Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft!

Erklärung der Vertrauensleute-Vollversammlung bei Ford in Köln


Bild: IG Metall Aktionstag in Köln 2025

Während der Vorstand der IG Metall zu einer Burgfriedenspolitik mit der Bundesregierung übergegangen ist, – wohl aus Furcht als „innerer Feind“ stigmatisiert zu werden und auch in seinen Brot- und Butter-Kernthemen nur noch auf Granit zu stoßen – zeigen sich nun erfreuliche Ausbruchstendenzen aus dieser Politik historischen Vergesslichkeit. Erstmals haben die Vertrauensleute in einer traditionellen gewerkschaftlichen Hochburg der deutschen Metallindustrie öffentlich diese Politik infrage gestellt. Und die Bedeutung dieses Signals wird noch dadurch erhöht, dass der Kölner Produktionsstandort von Massenentlasssungen bedroht ist. Unsere Kölner Kolleginnen und Kollegen haben sich trotzdem zu der gewerkschaftlichen Tradition bekannt, die wirklich der Lage entspricht und Hoffnung wecken kann. Das Credo des Berliner Bezirksleiters hingegen: „Wenn Waffen schon produziert werden müssen, dann sind wir dafür, dass sie hier produziert werden“ ist nur eine andere Redewendung für „den Kopf in den Sand stecken“. Sie ist eine Art Handreichung für die fatale Politik der „Kriegsertüchtigung“.

Wir wissen noch nicht genau, wie dieser Erfolg zustande kam, was seine Vorgeschichte ist und wie die Debatten geführt wurden. Die Erklärung findet sich bis jetzt weder auf der Website der IG Metall Köln-Leverkusen und auch nicht bei der der IG Metall der Fordwerke. Wir kennen sie, wohl, weil beteiligte Vertrauensleute sie „von unten“ publik gemacht haben. Wir hoffen, an dieser Stelle in wenigen Tagen mehr berichten zu können.

Eine erste Stellungnahme erreicht uns von einem Kollegen, der lange Jahre bei Ford gearbeitet hat und noch in einem Diskussionsprozess mit den Vertrauensleuten steht. Er schrieb uns:

„Ja, das war gut. Einige der Initiatoren (der Erklärung; JG) waren am Donnerstag bei uns auf der Fordstreik-VA und haben ihn dort vorgestellt. Wie haben jetzt ein gemeinsames Treffen mit ihnen von unserer „Rentnergang“ vereinbart. Die Veranstaltung hat wirklich allen Beteiligten gut getan: die damals Streikbeteiligten haben ein Podium erhalten ohne jede „leitende“ Kommentierung und die aktuell Betroffenen haben ebenfalls ihre Bühne bekommen. Das Ergebnis war, dass nach dem Versagen und Rückzug der IG-Metall eine grandiose Selbstorganisation der Streikenden zur Bildung des Streikkomitees und zu einem Sicherheits- und Versorgungssystem geführt hat, das über 4 Tage und drei Nächte Tausende mit Essen und Trinken versorgt und das Werk gesichert hat. Als nächstes gehen wir dran, mit den noch erreichbaren Leuten diesem System näher auf die Spur zu kommen. Durch die 50 Jährige Diskursdominanz des Streits der IGM und der Vertreter der Radikalen Linken um Deutungshoheit, sind diese Fragen so viele Jahre völlig in den Hintergrund gedrängt worden. Es macht Spaß zu erleben, mit welcher Energie alle daran gehen, das Versäumte nachzuholen.“


Der IG-Metall-Vertrauenskörper der Ford-Werke in Köln schaut mit großer Sorge auf die weltweite Aufrüstung und zunehmende Kriege. In Deutschland werden bereits erste Werke zur Umstellung auf Rüstungsproduktion gesucht.


Wer uns damit Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise, die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie auszunutzen. Aufrüstung sichert nicht den Frieden, sondern bereitet Kriege vor. Wenn die Regierung einen „Notstand“ ausruft, wird das Streikrecht beschnitten, gibt es Arbeitsverpflichtung und Anordnungen zu extremer Arbeitszeitausdehnung.

Im „Kriegsfall“ kommt laut „Arbeitssicherstellungsgesetz“ (ASG) eine Zwangsverpflichtung unter Androhung von Gefängnis für sogenannte Spezialisten aller Berufsgruppen hinzu. In den Schützengräben der Welt sterben Menschen wie du und ich nicht für höhere Werte, sondern für die Interessen großer Kapitaleigner. Die Rüstungsindustrie jubelt über explodierende Gewinne. Die Wiederaktivierung der Wehrpflicht ist in Vorbereitung, um künftig auch unsere Kinder in Kriege zu schicken.

Diese Entwicklung machen wir nicht mit!

Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen und unserer Familien und widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen. Unterstreichen wir unsere Losung „Kampf um jeden Arbeitsplatz!“ und setzen wir uns aktiv für unser Ziel „Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ ein. (Satzung unter §2 „Aufgaben und Ziele der IG Metall“.) Und wir rufen den IG-Metall-Vorstand und alle Mitglieder auf: Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft!

Beschlossen auf der Vertrauensleute-Vollversammlung am 24. Januar von über 200 Vertrauensleuten

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung