationale Sicherheitsmarine aufzustellen, die sicherstellen soll, dass die Schiffe ungefährdet durch das Rote Meer fahren können.

In einem heute veröffentlichten Statement der US-Regierung, der EU und der Nato werden die Angriffe der Huthi und insbesondere die Kaperung der Galaxy Leader verurteilt. Aber die Huthis werden nur dazu aufgefordert, die Besatzung und das Schiff freizulassen und Angriffe auf kommerzielle Schiffe zu unterlassen.

Wie die Operation Prosperity Guardian über Präsenz und Patrouillenfahrten hinaus die Freiheit der Schifffahrt und die regionale Sicherheit genauer sichern soll, ist nicht bekannt. US-Verteidigungsminister Austin erklärte: „Das ist ein internationales Problem, das kollektives Handeln erfordert.“ Die Huthis haben bereits erklärt, sie würden ungeachtet dessen weitermachen, bis Israel den Krieg in Gaza beendet. Die Meerenge Bab al-Mandeb, die Schiffe bei Jemen passieren müssen, ist gerade einmal 20 km breit. „Die jemenitische Position ist klar“, sagte Abdullah Ben Amer, ein hochrangiger Huthi in einer Abteilung, die zum Verteidigungsministerium der Gruppe gehört, gegenüber der New York Times. Die Eskalation der Huthi im Roten Meer werde aufhören, wenn „der israelische Krieg gegen die Menschen im Gazastreifen aufhört“.

Der Oberste Politische Rat erklärte heute, dass die Angriffe auf mit Israel verbundene Schiffe auch moralisch und rechtlich gerechtfertigt seien: „Die Aktion der Republik Jemen im Roten Meer und Bab al-Mandab dient der Unterstützung der Palästinenser, die vor den Augen der ganzen Welt einer brutalen, verbrecherischen Aggression durch den israelischen Feind ausgesetzt sind. Es handelt sich um eine humanitäre und moralische Position, die im Einklang mit allen internationalen Normen und Gesetzen steht. Ihr Ziel ist die Beendigung der Aggression, die Aufhebung der Belagerung des Gazastreifens und die Versorgung von mehr als zwei Millionen Menschen mit Medikamenten, Lebensmitteln und Wasser.“

Schwindender Einfluss der USA in der Region

Der amerikanischen Initiative haben sich bislang auch nur neun Länder angeschlossen: Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, die Niederlande, Norwegen, die Seychellen, Spanien und als einziges arabisches Land Bahrain, enger Verbündeter der USA. Das ist erstaunlich, weil viele der anderen arabischen Staaten unter der Führung Saudi-Arabiens die Huthis im Jemen in einem langen Krieg bislang vergeblich bekämpft haben. Nach der Annäherung von Iran und Saudi-Arabien bahnt sich ein wenn auch noch brüchiger Friedensdeal mit den Huthis an.

Solange Israel unvermindert den Krieg im Gazastreifen führt und von den USA unterstützt wird, auch wenn Washington mehr humanitäre Hilfe und Schonung der Zivilbevölkerung fordert, können oder wollen es sich arabische Staaten nicht leisten, sich der amerikanischen Initiative gegen die vorwiegend schiitischen Huthis anzuschließen, die für die sunnitischen Palästinenser kämpfen. Das gilt vor allem auch für Saudi-Arabien, das den Krieg mit den Huthis vermutlich nicht wieder aufflammen lassen will.

Was der maritime Verband über die Präsenz hinaus machen soll, scheint noch nicht klar zu sein. Es können Schiffe zur Abschreckung begleitet und Angriffe abgewehrt werden. Die USA müssen sich mit den Partnern, angeblich hätten sich weitere der Koalition der Willigen angeschlossen, die aber nicht genannt werden sollen, gut überlegen, ob sie die Huthis angreifen, da dies den Widerstand auch anderer arabischen Länder gegenüber den USA als Unterstützer Israels nur verstärken würde. Überdies bestünde dann die Gefahr der Eskalation des Konflikts, auch wenn der Iran sich nicht direkt einmischen würde. Sicherheitshalber wurde schon betont, dass die Huthis ein unabhängiger Akteur auf der internationalen Bühne seien.

