Offener Brief eines Hafenarbeiters an die Gewerkschaft ver.di

Bild: Ein palästinensischer Mann wird verwundet, während Hunderte weitere, mit Mehlsäcken beladen, die Al-Rashid-Straße entlanggehen, nachdem Hilfsgüterlastwagen am 17. Juni 2025 durch das Gebiet Zikim im Norden von Gaza-Stadt gefahren sind. Mehrere der Hilfesuchenden wurden von israelischen Streitkräften erschossen. (Yousef Zaanoun/Activestills)

Mohammed Allatar, Arbeiter im Hamburger Hafen, ist verweifelt über die Greuel der israelischen Armee in Gaza und hat bereits einen Aufruf verfasst, in dem er ein Ende des Schweigens über den Genozid und deutliche Worte gewerkschaftlicher Solidarität eingefordert hat. Wir haben darüber bereits berichtet.

https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/appell-eines-palaestinensischen-hafenarbeiters-an-seine-kollegen-im-hamburger-hafen-aber-auch-an-uns-alle/

Nun hat der Kollege die Initiative zu einem Offenen Brief an den ver.di-Vorstand ergriffen, um so eine Änderung der Haltung seiner Gewerkschaft zu erreichen. Er wünscht sich, dass möglichst viele diesen Brief unterstützen. Das sollten wir mit vollem Herzen tun. Bitte auch weiterleiten.

Hier ist der Link zum Aufruf und zum Unterzeichnen:

https://i.diem25.org/de/petitions/226



Mensch sein heißt Frieden schaffen! Überall!

Friedensbotschaft der H&M-Betriebsräte

Bild: ver.di / Eigene Bearbeitung

Wir stehen hier zusammen als Betriebsräte und ver.di-aktive Betriebsräte um eine Friedensbotschaft zu senden, denn genau das liegt in unserer Geschichte als Betriebsräte in diesem Land. Entstanden sind wir am Ende des Ersten Weltkriegs, als nach 4 Jahren des Schlachtens man keine weiteren Menschenleben mehr opfern wollte und das Regime, das dafür verantwortlich war, hinwegfegt wurde.

Wir waren aber am Ende nicht stark genug und es folgten Faschismus und erneuter Weltkrieg. Das darf nie wieder passieren, das war unser Credo.

Und dennoch haben wir haben alle immer wieder Genozide miterleben müssen, wie unsere Eltern und Großeltern vor uns. Viele von uns sind alt genug um sich an die Genozide in Ruanda, in Bosnien, in  Myanmar, an den Jesiden zu erinnern oder aktuell an den Palästinensern in Gaza. Wie schlimm ist es, dass wir in unserer kurzen Lebenszeit schon so viele Genozide miterleben mussten!

Heute finden wir uns wieder in einer Situation, in der das Aufrüsten wie vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg die Oberhand gewinnt und zunehmend an die Stelle des Friedens tritt. Wir beobachten, dass dies weitgehend unwidersprochen geschieht. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Stimme erheben, und zwar gegen jeden Krieg, egal ob er in der Ukraine, in Russland, in Israel, in Palästina, in Libanon, in Syrien, in Afghanistan oder jüngst zwischen Indien und Pakistan, im Sudan, im Kongo, in Somalia und im Iran herrscht. Diese Aufzählung kann erschreckenderweise nicht abschließend sein.

Wir Betriebsräte vereinen Menschen unterschiedlichster Kulturen, Herkunft, Religionen, Weltanschauungen, sexueller Orientierungen, unterschiedlichster Geschlechter, weil wir die einzige Institution in jedem einzelnen Betrieb sind, die demokratisch gewählt wurde.

Was im Kleinen gelingt, muss im Großen möglich sein. Deshalb schauen wir hin und erwarten, dass niemand mehr wegschaut.

Mensch sein heißt Frieden schaffen! Überall!

