Fregatten und U-Boote füllen die Auftragsbücher

Die deutsche Schiffbaubranche ist dabei, viele lukrative Kampfschiffgeschäfte abzuarbeiten. Rheinmetall macht nun auch die Weltmeere unsicher.

Von Hermannus Pfeiffer

Titelbild: Mit KI erzeugt.

FORUM-Red.: Vorbemerkung: Anfang 2024 überraschte der IG Metall-Vorstand die Öffentlichkeit damit, dass er gemeinsam mit der Lobbyorganisation der wehrtechnischen Industrie und dem Wirtschaftsverband der SPD ein Positionspapier ,,Souveränität und Resilienz sichern“ unterschrieb. Zentraler Inhalt des Papiers war es, die Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen, die unstetige und unvollständige Auslastung der Betriebe in der Wehrindustrie durch Rüstungsgüter zu beenden. Diese Positionierung wurde in der IG Metall nicht widerspruchslos aufgenommen. So verfasste der Arbeitskreis Internationalismus der Berliner IG Metall einen Offenen Brief an den Vorstand, in dem er seine Bedenken vortrug. Auf diesen Brief gab es auch eine Antwort von Jürgen Kerner. Beides haben wir hier im Forum dokumentiert. Jürgen Kerner argumentierte, der Vorstand bleibe weiter der auch in der Satzung festgelegten Friedenspolitik verpflichtet. Ihm ginge es bei dieser Initiative auch nicht darum, Aufrüstung zu unterstützen, sondern es handele sich nur darum, dass „ausgerüstet“ werde. Das sei aus Arbeitsplatzgründen legitim und die IG Metall sei quasi dazu verpflichtet, mit dieser Politik die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ zu schützen. Und die „angemesse Auslastung“ müsse eben vor dem Hintergrund einer massiv veränderten geopolitischen Lage“ neu definiert werden. Nicht erklärt wird hier, wie diese Lage entstanden ist, auch nicht, warum sie nur durch massive Aufrüstung beantwortet werden kann. Und keinesfalls ergibt sich diese als Verfassungsaufgabe, weil es schlicht bei der Verabschiedung des Grundgesetzes noch keine Armee gab. Die IG Metall selbst war Teil der „Ohne mich“-Bewegung gegen deren Aufstellung. In der Satzung steht zweifelsfrei, dass wir uns für „Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ einsetzen, nicht für „angemessene Aufrüstung“ je nach Zeitenwenden. So konstatiert Hermannus Pfeiffer im folgenden Artikel: „Im Juli ging zudem der größte U-Boot-Auftrag der Nato-Geschichte nach Kiel.“ U-Boote sind dabei alles andere als reine Verteidigungswaffen. Wir fragen Jürgen Kerner: Wenn das keine Aufrüstung ist, was ist dann Aufrüstung? Wahrscheinlich darf die größte Aufrüstungswelle in Deutschland seit 1945 nach der Logik des Vorstands auch nur „Ausrüstung“ heißen, da sonst der offene Widerspruch der unterstützen Politik zu den Verpflichtungen der Satzung offensichtlich werden müsste. Die Festlegungen der Satzung sind vor allem ein Ergebnis des von den Nazis entfesselten Weltkrieges Reichsdeutschlands. Das heutige Deutschland betritt mit seinem Kurs der „Kriegsertüchtigung“ erneut militärisch die Weltbühne und ignoriert gegebene Friedensversprechen. Das erfordert einen eindeutigen gewerkschaftlichen Widerspruch. Mit seiner Positierung leistet der Vorstand jedoch dafür zumindest objektiv Schützenhilfe. (JG)

Der deutsche Schiffbau ist in Fahrt gekommen. Es gehe nun darum, die Kapazitäten auszubauen, um die gestiegene Nachfrage in den nächsten Jahren auch bedienen zu können, sagte Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken während der Jahrespressekonferenz des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), die am Donnerstag in Hamburg stattfand. Kreuzfahrtschiffe für den US-amerikanischen Markt, Megayachten ab 80 Meter Länge für die weltweit wachsende Zahl von Milliardären und Marineschiffe seien die Wachstumstreiber.