Die Huthis bzw. Ansar Allah sagen, man würde nicht die freie Schifffahrt gefährden, sondern nur „Schiffe des israelischen Feindes oder Schiffe, die zu Israels Häfen fahren“, angreifen. Die von der USA geführte Allianz würde lediglich „die zionistische Entität und israelische Schiffe“ schützen. Die Allianz sei ein Teil der „Aggression gegen das palästinensische Volk“. Die Huthis wollen sich mit den Angriffen profilieren, ähnlich wie die Hamas das gemacht hat, nachdem sie durch den Versuch, den Krieg mit Saudi-Arabien zu beenden, an Einfluss verloren haben. Ihr politisches Credo ist der Kampf gegen die USA und Israel, das können sie nun ausleben.

Washington hat angeblich Einladungen für die Teilnahme an der Operation an 39 Länder geschickt. Dass gerade einmal 9 offen zugesagt haben, zeigt den schwindenden Einfluss der USA in der Region, aber auch global. Das deutsche Außenministerium hat wenig überraschend bereits Beteiligungsbereitschaft signalisiert, es müssten aber noch „praktische und rechtliche Fragen“ geklärt werden. Überdies fehlt ein Kriegsschiff mit Luftabwehrfähigkeiten. Die Fregatte Hessen ist als Flaggschiff bei einem Nato-Einsatz in der Ostsee bis Freitag zur Weihnachtspause unterwegs, zwei andere Fregatten sind in der Werft. Auch wenn eine Beteiligung politisch gewünscht wäre, ist die Frage, ob die Bundesmarine dies leisten könnte.

Dass die regionalen Staaten sich der Allianz nicht anschließen wollen, ist nicht nur erstaunlich, weil die Regierungen die Haltung der Bevölkerung fürchten, sondern auch, weil sie auf den Schiffsverkehr durch das Rote Meer wirtschaftlich (Öl und Gas vor allem, im Fall von Ägypten die Gelder für den Transit durch den Suez-Kanal) angewiesen sind.

Es ist auch die westliche Doppelmoral, die hier wieder ins Spiel kommt. Es geht der Koalition primär um wirtschaftliche Belange, die kommerzielle Schifffahrt durch das Rote Meer und den Suez-Kanal offenzuhalten, durch den ungefähr 10 Prozent des Welthandels gehen. Der Weg um das Kap der Guten Hoffnung ist Tausende von Kilometer und zeitlich zwei Wochen länger. Es käme zu Verzögerungen und schon wegen des höheren Treibstoffbedarfs zu Preissteigerungen, die sich auch auf steigende Ölpreise auswirken. Und während der Westen auf die Bedrohung der kommerziellen Schifffahrt mit militärischen Mitteln reagiert, belässt er es gegenüber Israel bei Worten, um Zurückhaltung im Krieg zu fordern, während gleichzeitig im Fall der USA Waffen geliefert werden.

In der Süddeutschen gibt sich Stefan Kornelius gegen die von ihm konstruierte Achse des Bösen kämpferisch

In deutschen Medien wird wie in einem Kommentar von Stefan Kornelius in der Süddeutschen Zeitung entsprechend die Möglichkeit gewittert, durch eine aufgeblähte Bedrohungskulisse wieder zu fordern, doch nun endlich wieder militärisch einzugreifen. Der Westen wird, um den Kontext zu schaffen, als passives und unschuldiges Opfer der „Überdehnung des Nahost-Konflikts“ dargestellt. Hamas und ihre Unterstützer, da will Kornelius auch natürlich Russland dabei sehen, würden Israel „in die Radikalität“ treiben und von seinen Verbündeten abspalten, was den „Terrorzweck“ erfülle, als ob neben Israel nicht auch die Verbündeten mitwirken würden und als würde die Okkupation keine Rolle spielen. Das zu berücksichtigen würde aber die Argumentation der üblichen Alternativenlosigkeit stören: „So wird jetzt die (westliche) Staatengemeinschaft hineingezogen in den Konflikt. Es bleibt keine andere Wahl: Die Angriffe der Huthi setzen einen gefährlichen Präzedenzfall. Sie müssen erwidert und möglichst schnell eingedämmt werden, wenn die Region nicht durch ungezügelte Provokationen in Flammen aufgehen soll.“

