Der Wahlsieg ist da – doch Hauptstadtmedien zeichnen das Bild einer antisemitischen Partei. Das könnte SPD und Grüne in die Arme der CDU treiben.
Titelbild: Screenshot Tagesspiegel
Dass Die Linke in Berlin die Wahl gewann, hat viele Gründe: die ungebrochen starke Unterstützung durch Jungwähler*innen. Dass sie es geschafft hat, sich als die Partei zu präsentieren, die die Interessen von Mieter*innen vertritt. Und nicht zuletzt dürfte der wirklich intensiv geführte Haustürwahlkampf zum Erfolg beigetragen haben. An rund 250.000 Türen habe man geklopft, erklärte der Landesvorsitzende Maximilian Schirmer auf der Wahlkampfparty am Sonntagabend. Dort, wo Die Linke an die Türen gegangen ist, hat sie gute Ergebnisse eingefahren.
Worauf Die Linke nicht bauen konnte, das ist Unterstützung aus den Leitmedien. In den Redaktionsstuben der Hauptstadtpresse hat man sich darauf geeinigt, dass Die Linke im Grunde eine antisemitische Partei ist. Im Fokus sind dabei die Bezirksverbände Neukölln und Mitte. Im Wahlkampf wurden in atemberaubender Schlagzahl Artikel veröffentlicht, in denen teilweise antizionistische Positionen in den Ortsverbänden und einzelne Äußerungen von Politiker*innen und Gästen der Partei zu Skandalen aufgeblasen wurden.
Für besondere Aufregung sorgte der Rapper Dahabflex. Dieser ist zwar nicht in der Linken, trat aber Ende August beim Ortsverband Neukölln auf und performte einen Song mit der Textzeile »Death to the IDF«, also »Tod der israelischen Armee«. Aus dieser Zeile wurde schnell ein antisemitischer Mordaufruf gemacht. Der Rapper selbst erklärte im Interview mit der »Jungen Welt«, er meine »selbstverständlich« die Institution. »Eine Institution, die mitverantwortlich ist für einen Genozid«, so Dahabflex. Wenn er diese Institution kritisiere, dann heiße das trotzdem nicht, dass er wolle, dass man israelische Soldaten tötet.Thema »Wohin geht die neue Linke?«
Der Shitstorm war aber schon längst in vollem Gange. In Verbindung mit Angstmache vor der von den Sozialisten geforderten Umsetzung des Volksentscheids »Deutsche Wohnen & Co enteignen« wird so das Bild einer Partei gezeichnet, die eine antisemitisch-bolschewistische Bedrohung für Berlin sein soll.
An dem Mediengetöse wird sich auch nach der Wahl nichts ändern, wie ein fast schon irrsinniges Beispiel von Kontaktschuld zeigt. Auf der öffentlich zugänglichen Wahlparty des viel gescholtenen Linke-Bezirksverbands Neukölln war kurzzeitig Issa Remmo anwesend, der als »Clanchef« gilt. Zwar wurde er erkannt und hinausgeworfen, Die Linke erklärte umgehend, dass man ihn weder eingeladen, noch irgendeine Verbindung zu ihm habe. Die Reaktionen folgten dennoch sofort – wie üblich in Erklärungen von empörten parteipolitischen Gegner*innen und genauso empörten Zeitungskommentaren, die völlig realitätsfern sogar ein Nähe der Linken zur organisierten Kriminalität suggerieren.
Die Berliner Linke hat die Wahl zwar gewonnen. Dass sie regieren wird, steht nicht fest. Rechnerisch wäre auch eine Koalition von CDU, SPD und Grünen möglich. Für die anstehenden Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen bedeutet der dauerhafte Gegenwind aus der Hauptstadtpresse nichts Gutes. Denn gegen als politische Waffe eingesetzte Antisemitismusvorwürfe hilft keine Rechtfertigung. Jede Verteidigung bestätigt nur die Prämisse, es gäbe etwas zu rechtfertigen. Die Partei muss die Mechanismen der Diffamierung offenlegen und sich auf das konzentrieren, was sie im Wahlkampf getragen hat: das Versprechen, Berlin bezahlbar zu machen. Es ist an den Grünen und der SPD zu entscheiden, ob sie sich an diesem Projekt beteiligen wollen, oder ob sie sich von einer Kampagne erpressen lassen, die am Ende nur ein Ziel hat: linke Politik verhindern.
Erstveröffentlicht im nd v. 21.9. 2026
Berliner Linke …
Wir danken für das Publikationsrecht.