<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>6. 1. Ökonomie &#8211; Neoliberalismus BRD &#8211; Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin</title>
	<atom:link href="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/category/oekonomie-neoliberalismus-brd/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de</link>
	<description>Einmischen in aktuelle politische Diskurse aus gewerkschaftlicher Sicht</description>
	<lastBuildDate>Fri, 05 Jun 2026 07:06:22 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>
	<item>
		<title>Kriegsvorbereitung nach außen heisst sozialer Krieg nach innen!</title>
		<link>https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/kriegsvorbereitung-nach-aussen-und-sozialer-krieg-nach-innen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joern Rieken]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2026 16:44:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[0. Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[0.4 Empfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[1. 0. Gewerkschaften]]></category>
		<category><![CDATA[1. 1. Gewerkschaften - Arbeitskämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[1. 3. Gewerkschaften - Gewerkschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[2. 0. Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[2. 1. Soziale Bewegungen - Wohnen]]></category>
		<category><![CDATA[2. 2. Soziale Bewegungen - Daseinsvorsorge]]></category>
		<category><![CDATA[2. 3. Soziale Bewegungen - #unteilbar]]></category>
		<category><![CDATA[4. 0. Krieg &Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[4. 1. Krieg & Frieden - Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[4. 2. Krieg & Frieden - Friedensbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[6. 0. Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[6. 1. Ökonomie - Neoliberalismus BRD]]></category>
		<category><![CDATA[6. 2. Ökonomie - Wirtschaftskrisen]]></category>
		<category><![CDATA[6. 3. Ökonomie - Bündnisse+Handelskonflikte]]></category>
		<category><![CDATA[9.9.2. Brennpunkt Kriegsgefahr, Kriegseskalation]]></category>
		<category><![CDATA[9.9.3.1 Brennpunkt soziale Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=71678</guid>

					<description><![CDATA[Berlin, 30.05.2026. Redebeitrag Jörn Rieken (Vorstandsmitglied IG BAU Berlin, Redaktion Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin) auf der Friedenskonferenz Berlin zur Vorbereitung der Londoner Europäischen Friedenskonferenz. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir erleben ... <a title="Kriegsvorbereitung nach außen heisst sozialer Krieg nach innen!" class="read-more" href="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/kriegsvorbereitung-nach-aussen-und-sozialer-krieg-nach-innen/" aria-label="Mehr Informationen über Kriegsvorbereitung nach außen heisst sozialer Krieg nach innen!">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Berlin, 30.05.2026. Redebeitrag <strong>Jörn Rieken</strong> (Vorstandsmitglied IG BAU Berlin, Redaktion Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin) auf der <strong>Friedenskonferenz Berlin zur Vorbereitung der Londoner Europäischen Friedenskonferenz</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Kolleginnen und Kollegen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">wir erleben derzeit einen tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Wandel. Unter dem Schlagwort der „Kriegstüchtigkeit“ wird die größte Aufrüstung der Bundesrepublik seit dem Ende des Kalten Krieges vorbereitet. Für uns als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter stellt sich deshalb die Frage: Wer profitiert davon? Wer bezahlt dafür? Und welche Folgen hat dieser Kurs für Beschäftigte, Sozialstaat und Demokratie?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bedeutet der Begriff „Kriegswirtschaft“ konkret? Wie analysieren wir die „politische Ökonomie der Kriegsvorbereitung? Worin besteht der konkrete Zusammenhang mit den Verteilungskonflikten – der Umverteilung von Einkommen aus abhängiger Beschäftigung zu den Kapitalbesitzern – also von unten nach oben? Wie die Jahresberichte des Global Wealth Reports zeigen, erfolgte der erste massive Schub bei der Umverteilung im Rahmen der Corona-Bekämpfung, jetzt folgt der zweite drastischen Schub durch Umstellung auf die Kriegswirtschaft.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Immer mehr gesellschaftliche Ressourcen werden in die militärische Sphäre umgeleitet.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschlands Machtprojektion als global agierungsfähiger militärischen Akteur auszuweiten. Statt Abrüstung, internationaler Kooperation und gemeinsamer Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit – Klimakrise, Armut, soziale Ungleichheit und globale Entwicklung – erleben wir eine zunehmende Orientierung auf militärische Blockkonfrontation. Immer mehr gesellschaftliche Ressourcen werden in die militärische Sphäre umgeleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei geht es nicht nur um Waffen und Soldaten. Es geht um die politische Ökonomie der Kriegsvorbereitung. Jede Gesellschaft verfügt nur über begrenzte finanzielle, materielle und personelle Ressourcen. Werden hunderte Milliarden Euro für militärische Zwecke bereitgestellt, stehen diese Mittel nicht mehr für andere gesellschaftliche Aufgaben zur Verfügung. Die Frage lautet deshalb nicht, ob wir uns Aufrüstung leisten können. Die Frage lautet: Worauf verzichten wir dafür?