Kornelius versucht krampfhaft, den Westen/die Nato gegen das Böse („Wladimir Putin, die Hamas und ihre schiitischen Ziehväter“, also Iran, Hisbollah und Huthis) zu setzen, um den Gaza- und den Ukraine-Krieg zu verbinden. Ein „Zurückweichen“, wie er es für die Verbündeten der Ukraine und einem Wahlsieg von Trump sieht, darf es für den Schreibtisch-General aber nicht geben: „Wladimir Putin, Hamas und ihre schiitischen Ziehväter hätten dann tatsächlich ihr Ziel erreicht. Die Schwächung bis Zerstörung des westlichen Bündnisses, womöglich gar der amerikanischen Demokratie und des Staates Israel.“ Kornelius attestiert den Staaten, sie hätten nicht die „strategische Weitsicht“ diese Bedrohungen zu erkennen und gegen sie vorzugehen. Wie weiß er natürlich:

„Ein erster Schritt wäre getan, wenn die Apathie überwunden und den Aggressoren ihre Unterlegenheit in deren Kerngeschäft – der militärischen Gewalt – demonstriert würde. Nur wer sich ernsthaft wehren kann, wird von Putin & Co. ernst genommen.“ Man könnte auch sagen: Auf in den Krieg, schafft viele Kriegsschauplätze wie in Gaza, im Roten Meer oder in der Ukraine.

Erstveröffentlicht auf Overton Magazin
https://overton-magazin.de/top-story/us-militaerkoalition-gegen-huthis-riskiert-eskalation-bundesmarine-soll-auch-dabei-sein/

Wir danken für daas Publikationsrecht.

Die künftige Ostfront

In einer Reihe vernetzter Manöver probt die NATO ab Frühjahr nächsten Jahres den Krieg gegen Russland. Deutschland beteiligt sich unter anderem mit dem Großmanöver Quadriga 2024.

19 Dez 2023

BERLIN/BRÜSSEL (Eigener Bericht) – Deutschland und seine NATO-Verbündeten werden Anfang kommenden Jahres vier Monate lang einen umfassenden Krieg gegen Russland proben. Dazu vernetzt die NATO mehrere Großmanöver, Übungen und Teilübungen zu einem simulierten „Schlachtfeldnetzwerk“ an einer künftigen Ostfront. Laut Angaben der Bundeswehr ist das Großmanöver Quadriga 2024, bei dem Deutschland im Mittelpunkt steht, der deutsche Beitrag zu der parallel laufenden übergeordneten NATO-Kriegsübung Steadfast Defender, in deren Rahmen das westliche Militärbündnis mehrere zehntausend Soldaten aller NATO-Staaten nach Osteuropa verlegen und unter anderem in Norwegen, Litauen, Polen, Deutschland, Ungarn und Rumänien den Landkrieg gegen Russland trainieren will. Berichten zufolge werden die NATO-Streitkräfte dabei erstmals auf der Grundlage realer geografischer Daten den Krieg üben. Auch der simulierte Feind wird, anders als bei Kriegsübungen sonst üblich, offen benannt: eine von Russland geführte Koalition. Quadriga 2024 soll, so heißt es bei der Bundeswehr, „insbesondere in der deutschen Öffentlichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger sichtbar“ sein.

Quadriga 2024

Die Bundesrepublik steht, wie die Bundeswehr auf ihrer Internetseite mitteilt, „im Mittelpunkt“ des von der NATO durchgeführten Großmanövers Quadriga 2024. Der Name der Kriegsübung verweise, so heißt es weiter, auf den Streitwagen, die Quadriga, auf dem Brandenburger Tor, die ein Symbol für Deutschlands „Freiheit, Einigung und Stärke“ sei. Insgesamt 12.000 Soldaten werden nach Angaben der Bundeswehr die „Verlegung von nationalen und multinationalen Landstreitkräften“ trainieren; dies soll „insbesondere in der deutschen Öffentlichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger sichtbar“ sein. Wieviele von den 12.000 Militärs deutsche Soldaten sein werden, ist bislang nicht öffentlich bekannt.[1] Neben dem Deutschen Heer wird sich die Bundeswehr auch mit allen anderen Teilstreitkräften an dem Manöver beteiligen. Den offiziellen Start der Übung kündigt die Bundeswehr für den kommenden Februar an. Die militärischen Aktivitäten sollen bis in den Mai 2024 andauern.[2]

