Palästina-Aktivisten besetzen Rheinmetall

Berlin: Palästina-Aktivisten besetzen Rheinmetall-Fabrik. Forderung nach Stopp von Waffen­produktion und Lieferungen an Israel

Von Christian Lelek

Titelbild: Screenshot Video der Tagesschau

Am Mittwoch wurde der Rheinmetall-Standort in Berlin-Gesundbrunnen besetzt. Dort verzögert sich die Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter.

Mehrere Aktivist*innen haben am Mittwochmorgen eine Fa­brik des Rüstungskonzerns Rheinmetall in Berlin-Mitte besetzt. Vier Personen verschafften sich Zugang zum Dach eines Gebäudeteils an der Einfahrt zum Werk. Dort schwenkten sie palästinensische Flaggen und skandierten Parolen wie »Free Palestine« und »Shut down Rheinmetall«. Die Fassade des Gebäudes wurde großflächig mit roter Farbe übergossen. Ein Transparent, das die Aktivist*innen hochhielten, trug den Aufdruck: »Genozid in Palästina mit deutschen Waffen. Nicht mit uns! Leistet Widerstand!«

Die Polizei teilte auf nd-Anfrage mit, dass sie um 6.15 Uhr in die Scheringstraße im Ortsteil Gesundbrunnen gerufen wurde. 20 Beamte seien vor Ort im Einsatz. Ebenfalls vor Ort befanden sich Einsatzkräfte der Höhenrettung und mehrere Fahrzeuge der Berliner Feuerwehr. Laut Informationen des »Tagesspiegels« hätten sich die Aktivist*innen zunächst geweigert, das Dach zu verlassen.

Ob es vor Ort einen medizinischen Bedarf gegeben habe, konnte der Polizeisprecher zu dem frühen Zeitpunkt noch nicht mitteilen. Auch mögliche Straftatbestände würden erst noch ermittelt. Polizeikräfte befanden sich am Morgen auf dem Betriebsgelände. Auf der Rückenseite des Fabrik­komple­xes, in der Grenzstraße, schoben Personen unter Beobachtung von Polizeibeamten eine Leiter vom Dach in die Halle.

Auf der Plattform Insta­gram bekannte sich eine Gruppe mit dem Namen Peace­fully against Ge­no­cide zu der Aktion. In einem Beitrag wurde die Besetzung in den Kontext der laufenden Umstellung des Werkbetriebs auf die Produktion von Rüstungsgütern gestellt – »Waffen, die auch an Israel geliefert werden und den Völkermord in Palästina ermöglichen«. In einem selbst gedrehten Video­clip sieht man, wie die mutmaßlichen Besetzer*innen auf dem Dach mit großen Leitern hantieren und rote Farbe über die Hausfassade kippen.

»Das Töten von Menschen beginnt hier, mitten in Berlin.«Aktivist der Neuen Generation

In dem Statement kommen auch zwei Aktivist*innen der Neuen Generation zu Wort, zu deren privaten Profilen verwiesen wird. Das Töten von Menschen in Gaza und ganz Palästina beginne in Berlin, die Bundesregierung werde durch die Genehmigung der Waffenlieferungen an Israel »zum Mittäter am Völkermord in Israel«.

Rheinmetall ließ eine Anfrage von »nd« zunächst unbeantwortet. Konzern-Chef Armin Papperger hatte zuletzt gegenüber dem RBB eingeräumt, dass sich die Umstellung des Betriebs des ehemaligen Autozulieferers Pierburg verzögert. Rheinmetall hatte vergangenes Jahr bekannt gegeben, aus Gründen der Standortsicherheit die Produktion von Kfz-Teilen in seinem Tochterunternehmen einstellen zu wollen. Künftig sollen hier Bauteile für Artilleriemunition gefertigt werden.

Laut RBB sind die Verzögerungen auf technische Pro­bleme mit dem Hallenboden für neue Produktionsanlagen zurückzuführen. Die Umrüstung der Pro­duk­tion gehe aber auch mit neuen Genehmigungsverfahren und Sicherheitsauflagen einher. Wie Papperger sagte, hätten die Verzögerungen aber »absolut null Auswirkungen«. Rheinmetall habe »gewaltige Kapazitäten geschaffen«. Allein in Niedersachsen stünden drei Werke in gleicher Größenordnung. Neue Werke entstehen vor allem im Westen Deutschlands. »Es ist überschaubar, was wir in Berlin machen«, so Papperger.

Erstveröffentlicht in nd v. 26.3. 2026
https://nd.digital/editions/nd.DerTag/2026-03-26/articles/22240003

Wir danken für das Publikationsrecht.

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