Wenn wir den Wald nicht retten, sind wir nicht zu retten

In Spanien und Frankreich brennen die Wälder. Das könnte bei uns auch der Fall sein. Wie wir das verhindern können, weiß Marcel Bauer.

Gesunde Wälder bieten Schutz – vor Sonne, Hitze, Lärm und Gestank. In ihnen ist die Luft kühler, feuchter und sauberer. Das geschlossene Blätterdach, humusreiche Böden, die Neubildung von Grundwasser und die Wasserspeicherung durch Blätter, Moose und Wurzeln sowie die Sauerstoffproduktion machen den gesunden Wald zu einem der wichtigsten Lebensräume und Klimaschützer.

Das ist aber nicht in allen Wäldern so. In der Bundesrepublik sind fast alle Wälder Wirtschaftswälder. Sie werden auf die Produktion möglichst gerader, astloser und von Erntemaschinen und Sägewerken gut verwertbarer Stämme ausgerichtet. Manche Bäume, vor allem Nadelbäume, liefern besseres Bauholz und werden oft an Orten gepflanzt, an denen sie natürlicherweise nicht vorkommen würden.

In einem reinen Wirtschaftswald stehen diese Bäume in Reih und Glied nebeneinander, wie der Mais auf dem Acker. Sie sind dann anfällig für Krankheiten, Schädlinge und extreme Wetterereignisse wie Sturm, Dürre und Hitze. Die Folgen sind längst sichtbar: Nur noch jeder fünfte Baum ist gesund. Der Rest ist von Krankheiten befallen, zeigt Mangelerscheinungen oder steht, insbesondere seit den Dürren 2018 und 2020, unter Trockenstress. Eine Entwicklung, die sich mit der Erderhitzung weiter verschärft.

Marcel Bauer

privat

Marcel Bauer ist Forstwirt und Sprecher für Lebensmittel und nachhaltige Bodennutzung der Linksfraktion im Bundestag. Als Obmann im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat setzt er sich für eine für ökosozialistische Konzepte ein.

Trockenstress macht Nadelwälder besonders anfällig für Feuer. Geschwächte Wälder schaffen die Voraussetzungen dafür, dass sich Brände zu Feuerstürmen entwickeln. Dann erzeugt das Feuer sein eigenes Wetter, breitet sich zunehmend aus eigener Dynamik aus und wird kaum noch kontrollierbar. So ist es aktuell in Spanien und Frankreich.

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Wie alle Ökosysteme haben Wälder Kipppunkte. Werden sie überschritten, verlieren sie ihre Fähigkeit, Leben zu erhalten. Stattdessen kann ein unaufhaltsamer Zusammenbruch einsetzen, der die vom Wald abhängigen Lebensgemeinschaften, einschließlich des Menschen, zerstört. Das ist die Gefahr, vor der wir stehen. Und dennoch liegt der Fokus der deutschen Forstwirtschaft weiterhin auf der Gewinnerzielung. Auch in den Staats- und Kommunalwäldern.

Seit Jahrzehnten ist bekannt: Mischwälder mit verschiedenen Baumarten und Altersstrukturen sind widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Krankheiten. Sie speichern mehr Wasser, fördern die Artenvielfalt und schützen unsere Lebensgrundlagen. Der notwendige Waldumbau ist gesellschaftlicher Konsens – doch er wird verschleppt. Vielerorts werden kurzfristige wirtschaftliche Interessen priorisiert: Personal wird abgebaut, industrielle Bewirtschaftung ausgebaut.

Die Nutzung des Waldes muss dem Gemeinwohl dienen. Der Schutz vor Austrocknung unserer Gesellschaft und vor einer alles verzehrenden Feuersbrunst ist ein übergeordnetes gesellschaftliches Interesse, und jegliche Nutzung muss dieser Schutzfunktion untergeordnet werden. 2026 stellte der Bund mit circa 1,7 Milliarden Euro nur 0,3 Prozent des Gesamthaushaltes für natürlichen Klimaschutz bereit. 2027 ist von dieser Regierung mit nicht viel mehr zu rechnen.

Diese Regierung muss ihren Kurs dringend ändern und den Waldumbau zur Chefsache machen. Dafür braucht es mehrstellige Milliardenbeträge und eine Forstwirtschaft, welche der Rettung des Waldes und unserer Lebensgrundlagen absolute Priorität beimisst.

Erstveröffentlicht im nd v. 31.7. 2026
Wenn wir den Wald nicht retten …

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