Militärdrehscheibe Deutschland

Mit der ungewöhnlich langen Dauer von Quadriga 2024 will die Bundeswehr den „Einsatz und das Führen von Truppen über einen längeren Zeitraum“ trainieren.[3] Damit hoffen die deutschen Militärs, ihre „Fähigkeiten zur schnellen Verlegung eigener Kräfte an die NATO-Ostflanke nach Norwegen, Litauen, Rumänien oder Ungarn“ zu verbessern – von der „Alarmierung“ [4] über den „Aufmarsch“ [5] „bis zum multinationalen Gefecht“ [6] an einer künftigen Ostfront. Die deutsche Armee will beispielsweise das Absichern von „Marschwegen“ trainieren – auch für den „Transfer von Partner-Streitkräften“ und deren Waffen durch die Bundesrepublik.[7] Mit Quadriga 2024 unterstreicht Deutschland seinen Anspruch, eine „riesige Drehschreibe“ für die „Truppenaufmärsche“ des NATO-Blocks an seiner Ostflanke zu sein. Damit demonstriere die Bundesrepublik ihre „Leistungsfähigkeit“ als NATO-Partner und übernehme „Führungsverantwortung“, heißt es.[8] Von der Funktion als Drehscheibe und logistische Schaltzentrale für die transatlantischen Truppenbewegungen in Richtung Ukraine und Russland erhofft Berlin sich einen Bedeutungszuwachs innerhalb der NATO.

Manöverring um Russland

Quadriga 2024 ist nicht das einzige Manöver, das die NATO im nächsten Frühjahr abhalten wird. Es ist in ein sogenanntes Übungscluster eingeflochten – ein Netz ineinandergreifender Manöver, das sich zeitlich über fünf Monate und räumlich von Norwegen bis nach Rumänien entlang der gesamten russischen Westgrenze erstreckt. Quadriga selbst setzt sich zusammen aus vier Teilübungen. Von Mitte bis Ende Februar wird die 1. Panzerdivision der Bundeswehr in dem Grand Center genannten ersten Teil der Kriegsübung in Deutschland, Polen und Litauen trainieren. In die 1. Panzerdivision hatten Berlin und Den Haag erst im März dieses Jahres die letzte niederländische Heeresbrigade eingegliedert.[9] Von Mitte Februar bis Mitte März trainieren die Division Schnelle Kräfte und die Gebirgsjägerbrigade 23 in der Teilübung Grand North in Norwegen die Kriegsführung unter extremen Wetterbedingungen.[10] Von Ende April bis Ende Mai werden deutsche Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte „die schnelle Verlegung und den Einsatz“ in Ungarn und Rumänien proben. Als „Höhepunkt“ von Quadriga 2024 gilt laut Angaben Bundeswehr die Teilübung Grand Quadriga im Mai. Dabei trainiert die 10. Panzerdivision „die Verlegung und den geschlossenen mechanisierten Einsatz mit Kampf- und Schützenpanzern“ in Litauen.[11]

Ein „Schlachtfeldnetzwerk“

Die Teilübungen von Quadriga 2024 münden wiederum in Manöver anderer NATO-Staaten. Von Grand Center werden deutsche Soldaten weiterziehen, um an dem polnischen Manöver Dragon und an der US-amerikanischen Übung Saber Strike teilzunehmen [12]. Grand North wird übergehen in das Manöver Nordic Response, Grand South in Swift Response. Mit diesem Cluster simuliert die NATO ein „Schlachtfeldnetzwerk“ [13] entlang der russischen Westgrenze. Die Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Manöver und die Staffelung der eingesetzten Truppen seien eine „enorme Herausforderung“, erklärt die Bundeswehr. Die Verschachtelung der Truppenbewegungen in teilweise nahtlos ineinander übergehende oder sich überlappende Einzelmanöver erschwert eine realistische Einschätzung über das tatsächliche Ausmaß des Aufmarsches.