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Befürworter der Aufrüstung behaupten häufig, hohe Militärausgaben würden Wirtschaftswachstum und Beschäftigung fördern. Dieses Konzept wird oft als „Rüstungskeynesianismus“ bezeichnet. Militärgüter sind Verbrauchsgüter, Ausgaben fürs Militär werden konsumiert („vom Staat verbraucht“). Als Verbrauchsgüter verdrängen sie gesellschaftlich notwendige Investitionen. Faktisch bedeutet das, dass 1,1 Billionen Euro für unproduktiven Konsum „verloren“ werden, und damit nicht mehr bereitstehen für dringend erforderliche infrastrukturelle und soziale Investitionen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8230;ein Euro in Rüstung investiert erhöht das Bruttoinlandsprodukt zwischen 0,0 und 0,5 Euro. Investitionen in physische Infrastruktur erhöhen das BIP dagegen um 2 Euro, in Bildung sogar um 3 Euro. </p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich aber unterscheiden sich Militärausgaben grundlegend von Investitionen in Bildung, Wohnungsbau oder Infrastruktur. Panzer, Raketen und Munition schaffen keinen dauerhaften gesellschaftlichen Nutzen. Sie werden verbraucht oder zerstört. Volkswirtschaftlich betrachtet handelt es sich nicht um produktive Investitionen, sondern um staatlichen Konsum. Es gibt keine positiven Wirtschaftseffekte des sogenannten „Rüstungskeynsianismus“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäß wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungen des Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI-HBS) wird der BIP-Multiplikator wird auf 0,0 bis 0,5 geschätzt, d.h. ein Euro in Rüstung investiert erhöht das Bruttoinlandsprodukt zwischen 0,0 und 0,5 Euro. Investitionen in physische Infrastruktur erhöhen das BIP dagegen um 2 Euro, in Bildung sogar um 3 Euro. Investitionen in Bildung, öffentliche Infrastruktur oder sozialen Wohnungsbau schaffen mehr Arbeitsplätze, höhere Wertschöpfung und langfristige gesellschaftliche Erträge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Argument der Arbeitsplatzsicherung überzeugt nicht. Das Beispiel des Waggonbaus in Görlitz zeigt dies deutlich. Von einst 6.500 Industriearbeitsplätzen bleiben nur knapp 500 übrig, und das auch noch an z.T. anderen Standort, wenn zivile Produktion durch militärische Fertigung ersetzt wird. Aufrüstung ist daher keine nachhaltige Industriepolitik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Beschäftigten stellt sich die Frage nach den gesellschaftlichen Kosten dieses Kurses.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">OPLAN &#8230;umfasst nicht nur militärische Strukturen, sondern bindet auch die Privatwirtschaft, Energieversorger, Logistiker und Hilfsorganisationen ein.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sehen bereits heute einen massiven Investitionsstau in der öffentlichen Infrastruktur. Krankenhäuser werden geschlossen oder privatisiert. Die Bahn leidet unter jahrzehntelanger Vernachlässigung. Kommunen fehlen Mittel für Schulen, Kitas, Straßen, Grünflächen und öffentlichen Nahverkehr. Gleichzeitig werden gigantische Summen für militärische Zwecke mobilisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Sozialstaat gerät zunehmend unter Druck. Während über längere Lebensarbeitszeiten, Kürzungen sozialer Leistungen und weitere Privatisierungen diskutiert wird, bleiben Vermögenssteuern aus, große Erbschaften werden geschont und Unternehmen profitieren von steuerlichen Entlastungen. Die Lasten werden damit einseitig auf Beschäftigte und Rentnerinnen und Rentner verlagert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen mögliche Eingriffe in die Arbeitswelt. Bereits heute wird über längere Arbeitszeiten, Einschränkungen von Teilzeitansprüchen und über eine Ausweitung staatlicher Eingriffsmöglichkeiten in Krisensituationen diskutiert. Im Zusammenhang mit militärischen Planungen gewinnen zudem Regelungen an Bedeutung, die im Spannungs- oder Verteidigungsfall weitreichende Verpflichtungen für Beschäftigte ermöglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim sogenannten Operationsplan Deutschland, kurz OPLAN. Dieser Plan beschreibt die Rolle Deutschlands als logistische Drehscheibe für militärische Transporte innerhalb der NATO in Richtung Osten. Er umfasst nicht nur militärische Strukturen, sondern bindet auch die Privatwirtschaft, Energieversorger, Logistiker und Hilfsorganisationen ein. Unternehmen sollen sich auf Personalabzüge, z.B. für Reservisten, und Krisenszenarien vorbereiten. Bei der Infrastruktur sollen Brücken panzerfähig