Ein Spektrum der Kritiker:innen der „friedensethischen Neuausrichtung“ der deutschen Kirchen

Umdenkschrift III zum „Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden“ erschienen

In Antikriegsbewegungen haben Menschen, die eine religiös geprägte Weltanschauung besitzen, immer schon eine wichtige Rolle gespielt. Die Ablehnung des Krieges und der Kampf gegen Kriegsgefahren speist sich aus unterschiedlichen geistigen Quellen. So auch in Deutschland. Wirft man einen Blick zurück auf die letzte große Friedensbewegung der 1980er Jahre, so stößt man schnell darauf, dass Organisationen wie Pax Christi zu den Gründern gehörten und auch evangelische Christen wie Dorothee Sölle einen großen Einfluss auf die Menschen in der Bewegung hatten. Ich kann mich noch gut an eine Rede von ihr auf einer der großen Demos der Friedensbewegung in Bonn erinnern. Ihr von der Befreiungstheologie geprägtes Denken hatte ein authentische Kraft, die Herzen gewann. Sie stand repräsentativ für den Bruch mit einer reaktionären Tradition deutscher Pfarrhäuser und für ein Umdenken innerhalb der Kirchengemeinden. Im Zeichen der sog. „Zeitenwende“ gibt es auch hier einen erkennbaren Roll Back, der sich in der Denkschrift der EKD „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ (November 2025) wiederfindet. Diese Kehrtwende bleibt jedoch nicht ohne Widerspruch. Peter Bürger ist aktiv in der Friedensbewegung und einer der scharfsinnigsten und anerkannten Akteure dieser Bemühungen. Wir haben im Forum hier schon mehrere seiner Artikel veröffentlicht. Er ist Herausgeber einer mittlerweile dreibändigen Reihe unter dem Titel „Umdenkschrift – zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden“, die wir hier gerne vorstellen. In der Vorstellung des im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie jetzt erschienenen dritten Bandes heißt es:

Die jüngste EKD-Denkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ (November 2025) hat wegen ihrer regierungsnahen und militärfreundlichen Ausrichtung viel Widerspruch hervorgerufen. Erschlossen werden die kritischen Wortmeldungen zum neuen deutschen Kirchenkurs in der Reihe „Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden“. Der hier vorgelegte dritte Band enthält auf über 400 Seiten zahlreiche weitere Beiträge zur EKD-Kontroverse und dokumentiert Ökumenische Friedensstimmen, die ermutigen. Im öffentlichen Raum waltet weithin ein naiver Militarismus. Doch immer mehr Realisten und Fromme widersagen den Kriegspropheten: „Friede ist die Überlebensbedingung der Menschheit.“ Ein Text von Margot Käßmann (ehemalige Ratsvorsitzende der EKD) eröffnet die Dritte Sammlung: „Für mich ist mit dieser Denkschrift eine große Chance verpasst, in Zeiten massiver Aufrüstung glasklar für Abrüstung zu plädieren. Die Chance, den Pazifismus aus christlicher Überzeugung und auf Grundlage des Evangeliums wieder in die Debatte in der Mitte der Gesellschaft zu bringen. Die Chance, eine Ächtung atomarer Waffen und die Forderung nach einem Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Chance, deutlich zu machen, dass es nicht um Wehrpflicht geht, sondern um die Verpflichtung zum Kriegsdienst, demgegenüber die Verweigerung in der Tat das deutlichere christliche Zeichen ist. Da ist die Lehre Jesu glasklar. [. . .] Ja, traurig. Gerade in diesen Zeiten könnte unsere evangelische Kirche eine starke, klare Stimme für den Frieden und den Abbau von Feindbildern sein, wenn wir an den Konflikt in Israel und Gaza, an den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine denken. Diese Chance ist vertan. Hoffnung macht, dass es sie noch gibt, die vielen kleinen Friedensinitiativen und aktiven Kirchengemeinden . . .“

Hier findet sich auch eine Übersicht über die Artikel des Bandes: https://www.bod.de/booksample?id=6527951&referrer=shop

Infos und Bestellwege auch zu den beiden ersten Bänden sind hier:

(I) Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden. Kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse. – Eine Sammlung. Herausgegeben von Peter Bürger, im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie (= edition pace Bd. 43). Hamburg: BoD 2026. [ISBN 978-3-6957-4347-6; Paperback; 300 Seiten; 11 farbige Abbildungen; Ladenpreis 12,99 Euro]
https://buchshop.bod.de/umdenkschrift-zum-evangelischen-diskurs-ueber-krieg-und-frieden-9783695743476 
Alle Infos zur Ersten Sammlung: https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/015537.html

(II) Umdenkschrift II zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden. Weitere kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse. – Zweite Sammlung. Herausgegeben von Peter Bürger, im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie (= edition pace Bd. 44). Hamburg: BoD 2026. (ISBN 978-3-6957-4733-7; Paperback; 152 Seiten; Ladenpreis 7,99 Euro) https://buchshop.bod.de/umdenkschrift-ii-zum-evangelischen-diskurs-ueber-krieg-und-frieden-9783695747337 
Alle Infos zur Zweiten Sammlung: https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/015549.html

Im Forum veröffentlichte Artikel von Peter Bürger:

https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/pazifisten-und-antimilitaristinnen-aus-juedischen-familien/

https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/christliche-kriegstheologie-im-update-hallelujah-der-atomkrieg-kann-kommen/

https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/51268-2/



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