„Bereit zu kämpfen“

Quadriga 2024 ist der deutsche Beitrag zum NATO-Großmanöver Steadfast Defender. Dabei werden die USA Truppen nach Europa verlegen und dann gemeinsam mit sämtlichen NATO-Mitgliedern an der Ostflanke den „Einsatz von Landstreitkräften“ in einem Krieg gegen Russland proben.[14] Mehr als 41.000 NATO-Soldaten trainieren dabei einen Waffengang gegen „einen Feind, der einer von Russland geführten Koalition nachempfunden ist“, berichtet die Financial Times. Dabei verwendet die NATO nach eigenen Angaben zum ersten Mal echte geografische Daten aus Osteuropa, um ihren Truppen „ein realistischeres Szenario“ vom potenziellen zukünftigen Einsatzgebiet zu bieten. NATO-Mitarbeiter äußerten gegenüber der US-amerikanischen Presse, mit dem Manöver wolle das Kriegsbündnis Moskau zeigen, dass es „bereit“ sei „zu kämpfen“.[15]

[1] Heer und NATO-Partner starten 2024 ein Großmanöver. bundeswehr.de 30.11.2023.

[2] Ausblick auf „Quadriga“ – größtes Manöver seit dem Kalten Krieg. reservistenverband.de 07.09.2023.

[3], [4] Heer und NATO-Partner starten 2024 ein Großmanöver. bundeswehr.de 30.11.2023.

[5] Ausblick auf „Quadriga“ – größtes Manöver seit dem Kalten Krieg. reservistenverband.de 07.09.2023.

[6] Heer und NATO-Partner starten 2024 ein Großmanöver. bundeswehr.de 30.11.2023.

[7] Ausblick auf „Quadriga“ – größtes Manöver seit dem Kalten Krieg. reservistenverband.de 07.09.2023.

[8] Heer und NATO-Partner starten 2024 ein Großmanöver. bundeswehr.de 30.11.2023.

[9] S. dazu Neue Macht, neue Truppen.

[10] Flyer Quadriga 2024. bundeswehr.de.

[11] Heer und NATO-Partner starten 2024 ein Großmanöver. bundeswehr.de 30.11.2023.

[12] Flyer Quadriga 2024. bundeswehr.de.

[13] S. dazu Kriegsübung trotz Pandemie.

[14] Heer und NATO-Partner starten 2024 ein Großmanöver. bundeswehr.de 30.11.2023.

[15] Nato to launch biggest military exercise since cold war. Financial Times 11.09.2023.

Erstveröffentlicht auf German Foreign Policy am 18.12.23
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9440

Wir danken für das Publikationsrecht.


Wird die Ukraine müde?

Militärische Misserfolge führen zu einer Diskussion über die Ausweitung der Mobilisierung

Die Stimmung in der ukrainischen Führung wird zunehmend nervöser. Erfolge an der Front bleiben aus, stattdessen scheint der Graben zwischen Präsident und Armee tiefer zu werden.

Daniel Säwert

Gute Nachrichten gibt es für die Ukraine gerade wenige. Zwar scheinen mit der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union die Weichen für eine weit entfernte Zukunft gestellt zu sein. Die Gegenwart ist hingegen weniger rosig.

Statt wie groß angekündigt die Russen mit der Gegenoffensive aus dem Land zu vertreiben, rücken die Invasionstruppen ihrerseits vor. Im Nordosten bei Charkiw sei die Lage »kompliziert«, musste die Armee am Dienstag eingestehen. In einem Interview sprach der Bataillonskomandeur Kyrylo Weres gar davon, dass die Ukraine den Krieg global verliert. »Wenn wir den Krieg an allen Fronten nehmen, verlieren wir. Wo gewinnen wir? Ich weiß es nicht. Wir überleben. Etwas zu tun, um zu siegen, und etwas zu tun, um nicht zu sterben, sind verschiedene Dinge. Gerade ist für uns eine sehr schwere Zeit.« Dass sich die Ukraine in solch einer Situation befindet, sei vor allem den überzogenen Erwartungen an die Gegenoffensive geschuldet, sagt Weres. »Wir dachten, dass wir im Sommer auf der Krim sind, und sehr viele haben aufgehört, im Krieg zu leben.«

