Von ALWIN ALTENWALD
Titelphoto. Sabiene Scheffe. r-mediabase.eu
Die politische Ernte der Folgen der neoliberalen Entwicklung konnten in den letzten Jahren die Rechtsextremen bis hin zu Faschisten einheimsen. Ist jetzt eine überraschende Wende gekommen, begonnen mit dem SchülerInnenprotest seit Anfang September in Frankreich?
Eine Rebellion, die von ganz jungen Menschen in Frankreich ausgegangen ist, von SchülerInnen. Und sich jetzt auf die Generation Z ausbreitet auf viele Ländern in Europa.
Diese Rebellion wird von Kevin Guillas-Cavan (KPF) in einem Interview mit german foreign policy mit der Formulierung gut auf den Punkt gebracht: „Die Revolte einer Jugend ohne Zukunft“. (https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10599 )
Bei den Herrschenden schlagen frühzeitig die Alarmglocken. Ihre Politiker und Medien stellen brennende Autos und Gebäude in den Vordergrund, um vom Wesen abzulenken. Andrea Zhok beschreibt diese Methode sehr deutlich: „Man muss den Blick schulen, um zwei Analyseebenen gleichzeitig im Blick zu behalten: jene, auf der man bestimmte Handlungen und bestimmte Personen als barbarisch, unzivilisiert oder vandalistisch beurteilen kann, und jene, auf der man verstehen kann (und muss), dass die Geschichte immer ein Fluss ist, in dem Trümmer und Leichen treiben, der sich aber nicht durch Predigten aufhalten lässt.“(*) https://www.nachdenkseiten.de/?p=158152
Die neue Bewegung wird sich nicht mehr verhindern lassen, denn es geht um etwas sehr Existenzielles, um Alles! Um Leben, Überleben, um die Zukunft.
Sie entstand sehr überraschend und breitete sich schnell aus.
Man kann einen Vergleich mit der „68er-Bewegung“ ziehen. Diese kam auch plötzlich nach den lähmenden Adenauer-Zeiten. Der Soziologe Schelsky hatte die Jugend noch als inaktiv und skeptisch bezeichnet, als auch weltweit eine von der Jugend ausgehende Rebellion ausbrach. Ausgangpunkt war der Krieg der USA in Vietnam. Der dortige Protest sprang über nach Europa, auch nach Westdeutschland. Besonders die jüngere Generation war nicht nur empört über den Überfall auf ein Land, das um seine Befreiung kämpfte, sondern daß die überfallende Nation die USA waren, die uns von den Nazis befreit hatten und Demokratie gebracht hatten. Hinzu kam das Hinterfragen der Rolle der Eltern während der Nazizeit.
Die Überraschung über die „68er-Bewegung“ war unter den Herrschenden groß, waren doch viele ihrer eigenen Kinder unter den Rebellierenden. So wie heute das Schreckgespenst von Plünderern die Medien beherrscht, wurde damals eine Diskussion über Gewalt gegen Personen und Sachen die Medien beherrschend.
Die Polizei war für die damalige Jugend- und Studentenbewegung noch nicht gerüstet, sie trat uns am Anfang noch mit Schirmmützen und Schlagstock gegenüber. Man schaue sich zum Vergleich den Einsatz bei G 20 in Hamburg im Jahre 2019 an!
Entscheidend beim Vergleich der beiden Bewegungen ist aber der soziale Hintergrund damals und heute: Damals konnten die Jugendlichen jederzeit einen neuen – übertariflich bezahlten – Arbeitsplatz finden. Oder Ausbildungsplatz. Oder Studienplatz. Es war die Zeit des Rheinischen Kapitalismus.
Die kapitalistische Demokratie bot den Rebellierenden eine berufliche Perspektive. Es gab noch keine drohende Klimakatastrophe. An den Kalten Krieg hatte man sich gewöhnt, vertraute darauf, daß die Staatsmänner rational handeln und die Koexistenz wahren würden.
Die Lage ist für die Generation Z eine gänzlich andere:
Ein Großteil der Generation Z hat keine Perspektive.
Sie sehen, daß das Geld nicht für sie ausgegeben wird sondern für die Aufrüstung. Sie selbst sollen das Menschenmaterial der Aufrüstung werden.
Die soziale Frage tritt durch die Bewegung der Generation Z wieder in den Vordergrund.
Die Klimafrage ist für die Herrschenden mit ihren Politikern zweitrangig, an erster Stelle kommt der Profit.
Die rechtsextremen und Nazi-Parteien entlarven sich und es wird deutlich, daß sie an der Seite Herrschenden stehen, die die Generation Z bekämpfen.
Das Aufbegehren der Generation Z kann der Auftakt sein für einen schichten- und gererationsübergreifenden Aufstand gegen das kapitalistische System. Und kann gleichzeitig große Massen Unzufriedener von ihrem Irrweg nach rechts auf einen „Weg nach links“ führen.
Die Generation Z hat mit ihrem existenziellen Kampf den Anstoß für eine überraschende neue Bewegung gegeben. Und seit einigen Monaten schon wehren sich KollegInnen, die von Massenentlassungen und Betriebsschließungen betroffen sind und organisieren sich. Dies ist für uns die Hoffnung auf das Entstehen einer neuen Arbeiterbewegung. Vielleicht wird die Generation Z diese neue Arbeiterbewegung bereichern und entscheidend prägen. Was aber unabdingbar bleibt, daß in den Betrieben und am Arbeitsplatz der größte Druck auf die Kapitalseite ausgeübt werden kann! So wichtig der Protest auf der Straße ist weil er Breite und Größe des Aufstandes zeigt, haben politische Streiks und Generalstreiks die entscheidende Wirkung, weil sie dem Kapital die Mehrwertproduktion verweigern.
(*) Es gibt etliche Aufnahmen, die zeigen, wie Provokateure Scheiben zertrümmern oder dies von der Polizei geduldet wird.
Erstveröffentlicht beim Jour Fixe Gewerkschaftsleine Hamburg
Weltweite-Jugendrebellion-linke-Zeitenwende
Wir danken für das Publikationsrecht.