gemacht werden, um höhere militärische Lastenklassen vom bisherigen Standard BK 30 (Tonnen) auf BK 60 (Tonnen) zu erreichen. In der Gesundheitsvorsorge soll das Kapazitätsziel auf 1.000 Schwerverletzte pro Tag ausgeweitet werden plus der Bereitstellung von 110.000 Feldbetten. Bisher im Bau befinden sich zwei komplett neue unterirdische Krankenhäuser in Oranienburg und Köln, allerdings mit jeweils nur 130 Betten. Niedersachsen plant derzeit entsprechende Gespräche mit der NATO. Gleichzeitig werden in Köln zwei städtische Kliniken geschlossen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8230;Brücken werden nach militärischen Anforderungen geplant, Krankenhäuser auf Verwundetentransporte vorbereitet und Unternehmen auf Personalabzüge durch Reservistendienste eingestellt.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Krieg erscheint dabei nicht als Naturereignis, sondern als etwas, auf das sich Staat und Gesellschaft organisatorisch vorbereiten sollen. Brücken werden nach militärischen Anforderungen geplant, Krankenhäuser auf Verwundetentransporte vorbereitet und Unternehmen auf Personalabzüge durch Reservistendienste eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Gewerkschaften stellt sich deshalb die Frage, welche Auswirkungen eine solche Entwicklung auf grundlegenden demokratische Rechte und speziell den Arbeitsrechten abhängig Beschäftigter haben wird. Bereits seit den Notstandsgesetzen von 1968 gibt es erstens den Verteidigungsfall und vorgelagert den Spannungsfall. Letzter wurde seit einiger Zeit von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzendem der CDU/CSU im Bundestag mehrfach in die öffentliche Diskussion eingebracht. Im Unterschied zum Verteidigungsfall, der erst bei aktiver militärischer Auseinandersetzung ausgerufen werden kann, setzt die Feststellung des Spannungsfalles jedoch nur eine Spannungslage im Sinne einer außenpolitischen Konfliktsituation voraus, die mit großer bzw. erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg">bewaffneten Angriff</a> auf die Bundesrepublik Deutschland führen wird.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Bei Ausrufung des Spannungsfalls gilt automatisch das Arbeitssicherstellungsgesetz (ASG), das bei militärischen Bedrohungslagen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstverpflichtung">Dienstverpflichtung</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrpflicht_in_Deutschland">wehrpflichtiger Männer</a> in zivile <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zivile_Dienstpflicht">Arbeitsverhältnisse</a> ermöglicht&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der genuin politische Charakter der Prognoseentscheidung entzieht sich weitgehend einer Überprüfung oder Korrektur durch das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesverfassungsgericht">Bundesverfassungsgericht</a>, die sich ausschließlich auf eine Missbrauchskontrolle beschränkt. Bei Ausrufung des Spannungsfalls gilt automatisch das Arbeitssicherstellungsgesetz (ASG), das bei militärischen Bedrohungslagen die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstverpflichtung">Dienstverpflichtung</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrpflicht_in_Deutschland">wehrpflichtiger Männer</a> in zivile <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zivile_Dienstpflicht">Arbeitsverhältnisse</a> ermöglicht, um den Bedarf an Arbeitskräften für lebens- und verteidigungswichtige Aufgaben zu decken. Das ASG schränkt insoweit die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Berufsfreiheit">freie Wahl des Arbeitsplatzes</a> ein durch die Beschränkung des Rechts, ein bestehendes Arbeitsverhältnis zu beenden und die Verpflichtung in ein neu zu begründendes Arbeitsverhältnis. Damit kann jeder Bundesbürger verpflichtet werden zum Dienst in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeswehr">Bundeswehr</a>, den Behörden (Bund, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Land_(Deutschland)">Länder</a>, Kommunen), <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilschutz_(Deutschland)">Zivilschutz</a>, Strom- und Wasserversorgung, Abfall- und Abwasserentsorgung, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Krankenhaus">Krankenhäusern</a>, Pflegeheimen, Ölraffinerien, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrsunternehmen">Verkehrsunternehmen</a>, etc.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Deshalb brauchen wir kein gigantisches Aufrüstungsprogramm, sondern ein gigantisches Investitionsprogramm für sozialen Wohnungsbau.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Kolleginnen und Kollegen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">der Zusammenhang zwischen sozialem Abbau und Aufrüstung ist kein Zufall. Wenn immer größere Teile des Staatshaushalts für militärische Zwecke verwendet werden, verschärfen sich zwangsläufig die Verteilungskonflikte. <strong>Die Frage lautet dann: Investieren wir in Waffen oder investieren wir in Wohnungen? In Panzer oder in Krankenhäuser? In Rüstung oder in Bildung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter darf die Antwort klar sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wir dürfen nicht einzelne Beschäftigte in Rüstungsbetrieben gegeneinander ausspielen oder moralisch verurteilen. Unser Ziel ist nicht die Spaltung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Unser Ziel ist eine politische Debatte über die gesellschaftlichen Prioritäten.</strong></p>