Aufgrund der immensen Verluste wird in der Ukraine seit Wochen über eine Ausweitung der Mobilsierung diskutiert. Allerdings, so gestand eine Kommandeur vor Kurzem ein, würden die Mobilisierten kaum einen Effekt auf die Kampfkraft der Armee haben. Ähnliches schreibt auch der britische »Economist«. Nach der Grundausbildung in Europa habe von den Einberufenen niemand erwartet, direkt in Sturmbrigaden an die umkämpftesten Frontabschnitte geschickt zu werden. Auch Freiwillige würden nicht wie versprochen etwa als Drohnenpiloten eingesetzt, so der »Economist«.

Wie der Angreifer Russland kann sich auch die Ukraine vorstellen, Gefängnisinsassen in Sturmtrupps an die Front zu schicken. Kommandeur Maksym Schorin sprach von einer »Ressource«, die man nutzen solle. So würden die Häftlinge wenigsten »irgendeinen Nutzen bringen«. Zu Wochenbeginn machten sich zwei weibliche Parlamentsabgeordnete für die Mobilisierung von Frauen stark. Auch eine komplette Grenzschließung scheint wieder im Bereich des Möglichen zu sein, um genügend Soldaten für den Abwehrkampf zu gewinnen. Trotz aller Durchhaltebekundungen scheinen viele Ukrainer nicht mehr kämpfen zu wollen. In einer nicht repräsentativen Facebook-Umfrage der Abgeordneten Marjana Besuhla waren 74 Prozent bereit, ihren ukrainischen Pass abzugeben, wenn sie dafür nicht in die Armee müssen.

Die außer Kontrolle geratene Mobilisierung vertieft zunehmend den Graben zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und Armeechef Walerij Saluschnyj. Jener verurteilte zuletzt die Massenentlassungen regionaler Militärkommissare nach einer Reihe von Korruptionsskandalen durch den Präsidenten im Sommer. Die entlassenen Kommissare seien »Profis« gewesen, die wüssten, wie man eine Mobilisierung durchführe. Um die derzeitigen Probleme mit der Requirierung von Menschen für das Militär zu lösen, müsse man einfach die Mobilisierung in den Rahmen zurückbringen, in dem sie zuvor funktioniert habe, forderte Saluschnyj.

Der Fund einer Wanze im Arbeitszimmer Saluschnyjs am Montag sorgt zurzeit für weitere Unruhe. Während Medien gleich über einen aufziehenden Skandal spekulierten, reagierten regierungsnahe Kreis sehr widersprüchlich auf den Vorfall. Die ehemalige Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar etwa deutete an, ukrainische Geheimdienste könnten hinter der Aktion stehen: »Die Mitarbeiter der Geheimdienste sind verpflichtet, nicht aus den Augen zu lassen, dass Amtsträger der nationalen Sicherheit nicht schaden.« Offiziell war hingegen von einer »Provokation« die Rede, um die politische und militärische Führung weiter zu spalten.

Die Stimmung in der Urkaine verändert sich spürbar. Bei den Menschen kommt allmählich an, dass »nicht alles so rosig ist, wie es noch vor einem Monat schien«, schrieb der ehemalige Präsidentenberater Oleksij Arestowytsch bei Telegram. Das zeigt auch eine neue Umfrage des Kiewer internationalen Instituts für Soziologie von Anfang Dezember. »In der Ukraine sinkt die Zahl derjenigen, die meinen, die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung, weiter, auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung die Situation immer noch optimistisch einschätzt«, heißt es in der Mitteilung der Soziologen. Nur noch eine knappe Mehrheit der Befragten (54 Prozent) ist demnach überzeugt, dass sich die Ukraine auf dem richtigen Weg befindet. Im Mai 2022 waren es noch 68 Prozent. Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich die Zahl der Ukrainer, die ihr Land nicht auf dem richtigen Weg sehen, von 16 auf 32 Prozent.

Erstveröffentlicht im nd v. 20.12.2023
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1178638.ukraine-krieg-selenskyj-glaubt-an-sieg-ukrainer-immer-mueder.html?sstr=Wird|die|Ukraine

Wir danken für das Publikationsrecht.

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung