„Russland“ – ein neuer Faschismus?

Diskussion mit Ewgenij Kasakov

Bild: Der reichste Russe: Wladimir Lissin (53), Stahl-Unternehmer. Vermögen: 18,8 Millliarden Dollar.

Im dritten Jahr des russischen Angriffs auf die Ukraine ist die im humanistischen Westen so gefürchtete Kriegsmüdigkeit umfassend eingekehrt: Die Bevölkerung in den unterstützenden Ländern und selbst in der Ukraine beginnt mehr und mehr zu murren, Waffenlieferungen werden zum Spielball innenpolitischer Zänkereien und die ukrainische Nomenklatura zerfleischt sich auf offener Bühne – nur das russische Regime scheint weiter ungerührt seine Fußsoldaten zu verfeuern und damit seinem Ziel Sarg für Sarg näherzukommen. Doch worin besteht dieses überhaupt? Und welchen Charakter hat die russische Herrschaftsform: Ist Russland eine imperiale Präsidialdiktatur, eine rechtsautoritäre Oligarchie, ein brutalisierter Staatskapitalismus oder gar ein neuer Faschismus? Mit Ewgeniy Kasakow wollen wir jenseits propagandistischer Verzerrungen einen Blick auf Gesellschaft und Staat in Russland, die geopolitische Neuausrichtung seit dem Krieg, die Kriegsziele Putins sowie die Auswirkungen der westlichen Sanktionen werfen. Auch die politische Stimmung im Land und welche Akteure sich der kriegsnationalistischen Paranoia widersetzen, soll ein Thema sein.  

Veranstalter: Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft  

Donnestag, der 14.3., 19.30h im aquarium (Südblock), Skalitzerstr. 6, Berlin-Kreuzberg

Die Diskussionsveranstaltung ist der Autakt für den monatlichen „Sozialrevolutionären Jour Fixe“ der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft. Weitere Informationen bald unter kosmoprolet.org  

Background zum Referenten by LPA:   https://www.dekoder.org/de/person/ewgeniy-kasakowhttps://unrast-verlag.de/produkt/spezialoperation-und-frieden/https://www.bibabuze.de/23-03-2023-ewgeniy-kasakow-spezialoperation-und-frieden/https://www.blaetter.de/autoren/ewgeniy-kasakowhttps://www.akweb.de/autor-in/ewgeniy-kasakow/

Kundgebung: Für eine bleibende Erinnerung an das Märzmassaker 1919

Die Initiative 1918Unvollendet ruft auf zur Teilnahme an einer Kundgebung am 11. März / Französische Straße Nr. 32 in Mitte.

Der historische Hintergrund dieser Kundgebung:

Nach Gründung der Weimarer Republik im Februar 1919 war am 3. März ein Generalstreik in Berlin ausgerufen worden, um den ausgebliebenen Forderungen der Revolution wie Sozialisierung der Schlüsselindustrien und Entwaffnung der konterrevolutionären Verbände Nachdruck zu verleihen.

Um den Streik, der am 8. März abgebrochen worden war, zu diskreditieren, lancierten die Militärs die Falschmeldung in die Presse: „60 Kriminalbeamte in Lichtenberg von Spartakisten erschossen.“ Der Pogromstimmung war nun Tür und Tor geöffnet.