<h5 id="wir-stehen-fuer-sozialstaat-statt-ruestungsstaat" class="wp-block-heading">Wir stehen für Sozialstaat statt Rüstungsstaat.</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade für die IG BAU ist diese Frage von zentraler Bedeutung. Deutschland leidet unter einem dramatischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Hunderttausende Sozialwohnungen fehlen. Jahr für Jahr fallen mehr Wohnungen aus der Sozialbindung heraus, als neu gebaut werden. Millionen Menschen sind von steigenden Mieten betroffen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Wenn immer größere Teile des Staatshaushalts für militärische Zwecke verwendet werden, verschärfen sich zwangsläufig die Verteilungskonflikte.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb brauchen wir kein gigantisches Aufrüstungsprogramm, sondern ein gigantisches Investitionsprogramm für sozialen Wohnungsbau. Öffentliche Mittel müssen dort eingesetzt. werden, wo sie den Menschen dauerhaft zugutekommen: beim Bau bezahlbarer Wohnungen, bei der Modernisierung der Infrastruktur, bei Bildung, Gesundheit und sozialer Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Antrag des Bezirksverbandstags der IG BAU Berlin für den Gewerkschaftstag der IG BAU Ende September 2026 bringt diese Forderung auf den Punkt: Öffentlicher Wohnungsbau statt 5 Prozent für Aufrüstung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die IG BAU lehnt die geplante Ausweitung des Militäretats auf 5 % des Bruttoinlandsprodukts ab. Die für militärische Aufrüstung geplanten 600 Milliarden Euro Sonderschulden sollen einer zivilen Verwendung zugeführt werden, vor allem für bezahlbaren Wohnraum mit dauerhafter Sozialbindung. Insbesondere fordert die IG BAU, dass die Bundesregierung in der laufenden und den folgenden Legislaturperioden jeweils ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung stellt, um jährlich den Bau von mindestens 200.000 Wohnungen mit dauerhafter Sozialbindung zu realisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn immer größere Teile des Staatshaushalts für militärische Zwecke verwendet werden, verschärfen sich zwangsläufig die Verteilungskonflikte.</p>



<h5 id="als-gewerkschafterinnen-und-gewerkschafter-sollten-wir-diese-debatte-offensiv-fuehren-fuer-soziale-sicherheit-fuer-gute-arbeit-fuer-bezahlbares-wohnen-und-fuer-eine-gesellschaft-die-ihre-ressourcen-f" class="wp-block-heading">Als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sollten wir diese Debatte offensiv führen – <strong>für soziale Sicherheit, für gute Arbeit, für bezahlbares Wohnen und für eine Gesellschaft, die ihre Ressourcen für das Gemeinwohl statt für die Aufrüstung einsetzt.</strong></h5>



<p class="wp-block-paragraph">Vielen Dank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Titelbild: Peter Vlatten </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erst kaputtsparen, dann privatisieren</title>
		<link>https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/erst-kaputtsparen-dann-privatisieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 12:08:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[0. Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[1. 0. Gewerkschaften]]></category>
		<category><![CDATA[1. 3. Gewerkschaften - Gewerkschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[2. 0. Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[2. 2. Soziale Bewegungen - Daseinsvorsorge]]></category>
		<category><![CDATA[4. 0. Krieg &Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[4. 1. Krieg & Frieden - Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[6. 0. Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[6. 1. Ökonomie - Neoliberalismus BRD]]></category>
		<category><![CDATA[9.9.3.1 Brennpunkt soziale Krise]]></category>
		<category><![CDATA[9.9.7. Berliner Gruppen - Kämpferische Verdi FU]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=70900</guid>