Es sei allerdings falsch, die Wachstumsstory, die die deutschen Werften schreiben, mit der Rüstungsstory gleichzusetzen, beteuerte Lüken. Der Bau von Kriegsschiffen sei zwar »ein wichtiger Wachstumsfaktor, aber nicht der einzige«.

Offenbar ist der Branche das Image nicht recht, allein von der Militarisierung zu profitieren. Dieser Eindruck stellt sich aber gerade mit dem Einstieg des führenden Rüstungskonzerns Rheinmetall ein – der Panzer-Bauer aus Düsseldorf produzierte bisher keine Marineschiffe. Das änderte sich Ende 2025 mit der Übernahme der Militärsparte der Bremer Lürssen-Gruppe mit den vier Werften an den Standorten Wolgast, Hamburg und Wilhelmshaven.

Die Abhängigkeit von der Aufrüstung zeigt sich auch an anderer Stelle: beim Aus für den neuartigen Schiffstyp F126. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stoppte im Juni den Auftrag für den Bau von insgesamt sechs dieser Fregatten. Der Schiffbauverband zeigte sich verärgert: »Die Nachricht kam für viele der beteiligten Unternehmen überraschend und stellt sie vor erhebliche Herausforderungen.« Betroffen sind laut Lüken neben den Rheinmetall-Werften mehr als 100 Zulieferunternehmen. Von den Werften trifft es wohl besonders Warnow. Dem Vernehmen nach ist die auf »graue« Schiffe spezialisierte Werft in Vorpommern aber auf lange Sicht mit Aufträgen ausgelastet.  

Offenbar ist der Branche das Image nicht recht, allein von der Militarisierung zu profitieren.

Stattdessen orderte Pistorius acht kleinere Kampfschiffe Meko A-200 vom Thyssen-Krupp-Ableger TKMS in Kiel. Der Stückpreis soll bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Die Meko, die in vielen Marinen bereits im Einsatz ist, wäre damit etwas günstiger als die Rheinmetall-Konkurrenz. Zur Beruhigung der Branche trug allerdings bei, dass TKMS postwendend ankündigte, die vom Abbruch des F126-Projekts betroffenen Unternehmen im Rahmen des neuen Programms nach Möglichkeit einzubinden.

Der Schiffbauverband hätte gerne beide Projekte verwirklicht. Bereits vor einem Jahr betonte der VSM, mit einer schnellen Meko-Beschaffung seien große Chancen verbunden – vorausgesetzt sei eine pragmatische Herangehensweise bei den bisher üblichen Bauvorschriften. Über eine solche ist Lüken nun hocherfreut. 

Im Juli ging zudem der größte U-Boot-Auftrag der Nato-Geschichte nach Kiel. In einer sonst ungewöhnlichen gemeinsamen Anstrengung von Unternehmen und Regierung konnte man einen Verbündeten, nämlich Kanada, von den Vorzügen des Angebots aus Deutschland überzeugen. Mit Unterstützung aus Norwegen entsteht nun ein Netzwerk aus baugleichen U-Booten für den Nato-Raum.

»Die riesigen Meeresgebiete Kanadas werden künftig mit Hilfe von zwölf hochmodernen und besonders leistungsfähigen U-Booten aus Deutschland geschützt«, heißt es vollmundig in einer Mitteilung des VSM. Das Auftragsvolumen taxiert der Verband auf umgerechnet etwa 37 Milliarden Euro. Für den Kieler Marineschiffbauer ist das der bislang größte Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte – so viel dazu, dass die Branche nicht allein von der Militarisierung profitiert.

Erstveröffentlicht im nd v. 20.8. 2026
Maritime Industrie …

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