Am 11. März 1919 waren dreihundert Matrosen zur Zahlstelle der VMD in die Französische Straße 32 gerufen worden, um ihre Löhnung zu empfangen. Oberleutnant Marloh, der, getarnt als Zahlmeister der Volksmarinedivison (VDM), die Parabellum-Pistole unter seinen Armstumpf geklemmt (so ein Augenzeuge), mit Soldaten des Freikorps Reinhard die Matrosen festsetzte, wollte alle dreihundert erschießen lassen. Er berief sich dabei auf Reichswehrminister Gustav Noske (SPD), der nach Ausrufung des Generalstreiks den widerrechtlichen Schießbefehl erließ: „Jede Person, die mit Waffen in der Hand angetroffen wird, ist sofort zu erschießen.“ Mehr als zweitausend Berliner_innen fielen dieser willkürlich ausgelegten Lizenz zum Töten zum Opfer.
Erst ein von Angehörigen herbeigerufener Hauptmann namens Gentner konnte Marloh davon abbringen, alle zu erschießen. Insbesondere nahm Gentner seine Matrosen, die die Reichsbank bewacht hatten, in Schutz. Gleichwohl selektierte Marloh nun nach Gutdünken und ließ 32 Angehörige der VMD im Hof des Hauses an die Wand stellen und mit Maschinengewehren niedermähen. Wer sich noch bewegte, bekam den Fangschuss. Zwei Männer überlebten trotzdem und entgingen auch nach dem Massaker nur knapp dem Tod. Gegen die Erschossenen lag nichts vor, außer dass sie der VMD angehört hatten.

Marloh wurde vor einem Kriegsgericht freigesprochen. Die Befehlsgeber Reinhard und Noske – der den Prozess hatte verhindern wollen – wurden nie angeklagt. Marloh und Reinhard entpuppten sich später als Nationalsozialisten, letzterer brachte es sogar zum SS-Obergruppenführer (Generalsrang).

Es gab in den vergangenen Jahren etliche Versuche, Abgeordnete des Bezirksamtes Mitte davon zu überzeugen, an dieser Stelle wieder eine Gedenktafel zu installieren, um an eines der schlimmsten Massaker der Revolution in Berlin zu erinnern. Die Chance ist vertan, ihrer demokratischen Verantwortung bis zum 100. Jahrestag der Bluttat gerecht zu werden. Dafür gibt es keine Rechtfertigung.

Wir fordern, dieser jahr(zehnt)elangen Geschichtsvergessenheit, für die auch Historiker mitverantwortlich sind, endlich Rechnung zu tragen und alles zu tun, damit in der Französischen Straße wieder eine Gedenktafel (wie sie zu DDR-Zeiten bestand), eine Stele oder ein anderes würdiges Zeichen an die ermordeten Matrosen erinnert.

Die 30 Matrosen der Volksmarinedivision, die am 11. März 1919 in der Französischen Straße 32 in Berlin ermordet wurden:

Name Alter Familienstand Beruf
1. Bonneberg, Otto 26 ledig Kellner
2. Biertümpel, Theodor 27 verh. Schlosser
3. Bonczyk, Jakob 22 ledig Arbeiter
4. Brand, Paul 36 verh. Kaufmann
5. Bursian, Ernst 23 ledig Arbeiter
6. Dehn, Kurt 31 ledig Handlungsgehilfe
7. Deubert, Otto 40 verh. Arbeiter
8. Ferbitz, Willi 23 ledig Schneider
9. Fröbel, Kurt 24 ledig Arbeiter
10. Göppe, Robert 44 verh. Portier
11. Handwohl, Baruch 27 ledig Sattler
12. Harder, Walter 22 ledig Feuerwehrmann
13. Hintze, Alfred 38 verh. Schlosser
14. Hintze, Anton 37 ledig Kaufmann
15. Hinze, Hermann 35 verh. Arbeiter
16. Jacobowsky, Walter 42 verh. Kaufmann, Zahlmeister der Volksmarinedivision
17. Kuhle, Willy 22 verh. Müller
18. Kutzner, Max 24 ledig Schmied
19. Lewin, Bruno 26 ledig Hufschmied
20. Lewitz, Martin 24 ledig Kaufmann
21. Lietzau, Herbert 39 ledig Zahlmeister der VMD
22. Mosztolerz, Max 34 verh. Postschaffner
23. Mörbe, Ernst 25 ledig Gürtner
24. Pebantz, Kort 30 verh. Maschinenformer
25. Rösner, Poul 33 verh. Bierfahrer
26. Schulz, Siegfried 27 ledig Telefonist
27. Ulbrich, Paul 24 ledig Bäcker
28. Weber, Werner 20 ledig Maschinenbauer
29. Zieske, Karl 33 ledig Arbeiter
30. Zühlsdorf, Gustav 39 verh. Arbeiter

Aus einem Info von 1918unvollendet
Hier ist der dazugehörige Flyer:
Wir rufen auf zur Teilnahme.

Kriegspropaganda für Kinder im ZDF?

In einem Kommentar der Berliner Zeitung wird über eine Sendung im Kinderkanal des ZDF berichtet, die so beschrieben wird:

Dem Olaf Scholz müssten wir Marschflugkörper mal ordentlich den Marsch blasen“, sagt der kleine Taurus mit dem lustigen Gesicht. „Weil der sich doch weigert, mich in die Ukraine zu liefern!“ Aber „die Ukrainer bekommen doch schon mich“, „Und mich!“, sagen die hübsche französische SCALP-Rakete und der niedliche britische Storm Shadow mit jeweils passendem Akzent. „Ihr wisst schon, dass ihr ein und derselbe Marschflugkörper seid?“, wird der kleine deutsche Taurus in Tarnkappengrün ungeduldig und klärt somit das Publikum darüber auf, wie dringlich es nun sei, ihn und vermutlich weitere seiner Taurus-Freunde ins aktuelle Kriegsgebiet zu liefern.

Die Kommentatorin fährt dann fort:

„Man fragt sich: Ist das echt? Das Publikum, das sind in diesem Falle keine Erwachsenen und auch keine Satire-Liebhaber, sondern: Kinder. Es ist das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), eine Anstalt öffentlichen Rechts – die im Kinderprogramm per Videoclip gerade astreine Kriegspropaganda für die Kleinen liefert, kann das wirklich sein? Man reibt sich verwundert die Augen und zahlreiche User im Netz, wo der Clip an diesem Freitag die Runde machte, fragen sich dasselbe: Ist das echt? Ja, ist es. Der Clip stammt eindeutig vom ZDF selbst und ist nicht etwa ein böswilliger Fake, um dem Öffentlich-Rechtlichen eine bestimmte Gesinnung unterzujubeln oder die Berichterstattung zu diffamieren. Wie man durchaus hätte meinen können. Der Sender hat das kurze Video, genannt logo!-#shorts, selbst ins Netz gestellt und wirbt damit in den sozialen Medien für sein Kika-Prog
ramm“.

Ein Kollege hat uns über diese Sendung informiert und das wiefolgt kommentiert: „Mein Eindruck nach dem Konsum des Clips: Jetzt wird endlich auch die Kriegstüchtigkeit und Kriegsbereitschaft unserer Kinder forciert. Ich hatte den Eindruck, die Macher des Clips als auch die Journalisten, die für dessen Veröffentlichung sorgten, hätten direkt vom Propagandaministerium des Dr. Goebbels zum ZDF gewechselt. Der alte deutsche Glaube an die Wunderwaffe, die die entscheidende Wende in einem verlorenen Krieg herbeiführen könne, wird nun kindgerecht unters Volk gebracht. Und die deutsche Waffe (Taurus) ist natürlich den Marschflugkörpern unserer einstigen Feinde und heutigen „Wertefreunden“ aus Frankreich und England überlegen. … Währenddessen wird ein Stück aufgeführt, bei dem der Schurke Putin und seine innenpolitischen Helfer in der BRD – ob links oder rechts – bekämpft und die „Zivilgesellschaft“ eingebunden werden soll. Damit wird abgelenkt von den Vorhaben in der Ampel und der Union, den Krieg zu forcieren und den zögernden Bundeskanzler zum Schlachtfeld zu tragen. Je aussichtsloser die Situation der ukrainischen Nationalisten und „Banderisten“, desto forscher wird deren indirekte und direkte militärische Unterstützung vorangetrieben, denn Russland darf nicht gewinnen.“

Was wird die nächste Station der „Zeitenwende“ in den politischen und moralischen Abgrund sein?

Hier ist der Link zur Berliner Zeitung und darin auch zu der ZDF_Sendung.
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/kriegspropaganda-fuer-kinder-beim-zdf-wirbel-um-videoclip-zu-taurus-lieferung-an-die-ukraine-li.2192668


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