					<description><![CDATA[Hochschulbaugesellschaft soll Sanierung der Berliner Universitäten übernehmen. Beschäftigte und Studierende warnen vor Outsourcing und Dumping bei Arbeitsbedingungen von Moritz Schmöller, Junge Welt 20.5. Weitreichende politische Entscheidungen, die Beschäftigte betreffen, werden ... <a title="Erst kaputtsparen, dann privatisieren" class="read-more" href="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/erst-kaputtsparen-dann-privatisieren/" aria-label="Mehr Informationen über Erst kaputtsparen, dann privatisieren">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 id="hochschulbaugesellschaft-soll-sanierung-der-berliner-universitaeten-uebernehmen-beschaeftigte-und-studierende-warnen-vor-outsourcing-und-dumping-bei-arbeitsbedingungen" class="wp-block-heading">Hochschulbaugesellschaft soll Sanierung der Berliner Universitäten übernehmen. Beschäftigte und Studierende warnen vor Outsourcing und Dumping bei Arbeitsbedingungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.jungewelt.de/autor/1282" data-type="link" data-id="https://www.jungewelt.de/autor/1282">von Moritz Schmöller, </a><a href="https://www.jungewelt.de/artikel/522844.hochschulbaugesellschaft-berlin-erst-kaputtsparen-dann-privatisieren.html" data-type="link" data-id="https://www.jungewelt.de/artikel/522844.hochschulbaugesellschaft-berlin-erst-kaputtsparen-dann-privatisieren.html"> Junge Welt 20.5.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitreichende politische Entscheidungen, die Beschäftigte betreffen, werden oft noch Jahrzehnte später diskutiert. Im Zusammenhang mit den Ausgliederungen bei der Charité Facility Management oder Vivantes gibt es bis heute politische Schuldzuweisungen; kaum eine Berliner Partei will die Verantwortung dafür getragen haben. Die Folgen gelten inzwischen selbst im etablierten Politikbetrieb als abschreckendes Beispiel. Mit der geplanten Berliner Hochschulbaugesellschaft (HBG) lässt sich nun nahezu in Echtzeit die Dramaturgie einer solchen Ausgliederung beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Hochschulbaugesellschaft soll künftig Neubau, Sanierung und Instandhaltung der landeseigenen Berliner Hochschulgebäude übernehmen. Der Entwurf für das Berliner Hochschulbaugesellschaftsgesetz (BHGG), das dafür die rechtliche Grundlage schaffen soll, wurde am Montag mittag im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses mit den Stimmen von CDU und SPD beschlossen. Linke und AfD stimmten dagegen, die Grünen enthielten sich. Der Gesetzentwurf wurde an den Hauptausschuss überwiesen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="250" src="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/jwbannerdeliver.png" alt="" class="wp-image-70905"/></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Nachdem am Montag morgen noch rund 800 Beschäftigte vor dem Abgeordnetenhaus gegen die HBG demonstriert und an den Ausschuss appelliert hatten, den Gesetzentwurf abzulehnen, lief der parlamentarische Prozess damit bereits weiter. Die Protestierenden befürchten eine schleichende Privatisierung der Hochschulbaus und langfristig auch weiterer Arbeitsbereiche an den Berliner Hochschulen, weil der HBG ermöglicht werden soll, Tochterunternehmen zu gründen und Aufgaben an private Dritte auszulagern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgerufen zur Kundgebung hatten nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Hochschulleitungen. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Im Aufruf des Präsidiums der Freien Universität, der <em>jW</em> vorliegt, fehlte jede Kritik an möglichen Ausgliederungen oder der Gefahr weiterer Tochterfirmen. Moniert wurden vor allem die drohende Zentralisierung des Gebäude- und Liegenschaftsmanagements, fehlende Mitsprache der Hochschulen, ungeklärte Finanzierungsrisiken durch das Mietmodell sowie unrealistische Vorgaben zur Flächenreduzierung. Zudem lief die politische Vorbereitung der HBG parallel zu den Auseinandersetzungen um die gekürzten Hochschulverträge und somit unterm Radar der Beschäftigten. Ein Zeitplan des HBG-Lenkungskreises, der dieser Zeitung vorliegt, belegt, dass die Hochschulen bereits vom 6. bis 20. Februar 2026 direkt in die Vorbereitung des Gesetzgebungsprozesses eingebunden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Personalrat und Vorstandsmitglied der Verdi-Betriebsgruppe der Berliner Hochschule für Technik machte auf der Kundgebung deutlich, worum es aus Sicht vieler Beschäftigter tatsächlich geht: »Wir reden nicht über ein Bauprogramm, sondern über knallharte Privatisierung.« Die HBG arbeite nach einem Mieter-Vermieter-Modell. Die Hochschulen würden künftig Mieten an die Gesellschaft zahlen, während diese Kredite aufnehme und die Gebäude verwalte. »Das geschützte Kapital gehört dann der HBG – das heißt der Bank.«</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-70915" style="aspect-ratio:1.4992535917055188;width:411px;height:auto" srcset="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280-1024x683.jpg 1024w, https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280-300x200.jpg 300w, https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280-768x512.jpg 768w, https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280-1536x1024.jpg 1536w, https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280-1320x880.jpg 1320w, https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/05/1000102280.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">FU-Kollegen (&#8222;FU-Beschäftigte für eine kämpferische Gewerkschaft&#8220;) gestern vorm Abgeordnetenhaus, mit GEW- und ver.di-Fahne machten deutlich um was es geht: &#8222;<a href="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/sozialkahlschlag-fuer-grossmachtziele/">Sozialkahlschlag  für Grossmachtziele</a>&#8222;! </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Eine Verdi-Vertrauensperson und Beschäftigte der FU sprach von einem Vorgehen »nach Privatisierungslehrbuch des Berliner Senats«: Erst würden Finanzmittel gekürzt und Infrastruktur gezielt dem Verfall preisgegeben, anschließend werde eine angeblich alternativlose Strukturreform präsentiert. Gerade dieser jahrelange Verfall habe inzwischen konkrete Folgen für die Sicherheit an den Hochschulen. Universitäten seien eben nicht bloß Bürogebäude: Marode technische Infrastruktur, unzureichend gewartete Anlagen und nicht instandgehaltene Labore könnten erhebliche Risiken für Beschäftigte und Studierende mit sich bringen. Dass die SPD einmal Arbeiterpartei gewesen sei, kenne er nur noch aus Erzählungen. Viele Kolleginnen und Kollegen seien dem Demonstrationsaufruf gar nicht erst gefolgt, weil sie seit Jahren das Vertrauen in politisch handelnde Akteure verloren hätten. Er könne ihnen das nicht übelnehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessenvertreter der Beschäftigten kennen eigenen Angaben zufolge bis heute – also rund einen Monat vor der geplanten Beschlussfassung des Gesetzes im Abgeordnetenhaus – nicht einmal den Wirtschaftsplan der HBG, hieß es in Gesprächen mit <em>jW.</em> Gerade daraus ließen sich jedoch mögliche Auswirkungen auf die Beschäftigten ableiten. Denn ein solcher Wirtschaftsplan enthält Annahmen über Kreditaufnahme, Mietzahlungen, Sanierungsvolumen, Flächenentwicklung, Personalstruktur und Wirtschaftlichkeitsziele. Beschäftigte befürchten, dass daraus künftig Druck auf Personalkosten, Arbeitsverdichtung, Zentralisierung und Outsourcing entstehen könnten. Selbst die Frage, welche Tarifverträge in der HBG gelten würden, sei bislang nicht geklärt, kritisierte Jana Seppelt, zuständige Landesfachbereichsleiterin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswirkungen betreffen keineswegs nur technische Beschäftigte. »Das Gesetz betrifft alle – auch die Studierenden«, hieß es auf der Kundgebung. Tatsächlich könnte das Modell langfristig Einfluss auf Flächennutzung, Arbeitsorganisation und Investitionsentscheidungen an sämtlichen Berliner Hochschulen haben. Durch die geplante Flächenreduzierung geraten auch Freiräume der Studierenden zunehmend unter Druck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss der Kundgebung stimmte eine Studierende von der Bühne gemeinsam mit den Demonstrierenden die Parole an: »Bei der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix.« Kollegen der Initiative »FU-Beschäftigte für eine kämpferische Gewerkschaft« hielten ein Transparent mit der Aufschrift »Nein zu Kürzungs- und Kriegshaushalten« hoch, um eben diesen Zusammenhang deutlich zu machen, der von den Organisatoren der Kundgebung selbst allerdings kaum thematisiert wurde. Verdi kündigte unterdessen eine weitere Informations- und Diskussionsveranstaltung zur HBG am 3. Juni an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Beitrag wurde  am 20.Mai bei <a href="https://www.jungewelt.de/artikel/522844.hochschulbaugesellschaft-berlin-erst-kaputtsparen-dann-privatisieren.html" data-type="link" data-id="https://www.jungewelt.de/artikel/522844.hochschulbaugesellschaft-berlin-erst-kaputtsparen-dann-privatisieren.html">Junge Welt</a>  publiziert. Wir danken für das Publikatiosnrecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.jungewelt.de/maigalerie/470656.%C3%BCber-uns.html" data-type="link" data-id="https://www.jungewelt.de/maigalerie/470656.%C3%BCber-uns.html">Wer ist junge Welt?</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Titelbild: Peter Vlatten, Foto: FU Verdi </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bundesrepublik Sparta</title>
		<link>https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/bundesrepublik-sparta/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 09:15:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[0. Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[4. 1. Krieg & Frieden - Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[4. 2. Krieg & Frieden - Friedensbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[4. 3. Krieg & Frieden - Konfliktherde Europa]]></category>
		<category><![CDATA[4. 4. Krieg & frieden - Konfliktherde Welt]]></category>
		<category><![CDATA[5. 0. Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[5. 2. Gesellschaft - Staatsgewalt]]></category>
		<category><![CDATA[6. 0. Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[6. 1. Ökonomie - Neoliberalismus BRD]]></category>
		<category><![CDATA[9.9.2. Brennpunkt Kriegsgefahr, Kriegseskalation]]></category>
		<category><![CDATA[9.9.9. Berliner Gruppen - Waffen-Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=70610</guid>