Resolution der bundesweiten Betriebsräteversammung von H&M am 26.6.2025

  • Damiano-Cosimo Quinto, Verhandlungsführer der ver.di-Bundestarifkommission zur Fortsetzung des Digitalisierungstarifvertrages mit H&M, trägt die Resolution voll mit: „Als Betriebsrat und Gewerkschafter habe auch ich mich klar positioniert: Aufrüstung, Kriege und Völkermorde werden von oben organisiert und ideologisch bemäntelt, deshalb muss der Frieden von unten durchgesetzt werden. Kolleg*innen schießen nicht aufeinander, sondern sprechen miteinander, und zwar über alle Grenzen hinweg. Das nennt sich Internationale Solidarität.“

Erstveröffentlicht im Labournet Germany
https://www.labournet.de/interventionen/kriege/antimili-all/friedensbotschaft-der-hm-betriebsraete-mensch-sein-heisst-frieden-schaffen-ueberall/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Ausbeutung per App – Prekäre Arbeitsbedingungen und Organisierung bei Lieferdiensten in Berlin

Tausende Migrant*innen vor allem aus Südasien arbeiten für Lieferplattformen wie Lieferando, Wolt oder Uber Eats. Die Unternehmen setzen oft Subunternehmen ein, um die Arbeitsrechte der Beschäftigten zu unterlaufen. Auch Taktiken wie «Union Busting» werden angewendet, um zu verhindern, dass sich die Arbeiter*innen organisieren und gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehren können. Niedrige Löhne, Arbeitsmittel, die selbst finanziert werden müssen, zu spät oder gar nicht gezahlte Löhne und Arbeitsdruck kennzeichnen die App-basierte Plattformarbeit.

Die Unternehmen Wolt und UberEats setzen auf den Einsatz von sogenannten Flottenpartnern, die dann Lieferkurier*innen beschäftigen und verwalten. Auf diese Weise umgehen die beiden Unternehmen alle arbeits- und sozialrechtlichen Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten. Die Fahrer*innen haben auch keinen Kündigungsschutz, sondern werden einfach in der App gesperrt. Mit einer neuen EU-Richtlinie über Plattformarbeit sollen die Arbeitsbedingungen verbessert werden und die Plattformunternehmen gezwungen werden arbeitsrechtliche Standards einzuhalten. Eine Umsetzung in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist aber erst bis Dezember 2026 fällig.

In Berlin und in anderen Städten gibt es immer wieder kollektive Proteste gegen die schlechten Arbeitsbedingungen bei den Lieferdiensten. Bei Lieferando in Berlin gibt es seit mehreren Jahren einen Betriebsrat, das Lieferando Workers Collective hat bei den Wahlen im März 2025 78,96 Prozent der Stimmen erhalten.

Bei der Veranstaltung wollen wir unter anderem darüber diskutieren mit welchen Problemen die Beschäftigten bei den Plattform-Lieferdiensten konfrontiert sind und welche Strategien die Unternehmen anwenden, um die Organisierung der Arbeiter*innen zu verhindern und Arbeitsrechte zu unterlaufen. Außerdem wollen wir über Möglichkeiten des kollektiven Protests, der Selbstorganisierung der Rider und der Rolle von Gewerkschaften sprechen. Bei der Veranstaltung werden sich außerdem verschiedene Initiativen und Organisationen vorstellen, die auf unterschiedliche Weise Arbeitskämpfe unterstützen.

Veranstaltung | 10. Juli 2025 | 19 Uhr | Museum des Kapitalismus |
Köpenicker Str. 172 | 10997 Berlin


Mit Beiträgen von
* Sharma (Klägerin im Prozess gegen Wolt),
* Samee Ullah (Lieferando Workers Collective) und
* Aju Ghevarghese John (Migrant*innen für menschenwürdige Arbeit)

Moderation Johanna Schellhagen (Labournet TV)

Die Veranstaltung ist auf Englisch und wird simultan ins Deutsche übersetzt.

Quelle: Newsletter Revolutionäre Perspektive Berlin

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