Die Dreistigkeit der Boni-Kassierer an der Konzernspitze ist kaum zu überbieten. Für ihr Aussitzen von Problemen sollen wieder die Arbeitenden zahlen
Von JANA FRIELINGHAUS
Von Innovations-Turbos und ähnlichem hat man aus der hochbezahlten Chefetage des Volkswagen-Konzerns um CEO Oliver Blume bislang wenig gehört. Dafür soll nach der Ende 2024 der Belegschaft abgepressten Personalabbaurunde nun schon die nächste folgen. Weltweit sollen nochmal 100 000 Stellen abgebaut werden, vier Werke in Deutschland könnten unter den Opfern sein. Der zugehörige ausgelutschte Managersprech von »Verschlankung« und »konsequenter Nutzung technologischen Synergiepotenziale« wird als Gratis-Verhöhnung mitgeliefert.
Allein: Die behauptete »umfassende Transformation« wird dabei wohl wieder nicht herauskommen. Eher scheint es, als hätten sich gewisse Großaktionäre entschieden, den Global Player zu filetieren und dabei das Maximum für sich herauszuholen. CEO Blume dürfte darauf verweisen, dass er in »schweren Zeiten« selbst im vergangenen Jahr auch 30 Prozent weniger »verdient« hat. Es waren aber immer noch 7,4 Millionen Euro, und davon waren trotz des drastischen Gewinnrückgangs zwei Millionen an Boni. Dazu kommt noch die bemerkenswerte Tatsache, dass Alt-Vorstandschef Herbert Diess 2025 sogar noch mehr Geld als sein Nachfolger erhielt, nämlich neun Millionen Euro inklusive Altersbezüge und Boni. Obwohl er 2022 aus der Konzernspitze ausgeschieden war, stand er weiter auf der VW-Gehaltsliste und ging erst im Oktober 2025 in den Ruhestand. Diese Ultra-Dreistigkeit an der Spitze vermerkte selbst das »Manager-Magazin« mit einer gewissen Verwunderung.
Ausgerechnet dieser Klüngel macht sich nun auch noch daran, die formale Mitbestimmung der Beschäftigten und das Veto-Recht des Landes Niedersachen auszuhebeln, um seine Abriss-Agenda durchsetzen zu können. Nämlich die, Zehntausenden Menschen ihre Existenz zu klauen, durch deren hochqualifizierter Arbeit die Typen an der Spitze überhaupt in der Lage sind, ihrer Selbstbedienungsmentalität zu frönen.
Wenn allein in Sachsen mit dem erst vor wenigen Jahren teuer modernisierten Werk in Zwickau das Aushängeschild in Sachen Elektromobilität plattgemacht werden soll, dann ist das ein mehr als deutlicher Hinweis darauf, dass die Manager keinerlei Konzept für die Zukunft des Unternehmens haben. Und dass sie bereit sind, für ihre und die Interessen von Großaktionären in Sachsen einen der wenigen noch existierenden industriellen Kerne zu zerschlagen. Denn mit jedem der 10 000 dortigen VW-Jobs geht ein weiterer bei regionalen Zulieferern verloren.
Solches Gebahren unterscheidet sich kaum von dem absolutistischer Herrscher und ist ein Frontalangriff nicht nur auf die Belegschaft, sondern auf die Demokratie. Derer gibt es zwar viele. Aber dieser ist so gravierend, dass der Bund und das Land Niedersachsen der Konzernspitze in den Arm fallen müssen, wollen sie nicht die letzte Glaubwürdigkeit verspielen. Und die Beschäftigten selbst müssen sich wohl auf einen harten Kampf einstellen. Eine Vergesellschaftung dieses Konzerns, in den schon Unsummen an Steuergeldern geflossen sind, wäre das Gebot der Stunde. Aber eine, bei der die Beschäftigten das Sagen haben und nicht Manager, die nach den gleichen »marktwirtschaftlichen« Prinzipien arbeiten wie jene im Gesundheitswesen.
Erstveröffentlicht im nd v. 27.6. 2026
Stellenabbau bei VW …
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