					<description><![CDATA[Das Konzept einer eigenständigen imperialistischen europäischen Großmacht unter deutscher Führung gewinnt kräftig an Konturen. Den Worten folgen Taten. Wer eins und eins zusammenzählt erkennt, dass &#8222;kriegstüchtig&#8220; letztlich &#8222;angriffstüchtig&#8220; bedeutet und ... <a title="Bundesrepublik Sparta" class="read-more" href="https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/bundesrepublik-sparta/" aria-label="Mehr Informationen über Bundesrepublik Sparta">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Konzept einer eigenständigen imperialistischen europäischen Großmacht unter deutscher Führung gewinnt kräftig an Konturen. Den Worten folgen Taten. Wer eins und eins zusammenzählt erkennt, dass &#8222;kriegstüchtig&#8220; letztlich &#8222;angriffstüchtig&#8220; bedeutet und uns alle in eine neue Gefahrenzone hievt. Die Hauptverantwortlichen dafür sitzen hier, im eigenen Land, und nirgends sonst. (Peter Vlatten)</em></p>



<h4 id="bundesrepublik-sparta" class="wp-block-heading">Bundesrepublik Sparta </h4>



<p class="wp-block-paragraph">12.05.26&nbsp;&#8211; Berlin &#8211;&nbsp;<a href="https://www.pressenza.com/de/author/german-foreign-policy-com/">GERMAN-FOREIGN-POLICY.com</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutsche Rüstungsstrategen legen ein Konzeptpapier für eine von den USA unabhängige Hochrüstung vor („Sparta 2.0“). Kosten: 500 Milliarden Euro. „Weitgehende Autonomie“ sei in fünf bis zehn Jahren zu erreichen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutsche Rüstungsstrategen legen unter dem Titel „Sparta 2.0“ ein Konzeptpapier für eine von den USA unabhängige Aufrüstung Deutschlands und Europas vor. Wie die Autoren des Papiers konstatieren, ist aktuell „kein europäischer Kampfeinsatz“ ohne „Software oder Systeme“ aus den Vereinigten Staaten sowie die entsprechende Freigabe durch Washington denkbar. Aus der Abhängigkeit könnten die europäischen Staaten aber in wenigen Jahren entkommen, heißt es in dem Papier; erforderlich seien neben dem politischen Willen Mittel im Wert von 500 Milliarden Euro im ersten Jahrzehnt. Das sei finanzierbar, urteilen die Autoren. Sie identifizieren insbesondere zehn „Fähigkeitslücken“, darunter einige wie etwa die Massenproduktion von Drohnen und der Aufbau von Satellitenkonstellationen, an denen deutsche Unternehmen bereits arbeiten. Der Weg zur „Verteidigungsautonomie“ Europas gehe über „den Einsatz der finanziellen und industriellen Ressourcen Deutschlands“, stellen die Autoren fest. Sie verkörpern die immer engere Verflechtung der deutschen Politik sowie ihrer Denkfabriken mit Rüstungsunternehmen. Besonders intensive Verquickungen bestehen zur boomenden Drohnenindustrie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sparta 2.0</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das neue „Sparta 2.0“-Papier, das sich erklärtermaßen an „deutsche und europäische Entscheidungsträger“ richtet, diagnostiziert zunächst schwerwiegende Mängel im Stand der Aufrüstung in Deutschland und Europa. Obwohl die europäischen Staaten inzwischen Mittel im Wert von 60 Prozent des US-Militärhaushalts in ihre Streitkräfte steckten, blieben sie „militärisch auf allen Ebenen“ von den Vereinigten Staaten abhängig, heißt es in dem Papier. Dabei durchziehe die Abhängigkeit „nicht nur einzelne Waffensysteme, sondern letztlich die gesamte Wirkkette – von der satellitengestützten Aufklärung über die Feuerleitung bis zum Gefechtsfeld“.[1] Trocken urteilen die Autoren: „Kein europäischer Kampfeinsatz ist aktuell ohne Freigabe, Software oder Systeme“ der USA denkbar. Ohne wirkliche „Kursänderung“ werde in den kommenden Jahren „das Missverhältnis zwischen dem finanziellen Input Europas und den militärischen Fähigkeiten weiter zunehmen“. Eine „Kursänderung“ aber sei durchaus möglich. Europa habe „mit dem zweithöchsten Verteidigungsbudget weltweit und einer wettbewerbsfähigen Industrie- und Technologiebasis“ alle nötigen Voraussetzungen dafür. Man müsse die Erreichung rüstungsindustrieller Eigenständigkeit als Europas „Manhattan Project“ begreifen.[2]</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fähigkeitslücken</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sparta 2.0“ listet zehn „strategische Fähigkeitslücken“ auf, in denen „die Abhängigkeiten Europas kritisch“ seien; sie durch die Entwicklung deutscher bzw. europäischer Fähigkeiten zu füllen sei eine „strategische Notwendigkeit“. In mehreren Fällen sind besonders deutsche Rüstungskonzerne bereits mit einschlägigen Anstrengungen befasst. Das gilt zum Beispiel für „skalierte autonome Systeme“ – die Massenproduktion von Drohnen jeglicher Art [3] – und für die „Luftverteidigung“ [4]. Auch am „Aufbau einer europäischen Satellitenkonstellation“ [5] und an der Produktion „kleine[r] und mittlere[r] Trägerraketen“ für den Transport von Satelliten ins Weltall [6] arbeiten deutsche Unternehmen bereits. Entwicklung und Fertigung „weitreichender Präzisionswaffen“ sind in multinationaler Kooperation angestoßen worden [7]. Anderes fehlt noch, etwa der Aufbau „eines resilienten Führungs- und Kontrollsystems“ und der Aufbau „einer souveränen europäischen