In Osnabrück sollen Komponenten des israelischen Iron Dome gebaut werden. Dagegen regt sich Widerstand in der IG Metall.
Von RAUL ZELIK
In der IG Metall wächst der Unmut über den mangelnden Widerstand der Gewerkschaften gegen die Aufrüstungspläne deutscher Konzerne. Nachdem die britische »Financial Times« (»FT«) diese Woche von einer geplanten deutsch-israelischen Rüstungskooperation im VW-Werk Osnabrück berichtete, melden sich nun zwei Dutzend IG-Metaller*innen mit dem Aufruf »Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft« zu Wort.
Die »FT« hatte gemeldet, der VW-Konzern und das staatseigene israelische Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Defence Systems planten in Osnabrück eine Zusammenarbeit bei der Herstellung von Komponenten des Luftabwehrsystems Iron Dome. Wegen der Absatzprobleme im Automobilsektor sucht VW schon länger nach einem Partner für das niedersächsische Werk. Nachdem Rheinmetall von einer geplanten Übernahme abgerückt war, scheint VW nun auf eine deutsch-israelische Kooperation zu setzen. Laut »FT«-Bericht könnten in Osnabrück für das Raketenabwehrsystem Trucks, Trägerraketen und Generatoren gebaut werden. Die existierenden Anlagen seien relativ problemlos innerhalb von zwölf bis 18 Monaten umrüstbar, heißt es. VW sei auch deshalb als Partner gewählt worden, so die »FT«, weil Deutschland als einer der treuesten Unterstützer Israels in Europa gilt. Zudem werde der Plan von der Bundesregierung unterstützt.
»Aufrüstung und Kriegswirtschaft widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen.«Erklärung »Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft«
In der Erklärung der Gewerkschafter*innen, die unter anderem vom Linke-Abgeordneten Cem Ince und dem VW-Betriebsrat in Braunschweig, Mark Seeger, unterzeichnet wurde, heißt es: »Wer uns damit (der Umstellung auf Rüstungsproduktion, Anm.d.R.) Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie auszunutzen (…) Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen und unserer Familien und widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen.« Gefordert wird, dass sich die IG Metall den Satzungszielen »Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung« entsprechend verhält und den Umbauplänen widersetzt. Zudem kritisiert der Aufruf die Wiederaktivierung der Wehrpflicht.
Die Wortmeldung ist auch deshalb relevant, weil aus der IG Metall bisher kaum etwas zur Konversion ziviler Industrie- in Rüstungsbetriebe zu hören ist. Während in anderen Ländern zuletzt auch gegen Waffenlieferungen gestreikt wurde, sind die deutschen Gewerkschaften auffallend leise. Der Betriebsrat des betroffenen Osnabrücker Werks scheint sich in der mittlerweile seit zwei Jahren andauernden Rüstungsdebatte einer Art Schweigegelübde unterworfen zu haben.
Lars Hirsekorn, Betriebsrat bei VW in Braunschweig, äußerte gegenüber »nd«, es sei »bedrückend«, dass »eine Debatte über den Inhalt unserer Arbeit scheinbar nicht erwünscht ist«. Viele Kolleg*innen hätten in den vergangenen Jahren auf Lohn verzichtet und seien frustriert wegen der Rüstungspläne. »Ob das die Mehrhheit der Beschäftigten ist, wissen wir nicht. Aber es sind viele, und wir erwarten, dass es eine breite und offene Debatte dazu gibt.«
Der Mitunterzeichner der Erklärung Stephan Krull, ehemals VW-Betriebsrat in Wolfsburg und seit einigen Monaten Mitglied im Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung, richtete zudem einen Appell an die Linke. Die Partei dürfe es nicht den jungen Antimilitarist*innen überlassen, Widerstand gegen die Rüstungspläne zu organisieren. »Für eine Klassen- und Friedenspartei liegt der Ball auf dem Elfmeterpunkt: ohne Wenn und Aber gegen Kriegstüchtigkeit.«
Zwar hatte sich die Linke-Parteivorsitzende Ines Schwerdtner gestern mit einer Presseerklärung zu Wort gemeldet, in der sie den Rüstungsplänen bei VW eine scharfe Absage erteilte. Die Krise der deutschen Autoindustrie sei zu großen Teilen hausgemacht, weil »die Politik den Umstieg zur E-Mobilität verschleppt« und das VW-Management keine eigenen Pläne entwickelt habe, so Schwerdtner.
Doch eine Mobilisierung der Linken gegen die Konversionspläne in Osnabrück und an anderen niedersächsischen Standorten gebe es bisher kaum, so die Einschätzung Krulls. Gerade weil die Stimmung innerhalb der Gewerkschaften unentschlossen sei, brauche es mehr Druck von der politischen Linken. An diesem Punkt sei die Partei gefragt, so Krull.
Erstveröffentlicht im nd v. 27.3. 2026
Widerstand gegen Aufrüstungspläne
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