Neoliberale Sparpolitik und industrielle Landwirtschaft spielen eine verhängnisvolle Rolle bei den Waldbränden in Spanien und Frankreich.
Titelbild: nd
Auch wenn die großen Brände um Madrid und bei Bordeaux stabilisiert scheinen, ist die Gefahr in den Brandregionen Frankreichs und Spaniens nach wie vor groß. Klar ist, dass man es mit einer neuen Dimension von Feuern zu tun hat. In Frankreich sind schon jetzt größere Flächen verbrannt als im gesamten Vorjahr. In Spanien nähert man sich den Zahlen von 2025, das als schlimmstes Brandjahr seit Jahrzehnten in die Geschichte eingegangen ist. Dramatisch an der diesjährigen Waldbrandsaison ist das Ausmaß der Großbrände. Die Feuer bei Madrid und im französischen Bordeaux gehören zu den größten, die in diesen Ländern bisher registriert wurden.
Dass es in Frankreich den Südwesten trifft, ist kein Zufall. Zwar ist es an der Atlantikküste bei Bordeaux deutlicher feuchter als in der Mittelmeerregion. Doch die Departements Gironde und Landes de Gascogne sind von industriell genutzten Holzplantagen geprägt, die mit dem lebendigen Ökosystem Wald wenig zu tun haben. Aus kapitalistischem Verwertungsinteresse wurde in der Region auf einer riesigen Fläche von 1,2 Millionen Hektar, fast so groß wie Schleswig-Holstein, eine Monokultur geschaffen. Auf 80 Prozent der Fläche werden schnell wachsende Seekiefern angebaut, die in der Gegend eigentlich nicht heimisch sind.
An dem Grundstoff für die Holzindustrie hängen allein in der Region Nouvelle-Aquitaine 60 000 Arbeitsplätze und ein Jahresumsatz von 10 Milliarden Euro. Bekannt ist, dass Kiefern wegen des hohen Harzgehalts und des leicht entzündlichen Nadelstreus extrem brandgefährdet sind. Waldbrand-Experten sprechen zudem von Bränden der »sechsten Generation«, die mit ihrer Hitze starke Aufwinde und damit eine eigene Wetterlage produzieren. In der Folge kommt es zu regelrechten »Feuerstürmen«, die kaum noch zu löschen sind. Piloten von Löschflugzeugen berichten, es sei über dem Feuer so heiß gewesen, dass Wasserladungen von 10 000 Litern noch in der Luft verpufften.
Erschwert wird die Brandbekämpfung durch die neoliberale Sparpolitik. Französische Gewerkschaften fordern wegen der Brände seit Jahren mehr Einsatzkräfte und Material. »Das System ist am Ende seiner Kräfte«, äußerte Michaël Pacanowski, Vorsitzender der Feuerwehrgewerkschaft Spasdis-CFTC. Kritisiert wird von den Feuerwehrverbänden auch, dass das Versprechen, die Löschflugzeugflotte von 12 auf 16 Flugzeuge aufzustocken, nicht umgesetzt wurde. Eine Bestellung von zwei Flugzeugen wurde im Rahmen der Spardebatte sogar storniert.
Die Holzindustrie hält am Modell der Monokulturen fest, mit dem allein in Südwestfrankreich 10 Milliarden Euro jährlich Umsatz gemacht werden.
Auch die Gewerkschaft CGT beklagt fehlende Mittel und Personal. Die Zahl der Beschäftigten des Nationalen Forstamtes (ONF) sei von 15 000 auf 8000 reduziert worden. Aufgrund des Klimawandels träten Brände aber immer früher, häufiger und intensiver auf. Deshalb müsse Prävention vor dem Hochsommer zur »Priorität« werden. Klar ist, dass nach dem heißesten und trockensten Juni und Hitzewellen im Juli oft ein Funken reicht, um die Feuer zu entzünden.
Doch die Holzindustrie hält am Modell der Umweltausbeutung fest, das auch die Böden versauert. »Die vorrangige Bestimmung ist die Produktion«, erklärt Anne Guivarc’h, Chefin des Holzindustrieverbands der Region. Auch Bruno Lafon, Präsident einer »Forstschutzvereinigung«, sieht keinen Grund, an den Monokulturen etwas zu ändern. Er fordert stattdessen, große Brandschutzschneisen in den Wald zu schlagen: »Lieber 2000 Hektar verlieren, als 40 000 Hektar abbrennen zu lassen.«
Dass durch das Geschäftsmodell Menschenleben gefährdet werden, scheint für sie zweitrangig. Und auch die Interessen der in Südwestfrankreich wichtigen Tourismusindustrie müssen zurücktreten. »Für den Tourismus ist das erneut eine Katastrophe«, erklärte Franck Chaumès, Chef des Hotel- und Gaststättengewerbes. Es mehren sich Stimmen, die die Schaffung resistenterer Mischwälder fordern.
In Spanien ist das Problem ähnlich, das neoliberale Muster zum Teil sogar noch deutlicher zu erkennen. In der Autonomiegemeinschaft Kastilien-Leon, wo seit Jahrzehnten die rechte Volkspartei (PP) regiert, wurden die Mittel zur Brandprävention seit 2009 um 90 Prozent gekürzt. 2025 tobten dann zwei der schwersten Brände in der spanischen Geschichte. An der Grenze zur Hauptstadtregion Madrid bei Burgohondo wütet nun der schwerste jemals registrierte Brand. 500 Quadratkilometer Wald sind dort abgebrannt.
Vor allem die rechtsextreme Vox, die den Klimawandel leugnet, benutzt die Katastrophe, um gegen die sozialdemokratische Zentralregierung zu schießen. Mit der PP fordert sie nun mehr Geld für Prävention, Waldbewirtschaftung und Löschmittel. Dabei sind es die rechten Autonomieregierungen, die diese Mittel ständig kürzen, weil sie – wie in der Autonomiegemeinschaft Madrid – Steuerdumping betreiben. Die dortige PP-Regierung wurde vom Obersten Gerichtshof unlängst sogar verurteilt, weil 40 Millionen Euro aus gesetzlichen Zweckbeiträgen von Versicherungen nicht wie vorgeschrieben in die Brandprävention flossen, sondern zweckentfremdet wurden.
Erstveröffentlicht im nd v. 30.7. 2026
Fatale Brandbeschleuniger
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