Daten- und KI-Infrastruktur“. Die Autoren des Papiers halten fest, dass neben den zehn „Fähigkeitslücken“ noch weitere „Engpässe“ bestehen, etwa „Munitionsknappheit“ oder Probleme in der Sanitätslogistik. Diese müssten im bestehenden Rahmen der Streitkräfte beziehungsweise der Rüstungsindustrie Europas gelöst werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kern der Militärmacht Europa</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Konkrete Angaben macht „Sparta 2.0“ zum zeitlichen und zum finanziellen Rahmen. So sei „substanzieller Fortschritt hin zu eigenständiger europäischer Handlungsfähigkeit“ in drei bis fünf Jahren realistisch. „Weitgehende Autonomie“ könne man „in den meisten Bereichen“ in fünf bis zehn Jahren erreichen. Die Kosten beziffern die Autoren auf 150 bis 200 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030; im gesamten Jahrzehnt bis zur Erreichung weitgehender Autonomie würden rund 500 Milliarden Euro benötigt. Das seien rund 50 Milliarden Euro pro Jahr. Für die Staaten der EU plus Großbritannien und Norwegen gehe es damit um gut 0,25 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung: Das sei finanzierbar. Vorgehen solle man dabei in einer „Coalition of the Willing“ – in der Praxis „mit den Staaten Mittelosteuropas und Skandinaviens sowie mit den klassischen Partnern in Westeuropa und Großbritannien“. Das Papier berücksichtigt explizit die Tatsache, dass die Bundesrepublik ihr Militärbudget weitaus stärker aufstockt als die anderen Staaten Europas – auf 150, laut Angaben von „Sparta 2.0“ sogar 160 Milliarden Euro. Deshalb führe „der Weg zu europäischer Verteidigungsautonomie“ auch „zwangsläufig über den den Einsatz der finanziellen und industriellen Ressourcen Deutschlands“. Die Bundesrepublik wird damit zum Kern einer künftigen Militärmacht Europa.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verflochten mit der Rüstungsindustrie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vier der fünf Verfasser des Konzepts „Sparta 2.0“ haben bereits im März 2025 ein Papier publiziert, in dem sie in ähnlicher Weise eine eigenständige deutsch-europäische Aufrüstung forderten – mit dem Ziel, von den Vereinigten Staaten unabhängig zu werden. An ihnen lässt sich die zunehmende Verflechtung staatlicher Stellen und führender Denkfabriken mit der Rüstungsindustrie ablesen. Thomas Enders etwa, Major der Reserve, war lange Zeit Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Airbus, bevor er im Jahr 2019 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) wurde. René Obermann wiederum, Ex-Telekom-Chef, ist zur Zeit Airbus-Verwaltungsratschef und soll im nächsten Jahr Aufsichtsratschef des Softwarekonzerns SAP werden, der seit Februar einen Defense Innovation Hub in München unterhält. Jeanette zu Fürstenberg, Startup-Investorin, ist Europachefin der Silicon Valley-Risikokapitalfirma General Catalyst. Moritz Schularick amtiert als Präsident des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). Neu zu den Autoren gestoßen ist Nico Lange, Senior Fellow der Münchner Sicherheitskonferenz. Lange, Obermann und Schularick bilden gemeinsam mit Generalleutnant a.D. Jürgen-Joachim von Sandrart einen eigens gegründeten Beraterkreis im Bundeswirtschaftsministerium für den Hochlauf der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutschlands Startup Nr. 1</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei der fünf Autoren sind zudem unmittelbar mit der im Aufbau begriffenen deutschen Drohnenindustrie verquickt: Fürstenberg gehörte zu den ersten Investoren der im Jahr 2021 gegründeten Drohnenfirma Helsing, in deren Aufsichtsrat seit 2022 Enders vertreten ist. Einer der drei Gründer von Helsing, Gundbert Scherf, war 2014 als Mitarbeiter der Beratungsfirma McKinsey ins Bundesverteidigungsministerium entsandt worden, wo er bis 2016 unter Ministerin Ursula von der Leyen als Beauftragter Strategische Steuerung Rüstung tätig war. Mit den McKinsey-Seilschaften, die damals sehr aktiv waren, befasste sich später ein Untersuchungsausschuss des Bundestags.[8] Helsing hat unlängst – neben Stark Defence – den Auftrag zur Fertigung von Drohnen für die Bundeswehr im Wert von zunächst 270 Millionen Euro erhalten; der Auftrag kann später auf 1,5 Milliarden Euro erhöht werden.[9] Helsing ist unter anderem auch mit der Entwicklung des ersten unbemannten Kampfjets aus deutscher Produktion befasst. In Kürze will das Startup eine neue Finanzierungsrunde mit Neuinvestitionen von 1,2 Milliarden Euro durchführen, mehr als sämtliche anderen Startups aus der Bundesrepublik. Helsing würde dadurch zum mit 18 Milliarden Euro wertvollsten deutschen Startup überhaupt.[10]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir danken für das Publikationsrecht. Der <a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10399">Beitrag ist am 7.Mai 2026 bei German Foreign Policy </a>erschienen</p>



<p class="wp-block-paragraph">TITELBILD: Collage Peter Vlatten </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
